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Central-Verein-Zeitung · 1928-06-22 · 25 (22.6.1928) · p. Seite 355

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
25 (22.6.1928)
Date
1928-06-22
Page
Seite 355 (sequence 3)
Language
German
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355 tat, hangend am Begriff der Gerechtigkeit, der gegen den deutschen Begriff der Milde gestellt wird. Deshalb sind die Juden nach Stapels Versicherung im tiefsten Herzensgrund antideutsch, Träger des Anti-Germanismus, erfüllt von einer haßvollen und ironischen Vernichtung crllen deutschen Wesens. Beweise, die an dieser Stelle besonders notwendig wären, fehlen wieder. Hingegen wird von dem jüdischen Geltungstrieb und Anschlußbedürfnis gesprochen, das, sofern man es überhaupt zugeben will, ganz andere Gründe hat als die ihm von Stapel unterschobenen. Und die Praktische Konsequenz? Soll man nun Prügeln? Man kann sich Radikalkuren ausdenken, aber wie wären sie praktisch möglich, antwortet Stapel, dem andere Einwände gegen solche Methoden offenbar nicht kommen, mit melancholischer Resignation. Dann aber folgt wieder einer feiner geliebten Dunkelsätze: die geschichtliche Situation hat noch keinen Kairos zur Lösung geboten. Das einzige, was man inzwischen tun kann, ist Distanzwahrung, in welche Forderung das Buch ausklingt. Nicht den Ausncchmeparagraphen, woh! aber die'seelische Wüste soll man zwischen sich und den Juden legen. Man kritisiert dieses Werk am besten, wenn man seinen Autor so umfangreich zu Worte kommen läßt, wie wir es taten. Zusätze sind dann kaum noch vonnöten. Was nach der Lektüre bleibt, ist nichts als ein unerfreulicher Nachgeschmack. Für den Juden mag es einen gewissen Trost bedeuten, für uns Nichtjuden bleibt neben dem Gelächter eine schmerzliche Scham: Dies ist nun der beste Fechter, der für den „Germanismus" auf den Plan tritt. Wenn irgend etwas geeignet wäre, in jüdischen Kreisen jenen Anti-Germanismus zu erzeugen, der bisher nur in der Stapelschen Phantasiewelt herumspukt, so ist es diese Sorte von Antisemiten, von denen wir den Antisemitismus verachtenden Nichtjuden mit aller Deutlichkeit abrücken, und die wir nur auf das dringendste ersuchen können, uns bei künftigen Schreibereien nicht mehr in ihr „Wir" einzubeziehen. Parlamentspremiere. Die dieAÄwnalfozlalisier! „parlamentarische Arbeit" Massen. Die Reichs- und Landtagsabgeordneten der N. S. A. P. D. stellten sich nach der Reichstagseröffnung den Berlinern vor. Tie -Kundgebung im K r i e g e r v e r e i n s h a u § . inmitten eines ausgesprochenen Arbeiterviertels, war von säst 2 0 0 0 Personen besucht, die Saal und Tribüne über und über füllten. Ter Erfolg ift um fo höher cinzuschätzen, als die „Berer" sich geweigert hatte, zu dieser Kundgebung durch ein Plakat emladen zu lassen, davor judenbetzerischen Änpöbeleien strotzte. Diese Kundgebung war uns nicht nur deshalb besuchenswert, weil wir uns überzeugen konnten, daß auch nach den Wahlen die Nationalsozialistische Arbeiterpartei ihre Aktivität in stärkstem. Maste fortzusetzen gewillt ist, sondern vor allem deshalb, weil wir aus dem Munde -er nationalsozialistischen Reichs- und Laudtagsabgeordrreterr erfahren konnten, was denn nun eigentlich von ihnen sn „Arbeit" in den Parlamenten geleistet werden würde, um das schwere Los der Acr rüsten und Armen zu erleichterrr. Der Stuttgarter Ortsgruppenführer und Reichstagsabgeordneter Wilhelm Dreher beginnt seine Rede: „Als ich heute, parlamentarisch noch ungebildet und unbeschnitten, über die Teppiche der Republik hinwegschritt und dann die wohlbeleibten Borgen aller Parteischattierungen in ihre ^enel rutschen sah, sagte ich mir: Da bist du in eine schöne Gesellschaft geraten. Das Würdevollste cm der ganzen Gesellschaft waren die Portiers."' Ganz Würde war auch der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Heinz Haake, die rechte Hand des Herrn Goebbels, als er mit Wohlbehagen berichtete, daß es den Nationalsozialisten gar nicht eingefallen wäre, den im Landtag neben ihnen sitzenden christlichnationalen Dauernparteiler gegen die Prügeleien der Kommunisten zu schützen. „Wir haben keine Veranlassung, dem feigen Bürgertum die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Sollte sich aber jeinand an einem von uns vergreifen wollen, dann werden wir dielen schüfen — und wenn das gärige Inventar des „hohen Hauses" dabei in Trümmer geht/ Der Landtagsabgeordnete Karl Kerrl (Peine) vergleicht das Parlament mit Hagenbecks Tierschau. Er habe es sich schlimm vorgestellt. aber so einen ..Afseustall" doch nicht erwartet. Wie die Nationalsozialisten zu arbeiten gedenken, geht au§ dem Thema der Kundgebung „Gegen den demokratischen P a r l a m e n t s u n s u g" deutlich hervor. Gottftied F e d e r betrachtet es als Hauptaufgabe der N. S. A. P. T., Macht zu erringen. „Sind wir eine Macht geworden — und wir sind auf dem Wege dazu —, dann werden wir den Götzen Mammon von seinem Thron herunterholen.' Reichstagsabgeordneter Dr. Wilhelm F r i ck glaubt, daß die neue Koalitionsregierung die Saat der N. S. 2l. P. D. weiter QUfgchcn lassen werde. „Der Nationalsozialismus ift tot, hicsz es vor den Wahlen. Es lebe der Nationalsozialismus, dürfen wir heute auörufcn. Wir sind keine Splitterpartei wehr, es hat sich arrsgcsplittcrt.^ Also Haß und Kamps gegen das Parlament, in das m a n f i cf) h a t w ähle n lasse n. Machterringung außerhalb des Parlamentarismus. Oder wie Landtagsabgeordneter Karl Kaufmann aus dem Ruhrgebiet sich ausgedrückt hat: „Nufer Kampf gegen ö r e jetziger: Verhältnisse w i r d nicht v o n der Tribüne dieser S ch w a tz b u d e g e f ü h r t w e r d c uT Dnrch wüsten Terror i m La n d t a g w i l l man bie Aufhebung des Redeverbots für Hitler in P r e n ß e n kr zw in gen. Landtagsabgeordneter Haake sagte wörtlich: „Jeden Tag werden wir in: Landtag einen Antrag auf Redefreiheit für Hitler stellen. Solange diesem nicht stattgegeben wird, bleiben wir in der Obstruktion. Wird ihm stattgegeben, dann gehen wir in die Opposition und dann haben gewisse Leute erst recht nichts zu lachen." Man kann überzeugt sein, daß das Präsidium des Preußischen Landtags mit dem Sechsmännerkollegium oer Nationalsozialisten sehr bald kurzen Prozeß machen wird. Ter Verlust der Freifahrt erster Klasse und der Diäten wird auch hier Wunder tun. Tie Führung im Reichstag dürste Herr Dr. Goebbels übernehmen. der bescheiden, wie immer, ln seinem „Angriff" schreibt: „Wenn es nicht noch Nationalsozialisten gäbe, wäre die parlamentarische Stickluft nicht mehr zu ertragen. Aber, Gott sei Dank, es gibt noch Nationalsozialisten, und sie sind gefürchtet in denSchwatzbuden wie die HechtermKarpfenteich." Wir wissen, daß die Nationalsozialisten im Reichstag allerlei Vorhaben, wenn die neue Regierung sich dem Reichspcrrlament verstellen wird. Wir wissen weiter, daß man jede paffende und unpaffende Gelegenheit zu radauantisemitischen Zwischenfällen benutzen wird. Der Reichstag ist 'daran, die Geschäftsordnung zu ändern, um die Würde des Parlaments unter allen Umstanden zu rvahren. Ein Blick in den „Angriff" genügt, um zu erkennen, daß diese Geschäftsordnung eine „Lex Goebbels“ sein wird. Artnr Schweriner. '4 EIN W ELTERFOLG! Soeben erschien m a ie 3L n SEIN LEBEN von ANDlt MÄUKOSS Deutsch von Erich Klossowski. Mit 8 Bildtafeln Geheftet 7 RM, in Ganzleinen 10 RJSI Zum erstenmal ist es einem Biographen gelungen, auch den ganzen menschlichen Reichtum dieser abenteuerlich schimmernden und leuchtenden Persönlichkeit einzufangen, in einer Darstellung so voll Spannung und Bewegtheit, so voller Zartheit und Anmut, daß sie den Laser nicht eher losläßt, als bis mit dem letzten Worte auch das Leben des Helden in die Ewigkeit verhaucht. S.FISCHER VERLAG*BERLIN t ( r I I

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