Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 25 (22.6.1928)
- Date
- 1928-06-22
- Page
- Seite 354 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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354 Weisen von Zion, Urväterhausrar des ältesten Annsemi::-- mus, wird aufgetischt, auch wieder in diesem jede ^leugn 11:13 ofsenlaffenden Stil: man braucht r.ichr an einen „jüdischen General stab"'und an die berühmten „Dreihundert" zn glauben, aber gewiß wird es unter den Juden greife geben, die derartiges erstreben, denn im menschlichen Her;en^ regen yd) wundersame Dinge, und die Geschichte hat zuweibrn. die seltsamsten Dinge gereist (S. 104), wie Smpel bedeunaur^und geheimnisvoll hinzusctzt. Und denn folgt der rralclhaüe Satz: „Es ist alles das möglich, wozu der Boden rereir ist." (Ein Satz, den manmncht schlecht auf den Versager selbst auwenden könnte.) eevas aber ist nun die praktische Newanwendung für den Lesers Gibt es die Weisen non Zion oder nicht'? Als vorsichtiger Mann, wird man nach Stachels Orakeleien an ihre Existenz glauben. Denn es gibt eine jüdische Einheitsfront, so wird weiter ausgesührn die sich vom konservativen Juden Hinsicht bis zum atheistischen marxistischen Revolutionär, und die sich quer durch alle Völker erstreckt. Freilich gehen die Bestrebungen auch gegeneinander, denn, so wird sogleich zur Abschwächung hinzugesetzt, die Front ist unendlich mannigfaltig. In der Tat eine seltsame Kampsessront, wo man auch gegeneinander agiert. Charakteristisch für den Antisemitismus dieser Sorte ist die Unbekümmertheit um jede Beweisführung. Die gleiche Behauptung, mag sie noch so unsinnig ''ein, fortwährend wiederholen, ist mindestens so gut, als den Beweis erbringen. Wenn die Stelle kommt, die ausgestellten Behauptungen mit Tatsachen zu belegen, dann entschlüpft Stapel der stereotype Verlegenheirs'atz, daß es der Art dieser Schrift widersprechen würde, einzelne Beispiele zu häufen. Eder aber, er flüchtet ins Geheimnis, indem er verkündet, daß die vorgetragenen Zusammenhänge nur zu erfassen seien von solchen, welche Wirklichkeiten als Wirklichkeiten zu erkennen und von Begriffswesen zu unterscheiden vermögen. Wer kein lebhaftes Jnstinktleben führt, wer nicht empfindlich ist für derartige Unterschiede, der ist von vornherein untauglich zur Erörterung solcher Fragen. (S. 69.) Wer die Fremdarrigkeit oder die Gleichartigkeit nicht erfühlt, wird sie nicht erjagem (S. 74.) „Man muß sich ganz auf seine Jnstinktsicherheit verlassen. Wie ein äsendes Tier gewisie Kräuter nicht anrührt, so rühre ich gewisie Juden nicht an", bekennt Stapel an späterer Stelle. Diese Art von Beweisführung ist seit Spengler in Mode gekommen. Wenn man die Behauptungen nicht glauben und einsehen kann, so liegt es nicht an dem, der sie aufstellt, sondern lediglich an der Unzulänglichkeit des anderen. Das ist eine bequeme Beweisführung, weil man damit jeder näheren Berveislast enthoben ist. Damit schließlich auch die Pose und das Rührungsschmalz nicht fehlen, gesteht Stapel, zu wipen, er werde mir dem Aussprechen der Wahrheit stille und auch laute Verfolgung auf sich ziehen. Dahinter steht unsichtbar die heroische Luther- Geste: Hier stehe ich, ich kann nicht anders! Ist nicht auch hier die Rolle des Verfolgers und des Verfolgten in einer seltsamen und komisch amnutenden Weise vertarckcht? Auf Seite 25 finde! sich der lapidare Sah: „Das Judentum darf kein Freibrief für Unverschämtheiten sein." Für wieviel halt- .lose Verdächtigungen,- schmähende Entstellungen und widersinnige Behauptungen eine gewisie Art Bötkischer ihren Gennanismus als Freibrief benutzt, dafür biete: Stapels Schrift cim anschauliche Illustration. ' Was aber bleibt nun nach all diesen Abzügen und Entgleisungen der positive Kern des Luches? Seine sozialphilosophische Grundlage ist die plumpe, von der modernen Soziologie hundertfach widerlegte Organismustheone. Stapel kennt nur die mechanistische Atomtheorie des vorsoziologischen Individualismus: Menschheit ist eine Summe Wn Individuen,^ und die nebulöse Lehre der Orgamziften: Volk ist ein Lebetvefen, ein Organismus höherer Art, der in den Individuen immer nur erscheint. Daß die moderne Soziologie zwischen diesen extremen Pseudotheorien langst ihren Weg bahnte, ist Stapel als einem Anhänger der organizistischen "Lehre offenbar unbekannt geblieben. Weil aber der Jude nicht zum Organismus des deutschen Volkes gehört, ist er?ür Stapel niemals ein Zugehöriger im vollen «sin ne, wohl ein Staatsbürger, aber kein Volksgenosse. Im tiefsten Wesensgrund ewig von uns geschieden, unerkennbar für -den deutschen Menschen, wie auch der deutsche Mensch unerkennbar für ihn isü Das Naturernpsinden und das Kunsterlebnis des Juden („Wie kann ein Jude den .Grünen Heinrich'vom Innersten heraus verstehen?^ S. 20), sein Haß und seine Liebe sind anderer"Art. Wie Stapel das wissen kann, wo doch nach seiner Ansicht feine Brücke herüber und hinüber führt, bleibt sein Geheimnis. Auch hier hat wiederum Spengler aus ihn ab gefärbt, der auch das radikale Für-sich-Sein eines jeden Kulturkreists behauptet und der dennoch eine Psychologische Doutung für jede Kuiturzone gibt, die per ckekinitionem unmöglich ist. Nicht einmal die Sprache hat der I u d e n; it de ni D eutsche n ge m e i n s a m ober d 0 ch n u r i n e i n e :n s e h r 0 be r s l ä ch I i dj e n Sinne, tu 0 h l die M i t t e i! il n g s s p r a ch e, aber nicht die A u s - drucks spräche. Diese Behauptung wird doziert an dem dafür sicher besonders unbrauchbaren Beispiel, an Heines „Loreley", die dein gleichnamigen Gedicht von Eichendorff g'egenüöergestellt wird. Dort germanisches Naturgefühl und Tarinnenstehen, hier nichts als Sentimentalität eines jüdischen Intellektuellen, der draußen steht. Etwas Spitzes, scharfes, fast Heiseres ist der Sprache Heines eigen (ausgerechnet diesem so weichen Versgefüge!), die typisch jüdische Häufung von Gutturallauten. ,„Jch weiß nicht, was' soll es bedeuten" — sofort fahren uns, wie Stapel versichert, die Worte unter die Arme und zwingen uns zu einem Zucken der Achseln, während die Handflächen auseinandcrgehen, die „charakteristisch jüdische Geste", was freilich nur erkennen wird, wer motorisch begabt ist. Das ist ein h ä ß li eher und direkt gemeine r Satz, der in uns nur die Scham für den weckt, der ihn niederschrieb. Warum dennoch gerade dem Heineschen Lied die große Volkstümlichkeit zusiel, bleibt unbeantwortet. Oder hat auch hier jüdische Schiebung ihre Hand im Spiel gehabt? Je mehr dieses unerfreuliche Buch seinem Ende entgegengeht, desto deutlicher klingt, die kulturologische Betrachtung übertönend, die Politische Note an. Der Deutsche ist mit dem Wohl und Wehe des Deutschtums unlösbar verkoppelt. Nicht aber nach Stapels Meinung der Jude, der im deutschen Volk nur zeltet. Es wird freilich zugegeben, daß diese Zeltgenosienschast vielfach seit der Römerzeit dauert. Ob nicht inzwischen ans dem Zelt ein soliderer Bau geworden sein dürfte? Der Jude kann flüchten, er bleibt innerlich frei. Ter Jude will das Vorrecht genießen, zwei Völkern anzugehören, wovon das eine freilich nur als Religionsgesellschaft gilt, wie Stapel hinznsetzt, ohne zu bemerken, daß er damit seine ganze Logik preisgibt. Es geht aber nicht, ein Volkstum wie eine Dereinsmitgliedschast auszuwechseln. Es läge nahe, die Gegenfrage aufzuwerfen, ob denn eine zweizweitausendjährige Zusammengehörigkeit von Volksteilen einfach auseinandergerissen werden kann. Aber solche Fragen stellt wohl nur, wer aus flemdem Instinkt falsch erfühlt! Ans dieser Basis erhebt Stapel gegen die Juden seine politischen Vorwürfe. Ihnen erscheine nur ein Wahlrecht gerecht, das ihnen den größtmöglichen Einfluß gewährt, weshalb die Juden für detnokratisch-parlamentarische^Regierrmgsmethoden einträten. Ja, beim Himmel, sollen sie sür ein Wahlrecht agitieren, das den Juden ausschließt? Ihre Hauptsünden aus dem politischen Gebiet sind nach Stapel Eintreten für Menschlichkeit des Strafvollzugs, für Weltlichkeit der Schule und für Freiheit in der Kunst, immerhin keine Todsünden, wie man zugeben wird. Gänzlich unbrauchbar sind sie in der auswärtigen Volitik wegen der Jnternationalität ihrer Beziehungen. Als Beweis erzählt Stapel unter wohlweiÄicher Verschweigung der Namen von einem jüdischen Redakteur eines Budapester Blattes, der mit einem Londoner Redakteur verwandt ist. Der erste machte in der.Kriegszeit die Politik der Mttelmächte, der andere die Politik der Entente. Wie aber konnten sie dies aus ehrlichem Herzen von wegen der Verwandtschaft? Stapel vergißt, daß u. a. zwischen dem deutschen Kaiser und dem König von England ebenfalls verwandtschaftliche Beziehungen bestanden, daß es daneben auch sehr weitgehende internationale Beziehungen in der fast judenreinen Schwerindustrie gibt, desgleichen im Großhandel, imReedereiwesen usw. Tie Existenz von internationalen Trustgebilden scheint Stapel ebenfalls bis heute unbekannt geblieben zu sein. Das Schlimmste aber, was man den Juden zum Vorwurf macht, ist, daß sie nicht zu gebrauchen sind für Stapels che R evanch egetü st e, den n sie sind Pazifisten. Pazifismus aber bedeutet ein Degenerativum (S. 86). Hineinverstreut im die verschiedensten Staatsverbände, fällt ihnen eine natürliche Vermittlerrolle zu, denn sie sind nicht vital, sondern hrrmani-