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Central-Verein-Zeitung · 1928-06-22 · 25 (22.6.1928) · p. Seite 353

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
25 (22.6.1928)
Date
1928-06-22
Page
Seite 353 (sequence 1)
Language
German
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e l i xcf 22. Juni 192$ VII. Jahrgang ♦ Nr. 25 Einzelnummer 10 Pfennig MllEDrKsE-s!LM o \ <'kX> ^-J-O j) <> 4~V<> <> / . Allgemeine Zeitung des Oudenrums BierteUahrsabonnemcnt 1,20 RM. (zuzüg!. Lestpllgeld). Verlag u. Schrisileiiung: Berlin SW 63, Lrndenstr. 13 .:. Fernsprecher: AmtDVnkoff 3594.3395. .:. Postscheckkonto: Berlin 59472. .:. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel» stube G, Berlin SW 6& üinbcnftc. 7, nr.S von SoldschmidbRochichiid L Co., Berlin W8, Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mone, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,99 für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht SteLenangebsle) fitr Mitglieder d. Cevtralvereins 0,45 ^it, die 30 ürm breite Reklamezeile 4,89 Ji0H. "vy!> iKnort WMWMMöMW I Ein SMA M.bM AÄKmASmvs Wem GM Voll VrsftWr N. Erik Nollmg, W. ö. L. EtLnWtk ü. m Der Name eines Wilhelm Stapel ist verknüpft mit dem oft wiederholten Versprechen, den Antisemitismus zu befreien von der Rowdygeste und der Geistlosigkeit, ihn auf weltanschallliche Postamente zu heben und eine Aussprache auf sachlicher Basis zu eröffnen. Ailch in seiner neuesten Schrift „Anti-Temitismus und Anti-Germanismus" (Hanseatische Verlagsanstalt) wird diese Forderung an den Anfang gestellt, und hart gegen Schluß wird auch ein Anlauf genommen, ihr zu genügen. Aber dazwischen liegt ein böses Mittelstück, von dem hier die Rede sein muß. Der Kreis um Stapel hat den religiösen, den wirtschaftlichen und den rassischen Antisemitismus als unhaltbare Dorformen preisgegeben. Was man dafür heute in zeitgemäßer Aufmachung vorträgt, ist kultureller Antisemitismus, das Problem einer seelisch-geistigen Symbiose des deutschen und des jüdischen Volkes. Das verpflichtet zur Jnnehaltung einer Niveaulage, in der sich allein so diffizile Fragen behandeln lassen. T-en holzigen Methoden der früheren Kampfführung mußte daher endgültig entsagt werden. Das ist, wie oben erwähnt, eine von Stapel selbst des öfteren anerkannte Forderung. Es ist nun überaus interessant, zu sehen, wie Stapel selbst trotz aller Vorsätze von der Höhe seiner Forderung immer wieder absällt. gleich als ob eine aus der Tiefe wirkende Kraft ihn magnetisch herabzöge. Liegt es daran, daß es Probleme gibt, die ihrer „Berge i st i g u n q~ spotten, und ist der Antisemitismus unter diese Probleme zu rechnen? Zum Inventar des alten Antisemitismus gehört Gewalt t ä t i g k e i t, der geschwungene Stock Hegen das geistige Argument. Stapel rümpft über . den Radauantisemitismus die Nase. Doch schon am Eingang seiner ^christ (S. 11) steht der gewundene und seltsame Satz: „Aber nicht immer ist der Geist bei den .Geistigen', sondern oft auch bei dem wackeren und ehrlichen Haus, der die gottgesegnete Kraft seiner Arme für sein braves Gefühl, über dessen Berechtigung er nicht erst einen Philosophen fragen muß, gebraucht/ Das ist nicht etwa eine zufällige Entgleisung, denn auch noch an späteren Stellen des Buches kommt Stapel auf die Gegenüberstellung des „begabten" Tintenspritzers, der vom sicheren Port aus mit „Geist" arbeitet, mit dem wackeren Kämpfer zurück, der Leib und Leben (nicht vielmehr das der andern, auf die er einhaut und einsticht?) der Gefahr aussetzt. Denn der Beweis körperlicher Kraft und Gewandtheit ist nach Stapel nicht weniger ein Gottesurteil und (in Austragen der Gerechtigkeit als der geistige Kampf (S. 95). Der Jude hat die philosophischen Argumente für sich, wir die biologischen. Was heißt dieses „Wir"? Wenn Stapel die Gesamtheit der nichtjüdischen Deutschen meint, so muß von uns, die wir nicht Geist stets in Anführungsstriche zu setzen belieben, gegen diese Viandatssührung ohne Auftrag energischer Widerspruch erhoben werden. Was aber bezwecken letzten Endes diese gedrehten und gespreizten Sätze? Soll man nun hauen oder nicht? Wozu diese Metaphysik des Schlagrings? Es ist halt immer noch die alte Blüher- Manier. Man schreibt nicht: „Juden heraus!", sondern ,.seeessio judaica“. Das ist gebildeter und — feiger. Eine gleichfalls vom Antisemitismus alter Schule verwandte Waffe ist der Boykott. Auch gegen.ihn erfolgt zunächst ein strafendes Stirnrunzeln, denn Stapel ist programmgemäß gegen Aufstachelung des Hasies. Dann aber wird mit seltsamem Pathos von der Notwasfe eines gepeinigten Volkes gegen den siegreichen Unterdrücker geredet (wobei, nota bene!, die 99 Prozent nichtjüdischer Deutscher das gepeinigte Volk und das noch nicht eine Prozent Juden die siegreichen Unterdrücker sind!), von einem sittlich durchaus nicht verwerflichen Selbstschutz, über den man keine öfsentlicheu Agitationstränen zu vergießen braucht. Ter Jude soll gefälligst kein so weichmütiges Geschöpf sein, das die gesell- -fchaftliche Vereinsamung nicht ertragen kann. (Alles wörtliche Zitate.) Wenn sich aber die Juden zur Wehr setzen, und wenn die „G. V.-Zeitung", der Stapels besonderer Haß gilt, die Namen von Geschäftsleuten und Pensionen veröffentlicht, denen jüdische Kundschaft unerwünscht ist. dann fällt Stapel plötzlich höchst unmotiviert in den Ton des Polterns gegen solche imfcurness. Zum altenAntisemitismus gehört ferner dieWaffe derV er - Icuntbung und haltlosen Verdächtigung. Von wem stammen die völkischen Flugblätter, die sich durch eine unflätige Roheit auszeichnen? Sie werden von Juden verfaßt sein, meint Stapel, die auf diese Weise den Antisemitismus und die völkische Bewegung diskreditieren wollen. Ebenso wie es auch Juden sind, die gewisse Wände mit Hakenkreuzen beschmieren, ebenfalls nur, nur dieses Symbol des Germanismus lächerlich zu machen. Selbst das Märchen von den MUL DEM INHALT: Herbert Eulenberg: Walter Bloem zum 60. Geburtstag. Beilage: Von deutsch-jüdischer Dugend. Nr. 5/6. #

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