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Central-Verein-Zeitung · 1928-06-15 · 24 (15.6.1928) · p. Seite 341

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
24 (15.6.1928)
Date
1928-06-15
Page
Seite 341 (sequence 5)
Language
German
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341 Zism'KMS oder MWe Oemeln?cha?k? Von Dr. Friedrich Brovurtz. Die Stellung des C. V. zum Zionismus ist in der vorigen Nummer dieser Zeitung, anknüpwud an die wiederholten zionistischen Erörterungen der letzten Zeit, von Ludwig Hollunder erneut ktargestetlt worden. Die vorliegenden A'wchührungcn verdanken ihre Niederschrift der Darmche, das; der Führer der zionistischen Bewegung, Jturt B l u m e n s e l d. in fctucv Nedetampagne gegen den E. B. sich wiederholt auf die D e.n k s ehr i f t bezogen hat. die wir der diesjährigen Hanptver'ainnilung des (5. V. vor legten'). So soll hier in loser Gedarckenkette ohne Anspruch auf 'Bollstäudigkeit einiges über unsere 'Stellungnahme zürn Zionismus gesagt werden. Nicht als polemische Arw-eiuaudersetzuug, die wir als zu unfruchtbar empfinden, sondern, zrrr Klarstellung unseres Standortes im jüdisch-politischen Heben. Dann aber auch, weil uns die Erörterungen der letzten Monate gezeigt haben, das; bei der ^Beurteilung unserer Gedaukengäuge Mißverständnisse ausgetreten sind, die unsere Arbeit zu stören geeignet sind. Wir haben in dieser Denkschrift in Kürze dargelegt, wie wir uns die Entwicklung der Ideologie des (5. V. deuten. Wir haben, uns nachdrücklich zu Deutschtum und Judentum betanut. haben aber gefordert, daß sich unsere Einstellung und unsere praktische Arbeit stärker aus unser Judentum konzentrieren solle, um einseitige Pflege eines Gebietes zu verhindern. Wir haben der alten Formel: Unbewußtes Judentum und belont-gepftcgtes Deutschtum die veränderte Fassung: selbstver st an d 1 i ch e s Deut s ch t u;u u u d b e - mußt zu erarbeitendes I u d e nt u m g e g e n ü bergestellt. Es ist von beiden Zeiten übersehen noorden. daß es sich hierbei nur um eine Akzentverschiebung ha Welch die zwar zu einer sehr veränderten geistigen Grundhaltung führt, oderbesser, sie zur Boraussetn-n.g^ hat. sich aber streng im 8-ahmen der E. V.-Jdee hält. Wir machen von denn Rechte jeder neuen Generation Gebrauch, eine große Idee nach ihren _ genügen Bedürfnissen zu wandeln, sind uns dabei aber bewusst. dabei unreine Erweiterung unserer G. B. - Anschauungen vorzunehmen. Wir halten die historischen und soziologischen Gegebenheiten trotz ihrer formenden Kraft nicht für ausschlaggebend, sondern wir sehen den Grundstein unseres Gebäudes in der freien Willenseutscheidung znm deiltscheu Kulturkreise. Bor wenigen Wochen wurde der Gedenktag A'chreckst Dürers feierlich begangen, der uns und der West als der deuncheste Maler gilt, obwohl erst sein Baker aus Ungarn zu im« kam. Wir haben in ihm dabei den vorbildlichen Deutschen geehrt, der diese Würde nicht den Zufälligkeiten der Herkunft, sondern, dem einordnenden ^Willen zur Kulturgememschaft eines Volkes, nun seines Volke«, und der daraus geborenen produktiven Leistung verdankt. Dieser Wille zur deutschen Kulturgemeinschaft ist uns so selbstveri ländlich. daß wir ihn, wo nur immer möglich, der formulierten Begründung fernzuhalten wünschen. Und wenn cs hier geschieht, so nur. um ein für allemal zu betonen, daß keine Entwicklung uns je v o n dieser Grundlage wird entfernen, können. Darüber hinaus aber sehen wir unsere dringendste Aufgabe in der unbeirrten Pflege jüdischer Gesinnung. Oberbegriff unserer Stellung - zum Judentum ist uns die jüdische Gesamt- Verantwortlichkeit, die jüdische Gemeinschaft in; weitesten Sinne des Wortes. Man hat in -den' Kreisen unserer Freunde dem entgegengehalten, daß der C. B. sich auf die Aufgaben der reinen Abwehr beschränken müsse, man hat uns gesagt, daß die Gründer unserer Ideologie nur die Gemeinschaft der Deutschen hätten gelten lassen. Da darf man vielleicht daraus himveisen, daß schon die Gründnngsschrist des C. B?) in einem ihrer Kernsätze sagt: „Wir stehen fest auf dem Boden der deutschen Nationalität. Wir haben mit den Juden anderer Länder keine andere Gemeinschaft als die Katholiken und Protestanten Deutschlands mit den Katholiken und Protestanten anderer Länder." Nun. man braucht nur au die erregte Anteilnahme denken, mit der die deutschen Katholiken, unbeschadet ihrer deutschen Gesinnung, in diesen Dagen Me Verfolgungen ihrer Glaubensbrüder in Mexiko empfinden, um fid) der Stärke einer solchen Schicksalsgenieinschast bewußt zu werden. Man braucht sich dann nur die jahrtausendelangen Kämpfe der Inden aller Länder lim die Freiheit des Glaubens zu vergegenwärtigen, um zu dem Schluß zu kommen, daß eine solche Gemeinschaft des Weges nicht ohne Spuren vorübergehen kann. Diese Gemeinschaft hat hier in Deutschland einen Dhpns von bestimmter Eigenfarbe hervorgebracht, den Typus der deutschen Inden. Ihn bejahen nur als wertvoll in seiner ..geeinten Zwienatur" (Goldstern) und unterscheiden uns damit grundlegend von der Anschauung des Zionismus, der hierin einen zu überwindenden Standpunkt sieht, Ravmond Poincarö hat kürzlich über ben Zionismus geiagG): „Ich persönlich hake dem Zionismus stets meine Unterstützung zureil rverdeu lasser;, da ich stets der Ansicht war, daß diese Bewegung in gewissen Ländern eine sehr natürliche Grundlage habe: ich glaube' aber, daß diese Beroegrmg in Frankreich, wo die Inden seit lancier Zeit mit der Nation verschmolzen'sind, keine Begründung hat." sind wir auch des Glaubens, daß unsere Berschmolzenheit mit dem deutschen Knlturkreise jeder Bewegung. die uns aus ihm heraus- .-7 r 1 cb d) D r o d n i 1;, Kurt Cohn, Ludwig Tieh„Der Centralocrcm der Zukunft". ') ^phael Löwc nfc'ld „Schudstudcu oder Staviobüracr?".!8V. ') „Ita-Nachrichtcn" vom 20. März. führen möchte, ihre Berechtigung nünmt. Wir glauben aber, daß diese selbstsichere Einordnung uns nicht in der Verantwortlichkeit für die 'Nöte mtb Sorgen des gesausten Judentums behindert. Einstweilen genügt es noch, sich für die Kräfte dieser Schicksalsgerneiuschast offenzuhalten. Denn die formenden Kräfte dieser geistesgeschichtlichen und soziologischen Gemeinschaft sind in vergangenen Zeiten so stark gewesen, daß sie heute noch die'Menge derer unter uns speisen können, die dem aktiven religiösen Leben entfremdet sind. Wenn nur aber den historisch gewordenen Typus der jüdischen Deutschen erhalte!; wollen, weil wir ihn bejahen, werden nur <rocge tragen müssen, daß diese Formkräfte nicht erlahmen. Es lvird deshalb unsere Aufgabe sein, Mittel und Wege zur Pflege eines lebendigen Judentums zu finden, die dem Trusten und dem Weltbilde unserer Zeit angepaßt sind. Hierbei wird das Verantwortungsgefühl für die Schicksale des Gesimstjudentums eine bedeutende Nolle zu spielen haben. Wir werden uns nicht dadurch schrecken lassen, daß uns Uebelwollende übernationale Gedankengänge vorwerfen werden. Wir rverdeu uns dabei in der Gemeinschaft aller guten Europäer und weltbürgerlich denkenden Menscchn wißen, die die Pflege internationaler Beziehungen als ein Büttel zur friedlichen Entwicklung ihrer eigenen Volksgemeinschaft begrüßen. So fühlen wir vor altern die Verpflichtung, mitzuarbeiten, um die ungeheueren N ö t e ber o ft j iidischen M affen beheben zu helfen. Wir sehen als den einstweilen aussichtsreichsten, weil am leichtesten gangbaren Weg hierzu die Kolonisation im r it f f i - s ch e n Osten an. Wir finden aber in diesem jüdischen Gemeinschaftsgefühl auch die Möglichkeit. das P a l ä st i n a p r o b l e m in nufer Anschaunngsbild einzuordnen. Wir haben in unserer Denkschrift ausgeführt. daß rvir es begrüßen würden, wenn das Aufballwerk in Palästina so gestaltet würde, daß cs losgelöst von der jüdisch-nationalistischen Grundaufsassung und Propagandaarbeit 311 betrachten lväre. In rvelcher Richtung das geschehen kann, dafür gibt uns gerade die augenblicklich tagende Sitzung der erweiterten .Jewish Agency in London einen Hinweis. Wir tonnen hinznsügen. daß die besonders nationalistische Färbung de« deutschen Zionismus im Gegensatz zu den; anderer Länder die Airssichken auf die Verwirklichung dieses Wunsches als llicht sehr aussichtsreich erscheinen läßt. Wir können z. B. mit gelvissenr Neid ans England blicke!;, wo erst kürzlich Sir Herbert Samuel* 1) den englischen Inden die Beteiligung am Aufbauwerk als ein Wert znm Nu hone des englischen Vaterlandes empfehlen konnte. Wir wissen aber, daß viele unter uns an den Begriff Palästina mit starten Banden des Gefühls, des Gefühls der jüdischen Gemeinschaft, gebunden sind. Ihnen und uns — dem; wir rechnen uns zu ihnen — dazu zu verhelfen, die ganze Aufbaufrage aus dem narionalistischelt^Fragenkomplex zu lösen, halten wir für unsere Pflicht, mögen die Schwierigkeiten noch so große sein. Wir müssen uns bei der gegenwärtigen Lage mit der Betonung dieser Absicht begnüge;;. Wir werden ans die unter uns, die ein starkes Gefühl zur sofortigen Betätigung drängt, keinen Stein werfen. Wie wir überhaupt der Meinung sind, daß die ganze Frage unsere Grundeinskellung chn E. B. nicht berührt und nur durch die Unduldsamkeit auf allen weiten eine so zentrale Bedeutung bekommen hat. Man hat aber kein Neckst, wie es von zionistischer Seite geschehen ist, in ^der Betonung unserer inneren Beteiligung au diesen Dingen eine leere Demonstration zu scheu, hinter der kein Arbeitswille steht. Wir find der festen Ueberzeugung, daß es den vereinten Kräften der jungen Generation schon gelingen wird, eine Entgiftung der 'Atmosphäre her bei zu führen, die für jeden Bahn zu parteiloser Betätigung seiner jüdischen Gemeinschaftsgefühle sreimacht. Und so ergibt sich auch unsere Stellung in der Gesamtbeweguug des C. B. Wir gehen unseren Weg. weil wir ihn für recht erkannt haben, niemandem zuliebe als unserer Wahrheit. Wir lehnen es daher ab, unsere Stellung von der mehr oder minder guten Zensur der zionistischen Kreise abhängig zu machen. Wer solche Befürchtungen hat, der lese nach, wie sehr wir im-anderen Lagers als typische C. B.er empfunden werden. Lebendige Weiterentlvicklung der Bewegung, gewiß, aber in; Rahmen der E. B.- I d e e. Wir werden aber ebensowenig davor zurückschrecken, unseren abweichenden Standpunkt scharf zun; Ansdruck zu bringen. Eine so große Bewegung kann nicht uniform sein, darf es auch nicht. Wir wissen, daß wir heute noch mit unsren; Eintreten für eine Akzentverschiebung nach der jüdischen Seite hin in Opposition zu sehr aktiven Kreisen der Bewegung stehen. Aber wir werden uns immer, um den schönen Ausdruck des englischen Parlamentarismus zu übernehmen, als des E. B. a l l e r g e t r e u e st e O p p o s i t i o n " s ü h l e u. Die Differenz der Anschauungen ist ja hier im Grunde eine Differenz der Generationen. Wir gliedern uns damit ein in die Beioeguug der deutschen Jugend überhaupt, die sich nach einem weitgehenden Abbau der parteipolitischen Formen sehnt. Georg Bernhard hat kürzlich") die Situation in stärkster Einfühlung dargelegt. Er sagt unter anderen;: „Die Jugend hat schon die ganz richtige Empfindung, daß die Partei ein Hebet ist. Die Erfahrung des Atters weiß. um ein wie notwendiges Hebel cs sich hier handelt . . . Die Jugend u;uß ihre Rechte haben. Man soll ihr ruhig zugestehen, daß das jetzige Parteiwesen nur einen Uebergang bildet . . . Man soll der Jugend zugestehen, daß die alten 4) „Ita-Rachrlchten" vom 3. April. i) Siebe „Iildische Rundschau" vom 23. •) „Bossisclie Zeitung" vom 13. Aprcl. März.

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