Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 24 (15.6.1928)
- Date
- 1928-06-15
- Page
- Seite 339 (sequence 3)
- Language
- German
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m mfiturw PreiZqab. Es ko'.nme nicht darauf an. daß der Anaellaate gerade die Privatkläger oder einzelne von ihnen gemeint habe oder nicht, wenn nur die Privatkläger an steh unter die angegriffene Per so n e n g e f a m t h e i t lallen Wenn sie nicht als mitgetrofsen hatten gelten sollen, hätten sie ausdrücklich ausgenommen werden müssen." . < Die Kollektivbelerdrgung nnd ihre Regelung nrt ästigen Strafgesetzbuch beschäftigt uns im Zusammenhang mit den Fragen der Strafgesetzreform besonders stark. Fristet doch eine große Anzahl völkischer Blätter ihr Dasein lediglich aus der Tatsache, daß sie ihre Vorwürfe nicht gegen jüdische Einzelpersonen, sondern gegen die Judenals P e r s o n enge s a m t h e i t richten und so Strastosigkeit erhoffen. Es würde zu weit führen, alle Fragen der Strafrechtsreform, die uns interessieren, hier eingehend Zu behandeln. Schon aus diesen wenigen Stichproben erkennen unsere Mitglieder Art und Umsang unserer Arbeit. WMMM MÄHMöMmtzWjilEWiö In den letzten Tagen ist die Berliner Friedrich - Wilhelms- Universität Schauplatz von Vorgängen gewesen, die in ihrer Unersreulichkeit und ihrem Umfang an balkanartige Zustände erinnern. . Die Berliner Zweiggrnppe der Deutschen Studentenschaft (zu der bekanntlich nach dem Wegfall der staatlichen Anerkennung und bannt der Zwangsmitgliedschast in Preußen nur noch die Radikalen der verschiedenen Richtungen gehören), die Allgemeine Stubentenfchast, deren Name übrigens als irreführend behördlich nicht genehmigt wurde, hat in diesen Tagen ein glänzendes Bild ihrer „Diszivlin nnd Einheitlichkeit" gegeben. Die Allgemeine Studentenschaft, die, um sich den Studenten in Erinnerung zu bringen, in der vergangenen Woche Wahlen^ veranstaltet hat, hatte schon mehrere Tage vor der Wahl eine lebhafte Agitation durch FLugzettel entfallet, bei dcr sich insbesondere NaL i o n al s ozi a li st c n und Kommunisten beteiligten. Verde Gruppen gehören ja der Allgemeinen ^rudeittcufcyan an, d:e danut einen Beweis für die gleichmäßige Liebe geben will, mit der sie alle Studenten ohne Unterschied der Gesinnung umfaßt; in Wahrheit haben sich hier wie von einem Magnettn angezogen alle destruktiven Elenrente gesamnrelt, die den Kampf gegen den jetzigen Staat ans ihre Fahne geschrieben haben. Am Dienstag. 5. Juni, hatte die Mgeüwme Studentenschaft mittags eine Studenienversammlung auf dem Franz-Jmef-Platz vor der Universität einberusen. Es sollte dies eine Wahlkundgebung sein mit dem Zweck, der SLudentschafL die Notwendigkeit einer neuen staatlich anerkannten Allgemeinen Studentenschaft an Stelle der aufgelösten vor Augen zu führen. Es sollten infolgedessen auch Redner aller Parteien und studentischen Gruppen zu Worte kommen. Eine große Zahl von Studenten hatte der Aufforderung Folge geleistet und sich aus dem großen Platz vor der llniversität eingefunden, wo man von „vaterländischen Weisen" — u. a. dem Fridericns-Marsch — begrüßt wurde. Unter der Menge befand sich auch eine große Zahl von Nichtstndenten, insbesondere Nationalsozialisten in Hitler- Uniform und Mitglieder des Roten Frontkämpfer-Bundes. Es ' sprachen zunächst Vertreter der Finkenschnst und des Waffenringes, während deren Ausführungen die Versammlung ruhig blieb. Als jedoch ein Vertreter der Kommunisten das Wort ergriff, der mit der Internationale schloß, setzte ein wüster Skandal, Pfeifen, antisemitische Zwischenrufe usw. ein, der sich noch steigerte, als ein Nationalsozialist das Wort ergriff, um sich in antisemitischen Beschimpfungen zu ergehen. Er wurde von den Kommunisten durch Zwischenrufe unterbrochen; cs kam zu einem > Handgemenge. Die Polizei, die alsbald cingrisf, drängte die Kommunisten zur Universität hinüber. Die Nationalsozialisten drängten nach, so daß es im Vorhof der Universität, in dem sich die Kommunisten gesammelt hatten, wiederum zu Schlägereien kam, bei denen die Nationalsozialisten unter antisemitischeu Beschimpfungen („Juden raus!" irsrv.) jüdische Studenten und Studentinnen an den Haaren zogen und mitzhandelten. Erst der Polizei, die von der Hausverwaltung aus Anordnung des Rektors (nicht, wie dann gesligenttich verbreitet wurde, von demokratischen Studenten) herbeigerufen war, gelang es, durch Absperrung und Besetzung der Universität die Ruhe wiederherzustellen. Zu weiteren bemerkenswerten Zwischenfällen ist j es, da dcr Rektor bei etwaigen Vorkommnissen disziplinarische Be- ' strafung angedroht hatte, nicht gekommen. Die Nationalsozialisten, meist Hitler-Leute in Windjacken, vcrtciltcu auch in den nächsten Tagen Zettel mit den üblichen jndensci üblichen Ausfällen. Vor dcr Universität hatten sic ein großes Plakat ausgestellt, geziert mit einem Hakenkreuz und dcr Inschrift: „Burschen heraus; Kämpft gegen Juden und Judcugenosfeu an der Universität!" Dieses Plakat wurde ani Veranlassung der Polizei entfernt, erschien aber auch an den n.ächüen Tagen wieder; schließlich ül^rklebten die Nationalsozialisten die Worte /.Juden und Judengenofseu" mit einem Papicrstreifen „Polizeilich ^verboten", stchlten sich daraufhin als politische Märkhrer und sprachen von „Karlsbader Beschlüssen". .. l5ine Kriiik^dieser Vorgänge erübrigt sich. Die Tatsachen sprechen die beredteste Sprache und geben ein klares Bild von der geistigen r/chste dieser Studenten. Zur Verwunderung geben diese Vorgänge eigentlich keinen Anlaß, nachdem das größte Organ der völkischen vruoenlenschast^ vor der Auslösung der preußischen Studentenschaft , m unübertrefflicher Weise den Jdealthpns des völkischen Studenten . herausrgtal!wert hat. Die „Deutsche Akademikerzeitung" wandte i?p üyh» MMsMM sich seinerzeit dagegen, daß der Student lerne, ..sich mit den Belangen der Staates zu beschäftigen und auf Andersdenkende Rücksicht zu nehmen"; sie setzte sich ein für „die Ungebundenheit eines freien, wenn auch vielleicht über die Schnur hauenden, wenn auch zügellosen' Studenten, besten Gedankenflug. Rede und Handeln von keiner Erwägung des Alters beeinträchtigt ist". In solchen Worten ist noch kein Hauch einer neuen Zeit zu verspüren. Auf diesem Boden der Zügellosigkeit und Unbesonnenheit kann Derantwortungsbewußtsein und jenes Pflichtgefühl gegenüber dem Staat nicht wachsen, das die höchste Tugend des alten Preußen war, auf das diese „nationalen" Studenten sich so gern berufen. Sie haben in ihrer unedlen Gesinnung nichts genuin mit jenen, deren Geist sie beschwören, wenn sie den alten Burschenkarnpsruf „Burschen heraus!" für so niedrige Zwecke mißbrauchen: „Burschen heraus!" war der Ruf derer, die vor einem Jahrhundert unter der schwarzrotgoldenen Fahne mit glühendem Idealismus den Kampf kämpften gegen die dunklen Mächte der Reaktion, für „Ehre, Freiheit, Vaterland", für ein größeres T-eutschland. Walker Borchardt. Absurde Folgerungen aus Der Rassenlehre. Im Machest von Deutschlands Erneuerung", der völkischen Zeitschrift des Lehmannschen Verlags, darf ein evangelischer Pfarrer Ernst Paul i (Heßberg), der bereits in einem eigenen Büchlein sich als ein gelehriger Schüler Günthers erwiesen hat, einige Einwände gegen seinen Meister erhoben. Es sind freilich nur Schcineinwände, dazu bestimmt, Bedenken evangelischer Christen gegen Günthers Raffenlehre zu beruhigen, indem Günther gur Zugeredet wird, in künftigen Auflagen dock) einfach am Anfang oder Ende seines Buches treuherzig zu versichern, daß das Rasteueoangelium mit dem Evangelium Christi und dcr Kirche nicht im geringsten in Widerspruch stehe. Besonders bemüht hch der Herr Pfarrer, die kirchliche Lehre von dcr Notwendigkeit der Wiedergeburt in Einklang zu bringen mit der Lehre Günthers, wonach doch wirklich weiter nichts nottut, als eben nordisch geboren zu sein. Die Methode des Herrn Theologen, den Raffenmaterialismus Günthers mit dem kirchlichen Spiritualismus zusammenzureimen, ist im höchsten Grade naiv. Hier gibt's nun einmal kein Paktieren! Wenn nach der Lehre der evangelischen Kirche das Erdreich der Raste, wie Pauli zugibt, bloß der Ackerboden ist, auf dem durch den Samen des Gotteswortes eine Neuschöpsung erfolgen muß; lvenn zudem Herr Pauli daran fesihalten möchte, daß auch auf dem Boden der vstischen Rasse durch den Christusgeist — „oder <8ie!) durch einen harten Befehl" — „höchst brauchbare" Menschen entstehen können, dann heißt das im Sinne des Evangeliums nichts anderes als: Die rassische Naturantage bedeutet nichts, die seelische Neuschöpsung bedeutet alles. Aber Herr Pauli ist weit davon entfernt, das Zugeben zu wollen. Im Gegenteil. Er ist höchst unzufrieden damit, daß Günther in der zwölften Auslage der vstischen Raffe gegenüber sich zn Abschwächungen und Entschuldigungen versteht „Warum die ostisch-c stchtung! <§roß-öer!mer! Wie bei keiner früheren Wahl wird dieses Mal in einem Teil der Grosz-Berliner Schulen aus Kreisen der Elternschaft versucht, durch die Elternbciräte judenscrudriche Tendenzen in die Schulen hineinzutragen. Wir fordern daher alle Grosz-Berliner jüdischen Eltern (Väter und Mütter sind watsibcrechtigt) sowie Vormünder und sonstige Erziehungsberechtigte dringend auf, am Sonntag, Den 17. Juni 1928, (WahLzeit von 9 bis 4 llhr) von ihrer Wahlpflicht Gebrauch zu «rachen. Das Wahllokal ist in den Schulen Eurer Kinder. Wählt möglichst vormittags. Rur d i e L i st e k o Nt Nt t f ü r E n ch i n Betracht, deren Namen Gewähr dafür bieten, dast auch die Interessen Eurer Kinder gewahrt werden. Dr. Bruno Glaferfeld, Vorsitzender des Landesverbandes Groß-Berlin.