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Central-Verein-Zeitung · 1928-06-08 · 23 (8.6.1928) · p. Seite 330

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
23 (8.6.1928)
Date
1928-06-08
Page
Seite 330 (sequence 6)
Language
German
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Ge i st erb alt, der m unserer Gemeinschaft weilt, und daß dieser Geist, der der Welt schon so viel geschenkt hat, auch weiter über die Jahrhunderte bestehen wird. Die.Breslauer Zionistentagung hat folgende Entschließung angenommen: „Die Vvn dem E. D. in seiner letzten Hauptversammlung gesaßte, gegen den Zionismus gerichtete Resolution erlveist Vvn neuem, daß der nn C. D. organinerte Teil der deutschen Judcnheit sich ne-ch immer Entscheidung in jüdischen Fragen von der Furcht um die Errungen- * schäften der Emanzipation ausdrängen läßt. Der Telcgierrentag l>edauert, daß eine Gruppe deutscher Juden im Kampf um die Gleichberechtigung von anderen jüdischen Gruppen abrüclt und die Anschauung vertritt, daß dolle Gleichberechtigung von einer bestimmten und immer wieder angepricsenen Gesinnung abhängig gemacht werden Der Zionismus verlangt demgegenüber eindeutige, zukuusrsbejahende Entscheidung zum Judentum, dessen Erhaltung und Erneuerung nur durch den Ausbau eines starken nationalen Lebens in Palästina möglich ist. in dem jüdischer Eigenwert und jüdische Leistung die Achtung der Welt erringt. Gleichberechtigung bedeutet Anerkennung unserer Art. Dre klare und wahrhaftige Betonung dieses Zieles entspricht allein jüdischer Würde und gibt uns Fähigkeit und Berechtigung zu einer unserem Lücsen gemäßen inneren Anteilnahme an dem deutschen politischen und kulturcellen Leben." Wenn uns hier wieder direkt und indirekt der Dorwurf gemacht wird, wir prahlten mit unserem Deutschtum, wir wollten uns beliebt machen, wir betrögen uns selbst oder andere, so müssen wir über diese Auffassung lächelnd zur Tagesordnung übergehen. Hier handeln viele Zionisten nach dem Vorwurf: Und. willst du nicht mein Bruder sein, so schlaa ich dir den Schädel ein! Gewiß gibt es auch in unseren Reihen Leute, die mit der Betonung der Selbstverständlichkeit, zum deutschen Volke zu gehören und das Wohl und Beste des deutschen Volkes zu' wollen, das notwendige Blaß überschreiten. Es handelt sich da um Taktsragen, und keine Bewegung wird jemals Acußerungen ihrer Anhänger verhindern können, die nach irgendeiner 'Richtung zu weit gehen. Ein Sündem register über derartige Fehler braucht man gerade jüdisch-nationalen Politikern wohl nicht erst vorzuhalten. Aehnlich steht es nrit der Behauptung von unserer angeblichen Sucht, uns unter allen Umständen mit den deutschen Menschen zu „identifizieren,". Wir wissen, daß das deutsche Volk in stammlicher, volklicher.und religiöser Beziehung keinen einheitlichen Charakter trägt; und diese Tatsache ist auch sowohl in den Schriften wie in den Vorträgen des Centralvereins immer wieder hervorgehoben worden. Indem wir diese Unterscheidung herausarbeiten, beweisen wir, daß die Tatsache, daß jemand ein deutscher Mensch ist, nicht davon alchüngig ijl, ob er in Hermann dem Cherusker seinen Stammvater sieht. Unsere Gedankengänge bedeuten nicht eine „Identifizierung", sondern die Feststellung einer geschichtlichen Wahrheit, deren Verkennung wir verhindern müssen. Sie geben uns die Berechtigung, im deutschen Volke als deutsche Menschen aufzutreten; sie entheben uns der Notwendigkeit, in irgendeiner Beziehung Zugeständnisse aus politischen Erwägungen, heraus zu machen. Deshalb ist der Centralverein ein Gesinnungsverein, denn er will die Gesinnung der Menschen pflegen, die sich durch Scheingründe, von welcher Seite sie auch kommen mögen, nicht in ihrem Bewußtsein, in ihrer Haltung und Zugehörigkeit zum deutschen Volke beeinträchtigen tasten wollen. Und es ist falsch, wenn Eugen Fuchs als Zeuge dafür zitiert wird, daß der Centraloerein ursprünglich kein Gesinnungsverein gewesen sei. Tenn gerade Eugen Fuchs ist es gnocscn, der in seiner Abrechnung mit Treitschke und Eduard v. Hartmann die gesinnungsmaßige Bindung des jüdischen Teiles des deutschen Volkes an das gesamte deutsche Volk als unsere unumstößliche Lebensgrundlage erwiesen hat. In der Resolution wird auch, wie schon früher, krampfhaft der Anschnu erweckt, als. ob wir die Aufsagung verträten, daß den Jüdisch-Nationalen keine staatsbürgerliche Gleichberechtigung zukomme. Wir fürchten daß dieser Vorwurf zum Teil mit der Absicht erhoben wird, unsere angebliche Böswilligkeit nachzuweisen. Die Gleichberechtigung ist ein formaler Akt der Gesetzgebung. Sie ist uns gewährleistet und ist von irgendeiner politischen Anschauung unabhängig. Wir sind weit davon entfernt, sie denen abzusprechen, die unsere gedankliche und gefühlsmäßige Vertiefung in unsere deutsche Art nicht billigem Abgesehen davon aber, daß u ns solche Betrachtungen auch ohne Verteidignngszwang gesinnungsmaßig Herzenssache sind, werden wir als Sachwalter der Gleichberechtigung der deutschen Juden zu solchen — vielleicht bisweilen überbetont anmutcnden — Beteuerungen unseres Dcutschseins durch bie Angriffe der Judenfeinde genötigt. Wenn sie uns nämlich als „Fremdlingen" die Aushebung der Gleichberechtigung androhen, wenn sie uns als „Geschwür am Leibe des deutschen Volkes" bezeichnen, so ist es unsere Pflicht, die Oessentlichkeit darüber auszuklären. von wie völlig falschen, ja selbst gefährlichen geistigen Grundlagen selbst gebildete Judengegner ausgehen. So sollte in - der jüdischen Welt die Schrift von Julius Goldstein: „Deutsche Dolksidee und deutschvölkische Idee" beachtet werden, der mit dein Hamburger völkischen Führer Wilhelm Stapel gründlich abrechnet. -Wir haben eine Normalisierung unseres Lebens nicht nötig. Denn täuschen wir uns nicht darüber, daß das zlomstisci-e Judentum ein Nusgeben unseres Judentums, wie es uns überkommen ist, bedeutet. Es ist eine Neufassung, in die aus einem übertriebenen Pessimismus heraus die Dinge hmcingeheimnißt werden, die alles das, was dem Judentum we'.entlrch ist, in den Hintergrund schieben. Denn das alte, strenge, konservative Judentum hat niemals das Weltliche, was wir jetzt im^ Zionismus immer wieder betont sehen, als wesentlm) erkannt. wir wollen einmal den Ausdruck gebrauchen — nationales Bekenntnis batte den Jubelt, daß die Berufung des jüdischen Stammes zu sittlicher Forderling unter allen Umstanden durch rcli^ipjc Reinheit in die Wirtlichkeit übersetzt werden würde. Alles politisch Weltlime lag ihm fern. ' IV. Es ist auch nicht richtig, daß wir uns. wie häufig behauptet wird, in unserer Stellungnahme zu vielen Fragen durch den Zionismus haben bestimmen-lassen. . So soll sich früher der Centralvereui aus Furcht vor der Rückwirkung aus die nichffüdische^ Außenwelt gegen die Gründung jüdischer Vereine gewwndet haben. Dabei ist es gerade eine Reihe heute noch lebender Führer des Centralvereins gewesen, die zu einer Zeit, in der es noch k e i n e n Zion i sm u s gab, im Widerspruch zu einem Teil der damaligen jüdischen Welt jüdische Studentenverbindungen gegründet haben. Diese Männer erkanrüen die Notwendigkeit, daß sich jüdische junge Leute zum Zwecke der e l b st e rz i e h u u g, zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit und damit zur B c - kämpfung der Judenge g n e r s ch a f t zusanunenschlössen, und sie haben mit Erfolg die schwierige Erziehungsarbeit an der jüdischen Jugend in die W-cg? geleitet. Ilnd wenn sich der Cemralverein vielfach gegen die Einrichtung jüdischer Turnvereine wandte, so zum Teil aus dem Grunde, weil man nicht einsah. welchen Zweck innerhalb der deutschen Turncrschaften jüdische Sonderturnvereine haben sollten, und zum andern Teil deswegen, weil die jüdischen Vereine im Gegensatz zu ihrem Gründung? zw eck jüdisch-nationale Propaganda trieben. V. Kommt man über diese grundsätzliche Auseinandersetzung nicht hinweg, so sollte man sich hüten, unbeweisbare Behauptungen auszusprechen. Wir haben Verständnis für jüdisch-nationale Gedantcngänge, wenn wir sie auch ablehnen und ihre Gefahr für das Judentum answeisen. Wenn wir aber kurz vor dein zionistischen Telegiertentag in der „Rundschau" Sähe lesen müssen, wie: „Ter C. V. arrogiert sich die Rolle einer wahlwerbenden Partei", oder: „Die Agitation unter den Juden gegen den Judenhaß sei ziemlich überflüssig", oder: „Es bedürfe nicht der überflüssigen Vermittlung des C. D., irgendeine Partei, die im Wahltamps auf tritt, zu fördern" — so können wir nur sagen: O h^lige Einsalt! Wenn die Herrschaften sich einmal ihre gefärbte Brille abnehmen und sich fragen wollten, was ist geschehen und welchen Erfolg hat es gehabt, so würden sie anders denken. Aber sie wollen, den C. V. bagatellisieren und seine Organisation untergraben. Diesen Wunsch können wir verstehen, aber seine Verwirklichung sollte nur mit Mitteln unternommen werden, die von jedem jüdischen Standpunkt aus als anständig angesehen werden können. Die Mittel, die der Aufsatz in der „Jüdischen Rundschau" verwendet hat, können als ehrenhast nicht angesehen werden. * ch ch Tagungsbsricht. lk. Brcslan, den 30. Mai 1928. Drei Fragen standen auf der Psingsttagung der Zionistischer? Vereinigung für Deutschland zur Debatte. 1. Wie überwinden wir Zionisten die Krisis in Palästina? 2. Wie gelingt es uns, der geistigen Krise unserer Bewegung Herr zu werden? 3. Was tun wir gegen den Still st and unserer deutschen La n de s o r gan i s a t io n , mrd wie gelingt es uns insbesondere die nichtzionisrischcn Juden für uns zu gewinnen? Wenn wir uns zunächst dem Palästinaproblem zuwenden, so war das Referat des Vertreters der Londoner Exekutive getragen von: Geiste starker Sachlichkeit. Herr Dr. Felix Rosenblüth wies iu seinem Vortrag „D i e L a g e i n P a l ä st i n a und i m G e - s a m t z i o n i § in u §" auf gewisse Fortschritte hin, die nach - seiner Auffassung im Lande erreicht wurden, also z. L. auf die Verlegung des Elsenbahnzentrums, auf Wcgebauten, die für die jüdischen Kolonien von Vorteil sind, auf die Hinzuziehung jüdischer Arbeiter zu ben Reglern'.:-^sarbeiten — die seit der 3. Alijah von den Engländern „boykottiert" worden waren — u. a. m. Aber er verschwieg ^keineswegs die Mißerfolge: er gab zu. daß in der Frage der S-taatsländcreren und aus den: Gebiete des Cwsundhcsiswcscns ustv. Erfolge nicht erzielt worden sind. Und cs war cin Wagnis, wenn er vor einer geschulten Zuhörerschaft 140 000 Einwanderer für dw nächsten Jahre einschließlich der natürlichen Vermehrung als das bezeichne te, lvas die Exeklltive sich bei Erfüllung ihrer finanziellen Hoffnungen verspreche. Tenn wer vor: den Zuhörern wußte sich nicht" unwillkürlich an sene Berechnungen der Vorkriegszeit zu erinnern, die von Ziffern von 300 000 jährlich sprachen? So versteht man es. daß die D-ebatte mit solcher Skepsis sich nicht zufrieden gab. Herr Dr. Soskin, führender Revisionist, hatte es als Oppositioneller daher leicht, daraus hilizuweisen, daß bei einem Amvachseu der jüdischeil Bevölkerung in dieser Höhe eine Veränderung des gegenwärtigen Standes nicht

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