Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 23 (8.6.1928)
- Date
- 1928-06-08
- Page
- Seite 329 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mi? Hauptversammlung öes VO^ S o n d e r b e r i ch t für die „C. B. - Z e i t u n g". Gmnndcu, den 28. Mai 1928. An den Pfingftfeiertagen fand in Gmunden, einem der herrlichsten Orte des an landschaftlichen Netzen reichen Salzkammergntes in Oesterreich, die 47. Jahresversammlung des Vereins für das Deutschtum im Anslande (V. D. A.) und zugleich die Hauptversamm- Inng des D e u t s ch e n S ch u l v e r e iU e s Endmarl, der österreichischen Organisation des B. D. A., statt. Wäre nicht der Wettergott wie io oft in dieser Gegend wieder einmal ungnädig gewesen — es regnete tagelang in Strömen —, die imposante Veranstaltung wäre auch rein äußerlich zu einer großartigen Manifestation deutschen Geistes und deutscher Art geworden. So konnte der Beobachter der schönen Kundgebung sich nur auf die Einzelerscheinungen in den von Zehnlausenden von Gästen aus allen Teilen des Deutschen Reiches, Oesterreichs und Tentschböhmens beschränken, die dennoch in ihrer Farbenprächtigkeit ein wunderschönes Bild boten. Waren doch mit 52 Sonderzügen von allen Ecken und Enden deutschen Sprachgebietes ungefähr 15 CHX) Festgäste herbei geeilt, unter denen sich vornehmlich Jugendliche, tut besonderen Studenten, befanden. Die Jugend war von ihren Schulen mit all ihren Abzeichen, Fahnen und Wimpeln herbeigeeilt, um an der Kundgebung teilzunehmen, und da -fiel es nun ganz besonders auf, daß rechtsradikale Parteiabzeichen, namentlich das Hakenkreuz, durchaus verpönt waren. Bei keiner der größeren Veranstaltungen, aber auch bei den kleineren Kundgebungen, ja nicht einmal auf der Straße und in den verschiedenen Lokalen sah man dieses Zeichen des Hasses und der Feindschaft gegen einen Teil des deutschen Volkes, wie überhaupt die Beflaggnng jegliche Betonung eines Parteistandpunktes emsig vermied. Alle offiziellen Gebäude, der Bahnhof. war-en immer nur mit S chw a r z - R o t - G o l d, der österreichischen Fahne Rvt-Weiß-Rot und den Flaggen der einzelnen re ichsdeut scheu Länder geschmückt. So bot die Tagmig. insbesondere der herrliche Fcstzug am Montag, schon dem Auge ein schönes Bild friedlicher Eintracht und .Einmütigkeit, aber auch ihr Geist war diesmal von solchen herrlichen Idealen durchdrungen. Dies bewiesen die rrerschiedenen Zknudgebungeu des V. D. A., so insbesondere der Begrüßungsabcnd, bei dem seitens der verschiedenen prominenten Redner kein Wort einer einseitigen Parteutellnug fiel, im Gegenteil, wiederholt und eindringlichst die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses aller D nt tsch e n ohne Unterschied zum Kampfs für das bedrohte -Deutschtum-betont wurde. Eine solche Zusaunnenarbeit erscheint heute wirtlich mehr denn je geboten, denn wenn man ans dem Munde kundiger Männer und Frauen auf der Tagung hörte, in welcher Weise die durch rücksichtslose Friedc-nsverträge nbgetrennten deutschen Gebiete zu leiden haben, wie insbesondere Deutsch-S-üdtirol, dessen tragisches Schicksal einen Hauptteil der Reden und Beratunaen einnahm, in gelvillenloser Weise, man kann es ruhig sagen, vergewaltigt wird, dann darf es nicht dazu kommen, daß kleinlicher Parteidünkel die notwendige Einigkeit aller Deutschen untergräbt. Mt diesen ihr Vaterland liebenden und um das Geschick der uns entripeneu Brüder trauernden Volksgenossen fühlen auch wir d c u t s ch cn Jude n uns innig verbunden, und deshalb muß auch wohl von deutsch-jüdischer Seite die heroische Arbeit des B.D.A., sofern sie nicht von Parteidogmatismus beseelt ist, mit Interesse verfolgt werden. . Verschiedene Vorfälle in einzelnen Verbänden der großen Organisation, insbesondere die gewöhnlich judenfeindliche Einstellung des österreichischen Deutschen Schulvereines „Südmark", die aber bei der Tagung selbst durchaus nicht zum Ausdruck kam, waren geeignet, uns mit einer gewissen Vorsicht gegenüber den Verein st>estrebuugeu zu erfüllen. Es wurde wohl dank einer geeigneten Aufklärungsarbeit unsererseits wiederholt Abhilfe bei derlei E in 3 c I c r j ch e in u u gen geschasfctt, man war aber versucht, aus diesen Vorkommuipeu auf den Geist des Ganzen zu schließen. Wenn unu die schöne Gmundener Tagmig den Beweis dafür erbracht haben sollte, daß man gewillt ist, fernerhin derartige Znrn(fsrtznngen «ns parteiischen Gründen zu vermeiden, so wird auch von unserer ^eite das Interesse für den V. D.?!. gestärkt werden können. Die Gmundener Tagung hat, wie erwähnt, die Vermutung rechtfertigen können, dciß von nun .^b das Ideal der Eintracht und Verständigung beherzigt werden soll. In diesem Sinne spricht cme stelle des Rechenschaftsberichtes, die hier für viele andere ähnliche Veröffentlichungen, wiedergegeben sein sott.' Es heißt dort: „Der B.D.A. soll und wird sich sicherlich nicht der Zeitluft abschließcn und ein Tretbhausdasetn führen. Er wird mit Freuden alle Deutschen ohne Unterschied zur Mitarbeit nnd Führung anfnchmen, die sich zu dem Gedanken bekennen, das; ihnen Deutschland, auch das graste, über alle Grcnwn reichende Kulturdcutschland alter Volksgenossen, wirklich über alles geht. Die Gegensätze der parteimäßig und konfessionell zerrissenen die gegen den Verein vorgestoßen sind, von rechts und links, m o weiterhm vorstoßen werden, müssen aber im Bannkreis der ck. - Gedankenwelt gebunden werden di?r,h die Kräfte, die diese .astbenwelt zur Arbeit und Opser anslöst und durch die den tages- Polugchen -trugen abseitig überlegene Belvcgnngsrorm dieser Kräfte. In einem höheren Sinne, als es das Tagesschlagwort faßt, ist der V. D. Ä. national, menschheitlich zeitbedingt und z e i t g e st a l t e n d." Wir deutschen Juden gehören mit zu den deutschen Menschen, denen „Deutschland über alles geht"; wir können und dürfen nicht aus kleinlichen Parteigründen ausgestoßen werden. Tües möge der V. D. A. durchwegs beherzigen. Oskar Hirschsclv (Wien). - Der öreslauer Zrsnistentas. britisches von Luöwig Holländer. i. Ter Breslauer Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung sür Deutschland hat sich in einem wesentlichen Teile seiner Erörterungen mit der Stellung der Zionisten zum Eentralverein besaßt. Das kann nicht wundernehmen, nachdem bereits der Präsident der Zionistischen Vereinigung. Herr Blumen selb, mtf Grund der Verhandlungen der letzten Hauptversammlung des E. D. in mehreren Städten nr großen Referaten das Verhältnis von E. V. und Zionismus ^behandelt hatte. Dabei wurden im wesentlichen alle jene grundsätzlichen Erwägungen wiederholt, die .im Laufe der Jahre die weltunfchaulichcnO Nllseinandersetzungen zwischen'den verschiedenen Nichtungen begleitet haben. Deutlicher als früher traten auf dem letzten zionistischen Delegiertentag die Gegensätze im eigenen Lager zu den uns betreffenden Fragen zutage. 'Trotzdem täte man Unrecht daran, von diesen ^Meinungsverschiedenheiten, die natürlich in erster Linie auch auf den Kongressen aus getragen zu werden pflegen, ans tiefere Unterschiede in der Grundaufsassung der zionistischen Gedankensührung zu schließen. II. Im Mittelpunkt der den E. V. betreffenden Verhandlungen stand die Auseinandersetzung mit Vlumeuseld, dem Führer der deutschen Zionisten." Der Grundgedanke der Blumenfeldschen Stellung wurde von ihm etwa in die folgenden Worte gekleidet: Wir, d. h. die Zionisten, verstehen unter unserem Nationalbewußiseur. die Erkenntnis. daß -alkt was hier in Deutsthland geschieht, Galutheristenz ist, die nur in ihrer Beziehung zu Palästina Wert hat. Tie anderen, d. h. die E. D.er, erkennen diese hiesige Welt als Eigenwert an und wollen sie mit hiesigen Mitteln ändern. Hier gibt es keinen Ausgleich. Darin wird man Herrn Bin men selb beistimmen müssen, dem: in der Tat hat eL die gegensätzlichen Anschauungen in diesen Sätzen klar und uuz!vcideutig gekennzeichnet. Gleichgültig. welche Stellung mau zu Palästina eiuntnunt, — wir können und werden eine Abhängigkeit unseres Daseins in Deutschland von Palästina nie und nimmer anerkennen. Hier handelt es sich um eine G e f ü h l § f r a g e, die zunächst völlig unabhängig von dem Gesichtspunkt der Zweckmäßigkeit zu beantworten ist. Wir sind nun einmal überzeugt davon, daß wir den so oft von jüdisch-nationaler Seite gemachten Vorwurf, wir bejahten die sogenannte „Galutheristenz", d. h. unsere Verbundenheit mit unserem Vaterlaude, nur aus Zweckmäßlgkeitsgrüuden. nnt Recht zurückweisen. Männer wie Gabriel Ri e ß e r — dem übrigens em so positiv eingestellter latrn wie Samson Raphael Hirsch durchaus beipflichtete, — Lazarus und Ste i nth al. und in neuester Zeit Eugen Fuchs, haben unserer Neberzeuguug durch ihr geistiges Schaffen die Grundlage gegeben. Gerade weil die jüdischnationalen Redner und Schriftsteller so oft auf Eugen F u ch s zurückgreifen, möge ihnen das Studium seines Vortrages „Glaube und Heimat", in dem er sich besonders eingehend mit dieser Frage beschäftigt, empfohlen norden. Tie zionistische Lehre, die die Abhängigkeit unseres gesamten Lebens von der Beziehung zu Palästina behauptet oder fordert, bedeutet eine Gedankenführung, die wir aus dem jüdisch-geschichtlichen, dem jüdisch-religiösen und dem. Erlebnis unserer eigenen Erfahrung ablehneu. Die zionistische Lehre bchlUcptet, daß eine Minderheit, wie sie die jüdische Bevölkerung überall darstellt, nur daun eine normale Lebensmöglichkeit besitzen könne, wenn sie ans ein Kraftu u d G e f i n n u ugszeut r u m gestützt sei. Detu widerspricht die geschichtliche Entwicklung aller Minderheiten^ die sich iu den verschiedensten Ländern auch daun erhalten haben, wenn ein solches Kraslzentrmn fehlte oder durch irgendivelche Gründe iu völliger Ohnmacht politischer oder kultureller Art besangen war. Die letzte Aufgal>e des Judentums hat die jüdische Lohre immer in der eigenen Kraft ihres jüdischen Inhaltes gesehen. Gerade die Ablegung jedes politischen Kraft- und Kulturbegrifss hat die Erhaltung unseres Stammes ermöglicht und gefördert. Mit Recht haben viele zionistische Kräfte imuirr von der Revolutivnierung des Judentums durch ihre Nusfassung gesprochen. Diese Umwälzung liegt in der Uebertragung politischer und nationaler Gedanken aus das Judentum, das mau als geistige und als Gesinnungsgemernschist sür reif zum Untergänge erklärte. Wir leben nach wie vor dem alten Glauben, daß uns der