Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 23 (8.6.1928)
- Date
- 1928-06-08
- Page
- Seite 327 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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327 . revubllkattischerr Staate, darin liegt zum zweiten un;er Wttte f zur Mitarbeit an einer wahren Volksgemeinschaft und zum! dritten unser unwandelbarer Glaube auf Entfaltung wahrer Hnmanitas und menschlicher Gleichachtung und Gleich- Wertung. Dieses fassen^ wir, meine jüdischen Mitbürger unb Mitbürge, rinnen, in das ^chlußgelöbuis kurz zusammen: Im heiligen Dienst am deutschen Volt und deutscher Kultur werden wir anläßlich dcr„Prcssa" versammelten deutschen und rheinischen Juden auch in alle Zukunft, in Willens-, Schicksals- und Kultnrgemcinschaft, in sittlicher, kultureller und geistiger Förderung heimatlich deutscher und rheinischer . Erde unser Letztes und Höchstes hcrgcben, weil Herz und j- Gefühl es uns so gebieten." Stürmischer Beifall dankte dem Redner dafür, daß er mit seinen Worten die innersten Empfindungen aller Beteiligten zum Allsdruck gebracht hatte. Und wie ein Manu erhob sich auf Franks Aufforderung die Festversammlung und die Töne des Deutschland-Liedes gaben der Kundgebung letzten Aufschwung u nb sestlichen Auskla n g. * 9tach einem gemeinsamen Mittagessen in der Rhenckandloge. ber dem Obcrregiermrasrat Tr. Bier namens des Negierungsoründenten humorvolle Grüße überbrachte, fand die von fielen hundert Personen besuchte Landesverbandstagung im großen Saal der Rheinlandlöge statt. Rechtsanwalt Tr. iturt 2llerander (Krefeld) hielt ein aufschlußreiches Referat „T a s Gesicht des modernen I n d e n h a s s e s", Direktor Dr. Ludwig Holländer . sprach itber „D i e Arbeit des C e n t r a l v e r e i n s" in der ihm eigene!; zum Kern der Probleme vordrinaenden Arr. Beiden Rednern dankte stürmischer Beifall. Dem Syndikus unseres linksrheinischen Landesverbandes, Herrn Eugen Jacobi, fei für die hervorragende Vorbereitung aller mir der Tagung in Zusammenhang stehenden Veranstaltungen auch an dieser Stelle besonderer Dank gezollt. i l Isop. Die Jüdische Tonverschau auf der „Pressa". Von Gemeinderabbiner Dr. Kober (Köln). Am Dienstag, 15. Mai, vormittags 11 Uhr, ist die Jüdische Sonderschau der ' Internationalen Presse-Ausstellung Köln in Gegenwart des Vorsitzenden des Präsidiums derselben, des Oberbürgermeisters Dr. Adenauer, und der Vertreter der staatlichen und kirchlichen Behörden sowie der Synngogengemeinde .feierlich eröfsnet worden. Das; eine Jüdische Sonderschau im Rahmen der großen Ausstellung stnttfindet und bei ihrer Eröffnung Männer von. dem Range eines Oberbürgermeisters Tr. Adenauer und des Rektors der Universität, Professor Dr. Walb, mit warmherzigen Ansprachen ihre Sympathie hierfür zum Ausdruck bringen, ist an und für sich ein deutliches Zeichen, wie das Judentum im Rheinland gewertet wird. Daß aber das Judentum der Umwelt noch etwas zu sagen hat, beweist der Inhalt der Jüdischen Sonderschau. Nicht nur das Vorbild der katholischen und evangelischen Kreise war maßgebend dafür, daß das Schrifttum in den Mittelpunkt der Ausstellung in den achteckigen, mit dem herrlichen Bilde von Lesser Ury, kostbaren Wandteppichen mit deutscher und hebräischer Inschrift, mit ehrwürdigen Thora-Vorhängen und Bildern der Großen Israels geschmückten Ehrenhof gestellt wurde, sondern die klare Erkenntnis, daß auch der Ausgangspunkt für den geistigen Prozeß, wie er in der vielsprachigen und vielgestaltigen jüdischen Prepe zutage tritt, die Lehre Israels ist. Das Sinnbild hierfür — eine alte Wormser Thora-Rolle in Barock — steht aufgerollt in einer Glasvitrine im Mittelpunkt des in dunkelroter Farbe gehaltenen Raumes und weist auf die alte Fahne Israels hin. Sie wird umgeben von kostbarem Thora-Silber, einer Mischna-Handschrift des 12. Jahrhunderts und seltenen Inkunabeln. In den Vitrinen rings an den Wänden des Ehrenhoses und im angrenzenden Lesesaal sind alle Gebiete des jüdischen Schrifttums, Bibel, Bibelübersetzungen, Talmud, Codices, Midrasch-Literatur, Neligionsphilosophie, Mystik, Streitschriften durch Inkunabeln, Erstdrucke und seltene Ausgaben vertreten. Die althebräischen Inschriften von Sinai, die Professor Tr. Grimme durch Schriftproben erläutert hat, die ^iloah- Jnschrist. der Mesa-Stein und andere hebräische Schriftproben zeigen, wie weit der Weg zur Kunst Gutenbergs und zur jüdischen Zeitung gewesen ist. Auch die eigentliche Presse repräsentiert sich nicht nur in ihren Anfängen. Die Uebergänge vom Brief zur Zeitung, vom Einblattdruck und den Flugblättern bis zur „Gazeta de Amsterdam" von 1074, der „Dyhrenfmter Zeitung" und dem „Measses" Mendelssohns haben ihre Darstellung gesunden. Und mm entfaltet sich der reiche jüdische Blätterwald bis zur Gegenwart, teils nach Sprachen und floaten, teils nach seinem Inhalt geordnet und gibt einen Gradmesser sür das in den einzelnen Ländern seweilig pulsierende jüdische Leben. Zur Publizistik gehört jedoch auch jene mit der „Pressa" verwandte Literatur, in der das Geschick der Juden seinen Ausdruck gefunden hat. Hierfür Ijabai insbesondere Holland. Frankreich und Deutschland in reichem Maße beigesteucrt. So ist es möglich, ein Bild von der Geschuhte der Juden während der letzten Jahrhunderte zu gewinnen. Wir tonnen fast lückenlos von etwa 1500 au bis zur Gegenwart aus den Flugblättern, Edikten, Judenordnungeu und sonstigen Veröffentlichungen die Geschichte der Juden in unserem Baterlande ablesen. Mit dem Ncuchliu—Pfcfferkorusck)eu Streite beginnend. sehen wir zum Beispiel Verordnungen ül>er das Tragen des gelben Ringes an den Kleidern. üt>er Austreibung der Juden Huincfynt Gegenden, erfahren wir aus bunten Drucken das Ge- Mm des Juden Süß. sehen dann weiter den Umschwung in der Reformgesctzgebung des Kaisers Josef II. und als Pendant dazu das Dohmsche Buch über die bürgerliche Verbesserung der Juden, sodanr. die mnere Emanzipation der deutschen Juden in den Tagen Moses Mendelssohns, die äußere Befreiung in Preußen in dem Originaledikt vom 11. März 1812, die Reaktion in der Publizistik eines Fries und eines Rühs, in den Kämpfen der Frankfurter Gemeinde um ihre Gleichberechtigung, das Jahr 1848 und'das Ringen um Glaubensfreiheit und Bürgerrechte, bis zur Gegenwart. Das hierbei in den letzten Jahrzehnten Führer des Central- Vereins an der Spitze dieses K a m p f e s gestanden haben, bedarf kaum der Erwähnung. Bekundet dieses Material, das sich in demselben Raume findet, in dem der Centralverein feine gläserne Säule ziegt und -das Israelitische Familienblatt geschmackvoll ausgestellt hat, daß wir nicht gewillt sind, uns unsere Rechte nehmen zu laffc-n und hinter den anderen zurückznstehen, so beweist die ganze Jüdische Sonderschau, daß wir bereit sind, sür die alten Ziele des Judentums, dem ja auch die ganze Pressa dienen soll, zu wirken, für Völkerversöhnung und Dtenschheitsverbrüdernna. Daß die Jüdische Sonderschau reiche graphische Kunst zeigt, daß die Gelehrten und Bibliotheken, wie Private des In- und Auellandes sie warm unterstützt haben, sei hier dankend erwähnt. Ob aber das Werk, an dessen spitze Justizrat Dr. Boden- Heime r steht, besten Kulturhistorische Abteilung der Verfasser dieses^ Artikels leitet, dessen künftlerische Ausschmückung l^e sonders Dr. schwarz und Fraulein Jöhlrnger sich angelegen sein ließen, und besten eindrucksvoller Bon von Baumeister Robert Stern stammt, gelungen ist, darüber mögen die hoffentlich recht zahlreichen Besucher der Ausstellung urteilen. Die Säule des Centralvereins in der Isop.