Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 21 (23.5.1928)
- Date
- 1928-05-23
- Page
- Seite 298 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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von rechts und links LN sie herantreienden Forderungen hindurchschlängeln? Was soll num aber dazu sagen, wenn einem eingeschriebene C. D.er mit denselben Mätzchen kommen? Dem i st d e r C. V. z u r a d i k a L dem ist er zu weich. Ein em w ar er sogar zu — demokratisch. Wahrhaftig! Demokratie hier allerdings nicht im Gegensatz zur Aristokratie genommen, sondern zur Sozialdemokratie. Sonderbarerweise t'ommt die moralische Entrüstung in der Regel erst dann zum Ausdruck, wenn eine L c i st u n g gefordert wird. So verschiedenartig sich die hier skizzierten Gruppen und Meinungen auch darstellen mögen, reißt man ihnen die Maske weg, so kommt bei allen ein und dasselbe Gesicht zum Vorschein: die Vera n tw or tu ng slo sigkei t. der Mangel an Pflichtbewußtsei n. Will man mildernde Umstande gelten lassen, so mag man noch Gedankenlosigkeit hinzufügen. Es gibt eben zuviel M e n s ch e n , d i e gute Zeiten nicht vertragen können. Die verh 5 ltnismäßige Nuhe der letzten zwei bis drei Jahre hat die Gewissen e i n geschläfert. Da wird cs Zeit, daß wir sie wieder aufrütteln. Denn daß wir den geschilderten Zuständen nicht ruhig Zusehen dürfen, ist doch wohl selbstverständlich. Auch die festeste Organisation geht aus dem Gesüge, auch die natürlichste Gemeinschaft geht der Auslösung entgegen, wenn Ziel und Ausgabe verblaßt, wenn der Verpflichtungsgedanke aus dem Bewußtsein des einzelnen schwindet. Hier erwächst uns eine Erziehungsaufgabe, vor allem einmal im eignen Hause, die unserer Aufklärungs- und Abwehrtätigkeit nach außen an Ernst und Bedeutung nicht nachsteht. Es ist dies eine Arbeit, die meines Erachtens nicht mit großem Apparat, durch Reden und Zeitungsartikel zu leisten ist, sondern, wie eben jede erfolgversprechende Erziehungsarbeit, durch intensive, systematische Kleinarbeit, ausgehend von jedem e i n z el n e n Verantwortungsbewußten, h i n z i e l e n d auf j e d e n Verantwortungslosen. Wir müsien dahin kommen, daß durch all das Gestrüpp der Meinungsverschiedenheiten in Einzelfragen hindurch der Grundgedanke des C. V. wieder deutlich sichtbar wird; es muß jedem einzelnen deutschen Juden nachdrücklich zum Bewußtsein gebracht werden, daß die Sache des E. V. — ungeachtet der von Zeit zu Zeit in den Vordergrund tretenden strittigen Angelegenheiten — seine eigenste und persönlichste ist. Don der Einsicht in die Allverbundcnheit zum Gefühl der A l l v e r p f l i ch t u n g ist dann kein weiter Weg mehr. Jeder anständige Mensch muß sich darüber klar sein, daß es unmoralisch ist, die Vertretung seiner ureigensten Interessen anderen zu überlassen, da ernten zn wollen, wo inan nicht gesät hat. H. Stern. /v .r\ y\.A JF\ / Bon Alfred Hirschberg. Ter s ü n f t e große W ahlka m p f seit der Entstehung der deutschen Republik liegt hinter uns. Was er an großen PolitisckM Ergebnisten auch für uns gebracht hat, ist an leitender Stelle diejes Blattes bereits gesagt worden. Hier' gilt es mir zu zeigen, wieweit die Forderungen, die sich ans der Politischen Situation i m besonderen für u n s ergaben, ihre sachgemäße Erfüllung fanden. Es soll an dieser Stelle nicht alles das gesagt werden, was mitzuteilen für jene jüdischen Kreise notwendig wäre, die unserer Arbeit von jeher mit Skepsis gegenüberstehcn, und die die Frage, „Was hatte der Centralver ein im Wahlkampf eigentlich zu tun?" laut und leise, sogar in ihren Zeitungen auswarfen. Wir wollen vielmehr nur das miiteilen, was a l l g em e in b ek an n t zu geben nützlich und zweckmäßig ist. Wir haben dabei die Hoffnung, daß schon dies hinreichen werde, um auch die Verneiner und Zweifler eines Besteren zu belehren. Als der Reichstag aufgelöst wurde, deuteten wir an dieser Stelle die besonderen Aufgaben an, die in den erregten Zeiten eines Wahlkampfes neben der Ausübung ihrer selbstverständlichen staatsbürgerlichen Pflichten und Rechte jenen Gruppen zukäme, die ein überparteiliches, ordnendes, ethisches Prinzip verkörpern. Wir begrüßten in diesem Sinne den Wahlkampf, weil die mit ihm verbundene stärkere Politisierung sonst von Politik unberührter Volkskreise uns die Möglichkeit bot, an sie mit Wort und Schrift heranzukommen und sie über das große Prinzip unserer Organisatign zu unterrichten: Entgiftung vom Masscrrhas;, Ucbcrzcngung von der Bedeutung der Wahrheit im politischen Kampfe. Es kann mit Genugtuung gesagt werden, daß wir diesen Wahlkamps mit einer gewissen inneren Freudigkeit zu führen in der Lage lvaren. Zum ersten M a l e seit 1918 stand die sogenannte Juden frage nicht im Mittelpunkt des politischen Kampfes. Selbst diejenigen Parteien, die programmäßig zur Judcnfeindschast verpflichtet sind, übten, bis auf die letzte Woche vor dem Wahltermin, starke Zurückhaltung. Wir wollen nicht überheblich sein und behaupten, daß diese Scheu der Parteien, die Judenfrage zum Kernpunkt ihrer politischen Arbeit zu machen, ausschließlich auf die vier Jahre hindurch unermüdlich geleistete Aufklärungsarbeit des Eentralvereins zurückzuführcn sei. Aber die Tausende, die unseren A u f r l ä r u n g s v e r f a m m l u n g c n beiwohnten, die Zehntausende, die in einer besinnlichen Stunde Zeit für die Lektüre irgendeiner P h i l o - S ch r i f t fanden, die H u n d e r t t a u s e n d e und Millionen, denen Monat um Monat, jahraus, jahrein, die M o n a t § a u s g a b e der „C. V. - Zeitun g" in die Hand gegeben wurde, sie alle können nicht unbeeinflußt geblieben sein. Wir rechneten zwar rückst damit, daß wir jeden Leser unserer Veröffentlichungen, jeden Teilnehmer an unseren Auftlärungsversammlnngen zu wirklich gerechten Beurtcilern der Judensrage machen, aber wir wisten. daß wir durch unsere Arbeit Zweifel über altüberlieferte Vorurteile cnocdfcn, und der Zweifel ist der Vorläufer der Wahrheit. So brauchten wir in diesem Wahlkampf nur in geringem Umfmme „ÄbwLür^ Lm engeren Singe dcZ Wortes zu üben. Wir konnten den großen Apparat, den wir durch unsere LaudcZ. verdands-Geschäftssiellcu und Ortsgruppen bis in dle kleinsten Städte hinab in Bewegung zu setzen in der Lage sind, und die Gesamterfahnmg der vielen hundert mit Herz und Verstand für unsere Gedankemoelt begeisterten Männer und Frauen fast r e st l o s s ü r eine vervielfachte positive Aufklärungsarbeit e r n s e tz e n. Dus alte bewährte Mitte! unserer M o n a t s a u s g a b e bot sich von selbst als besonders geeignet an. Neben der üblichen An'läge, die verdoppelt wurde, wurden mehrere Sondernummern Der „(?. V.-Zcitung" geschaffen, die im Streuverfahren an viele hunderttausend wahlberechtigte Bürger zur Versendung gebracht wurden. Das flache Land wurde in weitem Ausmaße berückberücksichtiZt, denn die Erfahrung, daß der Judenhaß nirgends stärker ist als in solchen Gegenden, m denen man den Juden von Mensch zu Mensch nicht kennenlernen kann, iocil es keine Juden dort gibt, gilt nach wie vor. Jede Nummer dieser Wahlausgabe enthielt eine Anrede „An unsere Leser", in der sich der Verein als Uebersender vorstcllt, und die Absichten, die er mit der Ueberreichuug der Zeitung verfolgt, in würdiger, klarer Form ausspricht. Die Zeitschriften, die wir von den Empfängern dieser Sondernummer erhielten, gehen in die Hunderte. Die wenigen Beispiele erschreckender seelischer Verrohung, die in den Kommentaren meist anonym zurückgesandter Exemplare zu erkennen waren, werden bei weitem ausgewogen durch die Briese crnsthafrer Menschen, die ihre Dankbarkeit für die Uebersendnng dieser Zeitung zum Ausdruck brachten und den Wunsch äußerten, mit ihr weiterhin bedacht zu werden. Hier ist Aufbauarbeit über den 2 0. Maihinaus geleistet worden. Neben der „C. D.-Zeitnng" wurde von unseren Ortsgruppen in weitem Umsarrge eine neue Zeitung verbreitet, die von einem jungen Berlage herausgcgeben wurde, die •o DAS ORGAN DES DENKENDEN DEUTSCHEN Was tut haute notl fi Vorkite Schon die bloße Tatsache, daß in dieser Zeitung eine große Anzahl aktueller Taaessragen objektiv behandelt wurde, war von starker entgiftender Wirkung auf die gleichfalls nach Hunderttaufenden zählende Leserschast. Eine große Anzahl von Zuschriften an den Verlag brachte den Wunsch zum Ausdruck, die „Deutschen Blätter" ihres vornehmen Charatters und ihres sachlich interessanten Inhalts wegen zn abonnieren. Hand in Hand mit dieser etwas leichtere Kost bietenden Ausklärungsarbeit durch Zeitungen und Zeitschriften ging, eine planmäßige und sorgfältig durchorgauisierte Verbreitung durch Broschüren« Der Eentralverein hatte im Vertrauen ans die Opfersreudigkcit seiner Mitglieder, in der er sich auch nicht getäuscht hat. vor dem Einsetzen des eigentlichen Wahlkampfes weit über 10 000 w e r t v o I I c cf> r i f f e n. des P h i l o - B e r l a g e s seinen Landesverbänden kostenlos zur Verfüg u n g ec» stellt. J b