Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 21 (23.5.1928)
- Date
- 1928-05-23
- Page
- Seite 299 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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^ic von allen politischen Parteien berücksichtigte Erfahrung, daß die?nrz gefaßte Broschüre das nachhaltigste und wirksamste Agitationsmittel sei, weil der Empfänger sie ihres gewissen Wertes wegen nur ungern fortwerfe, eine Tatsache, die auch die Wirkung der „C. V.-Zeitung" und der „Deutschen Blätter" zum großen Teil erklärt, wurde auch in unserer Arbeit berücksichtigt. Eine kleine mit Tatsachenmaterial angefüllte, in kräftigem Tone geschriebene Flugschrift „von Tillessen bis Schmelzer" fand eine an die halbe Million heranrcichende Auflage und ihre dementsprechende Verbreitung. Und als kurz vor dem 20. Mai eine mehr auf den Geschmack des kleineren Mannes abgestimmte Broschüre erschien, in der, vom gemeinsamen Kricgserlebnis ausgehend, die verhängnisvolle Wirkung des politischen Hasses geschildert wurde, wurde auch diese in vielen tausend Exemplaren zur Verteilung gebracht. An Äuflagezisfer, trotz der 10 000 Exemplare, die verbreitet wurden, am geringsten, al^er an Stoßkraft und weit über den Wahltag hinaus reichender, sich stets erneuernder Wirkung am wertvollsten war die Neuarrflagedes Aus dem kleinen, etwa 50 Blätter enthaltenden Zettelkasten mit alphabetisch geordnetem Tatsachenmaterial zur Judenfrage war eine handliche Mappe von etwa 100 Blatt geworden, auf denen rund 600 Stichworte behandelt waren. Bor Beginn des Wahlkampfes noch hielten wir es für unsere Pflicht, die Abgeordneten der verfnpimgZLrcnen Parteien, sowohl im Reichstag als auch in sämtlichen Parlamenten deutscher Länder, teils mir dem Handbuch der Judenfrage von Stern, „A ngri. ss u nd A b w e h r", teils mit d e m „A n t i - A n tt* Zn versehen. Mehr als die Zahlreichen Tankschreiten beweisen uns ständige Nachanfvrderungcn, „da man sein Exemplar an einen interessierten Parteifreund abgegeben habe", oder die Bitte um „die kleine Mappe, die ich bei meinem Parteifreunde 3c. gesehen h a b e", den Wert dieser Aktion. Durch Vereinbarungen mit gewissen Parteistellen wurde erreicht, daß jedes aktiv im Wahlkampf stehende Parteimitglied unseren „Anti-Anti" in Händen hatte, und daß in den Referaten selbst völkischer Parteiredner die üblichen Angriffe gegen das Judentum nur vereinzelt erfolgten, ist nicht zum mindesten der stillen Drohung des stets a n t w o r t f re u d i g e u „Anti-Anti" zu verdanken, der in der Tasche irgendeines Versammlungsteilnehmers sicherlich stets zu. vermuten war. Die judenhetzerische Agitation, die in Versammlungen keine rechte Stätte mehr fand, flüchtete sich, wie wie bereits andeuteten, znm Ende des Wahlkampfes in die Plaka te an die Litfaßsäulen, in die Fl ugb l ä t t c r und in die völkis ch e P r e s s e. Neunzehn verschiedene Flugblätter und zehn Textplakate allergrößten Ansumßes hatte'allein die Parteizentrale der Nationalsozialisten Herstellen lassen. Um so freudiger begrüßten es dest^lb alle in der Abwehr gegen den Nationalsozialismus und dem Völkisch-Nationalen Block stehenden Stellen, als sie über das Plakat „Tod oder Brot" verfügen konnten, das mit wuchugem Ausdruck die Gefährdung des friedlichen arbeitsamen Deutschland durch den eine Haudgrante schwingenden, gistspeieudeu. mit Hakenkreuz am Stahlhelm bedeckten Toteukopf darstellte. Und dem 244 MManhkagMg brs Genfrßfoereittö. Köln, die immer bewegte Stadt, steht aus Anlaß der Pressa wiederum im Zeichen der Tagungen und Kongreye.^ Ter linksrheinische Landesverband ruft wiederum wie 1025 seine Getreuen zusammen und veranstaltet. am Sonntag, 3. I u ni, in der rheinischen Metropole eine Derbandstaauug großen Stils. Den Auftakt bildet vormittags eine Kundgebung im Opernhaus, der der Leitgedanke „Das Recht der deutschen Juden an der deutschen Heimat!" zugrunde liegen wird. Ter Nachmittag ist durch Referate von Tr. Ludwig Holländer (Berlin) und Rechtsanwalt Kurt Alexander (Krescstd) ausgefüllt. Ein gemütliches Beisammensein in der Prena wird den Tag beschließen. Programm ös§ Rhemlanökuriößebung. I. Vormittags 11 Uhr im .Kötner Opernhaus: Runögebung. 1. Ouvertüre zur Oper „Oberon" . E.M.v. Weber Kölner städtisches Orchester, Dirigent Kapellmeister Walter. 2. Begrünung. Bernhard Fcilchcnseld (Köln). Vorsitzender des Verbandes. 3. Ansprache. Justizrat Dr. Brodnitz (Berlin), Vorsitzender des Eentralvereins. 4. Gesang: H re pLLkore, Arie.Mozart Fräulein Haust) Book, Koloratursängerin an der Kötr'.er Oper. 5. Festrede: Ter deutsche Jude auf deutscher Erde! R.-A. Dr. Bruno Weil (Berlin), stellvertr. Bors, des E. V. 6. Vorspiel Zur Oper „Tie Meistersinger von Nürnberg" .. R. Wagner Kölner städtisches Orchester, Dirigent Kapellmeister Walter. 7. Schlrrsiansprache. R.-Zll Dr. H. Frank, Vorsitzender der Ortsgruppe Köln. Dritte Strophe Des Teutschlandlieves. II. Um 1 Nhr gemeinsames Mittagessen in Der Nheiulandlogc, Cäcilienstraße 18—22. III. Nachmittags 3 Uhr im grosten Saal der Rhcinlandloge. verbanössttzung. Tagesordnung: 1. Das Gesicht des modernen Judenhasses! Referent: R.-A. Dr. Kurt Alexander (Krefeld). 2. Tie Arbeit Des bentralvereins! Referent: Direktor Tr. Ludwig Holländer (Berlin). 3. Aussprache. IV. Abends gemütliches Beisammensein in der Pressa. Opernhauskarten zur Teilnahme an der Kundgebung werden für die Kölner jüdische Bürgerschaft ab Freitag, 25. Mai, nachmittags 3 Uhr, an der Theaterkasse der Firma L. Tietz sowie an der Opernhauskasse znm Einheitspreis von 1 M. angegeben. Tie Ausgabe geschieht in der Reihenfolge der "A n - forderunge n. I . . ':.T; ';■? V / •'> ■- Uebermute der N. S. D. A. P. trat das Flngblait „Hitler der Netter" wirkungsvoll entgegen. Ein „(Extrablatt wandte sich in humorvoller Weise gegen jeden Radikalieinus, und wo auf Plakaten der Vermerk zir finden war „Inden h a b c n k e i n e n Z u t r i t t", klebte halb ein Zettel dauern: „Tenn heim Lügen möchten wir nngestört bleiben." Selbstverständlich ist es, daß in dem Rahinen unserer Wahlarbeit eu auch die rednerische Aufklärnngsarbeit ihren Rucijci^ert Platz zugetcilt erhielt. Wir erwähnen nur der Vollständigkeit halber^die Ncdncrkursc in rund einem Dutzend deutscher Städte in allen Teilen des Reiches, die mehrere hundert aktiv politischer Männer und Frauen mit unserer Arbeit, unserer Gedankenwelt und unserem Material vertrant machten: auch dies eine Saat weit über den Wahltag hi n a u s. Nach außen hin bemerkenswerter und wuchtiger wirkend waren die großen &