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Central-Verein-Zeitung · 1928-05-23 · 21 (23.5.1928) · p. Seite 296

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
21 (23.5.1928)
Date
1928-05-23
Page
Seite 296 (sequence 4)
Language
German
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29ö Or. Ltcttitt, 21. Mai. Im Gegensatz zu frühereu Wahlkämpfen ist der diesjährige tn Pommern sehr ruhig verlaufeu. Tie National s o z i a l i ft e n zeigten sich ebenfalls recht zahm. Da sie es mit der Arbeiterschaft mch. verderben wollten, richteten sie ihre Angriffe gegen die Deutschnationalen. Das gleiche tat Herr v. Graefe, der aber m seinen überfüllten Versammlungen auch seinen Judenhaß offen austrug. Die Deutschnatioualen sind für ihn eben auch nur Knechte des jüdischen Finanzkapitals. Es gelang chm zum erstenmal in Pommern, rund 13 000 Stimmen zu gewinnen, während seine Nachbarn, die Nationalsozialisten, rund 16 000 Stimmen verloren haben. Die D eutschsoz i a le Partei des Herrn Kunze brachte es auf ganze 661 Stimmen. 1924 zählte sie noch über 8000. Trotzdem es die Deutschnationalen anscheinend auf einen Wink von oben hin ängstlich vermieden, auch nur das Wort Jude in den Mund zu nehmen, ja, sich sogar ^manchmal zu einer großmütigen Geste herabließen und ihr pommerscher Spitzenkandidat, Herr v. Schlange-Schöningen, erklärte:_ „Wenn Sie praktische Politik dedeutschen Wiederaufbaues treiben wollen, dann kommen Sie nicht vorwärts, wenn Sie das Wort ,Jude* fortwährend herausschreien und damit junge Leute wild machend gelang es ihnen nicht, den so heiß ersehnten Sieg zu erringen. Sie haben über 70 OM Stimmen verloren. Gewonnen haben Demokraten und Sozialdemokraten. Dieses gewiß sehr erfreuliche Ergebnis gerade für das von Judenseiudschaft so sehr heimgesuchte Pommern darf uns nicht über die wahre Lage der deutschen Juden hinwegiauschen. J. Vruthen, O.-S., 21. Mai. Das Resultat ist sehr befriedigend. Es gingen zurück: die D e u t s ch n a t i o n a l e n von 117 916 aus 9 6 3 2 0, die Nationalsozialisten und der Völkisch-Nationale Block, die 1924 zusammen 8171 Stimmen erhalten hatten, auf 5565 bzw. auf 844, die D e u t sch s o z i a l e Partei von 5651 aus 3756 Stimmen. Alle vier Parteien sind von insgesamt 131738 Stimmen zurückgegangen auf 106 485 Stimmen oder um 25 253 Stimmen — 19,2 Prozent. Besonders interessant ist der Stimmenrückgang, den die DeutschsozialePartei in den verschiedenen Reichstagswahlen seit ihrem Auftreten in Oberschlesien erlitt: 19. Nov. 1922 4. Mai 1924 7. Dez. 1924 20. Mai 1928 23 000 11291 5651 3756 Die Deutschsozialeu haben also insgesamt fünf Sechstel ihres ursprünglichen Besitzstandes verloren. Nationalsozialisten und VölkischnaLionale, die bei den vorigen Wahlen in Oberschlesien noch vereint waren, gingen von 18 935 Stimmen am 4. Mai 1924 auf 6409 Stimmen zurück, haben älso im Verlauf der letzten vier Jahre zwei Drittel ihres Besitzstandes eingebüszt. A. B. Hamburg, 21. Mai. Das wichtigste Ergebnis der Wahlen in Hamburg ist ein außerordentlich starker Rückgang der Deutsch nationalen, die seit der letzten Reichstagswahl. 44 000 Stimmen cingebüßt haben. Die Nationalsozialisten haben gegenüber der letzten Reichstags wähl um 3300 Stimmen zugenommerr. Die nachfolgende Aufstellung über das Stimmenverhältnis zeigt die Verschiebung der Stimmen bei der jetzigen Wahl: Reichstags- Reichstags: Vüraerschaftswahl 1928: wähl 1924: wähl 1928: Deutschnationale . , 88 918 136 510 94048 Nationalsozialisten . 17 753 14 479 14 760 Völkische. 2 281 — - Auch in den zum Landesverband Norddeutschland gehörenden Provinzen Schleswig-Holstein und M e ck l e n b u r g sowie in den benachbarten Hansestädten ist die Wahl vollständig ruhig verlaufen, und auch hier zeigt sich das gleiche Bild wie in Hamburg bezüglich der Stimmenzusammensetzung. Wichtig erscheint die Feststellung, das; in fast allen Orten, selbst in den kleinsten, eine ganze Anzahl Stimmen für die Nationalsozialisten und den Völkischen Block abgegeben wurden: ein Beweis dafür, daß überall Propagandazeven dieser Parteien worhauden sind. W. G. Bremen, 20. Mai. Die Völkischen verzichteten aus agitatorischen und persönlichen Gründen auf Henning (der an dritter Stelle aus der völkischen Reichsliste steht) und stellten den Landwirt Weidenhöfer auf. Für die Nationalsozialisten kandidierte der ehemalige Pfarrer Münchmcyer. Die weitaus stärkste Agitation entfalteten die Nationalsozialisten. Ihre Versammlungen waren trotz 30 Pfennig Eintrittsgeld bedeutend bester besucht als die Gratisversammlungen der - anderen Parteien. In verschiedenen Städten wurden wirkungsvolle Flugblätter verteilt, welche die Bevölkerung über die im Borkurrr-Yrozetz enthüllten moralischen^ Qualitäten des Expfarrers aufklärten. In Bremen hatte die 2lbwehrder Verleumdungen Münchmepers zur Folge, daß die nationalsozialistisch-völkischen Stimmen gegenüber 1924 um 65 Prozent zurttckgcgarrgcrr sind, während im Wahlkreis Weser-Ems eine Steigerung dieser Stimmen nur 60 Prozent zu verzeichnen ist. Die Arbeit gegen Münchmcyer fanb ihre Belohnung in seiner Wahlniederlage. Sb. Königsberg, 21. Mai. Auffallend ist in der Agrarprovinz Ostpreußen der starke Verlust den die Deutschnationale Volksparte: und ihre völkischen Bcuderpartcien erlitten haben. Bemerkenswert ist, daß sich der Gewinn der K o m m u n i st e n s a st v o l l k o m nt cit mit d e m D e r l u ft der Völkischen deckt. Es ist anzunehmen, daß die bisherigen Völkischen restlos ins kommunistische Lager abgewändert sind, womit wieder einmal bewiesen wird, daß ein Ertrem das andere zeitigt. Selbst in der früheren völkischen Hochburg Neiden bürg ist die Zahl der völkischen Stimmen ganz erheblich zurückgegangcn. Die Flugblätter hatten überaus hetzerischen Charakter. Neben den bereits in der „C. V.-Zeitung" abgebildeten wurde eine ganze Reihe anderer Flugblätter, wie „Walther Rathen au und die 300 W e i s eu a us d e m M o r g c n l a n d e", „Parker Gilbert", „DaS Volk regiert sich selbst" (in dem behauptet wird, daß es von jüdischen Volksvertretern beherrscht würde), „Freiheitsfront gegen Einheitsfront", ein Bilderflngblatt „Wer beherrscht Deutschland'?" (das neben dem Kopf eines Franzosen, einen Bolschewisten und eines Sozialisten auch einen jüdischen Kopf zeigt) und andere Blätter antisemitischen Charakters durch die Teutschnationnlen, den Völkisch-Nationalen Block und die Nationalsozialisten verteilt. Von der „Deutschen H a n d e l s w a ch t', dem Vlatt des Deutsch nationalen Handlungsgehilfen Verbandes, wurde die alte Wahllüge wieder aufgewärmt, der Landesverband Ostpreußen des Eentralvereins habe „roten Gewerkschaftsführern" Summen zur Agitation zur Verfügung gestellt. In den Versammlungen traten der bisherige Neichstagsabgeordncte der Völkischen für Ostpreußen, Jürgen v. Namin, dessen Manda: ihm^ dank der intensiven Gegcnarbert entrissen werden konnte, Forstmeister Giesel er, der erneut als ostpreußischer Vertreter in - den Landtag einzieht, Arbeitersekrctär Rödder als Hauptführer des Völkisch-Nationalen Blocks ans. Ter Block versuchte besonders auf dem Lande durch Gründung von völkisch-nationalen Bauernblocks Fuß zu fassen, was ihm im wesentlichen aber nur im Lötzcner Kreise mit Unterstützung des Lötzener Arztes Dr. Luft und des dortigen Oberpostsekretärs Schefsler gelang, die insbesondere auch den Boykott gegen jüdische Geschäftsinhaber und Angehörige der freien Berufe propagierten. Für die N a t i o n a l f o z i a l i st e n war als Hauptredner de? frühere Freikorpsführer v. Petersdorf tätig, der eine recht erhebliche Judenhetze trieb. Aber auch die Deutschnatioualen waren bemüht, sich so völkisch wie möglich einzustellen, insbesondere lat sich hierbei der Reichstagsabgeordnete Profestor Tr. Pr eh er. Ordinarius für Nationalökonomie an der Königsbergcr Universität, hervor. Schw. Berlin, den 21. Mai 1928. Ter Hitler Berlins, Dr. Goebbels, wollte am 20. Mai Berlin „erobern". Er hat auf Kosten der feindlichen völkischen Brüder ein verhältnismäßig günstiges Wahlresultat erreichen können, aber zu einem Mandat in Berlin hat es nicht gelangt. Bei ruhiger Betrachtung des Groß-Berliner Wahlresultats haben wir jedoch gar keinen Anlaß, über die ,.Niederlage" des Herrn Goebbels und des Völkisch-Nationalen Blocks zu frohlocken. Am 20. Mai 1928 sind in Berlin und Potsdam H rund 10 0 0 0 Stimmen mehr für völkische Parteien abgegeben worden als im Jahre 1924. Noch vor VA Jahren bestand die Hitler-Bewegung in Groß-Berlin aus einigen Dutzend unorganisierten Leuten. Dr. Goebbels hat in kurzer Zeit eine nationalsozialistische Organisation in Grosz-Vcrlin auf die Beine gestellt, die immerhin beachtenswert ist. Wenn wir als Vcrglcichszifser die in Berlin und Potsdam II abgegebenen 170 000 demokratischen Stimmen (in der Hochburg der Demokratie) heranziehen, s o sprechen die 54000 unserer erbittert st cit völkischen Gegner eine Sprache, die zum Nachdenken Anlaß gibt, zumal wir damit rechnen können, daß sich die Nationalsozialisten in Berlin nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen werden. Kündigt doch das Berliner Hitler-Organ unmittelbar nach der Wahl in großen Lettern an: „In wenigen Wochen spricht A d o l s Hitler in Berlin in geschlossener M i t - g l i ede r vc r sam m lu n g! Sorgt, daß eure Mitgliedsbücher in Ordnung sind!" In der bcnachbartcu Provinz Brandenburg, wohin die nationalsozialistische Agitation noch nicht so stark Vordringen konnte, haben Nationalsozialisten und Völkisch-Nationaler Block in Potsdam I 10 000 Stimmen gewonnen, im Wahlkreis Frankfurt a. d. O. jedoch 6500 Stimmen verloren. Im Anschluß an eine gemeinsame Telegierteniagnnq der Landesverbände Groß-Berlin und Brandenburg hatten wir im Centralverein auf den ländlichen Frankfurter Wahlkreis unser besonderes Augenmerk gerichtet, und es unterliegt gar keinem Zweifel, daß sich diese unsere großzügige Arbeit vor den Toren Berlins erfolgreich ausgewirkt hat.

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