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Central-Verein-Zeitung · 1928-05-23 · 21 (23.5.1928) · p. Seite 294

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
21 (23.5.1928)
Date
1928-05-23
Page
Seite 294 (sequence 2)
Language
German
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2-4 ist — wie dies bei einer Partei, die sich aus den verschiedensten Elementen zusammenseht, nur natürlich ist — nicht überall befolgt worden. Hier, wie in manchen Kreisen der Deutschen Volkspartei/hat man sich — offenbar in der Meinung, damit den Deutschnationalen den Wind aus den Segeln zu nehmen — gewisse unerfreuliche Zugeständnisse in der Agitation geleistet. Das gesamte Wahlergebnis zeigt, daß immer weniger Politische als wirtschaftliche Gesichtspunkte die Wähler leiten. Das sind Tatsachen, die mit Abstammung und Bekenntnis nichts zu Lun haben. Trotzdem ist in der gesamten Agitation der Völkischen und der Hitler-Leute immer wieder eine Verquickung von Judentum und Wirtschaft hervorgetreten, die zwar unsinnig ist, aber uns ständig zur Aufmerksamkeit zwingen wird, denn gerade nach dieser Richtung wird der Gimpelfang weiter betrieben werden. Auch dabei brauchen wir weiter die Hilfe unserer Freunde, die uns bei dieser Wahl im ganzen Lande so treu zur Seite gestanden haben.. Nachrichtendienst der A. A.-Zeitung". M.U; y-VtiJ M & xz. Kaiserslautern, 21. Mai 1928. Tic Wahl hat. eine außerordentliche Zunahme der Stimmen der Nationalsozialisten gebracht. Bon ungefähr 8000 Stimmerr im Dezember 1924 haben sie sich auf ungefähr 24 000 Stimmen vermehrt. Tabei ist das Bemerkenswerte, daß die sieben kreisunmittelbaren Städte der Pfalz ungefähr 10000 na twua l soz i a l i st ische Stimmen gebracht haben, während die 13 000 weiteren Stimmen auf dem Lande abgegeben Warden sind. Tie Hitler-Bewegung hat also, wie wir beobachtet hatten, sich hauptsächlich an die bäuerliche Jugend herangemacht und hat hier Erfolge erzielt. Tie "oft erörterte Tatsache, daß es uns außerordentlich schwer ist, unsere Aufklärung und unseren Kampf aufs slache Land zu tragen, steht hier als das wichtigste Problem der nächsten Zukunft wieder neu vor uns. Die Deutschnationale Volkspartei, die in diesem Wahlkanrpfe zum ersten Male Kandidaten ausgestellt hat, hat ungefähr 12 000 Stimmen erhalten. Wenn man diese Stimmen als antisemitischewertet, so sind in der Psalz von ungefähr 41b 000 Stimmen 35 000 judenseindtiche abgegeben worden. Es darf allerdings daraus hingewiesen werden, daß im Dezember 1924 die damals vorübergehend austretende Christlichnationale Volkspartei ungefähr 19 000 Stimmen aus sich vereinigt hatte, die mit den oben genannten nationalsozialistischen 8000 Stimmen auch schon damals ungefähr 27 000 Stimmen aus jenem Lage^ ausmachten. Wir haben, da die nationalsozialistische Arbeiterbewegung erheblich spater als im übrigen Reiche in der Pfalz eingesetzt hat und weil hier besondere Verhältnisse vorliegeu, immer damit gerechnet, daß btefe Bewegung in der Pfalz zunimmt. Die Starte und der Umfang der Zunahme in dieser Wahl zeigen uns sehr deutlich, welche wichtige und schwierige Aufgabe hier zu erledigen bleibt. wl. Karlsruhe, 22. Mai 1928. Wie im Reich, so haben auch in Baden die Deutschnationalen erheblich verloren: von 88 784 Stimmen bei der letzten Reichstagsnxchl aus 73 901. Man muß noch berücksichtigen. daß bei der letzten Reichstagswahl der Landbund aus eiuer eigenen Liste 58 000 Stimmen vereinigt hatte, wovon 13 000 die Christlichnationale Bauernpartei wieder bekommen hat. Die Stimmenzahl der Deutschnationalen einschließlich Landbund ist also von etwa 147 000 auf 92 000 zurückgegangen-, wenn man die Christlichuationale Bauernpartei und die Deutsche. Bauernpartei jetzt zu ihr zählen will. Die N. S. D. Ll. P. hat gegenüber den letzten Wahlen einen Stimmengewinn von über 7000 Stimmen. Ter Spitzenkandidat des badischen Wahlkreises, der badische Gauleiter Wagner, ist trotz Listeuverbindnug mit Württemberg nicht gewählt worden. Zu dem erforderlichen Mandat fehlen Wagner etwa 12 600 Stimmen. Wir mußten damit rechnen, daß die Nationalsozialisten, die in Baden wett bedeutsamer als der Völkisck)- Nationale Block (der seine Stimmenzahl von 3383 aus 0064 brachte und keine Rolle spielt) sind, einer! nicht unbedeutenden Skimmeugewinn erzielen würden. Die Organisationist in den letzten Jahren stark ausgebaut worden. Tie Bersanuulungspropagarrdü vor allem war sehr rege. Neue Bezirke konnten sie allerdings nickt erobern. Sie haben ihre Haupttätigkeib in bcn letzter: Wochen darauf gerichtet, in den Gegenden, in denen sie einen gewissen Einfluß hatten, zu arbeiten. In Karlsruhe selbst (Karlsrul)e-Land mb Karlsruhe- Stadt) ist die Zunähme nicht unbedeutend, von 2408 aus 9726. Um so stärker ist der Stimmengewinn tm badischen Unterland und Odenwald. Im badischen Oberland, Freiburger Bezirk, Scekreis usw., haben sie dagegen teilweise verloren. Es kommt dazu, daß sie dort in Konkurrenz mit dem Völkisch-Nationalen Block lagen. r«L München, 21. Mai. Die Sozialdemokraten haben einen großen Sieg davongetragm. Ihr Stimmenergebnis stieg gegenüber demjenigen von 1924 von 84359auf 112 50 3. Die Wirtschaft-Partei hat ihre Stimmenzahl in München vervierfacht. Die Kommunisten haben einen Rückgang von 37 300 auf 29 483 zu verzeichnen. Tie Verluste trägt fast vollständig die Deutsch« ati. anale Volkspartei. Sie hat in München mehr als die Hälfte ihrer Wählerschaft verloren -und ist von 7 1 9 1 3 a u f 3 1 31 8 ge s u u! c u. Dagegen hat die Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei ungefähr 20 Prozent Stimmenzuwachs erhalten. Es muß gesagt werden, daß dieser Stimmenzuwachs vou 30 378 auf 30 920 zweifellos der Achtung zuzuschreibeu ist die der Spitzenkandidat v. Epp in Münchener Bürgerkreifen genießt. Auf der anderen Seite aber kann auch nicht verkannt iverden, daß die ausgezeichnete Organisation der Wahlvorbereitungen der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei den wesentlichen Teil des Erfolges bewirkt hat. München wurde Wochen hindurch mit Flugblättern, Demonstrationen und Versammlungen der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei überschwemmt. Tie Bayerische Volkspartei und die Deutsche Volkspartei. sahen sich kurz vor dem Endtermin gezwungen, gleichfalls in den Plakatkampf gegen Hitler einzutrekeu. Das Stimmenverhältnis zum Landtag ist natürlich das gleiche. Nur ist zu bemerken, daß hierbei die Tcutschnationalen noch weitere Einbußen erlitten haben; hier haben sie nur 24 364 Stimruen auf ihrer Liste vereinigen können, während ihre Reichstagswahlliste 31318 Stimmen auswies. Ter frühere Völkische Block im Landtag hat einen gewaltigen Rückgang erfahren. Er hat kein Mandat erringen können, dagegen haben die Nationalsozialisten allein drei Plätze gewonnen. 1z. Nürnberg, 21. Mai. Ter Wahlkamps, wurde von der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei so gehässig wie immer geführt, besonders ihre Plakate waren nicht zu überbieten. Ihre Versammlungen sollen gut besucht gewesen sein, aber lange nicht so über stillt wie früher. In der letzten, am Freitag, sprach Hitler selbst. Streichers hiesige Gegner in der nationalsozialistischen Partei haben in großen Plakaten zur Streichung seines Namens auf der Laudtagsliste ausgesordert, „oa er den Führer Adolf Hitler betrüge und die Httler- Partei ihm zum Geschäft geworden sei". Letztere Bemerkung bezieht sich aus eine Notiz in der „Fränkischen Tagespost", entnommen dem „Bayerischen Kurier", daß Streicher du. Iahresdrrko mm c n von 87 000 Mark bezieht. Dementi ist bis jetzt noch nicht erfolgt. rs. Stuttgart, 21. Mai. Ter Wahlkamps spielte sich im allgemeinen in weniger heftigen und gehässigen Formen als bei den 1924er Wahlen ab. N a tion a lsozi a li ste n und Kommu ni ste n beschränktem sich aus eine umfangreiche Ktebezettelpropaganda. Erst in den letzten Tagen vor der Wahl arbeiteten sie mit grob antisemitischen Flugblättern und Plakaten. Tie ersteren brachten schon mehrere Wochen vor den Wahlen in allen Stadtteilen Zettel mit der Aufschrist: „Arbeiter, die Juden sind euer Unglück!" und Hetze gegen „jüdische Warenhäuser". In den letzten Tagen sah man jedoch nur noch den Arbeiter mit dem Hakenkreuzschild in allen Größen und den bekannten Zettel „Großdcmschland erwache!" Zu den einzelnen Parteien ist zu bemerken: Tie N a t i o n a l s o z i a l i st e n begannen mit dem üblen Aufruf, der auch in Berlin erchicn („Heraus mit den Judendrohuew aus ihren Pillen..."), dann wurde es plötzlich still, wie wenn eine gegenteilige Parole ausgegeben worden wäre. Hitler sprach in Stuttgart vor überfüllter Versammlung und enthielt sich dabei, jeglicher direkter Angriffe auf die Juden. Tie D eu t schnat i o n a l e Volks Partei hielt sich sehr zurück. Trotz all dieser Vorbereitungen haben die Nationalsozialisten im württernbergischen Landtag kein Mandat mehr errungen; obwohl die Stimmenzahl für den Reichstag etwas höher als die für den Landtag abgegebene ist, kann ein .Rückgang festgostettt werden, den wir nicht erwartet hakten. Das zeigen am besten die Zahlen von Stuttgart: N. S. D.A.P. Stuttgart: Landtag Mai 1924 12 120, Reichstag Tezemlxw 1924 5301, Reichstag Mai 1928 4608. Ter Völkisch- Nationale Block ist ganz unbedeutend. Wichtig ist auch der Rückgang im Bauern- und Weingärtnerbund, der zu den Deutschnatioualcn zu zählen ist. Wn. Gsserr, 21. Mai. Während die Versammlungsmüdigkeit ziemlich allaciucill glich noch in den letzten Tagen des Wahlkampfes auhielt, setzte mit dem Himmelfahrtstag eine besonders rührige Verteilung und Verbreitung von Flugblättern ein. die sich von den Städten aus auch über das Land ausdehute. Auerkenuensweri organisiert in dieser „papierncn" Wühlarbeit war die N. S. D. 2t. P., die aller-

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