Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 21 (23.5.1928)
- Date
- 1928-05-23
- Page
- Seite 293 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Herlin, 25. Mai 192Z VH. Jahrgang * Hc*Jß-' Cinzelnummrr IS Pfennig Blätter prtoö«fe8p»cJ A§W /OWM?vv<K«/vv^*' f iiß$k oijr'&r «*>vs> v ■ /y i> » -J siVWV-^ „><K~C**' V4 V» />=^ar?»5gCB^^ _ 'e Allgemeine Zeitung des Judentums dresdner Dank, Wechsel» hrSabonnement i,2ft’m (ruziigl. Bestellgeld). m.rlaa u. LchriftleiLung: Berlin 8VV 63. Lindenstr. 13 .:. Fernsprecher: Ami Dönhoff 3594.3395. .:. Postscheckkonto: Berlin 36472. .:. Bankkonto: v a stube G, Berlin SW 63, Lindenstr. 7, und von Goldschnrcüt-Nothschild & Co., Berlin W 8. «neiniae Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin 8V/ 19. und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0.90 JtJL für d:e TgcfpaUetie Feste nech Nudost Mosten Nornralzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Ctellenangebore) für Mitglieder d. Ccntra^vereino 0,l5^?stl, die 9u mm bretu iKeiiarr.ejet.e 4,S9cA*_H. Ii, XX Der Wahlausgang bedeutet für die jüdischen Deutschen insofern einen Erfolg, als /die völkischen Gegner 311m großen Teil die erwartete und verdiente Niederlage erlitten haben. Unsere Mittel und Wege zur Aufklärung der Bevölkerung, insbesondere die Tätigkeit auf dem Lande und alle jene Maßnahmen, welche diesen Feinden des inneren Friedens den Boden abgrabeu sollten, haben sich durchaus bewährt. Es wäre nur zu wünschen gewesen, daß sie in noch höherem Maße hätten zur Anwendung kommen können. Die Berichte in den Tageszeitungen, die sich im wesentlichen auf die großen V erf ch i e b u n g e n im Parlame 111 beschränken, täuschen über manche Einzelergebnisse hinweg, deren genaue Betrachtung gerade für uns von besonderer Wichtigkeit ist. Um die symptomatische Entwicklung zu verstehen und aus ihr die Lehren für die zukünftige Arbeit zu ziehen, muß man die Stimmen in den einzelnen Bezirken zählen und nicht nur die Ziffern der erlangten Mandate betrachten. Man sieht dann, .daß, wenn auch der Völkisch- Nationale Block im Reichstage nicht vertreten ist, weit er in keinem einzigen Wahlkreise die notwendige Stimmenanzahl aufgebracht hat, er doch immerhin insgesamt eine Vier telmillion Anhänger für sein radikalantisemitisches Pr0qramm zu erreichen verstanden hat. Diese Tatsache darf bei der Eesamtbeurteilung der Stimmung in der Bevölkerung nicht übersehen werden. Ebenso steht es mit einer Reihe kleiner antisemitischer Splittergruppen, deren Wählerzifsern znsammengerechnet eine nicht zu unterschätzende Gegnerschaft für die deutschen Inden betauten. Die Zahlen zeigen ferner, daß die nationalsozialistische Partei (Hitler-Bewegung') auch trotz bedeutender Stimmenverluste in einzelnen Teilen in großen deutschen Gebieten ihre Anhängerschaft vervielfachen konnte und in den besetzten Gebieten sogar in beunruhigendem Umsange Wurzel zu fassen vermocht hat. Die statistische Ausstellung, die wir an anderer Stelle dieses Blattes zum Abdruck bringen, belegt diese Beobachtung im einzelnen sehr deutlich. Entwicklungen wie im Wahlkreise P 0 t s d a m II, wo die Völkischen im tucitcrcu Sinne ihre Stirn* mensissern gegenüber Dezember 1921 um 26 Prozent erhöhen konnten, sind im Symptom nicht weniger beachtlich als Wahlkreise wie Koblenz-Trier, Köln-Aachen, die Pfalz, wo sie ihre Stimmen um 550 v. H., 100 und 200 v. H., also versechsfacht, verdoppelt, verdreifacht haben. Die uns vorliegenden ^pezialberichte aus dem Lande belegen diese Entwicklung mit einer Reihe von Einzelheiten und suchen ihre Ursachen zu ergründen. Besonders bemerkenswert ist die Ateldüng unseres Berichterstatters aus der R h e i n p f a l z, der darauf aufmerksam macht, daß die Nationalsozialisten sich hauptsächlich an die bäuerliche Jugend herangemacht haben und dieser Agitation ihren Stimmenzuwachs verdanken. Auch aus dem rechtsrheinischen Bayern wird uns mitgetcilt, daß die stark waren. Wenn wir sehen, daß selbst in Baden die völkischen Stinimen um 50 Prozent zugenommen haben; wenn wir beobachten müssen, daß im gesamten rechtsrheinischen Bayern die völkische Bewegung noch immer im Ansteigen begriffen ist, so zeigt uns das bei allen Erfolgen unserer Arbeit die Notwendigkeit, schon jetzt für die nächsten Wahlen Vorbereitungen zu treffen. Auch die Ergebnisse der L a n d t a g s w a h l e n sind für uns durchaus lehrreich. In W ü r t t e m b e r g und in Oldenburg sind die Ergebnisse erfreulich. In Preußen ist zwar der Rückgang der völkisch eingestellten Abgeordneten innerhalb der verschiedenen Parteien nicht so groß, wie man es erwartet hatte, aber auch hier hat sich manches gebessert. Die. L a n d La g s w ah le n in Bayern haben eine Aenderung in der Zusammensetzung des Parlaments mit sich gebracht. Der Völkisch-Nationale Block hat eine vernichtende Niederlage erlitten, die Nationalsozialisten nahmen zu, und im übrigen wurde ein kleiner Ruck nach links bemerkbar. Trotzdem kann man keineswegs mit dem Ergebnis zufrieden fein; denn es zeigt sich auch hier wieder, daß die wüste Agitation in Franken, die sich, wie unsere Leser aus unseren Berichten über den "„Stürmer" wisien, aus einem Niveau bewegt, das an Niedrigkeit und Unanständigkeit der Gesinnung nicht mehr überboten werden kann,, die Bevölkerung in inuner weiterem Maße vergiftet. 101000 nationalsozialistische stimmen im Wahlkreis Frauken^davon 25 000 allein in Nürnberg, sprechen eine erschütternde Sprache. Die Eesamtagitation hielt sich im großen und ganzen in anständigeren Formen als früher, aber ihr Jnhaltstoar deswegen nicht minder gefährlich. Man schrieb und sagte nicht immer „der Jude", aber was man schrieb und sagte, formte man so, daß jeder wußte, der Jude ist gemein t. Schwer gerungen wurde im norddeutschen Wahlkreise Weser-Ems, wo der bekannte Agitator M ü n ch tu eher, an der Spitze der nationalsozialistischen Reichstags- und Landtagslisten stehend, die stärkste Agitation gegen die Inden trieb. Hier hat sich besonders gezeigt, daß durch eine kräftige Gegenbewegung, insbesondere durch geeignete Redner und durch gute Flugblätter, die Agitation deutschnatioualer itnd nationalsozialistischer Elemente sehr stark eingedämmt werden kann, wenn mit Feuereifer gearbeitet wird. Daß in den verschiedenen Parteien, die an sich von jeder Judengegnerschaft frei sind, sich Lento zeigen, die hier und da auch antisemitische Mätzchen mitmachen, ist eine Erscheinung, die bei dieser Wahl nicht nett ist. und die wir immer und inuner wieder finden. Besonders aufmerksam wurde die Agitation der Mittetstandspartei verfolgt. Ihre Neichsparteileitung ist durchaus über den Verdacht, jndenfe'mdlichen Neigungen nachzugehen, erhaben. Sie ist in dieser Richtung völlig einwandfrei Aber ihre Parole