Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1928-05-18 · 20 (18.5.1928) · p. Seite 279

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
20 (18.5.1928)
Date
1928-05-18
Page
Seite 279 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2277379-2277781-2277801--04478-2285096
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Feststellungen Des „ZUxijifjetnxZ". — Tchlageter- Verräter und Separatisten. Im „Stahlhelm", dem Organ des Stahlhelms, Bund der Frontsoldaten, also dem gewiß unverdächtigen Kronzeugen, lesen wir entscheidende Feststellungen über die nationale Zuverlässigkeit der Hitler-Leute. Wenn wir auch weit davon entfernt sind, für die schweren Sünden der Anhänger einer Beweaung die ganze Bewegung als solche verantwortlich zu machen, so belasten doch die unbestreitbaren Mitteilungen des „Stahlhelm" die nationale Zuverlässigkeit der Nationalsozialisten miss schwerste. „Der Stahlhelm" schreibt in der Nummer 20 vo:n 13. Mai folgendes: 1. Ein nationalsozialistischer Gauführer hetzt, wie uns ans Mecklenburg berichtet wird, gegen den Stahlhelm mit der Behauptung,^ das; die Verräter Schlageters Stahlhetmer gewesen seien. Nach unseren Ermittlungen hat einor der beiden Verräter mit dem Namen Schneider einmal bei einer Ortsgruppe des Stahlhelin Antrag aus Aufnahme gestellt, ist aber, nachdem Erkundigungen eingozogeu waren, abgelehnt worden. Wir finden es nicht sehr geschickt, daß gerade die Nationalsozialisten an diese Affäre zu rühren wagen. Der andere Schlageler- Verräter. mit Namen Götze, war nämlich 1922, ehe er ins Nuhrgebiet ging, einer der Gründer der N.S. D. A. P., Ortsgruppe Beuthen, und bis zuletzt in deren Vorstand. Noch interessanter ist, daß der jetzige Spitzenkandidat der Nationalsozialisten und bisherige Reichstagsabgeordnete Gregor Straffer bis in die letzte Zeit mit den Verrätern in Verbindung gestanden hat. Er hat sie nicht nur, wie man sich erinnern wird, in seiner Presse Öffentlich verteidigt. In dem gleichen Prozeß, in dem Götze wegen Meineids verhaftet wurde, befand sich der Verräter Schneider im Besitze eines vertraulichen Briefes des seinerzeit mit Schlagetcr in Düsseldorf verurteilten A. Becker an den Rcichstagsabgeordnet'en Gregor Straffer! Straffer ist mehrfach von Becker um Aufklärung gebeten worden, ohne überhaupt zu autworteu. 2. Ein Gegenstück. In Rheinhausen veranstalteten die Nationalsozialisten^ einen Sprechabend, zu welchem die Ortsgruppe des Stahlhelm schriftlich cingeladen wurde. Hier wurden gegen den Stahlhelm die üblichen frechen Aiuvürfe erhoben, wobei die Worte „Feigling und Verräter" eine besondere Rolle spielten. Ta geschah' folgendes: Ein Stahlhelmkamerad stellte gegenüber der versammelten Ortsgruppe der N. S. D. A. P. fest, daß sie augenblicklich den größten Verräter, nämlich den früheren Separatistenführer Rheinhaufens, mit Namen Dohmen, unter sich habe. Der Führer der N. S. D. A. P. mußte bestätigen, daß dieser Mann tatsächlich heute eingeschriebenes Mitglied der N. S. D. A. P. ist. Zum Nednerpodium geholt, mußte der Separatist seine Taten eingestehen. Man kann sich denken, daß nach diesem Trauerspiel der Vorstoß der N. S. D. A.P., «nt einen Keil in die Stahlhelm-Ortsgruppe zu treiben, als mißglückt auzuscheu war. BarrsM! GJtr nicht nur fehimpfen, fondern indem und belTern will, der suche nach tieferen Qrfachen und Zusammenhängen €r hole Heb ^kuUrlärung in der «LLisnsttozraMjfHen t»_ ftattfindet. Der fiationaliciulift _ fpridrt Ober; Tlailonal-Sozialisiische Deutsche Arbeitet-Variei! 5efl r-u ^Vöre^cherr Brobachier* Nationalsozialistisches BauernftugblaU. „Ein nationales Erlebnis". Die „G ermani a" (Morgenausgabe vom 13. Mai) berichtet über eine deutschnationale Versammlung in S Lolp, in der Pastor Stavenhagen aus Schlawe über das Thema „Wir und die Polen" sprach. Die „Zeitung für Ostpommern" nennt diese deutschnationale Wählerversammlung ein „nationales Erlebnis". Die „Germania" ist in der Lage, dieses „nationale Erlebnis" durch den Bericht eines Ohrenzeugen zu erläutern. Danach hat der Redner nach Beschimpfungen der deutschen Katholiken sich folgendermaßen geäußert: . . Der deutsche Bauer wird seinen Hof nicht freiwillig verlassen. Bancrrevolten sind bisher immer die blutigsten gewesen. Ob die Bauern zu Hunderten nach Berlin marschieren werden, ob sich ihnen noch Gleichgesinnte anschlicßen, und ob sie dort mal den Reichstag und Landtag aussuchen werden, oder ob sie die Judenstadt Berlin Ln eine Hungerblockade nehmen werden, das ist nur eine besondere Taktik." Tie „Germania" schließt diesen Bericht mit der berechtigten Bemerkung: „Die nationale Würde der deutschen Katholiken und der Zeutrumspartei verbietet uns, auf diese Ausführungen überhaupt zu antworten." Wir geben sie unseren Lesern bekannt, damit sie sehen, mit welchen Gedanken selbst deutsch nationale Diener der ä ch st e n l i e b e spielen. Die Führer öer „Deutsthblütigen". Ist Drresterbergs Familie „rasserein"? Als Führer der Völkischen im Stahlhelm gilt bekanntlich der Hallesche Oberstleutnant a. D. Duesterberg, der 2. Bundessührer neben Franz Seldte im Stahlhelm. Duesterberg verabsäumt keine Gelegenheit, um das „Deutschblütige" zu unterstreichen. So bezeichnet er in einem Leitauffatz „Frontgeist oder Parteigeist!" („Der Stahlhelm" vorn 13. Mai 1928, Nr. 20) den Kampf des Stahlhelm als einen ,^Karnpf aller nationalen, deutschbewußten, deutschbeseelten und d e u t s chb lü t i ge n Mensck)cn gegen die internationalen undeutschen Kräfte in unserem Vaterlande." Wenn man aber stets und mit aller Kraft die „Deutschblutigen" ausruft, jo muß der Rufer im Streit und seine Angehörigen selbst wohl deutschblütig sein. Uns liegen an und für sich derartige Nachforschungen nach Blutreinheit nicht. Aber sie sind manches Mal lehrreich und nützlich. Und so ergibt sich in diesem Falle, daß die Gemahlin des Obersten Duestcrberg, eine gegeborene v. Tecklenburg, eine jüdische Großmutter hatte. Der Großvater der Frau Tuesterberg, der Pfarrer Friedrich Hermann W a a s, war mit einer getauften Jüdin, einer geborenen Levinsohn aus Königsberg, verheiratet. Also, dieDeutschblütigkeit des Oberstleutnants a. D. Tuesterberg ist immerhin, was seine Familie anlangt, nicht nur zweifelhaft, sondern nicht vorhanden. Der „Deutsche Adelstag" von 1920 fasste den lieblichen Entschluß, die Satzungen der Deutschen Adelsgemeinschaft durch folgenden Punkt zu ergänzen: ,A9er unter seinen Vorfahren im Mannesstamm einen nach dem Jahre 1800 geborenen Nichtarier hat oder zn mehr als ein Viertel anderer als arischer Raffe entstammt, oder mit jemandem verheiratet ist. bei dem dieses zu trifft, kann nicht Mitglied der .Deutschen Adels-Genossenf ch a f t‘ werde n." Wird er gegenüber der Familie v. Tecklenburg nun auch die Konsequenzen ziehen? Schamlos! „G e g e n I u d e n - und F r a n z o s e n h e r r s ch a s t" lautete der Wahlruf der Teutschnationalen in den Wahlkämpfen des Jahres 1924. An diese schimpfliche Zusammenstellung dachten wohl die Völkisch-Nationalen, die Gräfe und ihr Anhang, als sie ihr Wahlverslein machten, daS sie als Flugblatt in Tilsit und Umgegend verbreiten. Sie dichten: f A Bon Franzosen, Polacken und F::)cuschmock 4 befreit Euch der Völkisch-Rationale Block!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.