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Central-Verein-Zeitung · 1928-05-18 · 20 (18.5.1928) · p. Seite 278

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
20 (18.5.1928)
Date
1928-05-18
Page
Seite 278 (sequence 2)
Language
German
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27$ Eine lehrreiche Entwicklung in: Wahlkampf. ■WiMWl AP g j jU 2mm Es ist gewiß nichts Neues, festzustellen, daß viele Anhänger der Deutschnationalen Volkspartei mit der Politik ihrer Parteien äußerst unzufrieden sind. Sie fühlen sich durch die nicht wegzuleugncnde Tatsache vor den Kops gestoßen, daß eine stattliche Anzahl der deutschnationalen Neichstagsabgeordneten den Dawes-Gesetzen ihre Zustimmung gab. Daß hauptsächlich diese radikalen Kreise der Partei, wie die letzten Landtagswahtcn überall im Reiche kundtaten, den Rücken kehren werden, ist sicher anzunehmen. Schwerer schon ist die Frage zu beantworten, in welche Parteien d i e s e D e u t s ch n a t i o n a l e n a b st r ö m e n. Die Nationalsozialisten, die diese für sie günstige taktische Situation sofort begriffen, sind zweifellos die, welche von der Abwanderung erhebliche Vorteile haben. Besonders bei den zweiten Hamburger B ü r g e r s ch a f t s w a h l e n setzten die Nationalsozialisten ihre geschickte und raffinierte Agitation voll ein, und sie konnten für sich einen beachtlichen zahlenmäßigen Erfolg buchen. . Aus dieser Erkenntnis heraus haben die Nationalsozialisten in dem Wahlkampf zum 20. Mai mit aller Kraft sich auf die Stimmbezirke geworfen, in denen ihnen die Unzufriedenheit der Teutschnationalen mit ihrer Führung besonders stark zu sein schien. Nicht umsonst hat Adolf Hitler im Rheinland wiederholt vor den Großindustriellen, die Zahlreich erschienen waren, gesprochen, und die „R h e i n r s ch ° w e st sali f ch e Z e i t u n g" hat ihm Beifall gezollt. Nicht umsonst wandte er sich nach Plauen, wo in zwei Sälen über 3 0 00 Personen i h m lauschten. Waren auch sicher zahlreiche Neugierige herbeigestromt, um den „g roßen T r o m m l c r" (gegen gutes Entgelt) zu hören, so lehren doch viele Beobachtungen, daß den Deutschnationalen in den Nationalsozialisten für diese Wahlen eine gefährliche Konkurrenz erwachsen ist. Aeußerungen wie die: „Hitler spricht eigentlich deutsch national. So echt deutschnation al, wie die Deutschnationalen selbst bis zu ihrer Zustimmung z u m D a w e s - G u t a d) t c n gesprochen habe rG, find bezeichnend und lehrreich. Es kann daher sehr gilt am 2 0. Mai so kommen, daß die Deutschnationalen vielleicht eine Zahl Mandate den Nationalsozialisten abtreten müssen. Denn geschickt verbirgt Hitler in seinen großen Anklagen gegen die Republik seine radikalvölkische Einstellung, und es kommt vor, daß er in seinen Reden nicht einmal den Inden namentlich oder gar als „Todfeind" erwähnt. Bei dieser Sachlage ist es verwunderlich, daß manche Politiker der Linken mit Recht zwar die D e u t s ch n a t i o n a l e n als die Hauptgefahr ansehen, daß sie aber die nationalistische Gefahr zu kurzsichtig betrachten. Manche vermeinen sogar, die Clownrolle eines Münchmeher im Reichstage würde die radikale Rechte zum Gespött machen. Sie übersehen nur leider, daß jeder Abgeordnete der Nationalsozialisten letzten'Endcs in sehr vielen politischen Fragen mit den Deutschnationalen zusamrnengehen wird und muß. Und wir deutschen Juden sind sicher, daß auf j u d e n g e g n e r i s ch er Seite sich die feindlichen deutschnationalen und nationalsozialistischen Brüder im Reichstage und im Landtage einmütig zusammensinden werden. Aufgabe dieser Anssühruugen ist es, noch einmal i n letzter Stunde auf diese eigenartige Entwicklung hinzuweisen. Daß große Scharen deutscher Arbeiter den Lockungen der Nationalsozialisten folgen werden, glauben wir nicht. Dazu sind unsere bcutfcljcit Arbeiter und ihre Familien denn doch politisch zu erfahren, um bei Goebbels und Münchmeher ihre politische Weisheit zu beziehen. Und alles k o m nt nnift i | d) e Getue nationalsozialistischer H erkunft wird höchstens politische Gimpel auf den völkischen Leim locken. Was an uns j ü d i s ch e n Deuts ch e n liegt, den Nationalsozialisten Abbruch zu tun. soll und muß geschehen. Und deshalb werden alle deutscher Juden, Männer und Frauen, am 20. Mai mit dem Stimmzettel ihre Pflicht tun. Mi****** 1 m vu MSM Kurfürstenvaurmbrrmrucl des Stahlhelm« Goebbels auf dem Wiriterfelviplatz. Berlin, den 13. Mai 1923. Nach der Art des „llnter-den-Linden-Bnmmels" der Studentenschaft ijtu sich in Berlin am Kurfürstendamm von der Tauentzienstraße bis über die Kaiser-Wilhelm-Gcdächtniskirche sonntäglich um die Mittagsstunde ein K u r s ü r st e n d a m m b u ni m e! entwickelt. Heute ging der Stahlhelm auf deu Kurfürstendanunbnmniel. Man traf sich dort natürlich nach einem regelrechten Ausmarschplan — zufällig. Diese „Zufälligkeiten" kennen wir ja vom Branden- Burger Tor aus Kapps seligen Zeiten her. In Abständen von etwa zehn Schritt Stahlhelmer in Uniform, dahinter Stahlhelmer in Zivil, mit schweren Stöcken bewaffnet. So marschierten die Herrschaften an beiden Seiten des Kursürstendamms entlang und mit ihnen Frauen und Freundinnen in gleichem Schritt und Tritt. Eine harmlose Angelegenheit, nicht wahr? Haben die Stahlhelmer aus Berlin und Umgegend nicht auch das Recht, am Sonntag vormittag in Berlin spaziereuzngehen? . . . * Wir nehmen an, daß die Stahlhelrnlcitung gewarnt hat, friedliche jüdische Bewohner zu provozieren, mußten aber sesrstcllcn. daß auch diese Organisation die radaulustigen jugendlichen Elemente nicht in Sck)ach halten kann. Wir haben vielfache Beweise dafür, daß jüdische Passanten a n g e p ö b e l t wurden: ,.Da kommt schon wieder einer mit einer krummen Nase" und andere liebenswürdige Beschimpfungen mehr. Der Unterzeichnete, Syndikus des Landesverbandes Groß-Berlin des E. V.. wurde am Bahnhof Haleasee v v n zwanzig Unreifen Burschen umringt und mit Stöcken bedroht. Dolle sechs S Landen dauerten diese lieblichen Zustände. Polizei erschien in den: notwendigen Aufgebot erst, als bereits ein Oberwachtmeister einen schweren tich in das Schulterblatt erhalten und niedergesunken, und als ein Reichsbannermann von Nationalsozialisten von einem Straßenbahnwagen an der Wilmersdorfer Straße herunter gezerrt worden war. Als der „harmlose Bummel" sich so entwickelte, hat unser Landesverband Groß-Berlin pflichtgemäß in den Mittagsstunden das Kommando der Schutzpolizei davon in Kenntnis gesetzt, daß der polizeiliche Schutz nicht ausreiche. * Dr. Goebbels hat den Tag über Berlin durch Kraftwagensahrten für Hitlersche Ideen aufzurühren gesucht. Um 5 Uhr nachmittag war die Parole für die Nationalsozialisten: „Rudolf- Wilde-PIatz am Schöneberger Nathans." Da dieser Platz bereits von Kommunisten besetzt war, marschierten die Braunhemden. zum größten Teil uichLwahlberechtigte junge Burschen, unter den Rusen: „Deutschland emtad}e!w zum Winterseldtplatz. Dort sprach aus seinem Auto Goebbels zu ihnen: „Die Bluthunde, B a r m a t - - S ch i c b e r und das ganze I u & c n g e {i n Ö e I darf nichts mehr zu sagen haben. Die Judend r o h n e n haben den deutschen D o l k s k ö r p e r um Milliarden durch Gaunereien und B e t r ü g e r e i e n ges ch lv ä ch L." Also eine echte Goebbels-Rede! In einem gegenüberliegenden Hanse sah ein jüdischer Herr ans dem Fenster. Herr Goebbels drohte ihm in eigener Person. Die Goebbelsjche Geste genügte, um „I u d e n raus!- und „I n d e n l ü m ur c l. k o m in doch (jctunter’- im Chor erschallen zn lasten. Was dem Beobachter solcher Vorgänge, an buMuir in Berlin in neuerer Zeit uns leider, scheint es. gewöhnen müpen, einzig und allein ans Herz ging, war die betrübende Tatsache, daß sich eine ganze Reihe von Gymnasiasten in d e m nationalsozialistischen Zuge befand. * . Unsere Freunde haben in mustergültiger Disziplin unsere Warnungen beobachtet, sich durch radaulustige Elemente nicht herausfordern zu lasten, und waren nur vereinzelt ans dem Knrsürsteudamm zu sehen. Wir wissen, daß die Polizei für den nächsten Sonntag u m s a f j c n b c Vorbereitungen getrosseu hat, u tu j c b e tu Staatsbürger sein Wahlrecht zu sichern. Wir können auf das "bestimmteste erklären, daß Straßen und Wahllokale gegen jedweden Terror so gesichert sind, daß niemand auch nur die geringste Unannehmlichkeit zn befürchten hat. Letzten Endes ist der Zrveck des Kurfürstendammbmmnels gewesen, die Bewohner dieses Stadtteils einzuschüchtern. ..Run erst recht am 20. Mai zur Wahl!" kann für jeden ehrlrebeuden jüdischen Berliner die einzige Antwort aus solche Manöver sein. Artur Schweriner.

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