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Central-Verein-Zeitung · 1928-05-11 · 19 (11.5.1928) · p. Seite 267

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
19 (11.5.1928)
Date
1928-05-11
Page
Seite 267 (sequence 11)
Language
German
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2ö7 nur fein Ehe- und Fanulieuglück fand er hier. Tie Geschichte Oberi'äckesiens und die der oberschbesischen Juden insbesondere zog ihn an. -eine Studien hierüber zeitigten wertvolle literarische Früchte. war er bald vertraut mit der Eigenart des oberschlesischen Voltes, er verstand es und fühlte sich ein in sein Gemütsleben. Das st)llle chm und uns in schwerer Nachkriegszeit zum Segen werden. ' Von berufnerer Teile wird sein vielftikiws Wirten gewürdigt rverden. als Vorsitzender des oberschlesischen Rabbinerverbandes, im oberschien'che-n Gemeindebund, i\n H a uptv o r st a n d des G. B., im ooerschleü'chen Kultiwverbcmd und iu anderen Bereinigungen, in deuerl er hervorragendes für die Atle-enwinheit leistete. Hier soll der Bergessenheil entrissen werden, was unser vorbildlicher G. B.» Landesverbandsvorsitzender nach dem verlorenen Kriege wahrend der A b st i m m u inj § 5 c i t f ü r sei u d c 111 f cf) c s Vater- I a n b geleistet hat. Wir, die wir mitten in den Ereignissen standen und von ihnen betrossen wurden, wissen am besten, welch glänzende Molle Dr. David Br au n schwer ge r damals an führender Stelle gechuelt hat. Und er konnte und muhte sie spielen, weil der E. B. - Gedanke in ihm eine säst ideale Verkörperung gesunden hatte. -- Gegen das schreiende Unrecht, durch das ursprünglich ganz Oberschlesien auf Grund des Versailler Vertrages voll zugeteilt werden sollte, bäumte sich sein Eerechtigleitsgesühl aus. Nie aber hätte er mit solch heiligem Feuer -für die deutsche Sache eintreten tönneu, hätte er nicht die tiesbegründete Ueberzeugung gehabt, das; deutsche Juden auf Grund ihrer geschichtlichen und kulturellen Entwicklung nur eine Heimat, Deutschland, haben können und das; das Schicksal der oberschlesischen Juden untrennbar mit dem ihres deutschen Vaterlandes verbunden sein muh. lind er vertrat dief seine uud unsere Ucberzeugung unerschrocken in einer Zeit, wo dazu persönlicher Blut gehörte. Nus dieser seirrcr praktisch wertvollen Arbeit sei nur hervorgehoben, dah Tr. Braunschweiger in politischer Mission von der Negierung damals ins Ausland (nach England und Dänemark) geschickt worden ist. — Noch ist heute nicht die Zeit, darüber Einzelheiten zu berichten. Wenn aber einmal die Geschichte der 0 b e r s ch l e s i s ch e n Besatz u n g s - u n d A b st i m m u n g s- 3 e i t geschrieben werden wird, jo wird der Name unseres D r. Bra u n s ch tv e i g e r mit gebührender Ehrung genannt werden. Und nach der Zeit der Abstimmung, der Ausstände, der Inflation, all dieser politischen und wirtschaftlichen Leidenszeiten, war er es, der mit neuem Mut und mustergültiger Tatkraft an dem Wiederaufbau dev Heimat mitgearckeitet und auch unfern E. V.-Landesverband neu organisiert und im Eesamtverein 31t Geltung und Ansehen gebracht hat. Nun hat ihn schwere Krankheit in der Blüte seiner Jahre aus lebensfrohem Schassen dahingerasst, den treuen Freund, den ganzen Menschen! Noch können wir uns an den Gedanken nicht gewöhnen, daß er nicht mehr sein soll. Was Tr. Braunschweiger in Oberschlesien an E. B - Arbeit geleistet und oejchassen hat, das wird Bestand haben, wenn in feine m Geiste weiter gearbeitet werden wird. Daß wir das versuchen wollen, geloben wir ihm in steter Dankbarkeit. Rechtsanwalt Dr. Lustig (Gleiwitz). Rabbiner Dc. Löwenchal (Berlin) gestorben. Am 2. Mai verstarb im 60. Lebensjahre der Berliner Gememderabdiner Tr. Abrafaca Löwentha! seligen Andenkens nacki kurzem schweren Leiden. Mit ihm ist ein bewahrter Führer des überlieferten Judentums zu Grabe en. der mit hoben Gaben des Geistes uud des Wissens einen pmk- Führersinn, schlichte Frömmigkeit und Einfachheit des Herzens verband. All seine Gaben und Fähigkeiten hat er restlos mit bewunderswürdiger Hingabe in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. Sein Berus war ihm Arbeit, und diese Arbeit edelste Genugtuung. Sv ist Tr. Abraham Lüwenthal seinen Gemeinden reicht nur Führer, sondern Freund gewesen und stand seinen Gemeindemitgliedern stets menschlich nahe. 1868 zu Posen als Sohn frommer Eitern geboren, die beute noch in Ehren genannt werden, hat cr sich in dieser Mnttergemcinde des Judentums früh in die Schätze der jüdischen Lehre und Wissenschaft vertiefen können. Salomo P l e s s n c r . Nückes L a n d s b e r g und Oberrabbiner F c i l ch e n f e l d waren bür seine Führer. In Berlin wurde cr Schüler eines Israel Hildesheimer David Hossmann, Jakob Barth und A. Berliner, eines Steinchncidcr, Lazarus und Stein thal und anderer- Mit glückichem Erfolge suchte er die tiefste Verehrung und Erfassung der religiösen Wahrbeiten mit allgemeiner Nüssenschastiicher Erkenntnis harmonisch zu verbinden. Seine Entwicklung hat in gerader Lini.' den Ausstieg von d-er Provinzgemeind' Tarnowit; 1881 zu der Grostgemeinde Hamburg'IM und später Berlin 1A>7 genommen, sieben der außerordentlich vielseitigen und anstrengenden Berufsarbeit hat er die jüdische Wissenschaft durch zahlreiche Aussätze und selbständige Schristen bereichert. Bon seinen vielen Vervffentlichnngen seien genannt: ..Bor der Vertreibung der Juden aus Spanien". „Pseudoanstvteles und fein ethischer Kommentar", seine Mitarbeit an den ..Lehren des Judentums", die . Ethik des Juden Tr. Gcrvndi". Nebersetzung des Testaments des Ehuzder Naws u. a. lieber den Kreis der engeren Berufsarbeit hinaus hat Aorabam Löwentbal alle Institutionen gepflegt, die ilun das geistige und soziale W-ohl des Judentums zu fördern schienen. Zahlreichen jüdischen Organisationen gehörte er in führender Stellung an, wie der Gesellschaft für jüdische Familiensorfchung, dem Verein für jüdische Geschichte und Literatur. dem Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums, der Ach drill), dem Grossen Nat des Preußischen Landesverbandes, dem Bund jüdischer Akademiker und anderem Tie selbstlose Arbeit, der unermüdliche Fleis;. das organische, Derwachscnsein dieses edlen. Gelehrten und Meisters mit seinen Dermsanfgaben hat Abraham Löwenthal .zu einem idealen Führer gemacht, der schwer zu ersehen sein wird. Doch der Weg ist gewiesen, ihn werden seine Schüler und Freunde weiterzugehen versuchen. Tie Trancrstier in der alten Synagoge und auf dem Friedhof war ein einmütiges Zeugnis des Schmerzes um den Verlust und des Stolzes um den Besitz dieses edlen Führers. Auch der Eentralverein betrauert in dem Verstorbenen einen stets hilfsbereiten Freund. Zelix Deutsch. Zu seinem 70« Geburtstage am IG« Mai. Mit Stolz dürfen wir darauf Hinweisen, das; an dem Ausbau der deutschen E l e t t r i 3 i t ä t § i n b u ft t i e deutsche Juden einen führenden Anteit gehabt haben. Was wäre sie trotz der genialen Leistungen eines Werner v. Siemens ohne die ebenbürtige Pioniertätigkeit eines Emil Rath e n a u? Dieser Mann, der die Kenntnisse des Ingenieurs mit der Begabung des Kaufmanns vereinte, hat dazu beigetragen, das; die elektrische Kraft heute Zum Allgemeingllt der ganzen Menschheit geworden ist. Aber wenn ihm das gelungen ist, dann nur durch die tatkräftige Unterstützung des Mannes, der mit seinem Unternehmen vom ersten Tage an'so verwachsen war wie er selbst, durch Felix Deutsch, den Geheimen Kommerzienrat, Ehren-Tottor-Jngemeur der Technischen Hochschule Karlsruhe; seit Emil Rathenaus Tode auch ein unmittelbarer Naechsolger als Vorsitzender des V 0 r - taube» der Allgemeine n Electricitäts-Eesellsch n st, der am 16. Mai als einer der anerkannten Führer der deutschen Wirtschaft seinen 7 0. Geburtstag feiern kann. Deutsch gehört auch zu jenen deutschen Jndelk, die, von d e r Pike auf mit dem Wesen eines Industriebetriebes vertrant, von jeher ihren Blick auf das Produktive und Konstruktive eines Unternehmens gerichtet haben. Wie so viele der leitenden Männer der AEG stammt auch er aus Breslau, wo er 1858 geboren wurde. Nach dem Besuch des Magdalenen-GymnasimnZ ist er zunächst in einem maschincntcchnischen Werk tätig, das sich besonders mit der Herstellung von Maschinen für Zuckerfabriken beschäftigt. 1882 wird ihm dev Bau der Rositzer Zuckerrafsmerie anvertrant. Er bewährt ch hierbei so als Techniker und als Kaufmann, daß das Bankhaus andau, das zu den Geldgebern Emil Rathenaus gehört, die Ernennung des 25jährigen Felix Deutsch zum Direktor der „Deutschen E d i s 0 n - G e s e l l s ch a f t für angewandte E l ec t r i c i t ä i* erreicht, die im Jahre 1833 von Rat Henau gegründet wird. Bon diesem Tage an bleiben R a t h c 11 a u und Deutsch unzertren u l i ch miteinander verbunden. Tie zunächst kleine Gesellschaft wird schon 1897 in die AEG u m g e w a n d e l t. Die große Verbreitung, die die Erzeugnis der AEG in der ganzen Wett gesunden haben, geht zurück auf die Berkaussorganisation, die Deutsch organisierte. Er war es, der mehr als 300 Bureaus in Deutschland und dem Auslande schuf, durch die es möglich war, bis zu dem kleinsten Konsumenten vorzudringen. Nach dem Tode Emil Ratbenaus. nach dem Krieg und der Inflation, galt es auch für die AEG vieles wieder aufzubauen, was die Sturmjahre vernichtet hatten. Hier konnte sich Deutsch- Weikblick von neuem bewähren. Alan barste den eigenen Konzern aus, begann neue Breschen ins Ausland zu schlagen, aber man liest sich nicht von dem Talmiglanz der Inflation blenden, lim eine falsche Erpansionspolitik zu treiben. Wenn heute Deutschlands elektrotechnische Industrie wieder so gefestigt und unabhängig dasteht, wenn es gelungen ist. diese Oualitätsindustrie nach modernsten Grundsätzen zu rationalisieren, dann hat Felix Deutsch hieran großen Anteil gehabt. Tenn noch ehe die hellte fast zum Schlagwort gewordene Nationalisierung allgemein propagiert wurde, forderte Deutsch unmittelbar nach den: Kriege die Umstellung der deutschen Fabriken nach zweckentsprechenden Produktionsmethoden und die billige Masienfabrikation. In den letzten Jahren ist Deutsch noch hinausgewachsen über die Rolle des leitenden Mannes der deutschen Elektrizitätsindustrie. Seine vielen Reisen ins Ausland, besonders nach Amerika — der groste New Yorker Bankier und Knnstmäzen Otto H. Kahn ist sein Schwager —, gaben ihm Gelegenheit, für eine wirtschaftliche B e r ff ändigu n g de r Böller als Vorbedingung für ihr politisches Zusammengehen zu werben. Diesem wahrhaft königlichen Kaufmann gebührt deshalb Deutschlands Tank an seinem Jubeltage. K. I. Wfmmtp VE- Hit '

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