Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 19 (11.5.1928)
- Date
- 1928-05-11
- Page
- Seite 261 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Gerade aber im gegenwärtigen Wahlkarnpf scheint es uns als Juden äußerst gegen den evangelischen Bund sozusagen als Privatmann führe, und das; die nationalsozialistische Partei dabei nichts zu Lun^ habe. Es in aber bei diesem rücksichtslosen Vorgehen Dinters aus leinen Fall zu ul>ersehett. daß er einer der bekanntesten nationalsozialistischen Führer und Abgeordneten ist, und das; a u ch e i n e N e i h e a n d e r e r Völkischer — wie Pastor Andersen in Flensburg. Adolf Bartels in Weimar. Ernst v. Wolzogcn und mancher andere wenn auch nicht auf diesem Wege, so irgendwie anders gegen das geltende evangelische Christentum, ganz zu schweigen vorn katholischen, scharf eingestellt ist. Das ist eine Entwicklung. die aus inneren Gründer: erfolgt, und die hier. }o interessant es wäre, in ihrer Zwangsläufigkeit cruszuzeigew im Augenblick zu weit führen würde. Bezeichnend ist ferner, daß, wie in diesen Blättern früher einmal erlvähnt, eine Vereinigung völkischer evangelischer Geistlicher unter Führung des Leipziger Pastors Vogel vorhanden ist. die att-erdings wohl die selbst rn den Augen Andersgläubiger geradezu ungeheuerlichen Angriffe Dr. Dinters gegen das protestantische Christentum aölchnen würde. Es ist eigenartig, das; solche Geistliche nicht erkennen, daß sich letzten Endes jedes Eingehen auf völkisch-religiöse Gedankengänge gegen sie selbst richtet. Ein beliebtes völkisches AgiLationsmiLtel besteht bekanntlich darin, den Inden eine mehr oder minder offen zur Schau getragene E l) rj ft entn m sfei n d s ch a f t anzudichten. Wie zu diesen Zwecken :nit Talmudstellen jongliert wird, wie aus vorhandenen und niemals geschriebenen Broschüren Stücke, die da? Christentum beschirupfen sollen, aus dom Zusammenhang geripen werden, ist hier schon oft mitgeteilt worden. Glicht minder häufig pflegen Löttische ans Tageszeitungen und Monatsschriften. die. weil sie zufällig von einein Inden (oft hat er nur einen jüdischen Namen) geleitet werden, Stellen in die Welt binanszuposannen, t»ic das Christentum herabsctzen. Wir brauchen nicht zu betonen, das; wir, sollten solche Entgleisungen jüdischer Schriftsteller vorliegen, sie durchaus bedauern, wenn wir es auch strikt a b - lehnen müssen, für Entgleis n n g e n eine s einzelnen etwa das Judentum als solches verantwortlich machen zu lassen. Wehe aber dem jüdischen Schriftsteller, der es wagen würde, auch nur im entferntesten solche Schmähungen des Christentums in Berjammlungen auszusprechen oder gar abzndrnckerr, die in Dinters Versammlungen und besonders in seiner Zeitschrift „Das Geistchristentum" uns ans Schritt und Tritt begegnen! Daß er die evangelische Kirche „jüdisch-evangelische Kirche" nennt, den evangelischen Bund „jüdisch-evangelischen Bund", rann man belächeln. Trauriger Ft schon, wenn er die katholische .Uivrfjc fast stets als „jüdisch-römische Tcufclskirchc" bezeichnet. Ein Christ rare Artur Dinter hat den Mut, die christliche Sündeuerlösnugslehre, die Millionen von Christen heilig ist, also zu zeichnen: „I;;: Mittelpunkt dieser jüdisch-paulinischen. von dem uumididischen Mischlinge Augustinus weiter entwickelten und von Luther lritillos übernonunenen Theorie steht die heillmdsroidrige auf die ^üudenbocklheorie der jüdischen Bibel znrückgebende Ücljre von der Sündenerlösnng durch den angeblichen Op'jertod Christi. Diese Lehre schlägt dom, was der Heiland selber gesagt hat, ins Gesicht, sie macht ,den Erwerb der ewigen Seligleill von Glaube und Gnade und letzten Eudes von der Erfüllung rein äußerlicher Vorschriften abhängig. (Sie untergräbt die Selbstarbeit der sittlichen Vervollkommnung und Höhcrentwrlltrmg des ^e^fciJen durch Anruf und Förderung seiner niederen Justinlte, der Pöbelinstiukte: Hoffnung auf Lohn, Augst vor Strafe, Furcht und Feigheit . . . schuld an der stossanbetcrischen smaicrialistischctt) Versumpfung des deutschen Volkes und der > ganzen arischen Menschheit; sie hat uns aus einem Volke von .Helden und Heiligen zu einer Herde von Händlern und Handlangern gemacht, sie ist die Verewigung des Judaismus . . ♦ . . . sic ist die letzte und tiefste Ursache des bisher unglücklichen Verlaufes der deutschen Geschichte, unserer Niederlage im Weltkriege, unsercrs heutigen Niederganges, unserer seelischen, sittlichen, völkischen und politischen Zerfahrenheit und Zerrissenheit . . Es beleuchtet die Heuunnngslosigkeit der Tiuterichen AnsMe gegen das Christentum zur Genüge, wenn wir aus den Hecken 9 und 4 feines „Geistchristentnms" folgende Aufsatzübetschriften wiedergobew. „Die Lügcnberichte des jLidisch-cvangctischcn Bundes" (das ist nicht etwa ein besonderer Bund, sondern der. bekannte große „Evangelische Bund"), ferner „Der Bankerott der judisch-evangclischen Kirche^ womit er die evangelische Kirche in ihrer Gesamtheit meint. ferner: „Die Spiegelfechterei des jüdisch-evangelischen Bundes", sodann: „Paulus der Antichrist" und „Der Papst als Erzfeind einer einigen Christenheit". _ Dinter führt (Heft 4 seiner Zeitschrift, S. 144) die stelle Römer 10, 5fs. als von Paulus herrühreud an und schreibt dazu: „Gin anderes Beispiel jüdischen Geschmuses." Er sagt dann weiter: „Und über solchen Unsinn, Wirrsinn und Irrsinn schreiben unsere Theologen dickbändige Bücher ..." Tie Nolle des Paulus nennt er die „Betrügerroüc" (S. 147); auf der gleichen Seite schreibt er von Paulus, „daß hier in der Tat ein Tollhäusler das Wort führt, geht ans der ganzen Stelle und ihrem Zuscmunenhange hervor". Ja. er scheut sich nicht, <5. 149 wörtlich zu schreiben: „Durch Paulus aber wurde der grösste Menschhcitsbetrng vollzogen, der, seitdem die WeLL besteht, jemals begangen worden ist, der auch noch den Betrug auf dem Sinai hinter sich Lässt; die HcilarrdsLehre wurde in Satanslchre verwandelt." Teile 178 spricht er von katholischen Prozessionen und behauptet, „sie fordern den nichtkatholischen Teil Ijcrcul", und schreibt danr^ wörtlich: „crie tragen den krassesten und blödesten Aberglauben zur ^chau." Es wäre ein leichtes, noch Dutzende solcher oder noch schlimmerer Stellen anznführen. Aber schon diese Zitate zeigen allen ruhigdenkenden lltichtjnden auf, zu welcher ungeheuren Gefahr eine völkische Agitation solcher Art führen muß, eine Gefahr, die nicht das Judentum so s e h r a l s vielmehr das Christentum in seinen Grundfesten zu erschüttern geeignet ist. Bon völkischer und deutschnationaler Seite wird oft beliebt, dem Judentum das Beiwort „zersetzend" zu geben. Möge jeder rechtlich Denkende entscheiden, auf wen" in Wahrheit das Wort „zersetzend" in den heiligsten Bezirken der Menschheit, in der Religion, zmrifst.