Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 19 (11.5.1928)
- Date
- 1928-05-11
- Page
- Seite 259 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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denn hinter ihr steht öas Schieberkapital. HarMüL unö Kutisker sinö ihre Helfer. jf*A i'-.M i« MSMKK.!- ö IW A &4x Ov> Ö1 <? *1) warnt V '—-li-3 £i vi /i-- Ci#. . n n s rs > ij I b -rC^r 8^ MM vM g^Bgig w« ■*vV: v'.' i ^-J5£ WVL A. W «illH»* '0OA4£4ls f Tie deutsche Reichsverfassung hat dem weiblichen Geschlecht das aktive und passive Wahlrecht gegeben. Entsprechend unserem Anteil an der Bevölkerung stellen wir seitdem die größte Zahl der Wahlberechtigten. Es ist deshalb von entscheidender Bedeutung, welchen Gebrauch wir von diesem uns gewährten Rechte machen. Leider ist die Zahl der Lauen und Gleich gültige n gerade unterunsFrauen und i n s b e s o n d e r e a u ch unter iuh jüdischen Frauen erschreckend groß. Auf Schritt^und Tritt hört man sagen: „Was geht mich die Politik an,, das ist ^ackz der Männer, ich kümmere mich darum nicht, ich habe kein Talent und keine Neigung, mich mit politischen Trugen zu befassen/ Das ist Torheit und Berblendung. Es gibt keine Frage des persönlichen und Familienlebens, kein Interesse des einzelnen und der Gemeinschaft, der Wirtschaft und der Erziehung, die nicht irgendwie mit den politischen Entscheidungen aus das innigste verknüpft wäre. Die Politik b e st i m m t unser Schicksal i m kleinen und im großen. Ter nächste Reichstag wird zu entscheiden haben, ob wir den Weg der Verständigung und Bölkerversöhuung weitergehen oder dem Äorkriegsideale der Macht- und Gewaltpolitik nachjagen sollen. Können wir Frauen uns bei dieser Entscheidung abseits halten? Zu den wichtigsten Aufgaben des uächüeu Reichstages gehören die Reformen des Ehe- und des Strafrechts. Es sind Fragen der Menschen- und Frauenwürde, die dabei ihrer Lösung harren. "Können uns diese Fragen gleichgültig sein? Wir Frauen haben immer und immer wieder betont, daß wir das Wahlrecht verlangen, um unsere Pslichten gegenüber der Volksgemeinschaft in vollem Umfange erfüllen zu können. Uns leitete die Ueberzeugung, daß wir kraft unserer Frauennatur die deutsche Kultur und das gesamte Volksleben durch neue Werte bereickern können. Natürlich ist es nicht jeder Frau gegeben, sich mit ihrer Persönlichkeit in den Parlamenten für die Verwirklichung unserer Aufgaben einzusetzen. Aber jede Frau kann mit ihrem S t i m m - zettel die Parteien stärken, in deren Reihen die berufnen Vertreterinnen der Frauen, die Führerinncn der deutschen Frauenbewegung für unsere gemeinsamen Ideale kämpfen. Als deutsche Jüdinnen müssen wir uns der Bedeutung des 20. Mai ganz besonders bewußt werden. Ich sage nicht zuviel, wenn ich behaupte: „Für jeden Juden handelt es sich bei diesen Wahlen um eine Frage lein er eigenen Existenz als deutscher Staatsbürger." Glaube niemand, daß er sicher geborgen sei vor der antisemitischen Flut, weil sie bislang noch nicht an sein Haus und sein Glück herangebrandet ist. Was heute noch unmöglich erscheint, kann morgen traurige Wirklichkeit werden. Ich erinnere an die Tummelplähe wildesten "Judenhasses, an München, Nürnberg. Sachsen und die Pfalz. Dieselben Kräfte, die dort die Pöbelinstinkte der Machen.auigepeitscht haben, sind auch in den gesetzgebenden Körperschaften am Werke, um uns das Recht auf unser deutsches Vaterland zu beschneiden. W ollen oder müssen wir ihnen nicht m i t unsere nt S t i m m - zettel ent gegen treten? Ja, wir wollen unsere Stimme abgeben gegen Klassen h a f; und Rassenhaß, gegen Knechtung u n d E n t r e ch t u n a, für Gerechtigkeit und Freiheit auf dem Boden einer rechten Volksgemeinschaft. Zu diesem Kampfe rufe ich die jüdischen Wählerinnen auf mit den Worten, die einst eine Bvrkämpferin der deutschen Frauen, Luise Otto Peters, geprägt hat: T e m N e i ch der F r e i h e i t w e r b ' i ch B ü r g e r: n n c n! Ottilie Schocnewald (Bochum). Judengegsserisdie Wahlplakaie» In den ersten Wahlkampf wochen hielten die D e ii t s c h n a t i o n a 1 e a mit judenfeiiidlicher Propaganda auffällig zurück. Jetzt bedienen sie sich, wie wir voraussagten, allenthalben in ihren Drucksachen des Antisemitismus kräftig. Das erweist das obenstellende Plakat: W ä h 11 L i s t e 2 (D e u t s c h n a t i o n a 1). Die Plakate 2 und 3 verwendet der Völkisch- Nationale Block (Graefe, Wulle, Döring), der besonders unter den Bauern den übelsten Judenhass zu erregen sucht.