Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 18 (4.5.1928)
- Date
- 1928-05-04
- Page
- Seite 246 (sequence 6)
- Language
- German
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dsr 4 U ¥ i* &?i V* V jf *%/?, :, * t A/’s; / hf }| f l : ■ <,\ «S^ i/ v <c V yV Von 2lrLur Schwer;ncr. Sportpalast und ZiAnZ Pusch.sind die Heerlager der großen politischen Parteien. Die S o z i er l d e m ct t a 11 c Hai als erste ihre Wählertundgebuna, an der lOlanenchöre des Deutschen A rbeitevfaugev(• 1111deo und Fanfarenbläser des Reichsbanners milwirkten, am 23. April im Sportpalast abgehalten und ein vollbesetztes Harns gehabt. Mehr als zehntausend A u h ä n g e r und Freunde der Partei spendeten Artur (5 r i s p i e n , Dtto Wels u. a. jubelnden Beifall, als sie erklärten, daß dieser Wahlkamps in der Hauptsache ein Kamps gegen die Deuts ch u a t i o n a I c B ol 1' § Partei sei. Ungefähr 50i>3 Getreue der D e n t s ch n a t i o n a l c n V o l k s - Partei füllten denselben Sportpalast vier Tage später nur recht spärlich. Die ReichsLagsabgeordneten Lawrenz und Graf Westarp beschäftigten sich fast ausschließlich mit der Sozialdemokratie. Die Interessen der Arbeiter seien bei den Deutschuationalen besser Vertretern die in ihren Reihen keinen Barmat und Genossen haben. Die christliche Idee müsse wieder Deutschland beherrschen. Radauanlisemitische Stimmung hielt mau dieser Persammlung fern, weil ja die große Konkurrenz, die Völkischen und Rationalsozialistcn. nicht anwesend waren. Am 12. Mar wird Herr Goebbels tntt fditcu Wctvcwcu von der Natron«! lsoziatisti scheu 2lrbciterpartcr im ZirkrrS Busch Einzug halten. Wir sind über die wochenlang eifrigen Vorbereitungen, die daraus hinzielen, nicht nur den Zirkrrs Busch bis auf den letzten Platz zu füllen, sondern durch Straßendemoustrationeu größten Umfangs den 12. Mai zu einem Ereignis in Groß- Berlin zn machen, einigermaßen unterrichtet. Die Nationalsozialisten sind gegenwärtig die aktivste Partei irr Berlin. Man kann zu Herrn Goebbels und seinen AgitatwnsnreLhodcn stehen, wie man will, er hat organisatorische Fähigkeiten und ist deshalb eine Gefahr. Hoffentlich wird nicht erst das Wahlergebnis Gleichgültige aus dem Traum erwachen lassen, im freiheitlichen Berlin könne ein Mann wie Goebbels nennenswerten Anhang nicht erobern. Die Demokraten rüsten zürn 14. Mar, um ihre Wählerschaft im Sportpalast in stattlicher Fülle zu samrneln, und es ist gar nicht zweifelhaft, das ihr das gelingen wird. Im Gegensatz zu den Korjahrcn tritt die Demokratische Partei in der Reichs- Hauptstadt propagandistisch recht wirksam auf, und die Versammlungen ihrer Kandidaten, zn denen in Berlin bekanntlich zwei Hauptvorstandsmitgliedcr des Ecntralvereins gehören, sind trotz des warmen Frühlingswetters gut besticht. Zentrum-Partei, Deutsche Volks Partei und W i r t s ch a f L s P a r t e i norden gleichfalls irr größeren Sälen einen Generalappell ihrer Wähler abhalten. Zn einer Art I n st r u k t i o n s k it r f it § haben die Deutschnationalen 150 Personen, darunter 50 Frauen, aus ihrem Elitebestand vom 14. bis 16. April im Festsaal des preußischen Landtags gesammelt. Die Einladung ging vom „V öl i i s6)en R ei chsa u s sch u ß der Deu t sch n a t i o - na len Volk spart ei" aus. Es waren vertreten: der Den tsche Hochschu l v t n g, die V i s m a rck- I u ge nd der Deutfchnationalen V ol k s p a r t e i, d i e D e u t sch -- nationale Studentenschaft, der Stahlhelm, der A l t d e u L s ch e Verband. der Ring nationaler Frauen n. a. H i e r b c k a n n t c sich Graf W e st a r p frei und offen zum völkischen Gedanken. Der bekannte Professor von F r e y t a g - L o r i n g h o v e n sprach das große Wort d gelassen aus, m a n m ü s s e F r e u n d s ch a } t mit Italien s u ch e n , a u ch wenn S ü d t i r o l g e o p f e r t werden müsse. Dbersiuauzrat Dr. Bang, Spitzenkandidat der Dcutschnationalen Volkspartei, ritt sein altes Steckenpferd: d a s j ü d i s ch c G r o ß k a p i t a l s e i h e u t e H e r r d e r d e u t - s ch e n W i r t sch a s t. Der Herausgeber der^ „S t a n d a 11 e", SöUfjcIm *Uciuau, sprach über „D e u t s 6) e n K u l t u r a b st u r z" und zeigte das wahre Gesicht dieses deutschuationalen Führerkreises: dickt Beginn der französischen Rt.voleck.ion 1793 ist ein Wendepunkt Kultur zu verzeichnen gewesen. Ganz besonders anffällig ist es-, wie das Judentum von dort sich der Kultursraarn, spater der lulturpelitisch^n Fragen, und zulesit der Politik bemächtigt hat. a ic Kultur ist eine nationale Angelegenheit und nicht eine internationale Frage/ Aus dem Wahlkampf! In denstolben Festsaal des preußischen Landtags unterrichteten dir Völkischen („Völkisch-nationaler Block") ihre erste Garnitur von: 21. bis 22. April. Hier wurde das R c f e x c n t e n m a t c r i a l ststgelegt, das in Wahlversammlungen tausendfältig von den Rednertribünen den armen Wählern als Orrginalweisheit entgcgcnschalbeu wird. Tr. Krunnnacher (Köln) stellte fest, daß die deutsche Ration nach dein Sturz der Hohenzvllern von einem „Cohn" bezwungen worden sei; deutschnationale Minister halten das nicht hindern können. Herr W i e g e r s h a l! s hatte das Rassereferat. Das Judentum sei keine Raste, sondern sei mit vielen anderen Rasten gemischt, wie ein Köter eine Kreuzung von verschiedenen Rassetiercn sei. M a n m ii s s c n b er eine n U n t c r s ch i c d zwis ch c n Jude n n n d Israelitc ii m achc n. Wenn der Jude in feinem Lande geblieben wäre lind sich in sich vermehrt hätte, dann hätte man wohl von einer reinen Raste sprechen können. Getreu dem Grundsatz „Gegen Nom und Inda" weuert? Studienrat Dr. I i e g e n b x ii cf c r gegen die Jesuiten, die aus Lug und Trug zusanunengesetzt seien. Inzwischen ist der W a h l a u f r u f der Ratio n a i - sozial! jt e n erschienen, der irr Hunderttausendenvon Eremplaren verbreitet wird. Hitler fordert s c ch z c h n e r l e i. Au siebenter Swlte: „Juden heraus ans deutscher Verwaltung und Wirtschaft; au achter: „Berlin soll wieder eine deutsche Stadt werden! Tie Arbeiter aus den K u r s ü r st e n - dämm und die I u d c nd r oh n e n in die heutige r. Proletarier viertel hinein an zwölfter Stelle: „das Recht des Frontsoldaten vor den: galizischen Eindringling!"; und an dreizehnter: „Frieden zwischen den christlichen Konfessionen, aber K a m p f der jüdischen G e l d r a s s e!" Der 3 9. Geburtstag Hitler § gab den RationalsozuAistcn Anlaß, im überfüllten K r i e g er v e r e in sh a u s eine Festvorstellung zu geben mit Schlachtenpotpourri und Großem Zapfenstreich. Den Vogel schoß der Lautensänger Depp S u m in c r ab. Mit jedem Tag, dem wir den 20. Mai näher kommen, wachst nicht nur die rednerische Propaganda in Groß-Berlin, in dem schon jetzt er. jedem Abend mehr als hundert Versammlungen statrfiuden, sondern auch die eigentliche Wühlarbeit riesenhaft, jene .Kleinarbcir, d'.e den Wähler für die richtige Abgabe des Stimmzettels gefügig machen will. Lanötagswahlen in Schaumburg-Lippe. Rach sehr ruhigem Wahlkampf hat am Sonntag, 29. April, in. S ch a n m b u r g - L i p p e die Wahl zum Landtag stanaefunden. Bemerkenswert an dem Wahlergebnis, das im übrigen einen starken Ruck nach links gezeigt hat, ist die Zunahme des nationalen Blocks, in dem die Völkischen vereinigt sind. Während sie 1925 nur 661 Stimmen und damit kein Mandat erringen konnten, hatten sie diesmal 169 0 Anhänger gefunden. Als Vertreter des nationalen Blocks zieht der frühere Demokrat Krömer in den Landtag ein. Landbund und Deuischnatiouale haben eine geringe Schwächung ihrer Stimmenzahl erfahren. « Am gleichen Tage fanden in B a ne rw i tz, einer kleinen Stadt von. etwa 600 Einwohnern zwischen R a t i b o r und L e o b s ch ü tz , S t a d t v e r o r d n e t e n w a h l e n statt. Bemerkenswert an dem Ergebnis ist, daß Kunze, als dessen Hauptdomane diese Gegend bisher galt, fast alle Anhänger eingebüßt hat. Die beiden Sitze, die seiner Partei bisher angehörten, gingen an die Deutschnationalen ü b e r. $1 Versammlungen in Zwei Tagen. Die R a t i o u a l s o z i a l i st c u 'arbeiten fieberhaft. Zahlreiche A u t o a u s f l ft g e von größeren Städten ans das flache Land erfolgten am letzten Sonntag: -- Rach dem „Vöckischeu Beobachter" (Rr. 94 vom 22./20. April) fanden allein am Sonntag, den 22., und Montag, den 23. April, ßi öffentliche nationalsozialistische Versammlungen in Deutschland üaw Dabei verfolgen die Rationalsozialisten eine geschickte Agitalion. Au.' dem flachen Lande sind sie die Banernsrenndo, die sich gegen den Kapitalismus der Großgrundbesitzer und gegen das Finanzkapital überhaupt wenden; in den großen Städten erzählen sie kommunistischen Arbeitern, daß auch sie bis zum letzten Atemhauch geger die internationale siuanzietle Versklavung in Deutschland ankärnpsen: und dann laufen täglich in Rtünchen die Geldsendungen der rheinisch, westfälischen Industriekapitäne für die Hitler-Bewegung ein.