Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 17 (27.4.1928)
- Date
- 1928-04-27
- Page
- Seite 232 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2277379-2277781-2277798--04428-2285043- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
„Mti-Mnü." Das unentbehrliche Hanvbuch für Den Wahlkampf. Immer wieder ist aus den Kreisen unserer Freunde der Wunsch nach einer knappen Zusammenfassung von hieb- und stichfestem Material über alle Fragen, die die Judenheit und ihre Gegner betreffen, laut geworden. Ter C. V. hat deshalb in seinem „A n t i - Anti", Blätter zur Abwehr, ein Handbuch geschussen, das derartiges Material zusammenstellt. Zum Wahlkamps ist soeben rechtzeitig die vierte verbesserte Auflage herausgckommen. so bas jeder Diskussionsredner an Hand dieses Buches alle Angriffe schlagfertig zurückweisen kann. Auf fast 100 Leiten, in denen man durch genaue Namen- und Sachregister, die fast 600 Stichwörter enthalten, leicht jede gewünschte Tatsache findet, ist hier ein Material für den Abwehrkamps zusammengetragen. das an Vollständigkeit, ttebersichtlichkeit, Zuverlässigkeit und Handlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Allen, die den ..Anti-Anti" noch rechtzeitig zu erhalten wünschen, empfehlen wir. ihre estellung noch h e u t e dem Philo-Derlag, Berlin SW. GS, Lindenstraße 13, auszugeben. Es sind für diese Wahl bereits über 8 0 0 0J5 r c m p l a r c abgesetzt. Ter Preis beträgt 1/10 Mark. Die hier folgende Probeseite zeigt die Art der Bearbeitung der einzelnen Themen! Statt 55: presse (ö?e verjuöung öer presse) I. Nach der Ausstellung des Münchener Universitätsinstituts für Zeitnugsforschung gab es 1925 in Deutschland 3152 Zeitungen; davon waren 2) Nationalsozialistisch. . 14 National, einschl. Teutschnatioual . 39-2 Deutsche Volkspartei. . 48 Zentrum. . 284 Bayr. Bolkspartei . 96 Föderalistisch.. , . 4 833 (= 27.1 %) b) Demokratisch.. , . . 166 Sozialdemokratisch. Unabh. Sozialdemokraten . . . . 142 2 Kommunistisch. . 20 330 (= 10,8 %) c) Fremdsprachig 7 Wirtschaftlich.ei* . 141 Konfessionell.. . 13 Amtlich , . 188 Parteilos . 1635 * 1984 (--- 62,1 %) 1. Daraus ergibt sich, daß alle linksgerichteten Zeitungen nur den 10. Teil aller deutschen Zeitungen darstellen. — Tie demokratischen Zeitungen, die von völkischer Seite als ..Iudenprcsie" bezeichnet werden, bilden nur den 20. Teil! Tabei ist zu beachten, daß die Zeitungen dieser Richtungen durchaus nicht durchwegjüdischen Verlegern gehören und von Juden geleitet werden; auch hier bleiben die Juden in der Minderheit. 2. Seit 1925 hat sich — vor allem durch das Anwachsen des Hugeuberg-Konzerns — die Zahl der rechtsgerichteten, judenfeindlichen Blatter stark vergrößert. (Vgl. Blatt 56.) 3. Unter den ..parteilosen" Zeitungen ist die sogen. „Generalanzeiger-Presse" enthalten, die meist rechtsgerichtet ist und T. ihr Nachrichtemnatcrial von Hugenbcrg bezieht. Diese lätter haben große und größte Auflagen. Eine stark besuchte Tagung des Landesverbandes Rheinland-Westfalen fand unter Vorsitz von Rechtsanwalt Dr. Herzfeld (Essen) am Sonntag, den 22. April, nachmittags, in Duisburg, ui dem wunderschönen Saal des Duisburger Hofs, statt. Die Tagung war von allen großen Ortsgruppen des Bezirks zahlreich besucht. Viele Duisburger Gäste waren erschienen. Syndikus Dr. Alsred Wiener (Berlin) erstattete einen umfassenden Bericht über die politische Lage, die Wahlarbeit des C. V. und über die Notwendigkeit, den C. V. jetzt in diesen schweren Wochen mit Herz und Hand zu unterstützen. Eine lebhafte und wertvolle Aussprache schloß sich an diese Ausführungen. Dr. Herzfeld (Esten) betonte in seinem Schlußwort, daß lhm bei seiner langjährigen und arbeitsreichen Tätigkeit im C. V. immer das erhebende Bewußtsein geleitet habe, seine Kräfte für ein Ideal einzusetzen. Es sei ihm ein stolzes Gefühl, Hand in Hand mit so viel Getreuen für die Menschhcitsideen der Gerechtigkeit und der Verwirklichung gleichen Rechtes für alle einzulreten. Wie die Berichte aus den Bezirken zeigten, sind alle Ortsgruppen tüchtig an der Arbeit; aus die Opserwilligkcit unserer Freunde im Rheinland und in Westfalen dürfen wir, wie stets, erfolgreich zahlen. Enthält nur feinste Molkereibutter H. B AM LS ENS KEKS-FABRIK AG- HANNOVER Zur heimatsgefchichte üer öeutfcheu Juden. Wertvolle Veröffentlichungen der letzten Zeit. Im Dezember 1927 führte sich zum fünfhundertsten Male der Todestag eines berühmten jüdischen Forschers und Lehrers, der dreißig Jahre Rabbiner der Stadt Mainz war; des Morenu Horav R. Jakob ben Mosche Halevi, nach den Anfangsbuchstaben seines Namens kurz Maharil genannt. Dem Andenken dieses großen Mannes widmete der 1925 gegründete Verein zur Pflege jüdischer Altertü m er in Mainz, der sich bereits durch die Gründung eines jüdischen Museums bedeutende Verdienste erworben hat, unter Leitung seines ersten Vorsitzenden, Rabbiner Dr. Salli Levy (Mainz), eine Schrift, die als Sonderheft der „Mcnovalz" unter dem Namen ,,Magenza, das jüdische Mainz", erschien. Diese Schrift, die eine Reihe von Einzelaussätzen von der Hand namhafter jüdischer und christlicher Gelehrter bringt, will das" bereits über jüdische Kulturdenkmäler in Mainz gesammelte Material weiteren Kreisen zugänglich machen, zu neuen Forschungen anregen und somit Bausteine liefern zu der immer noch ungeschriebenen Geschichte der Juden in Deutschland. Die einzelnen Aussätze schildern das Leben und die Kultur der Mainzer JudengemLinde von der Römerzeit bis aus unsere Tage: Mit dem ältesten jüdischen Kulturdokument in Mainz. dem in der Römcrzcrt gegründeten und bis 1880 in Benutzung befindlichen alten Friedhof beschäftigt sich eine Abhandlung von Rabbiner Tr. Bondi. Dieser alte Friedhof erzählt mit seinen Grabsteinen berühmter Rabbiner und Gelehrter von glänzenden Leistungen jüdiscl)er Geistesgeschichte, mahnt aber auch an finstere Zeiten der Verfolgung: Tie Grabsteine fand man zum Teil vermauert in Brücken, Toren und Bauten am Rhein. Ein Streiflicht aus die Lage der Juden im Mittelalter wirst auch der Bericht von Professor Heinrich Sch roß: ,.W i e gelangte Mainz zur Herrschaft über die Juden in der Stadt?", der schildert, wie 1955 eine Judenverfolgung und -flucht aus Mainz zu einem langdauernden Streit zwischen der Stadt und dein Erzbischof führte, in den selbst der König cingreisen mußte, weil sich die Parteien nicht darüber einigen tonnten, wem die Juden und ihre Habe gehörten. Das Geld der Juden nahm man also schon damals gern. Don mehr kunstwissenschaftlichem Jntcresie ist eine Hypothese von Dr. Klingclfchmidt, der einen Fund auf dem Gelände des Rcichsklarenklosters — ein Säulchcn und einen reich skulptierten und mit einem Adler als Schutzmarke versehenen Pfeiler — deutet als Fenster vom Hause des Kalynomos, eines um KXiO in Mainz wohnhaften Gelehrten, der eine besondere Stellung zum Ottonischen Kaiserhause hatte. Wie die Stadt zur Zeit des Maharil aussah. schildert Dr. Rudolf Vnfch, während Professor Nccb uns einen Blick in das ehemalige Ghetto mit seinen krummen Gassen und engbrüstigen Häusern tun läßt. Einen Gang durch das nenentstandenc Museum für jüdische Altertümer läßt uns Dr Pctcr Metz tun. Hier zeigt sich das erfreuliche Resultat der Arbeit des Vereins zur Pflege jüdischer Altertümer. Der kostbarste Besitz des Museums ist eine einzigartige Sammlung reichgestickter Thoravorhänge, daneben aber enthält cs auch viel Kultgerät, meist schöne Metallarbeiten des Barock und Rokoko, und eine Urlunden- und .Handschriftensamm!mig, darunter Kuriosa, wie das kreisrunde Handschriftensragment, das einst einem französischen Tambour als Trommelfell diente. Während die bisher erwähnten Abhandlungen sich mit der Geschichte und Kultur der gesamten Gemeinde befassen, gehen andere, z. 23. „Originale und Redensarten in d e r I u d c n g a s s e", „Das Judenviertel um 1 8 66" von Sigmund Fridbcrg, „T r. Joseph H a m b n r g , ein jüdischer Arzt i n M ain ) zur K u r sü r st en 3 c i t" von I. I. Fulda, mehr aus den einzelnen jüdischen Menschen, seine mühselige Arbeit und seinen treffenden Witz, ein. Bestimmte Kultgedräuche der Mainzer Gemeinde teilt Rabbiner Jonas in den „Mainzer Minhagirre" mit. während Oberkantor Oppenheim eine uralte Weise Mainzer Synagogalinusit, nämlich die Melodie des im Machsor des Kol Nidrc befindlichen ,.J a a l c h", ouszeichnct..