Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 17 (27.4.1928)
- Date
- 1928-04-27
- Page
- Seite 231 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Partei und E. V. , Ich bin tätiges Mitglied einer politischen Partei UNO bin als solches bestrebt, meine Verpflichtungen nicht nur durch den Wahlzettet, sondern, soweit es nur meine Mittel erlauben, auch durch geldliche Unterstützung zu erfüllen. Ich bin mir nur nicht klar darüber, ob ich diesen Betrag, der, meinen Verhältnissen angemessen, nicht zu hoch sein kann, lediglich der Partei überweise oder ob ich ihn auf Partei lind E. V. verteile. Nütze ich der Sache n i d) t im gleichen AIaße, wenn ich der Partei allein meinen W a h l b e i t r a g gebe?" Wir antworten: „Selbstverständlich müssen Sie die Partei, der Sie angchörcn, mit e n Wahlbcitrag bedenken, aber — wie wir bereits Ln rnchL.ccn Artikeln auögcführt haben — erfüllen wir eine Sonderausgabe, die von einer einzelnen Partei im notwendigen Umfange nicht geleistet werden kann. Der E. V. leistet im Wahlkampfe die unentbehrliche überparteiliche 2lrbcit: Er liefert allen Parteien, die gegen den Judenhaß auftrctcn, das Aufklärungsmaterial, um deren Redner in die Lage zu setzen, irn Wahlkampf mit ausreichender Sachkenntnis dem Judengegner entgcgenzutrctcn. Die umfassende Sonderarbeit, die, wie gesagt, allen auf dem Boden der Verfassung stehenden Parteien zugute kommt, kann der E. V. nur leisten, wenn alle seine Freunde ihm die notwendigen Mittel dazu zur Verfügung stellen. Deshalb können wir auch Ihren Wahtbeilrag nicht entbehren." Was tut der S. v.t „Als langjähriges begeistertes Mitglied des (v. V. bemühe ich mich, ui meinem Bekanntenkreis bei jeder Gelegenheit für den (T. V.-Wahlfonds zu werl>en. Immer wieder bekomme ich dann die Frage zu hören: Was tut eigentlich der E. D. V Wir antworten: „Das Aufgabengebiet des E. V. im Wahlkampf ist ungeheuer gross. Dank unserer plannrässigcn Vorarbeiten, von denen wir wiederholt in der ,E. V -Zeitung* berichtet haben, ist ein beträchtlicher Teil der Arbeit schon geleistet worden: Jeder Parlamentarier, der einer der verfassungstreuen Parteien angchört, ist im Besitz des Sterns chcn ,A «griff und Abwehr* und weiteren Abwehrmaterials. In sehr starker Auflage ist der ,An 1 i - Anti‘, dieses vortreffliche und praktisch eingerichtete Abwehr-Abc, über das ganze Land verbreitet worden, und täglich fordern jüdische und nichtjüdische Freunde neue Hunderte von Exemplaren von uns an. Hunderttausende der Nichtjuden werden kostenlos mit unserer Monatsausgabe beliefert. In allen größeren Städten finden Rednerkurse für politisch hcroortreteudc Männer und Frauen statt. Ein grober Teil unserer Arbeit bleibt aber noch zu leisten übrig. Darum gebe jeder einen Beitrag zu unserem Wahlsonds." flntisemUismus in örn Parteien. ..Ich halte c3 für falsch, daß der C. V. urilerschied-los alle auf dem Boden der Verfassung stehenden Parteien zur Unterstützung empfiehlt. Aus eigener Erfahrung und aus der Beobachtung der Presse ist mir bekannt, daß in unserem Bezirk im Namen fast aller dieser Parteien schon Verstöße gegen das Judentum begangen worden sind. Nur die.Partei h a t sich davon nicht nur i mmer ferngeh alten,^sondern sich sogar in der Abwehr schon oft tatkräftig bewährt. Wir können daher mit gutem Gewissen meines Erachtens nur diese Partei unseren Mitgliedern zur Wahl empfehlen." Wiv antworten: „Ihre Mitteilungen haben uns sehr interessiert. Ihre Folgerungen halten wir aber nicht für berechtigt. Es ist möglich, das; auch in den ans dem Boden der Verfassung stehenden Parteien einmal eine Entgleisung sich ereignet. Für uns dürfen aber Einzclfälle, denen nur örtliche Bedeutung zukemmt, nicht ausschlaggebend sein. Maßgebend sind für unS die o f f i z i e t l c n A e u ss crunge n der Parteien und ihr sich in allen Sonderfällen bekundender Wille, gegen j u d c n f e i n d l i ch e A b w e i ch u n g e n v o r z u g e h e n. Nur solche Parteien, bei Denen dieser Wille unverkennbar und erprobt ist, empfehlen wir unseren Freunden zur Unterstützung." Wahrfon-ssammelküttön. „Ich hatte es immer für meine Pflicht, irn nahen und engeren Freundeskreise für den C. V.-Wachfonds zu werben, und viele Freunde versprechen mir eine direkte Ueberweisung ihres Beitrages.^Jch glmrbe aber, daß manche es nachher im Drange der Geschäfte doch vergeben. Ich würde viel lieber von meinen Freunden mir das Geld gleich geben lassen, habe doch aber nicht das Recht, für den E. D. zu quittieren. Können Sie m i r e i n e n A u s w e g sage u? Wir antworten: „Es ist sehr dankenswert, das; Sie überall für den Wahlsonds arbeiten. Um unseren Freunden diese Arbeit zu erleichtern, haben wir Wahlfondssammelkarteu drucken lassen, die je 10 Wertabschnitte enthalten, und zwar zu je 5, 10, 20 und 50 Mark. Diese Karten ermöglichen cs Ihnen, Ihren Freunden einen Quittungsabschnrtt über den von ihnen gespendeten Betrag zu geben. Ihr Freund kann sich selbst in die Abrechrrurrgsrrrbrik erntragen, so das; beide Teile die Quittung über den Betrag in der Hand haben. Sie rechnen dann die Karten mit der Ortsgruppe oder dem Landesverbände, von denen Sie sie kostenlos beziehen können, ab. Die Karten sind mit dem Motto: „Der Gegner sind viele, wir stehen allein; jeder trägt doppelte Pslicht. Stärkt unseren Wahlfondsl" versehen. Nun wünschen wir Ihnen viel Glück zu Ihrer Arbeit jür den Wahlfonds." Hegen die Schmach öer Zrleöhofsfchänöung sprach in einer gutbesuchlen Versammlung der Ortsgruppe Berlin- Osten am 23. April in den Alhambra-F-estsälen Oberstudiendirektor Dr. Hans Henning. Der Vorsitzende der Ortsgruppe. Lehrer A. Auerbach, erinnerte daran, daß, als die Juden aus Spanien vertrieben wurden, sie Hab und Ent im Stiche ließen, aber die Leichensteine von den Gräbern ihrer Lieben fortschasften und mitschleppten. Ein preußischer König hatte verfügt, das; die Wache herauszutreten habe, wenn in Berlin ein Leichenzug, welcher Konfession der Tote auch angohöreu rnöge. vorüberziche. In Westdeutschland sei es noch Sitte, daß inan den Kopf entblöße, wenn inan an einem Leichenzug vorübergehe, ganz gleich, ob es sich um einen Juden oder Christen handele. Gegenüber diesen Beispielen zeige sich die Schmach der Friedhossstchändungen in ihrer ganzen Entsetzlichkeit. Ein Jngendbildner wie Ol^rstudiendirektor Dr. Henning sei der beste Wortführer gegen diese Schi nach. Oberstudicnrat Dr. Hans Hen n i n g wies darauf hin, daß auf dem altehrwürdigen Judensriedhof in Prag, den säst jeder Fremde aussuche, das Grab einer Frau zu finden sei, die an gebrochenem Herzen über die Bedrückung ihrer Glnnl>ensgenossen zugrunde ging. Prags Judensriedhof. der der Menschl)eit etwas Herllges ist, lenkt die Aufmerksamkeit aus unsere Zeih wo Tote in ihrer wohlverdienten Ruhe gestört werden. Wie kann eine solche Kulturschmach im zwanzigsten Jalrrhrrrrdert möglich sein und was kann man dagegen tun? Wir müssen mit allen erdenklichen Mitteln versuchen, das; die Rcichsregrcrrmg ihren Schutz denen gibt, die ihn brauchen, «ud das; unsere Gerichte solche Verbrechen bestrafen. Wir müssen forrfahrcn im Kampf gegen Völkerverhetzung und Verleumdung. In allen Schulen ums; andere Aufklärung wie bisher geleistet werden. Es muß Verständnis für die Geschichte der Juden in der Jugend erweckt werden, ebenso wie dies für die Geschichte der Griechen und Römer geschieht. Es muß aus Schulen gelehrt rverden. daß Juden auf allen Gebieten der Wissenschaft Hervorragendes geleistet haben, und daß sie mitgearbeitet haben am Fortschritt der Menschheit im deutschen Volle, seit ihn Väter deutschen Boden betreten haben. Es müssen sich alle die Bruderhand reichen und gemeinsam die Forderung erheben, daß in Deutschland nicht so gleichgültig gegenül>cr der Kulturschmach der Friedhossschändungen verstchr-en wird. Diese 56 Friedhosssckjändrmgen erfüllen uns mit Sorge um die Zukunft unseres deutschen Volkes, das wir vor solchen Schändern bewahren müssen. Nicht endenwollendcr Beifall dankt dem Redner für seine warmherzigen und tiefgründigen Ausführungen. Ein Vorschlag, von einer Aussprache, die den feierlichen Gesamteindruck des Referats nur verwischen könnte, abzusehen, wurde angenommen. El. Sch.