Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 17 (27.4.1928)
- Date
- 1928-04-27
- Page
- Seite 229 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Professor Heinrich Frick (Gicsten) über Goldsterns „Deutsche VolkSrDee und Dentschvölkische Idee". <vm Wärzhcft (Nr. 6) der von Pwseswr I). M o r t in Rade (Mor- 6uta)’ b*Tau§öCßcb?n-:n Zeitschrift ..Tie christliche Welt^ bespricht Professor Heinrich Frick die auch in der ,.E. B.-Zeitun'.^ von Proieswr Erd Nvlting cingepend gewürdigte Arbeit Prosiwor Dr. Z. holdst c i n tz „Deutsck>e Bolksidee und deutschvöltische Zdee"A in^ einem Artikel in dem er grundsätzlich die geistige und politische Struktur des deutschen Staatsbürgers jüdischen Clanbend untersucht und seine Existenz besalch. Aus dem interessanten Aufsatz geben wir im soldcn die wichtigsten Teile wieder. Tie Schristleitung. jjßir sind aus religiösen und aus nationalen Gründen mit verantroortlid) für den Ansgang des Streites um die „Judensrage". Wie immer man zu Juden und Judentum oder auch zu einzelnen damit zusammenhängenden aktuellen Fragen stehen mag, es darf uns nicht gleichgültig sein, wenn um uns herum mit einer tief aufwühlenden Leidenschaft darum gestritten wird. Mir scheint, daß es für den Leserkreis der „Christlichen Welt" besonders wichtig ist, eine bestimmte Art von Juden genau zn kennen und — wenigstens ihr Dasein — auch anzuerkennen. Ich meine den „deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens", einen Menschen mit „geeinter Zwienatur". Er nimmt typologisch einen besonderen Platz ein. Denn er erhebt den Anspruch, gleichzeitig national deutsch und konfessionell jüdisch zu sein. Dieser Typus braucht nicht zu leugnen, daß historische Abhängigkeit ihm Eigenschaften eingepflanzt hat, die der Mehrzahl der Deutschen fremd sind. Ja. er braucht nicht einmal davor zurückzuschrecken, daß familiengeschichtliche Abstammung auf eine andere Vergangenheit zurückführt, als sie die meisten Deutschen heute von sich annehmen müssen. Wesentlich ist nur dies, daß hier Deutschtum und Judentum gleichzeitig ganz bejaht werden. So steht dieser Mensch in der Mitte zwischen anderen möglichen Fällen, deren Extreme aus der einen Seite der jüdische Nationalist, der Zionist, auf der andern der deutsche Nationalist, der Völkische, sind. Es ist kein bequemer Standpunkt, den sich der deutsche Staatsbürger indischen Glaubens erwählt hat. Fortwährend muß er sich gegen zwei Fronten verteidigen, sowohl gegen den Vorwurf mangelhaften Judentums, als auch gegen den Verdacht, im Grunde doch eigentlich kein Deutscher zu sein. Wenn in dieser Lage die Verteidigung in den Angriff übergeht und der Kampf mit brauchbaren Waffen geführt wird, verdient allein schon die Tatsache Aufmerksamkeit und Bewunderung. Julius Goldstein, der Herausgeber der vortrefflichen ZwcimonatZjchris! ..Ter Morgen", ist bereits in diesem Zusammenhang bekannt geworden durch sein wiederholt aufgelegtes Luch ,.N a s s e u nd Politik" (4. Auslage, Leipzig-Berlin 1926). Nunmehr legt er eine weitere beachtliche Schrift über das Problem vor: „Deutsche V o! k s i d e e und d e u t s ch v ö l k i s ch e Idee' (Berlin 1927. 15-1 Seiten). Die gedrängte Kürze des Buches erlaubt nicht, auszugsweise den Inhalt wiederzugeben. Ich muß mich darauf beschränken, einige Grundgedanken hervorzuheben, die gerade in unserem Leserkreis auf Verständnis rechnen dürfen. Wichtig scheint mir vor allem zu sein, daß man der Schrift jene innere Wärme, ja Leidenschaft abspürt, die für das Schrifttum Goldsteins überhaupt bezeichnend ist.' Professor Frick zitiert dann Prostffor Eoldsteins Ausführungen zu der Frage: Was heben wir deutschen Juden mit den Nichtjuden gemeinsam?, stellt fest, daß die Widerlegung des Stavcksä)cn Buches „Antisemitismus?' in politischer und philosophischer Richtung voll gelungen ist und fahrt dann fort; „Reißt er (Gold-tein) danrit die Dolllndee aus der unwürdigen Verkoppelung . mit den Kategorien der zoologischen Zuchtwahl heraus, so ist es ihm doch eigentlich weniger zu tun um biologische und historische Tatsachenforschung. Goldstein braucht ja gar nicht die Bedeutung der physischen Abstammung zn leugnen. Die Entscheidungsfrage lautet nicht, ob der Abstammung überhaupt ern Einfluß znkommt — das leugnet auch Goldstcin nicht — foitbern sie lautet: Welchen Mächten gebührt in der Stufenfolge beherrschender Ideen der erste Platz? An der richtigen Hierarchie der Werte hängt für die Ethik alles. Daß der Völkische dem Volkstum den ersten Platz einräurni und gleichzeitig dieses Volkstum über das Leben herrschen läßt mit der tyrannischen Gewalt eines unabänderlichen Naturgesetzes, das ist der Kulturmord, dessen er sich schuldig macht. Der Geist und alle seine guten Geister sind aber nicht die Sklaven unserer Abstammung. Demk, um mit Fichte zu reden: „Es gibt schlechterdings kein Naturgesetz und^ keinen physischen Zusammenhang der Dinge, durch welchen das Gucke an uns kommt." (Staatslehre. 1613.) Schließlich mündet hier die Betrachtung ein in eine theologische Grundfrage. Es darf keine Größe der zeiträumlichen Wirklichkeit den Platz beanspruchen, der allein Gott gebührt. Das Volkstum an die Spitze der schöpferischen Werte rücken, henck Heiduck'epem Aberglauben verfallen. Ihm gilt die Warnung Dago res: ..Wer Götzendienst mit feinem Vaterlande treibt, ruft einen Fluch auf es herab." Erst von Gott aus, unter Gott bekommen Volt und Vaterland ihr Recht und ihren schöpfungsgemäßen Sinn. Es hechtz tue geheimnisvolle Wirklichkeit vergewaltigen, wenn man aus dem wunderbaren, natürlichen, aus der Tiefe heraussteigenden volkstümlichen Einschlag, den alle große Menschlichkeit an siech trägt, ein wissentlich-willentlich vorgesetztes Aktionsprogramm macht. Völkisch sein wollen vt Frevel am ewigen Geheimnis des Lebens. Der wahre Deutsche braucht nicht absichtlich deutsch sein zu wollen, er ist deutsch im innersten Wesen und teilt dieses Wesen, so lange er nur echt bleibt, auch den äußerlichsten Kundgebungen seines Daseins mit. Dieses gewachsene Deutschtum kann auch ein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens haben, lind hat er es, bedeutet ferne Existenz mehr für uns als völkisches Heidentum.' 5r& v4 v </ * *«) yj+ Auflösung der „Freunde Israels". In den „Ada Apostolicae" Nr. 4 wird ein Dekret veröffentlicht, welches die Auflösung des Vereins vAmici Israel“ enthält. Man wird sich erinnern, wie lebhaft diele Gesellschaft, als sie vor ungefähr zwei Jahren gegründet wurde, die Oeffentlichkeit beschäftigte. Ter Papst empfing damals den Gründer der Gesellschaft, Monsignore van Aseldonk, in Audienz und erklärte diesem, daß er den Kampf gegen den Antisemitismus, die auch in den katholischen Ländern angewachfene Bewegung, unterstütze. Wörtlich erklärte Pms XI.: „Es ist gegen das katholische Prinzip, Die Juden zn verfolgen." Nach dieser V o schichte der Gründung mußte es von vornherein klar sein, daß der Grund für die Auslösung der Gesellschaft nicht in einer Wandlung der Kurie zur Frage des Judenhaffes zu erblicken ist. Der Wortlaut des Dekretes bestätigt auch diese Auffaffuug, denn es heißt in ihm: Die katholische Kirche war Dem jüdischen Volke ' immer günstig gesinnt . . . Im Geiste Dieser Liebe zu Israel hat Der Apostolische Stuhl Das jüdische Volk gegen ungerechte Bedrückung geschuht, und ebenso sehr wie er jeden Hast und jede Feinvschaft unter den Völkern verwirft, so verwirft der Heilige Stuhl dies aufs schärfste gegen DaS erkorene Volk Gottes, jenen Hast, der im Antisemitismus in Erscheinung tritt. Der weitere Wortlaut des Dekretes gibt dann die — mau möchte sagen innerorganisatorischen — Gründe an, die die Auslösung veranlaßt haben. Die Deutlichkeit, mit der der Vatikan den Antisemitismus verurteilt, ist sehr zu begrüßen. Gin so klarer Ausspruch wie: Der Heilige Stuhl verwirft auss schärfste „jenen Hast, Der im Antisemitismus in Die Erscheinung tritt", wird ihren Eindruck auf die katholischen Massen sicher nicht verfehlen- L (Dss) C£b^M IbM (n ^-v -v4' 0 imH * i •: * 11; x ■} Phils Verlas. Berlin SW 6S, LinLensiraß« 13.