Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 16 (20.4.1928)
- Date
- 1928-04-20
- Page
- Seite 216 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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* 21 ö WEN, zur Erfüllung etuc§ an hoher Stelle gehegten Wunsches be!- Zutragerr." . Jetzt aber gelangte die Postc irr ein neues Stadium. An Stelle eines erfahrenen, gerrialcrr Mannes traten 59 »wohlhabende Herren', die noch nichts cinliral organisatorisch Zusarnnrengcfaßt waren. Diese Besitzer der Majorität schlossen sich zu einem Verein Deutscher Verlags- Vereins Sitz Düsseldorf, Zusammen, der durch Erlas; des Ministers des Innern und des Jnstr.zministcrs vour J. Mai 1914 die Rechts sätzigkert erhielt. Der satzrurgsgcmäste Zweck des Vereins war: ,Grwerb und Verwaltung von Stammarrteilcn, VorzngsanLerLcn und Geuutzschcrnen der August Scherl G. m. b. H. zu Berlin'«" iS. 34 ff.) Die geheimnisvolle Kontroilinstanz für Industriegelder. „Als Hugenberg int Tezcmüer 1912 Vorsitzender des Bergbaulichen Vereins geworden war, dem alle großen Werte des Ruhrgebiets angehören und der seit 18-58 Träger ihrer Solidarität ist, begann er die Leitenden Persönlichkeiten darauf hin.zuweisen, daß sie jährlich bedeutende' Summen Zerfließen lagen, ohne Zu wissen, was damit geschehe. Hugenbcrg schlug eine sehr einfache Organisation vor, um diesem Mangel abzuhclfen. Jede Bitte um einen großen Geldbetrag sei seinem Bureau schriftlich oder telephonisch Zu melden. Er werde Auskünfte einholen, um die ^ache Zu tontrolllcren. Leicht war die Arbeit durch einen Sekretär Zu bewältigen, und bald fühlten die routinierten und gut enrpsohleneu Sammler, daß geheimnisvoll'irgendeine kontrollierende Instanz errichtet worden sei. Und diese Instanz, das war die Hauptsache, befand sich in dcu Händen -eines Mannes von Hugenbergs Eigenart." (S. 54.) " Das Scherl-Unternehmen einst und jetzt. Hm eine Vorstellung davon zu geben, welchen Umfang das Schcrl- Unteruehmen schon damals hatte, erinnere ich daran, bay> der Verlag folgende Zeitungen und Zeitschriften druckte und vertrieb: .^Berliner Lokal-Anzeiger", in 241500 Exemplaren gedruckt. — „Der Montag", in 232 200 Exemplaren gedruckt. — „Tie Woche", in 256250 Exemplaren -gedruckt. „Der Tag". — „Täglicher Vergnügungsanzeiger und Fremdenführer". — „Tie Gartenlaube". — „Die weite Welt". — „Vom Fels zum Meer". — Tie Wochenschriften „Praktischer Wegweiser" und „Allgemeiner Wegweiser". — „Internationale Wochenschrift für Wissenschaft, Kunst und Technik". — „Berliner Wohnungs-Register". — „Export - Trade". — „Sport im Wort". — Fast alle diese Zeitschriften gehörten zu den verbreitetsten ihrer Art, ferner gehörten der August Scherl G. m. b. H. Buchverlage, insbesondere die Mehrheit der August Scherl, Deutsche Zldreßbuch G.. m. b. H., welche die Adreßbücher vSu Berlin. Breslau. Frankfurt ö. Maiu. Halle a. d. S.. Leipzig, Magdeburg, Stettin, hcrausgab. Die Bibliothek August Scherl G. m. b. H. ..." Nachdem die August Scherl <$« m. b. H. dann von Hugenbcrg saniert worden war, wurde das Unternehmen unter der Leitung des Generaldirektors Ludwig Klitzsch (seit 1. Januar 1920) erheblich ausgedehnt. Zu der Reche der bereits bestehenden Zeitungen, Zeitschriften und anderen Publikationen kamen vor allem Exportzeitschristen, für welche die Auslandsverlag G. m. b. H. unter der Leitung Ludwig Klitzschs begründet wurde: „Die Exportwoche", „Das Echo", ferner eine „Revue des Exports uiu) Imports", die in fünf verschiedenen Auswben (englisch Wunsch portugiesisch italienisch und französisch) erscheint. Die Zahl der Fachblätter lvnrde vermehrt durch: „Das Grundeigentum", Organ des Bundes Berliner Haus- und Grundbesitzer: „Kinematograph": eine für den Massenvertrieb organisierte illustrierte Monatsschrift: „Scherls Magazin" und eine Art Boulevardblatt, die illustrierte Abendzeitung „Berliner Nachtausgabe", kamen dazu. Tie Reihe der Adreßbücher wurde ausgedehnt. Große Industrie- und Handelsadreßbücher. Kursbücher wurden herausgegeben, der Buchverlag erheblich 'erweitert. Und dieser Expansion ensprcchcnd wuchsen die Gebäude. Druckereien, Betriebsorganisationen. Einflussnahme auf die Provinzpresse. „Als die ProvinzzeiLungen in Massen zusammeubracheu, wurden sie teils durch vordriugende großstädtische Zeitungen ersetzt, teils Eigene Verkaufsstellen in allen giossetcn Städten Deutschlands. Erhältlich in allen Spceialgesihäßeri. 0, ,0 ' KjZr, ih&Urtkhes 9- \ lMrs€.vd.iser \ A <a ' 1 «•» <J .L.'- - Des G e s u n eil? £ it s vj @ s s e r bei : ptj, I! US&. F a c b i n g e r Vcrsandetcllc: : Berlin SV/ II, Schönsbcrgcr Strasse I6a. gerieten sie in eine vollständige Abhängigkeit vonanderen großstädtischen Faktoren (Banken. Lieferanten)." „Es entsprach den Anschauungen, in denen Hu genberg und feine Freunde lebten, hier mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln' emzugreifen. Hugenbcrg benutzte als Werkzeug zunächst ein Unternehmen, das während des Krieges gegründet, aber nicht recht in Aktion getreten war: »Vcra Berlagsaustalt G. m. b. H.' in Berlin . . . Unter der Firma ,MuLuum Darlehns - Aktiengesellschaft' wurde' am 20. Oktober 1922 eine Bank begründet, die sich speziell damir befaßt, an Zeitungen Kredit zu geben und sich an Zeitungen finanziell zu beteiligen. Tie Zeitungsbank wurde mit der Vera durch Personalunion und durch Vertrag eng verbunden ... Heute sind Vera resp. Mutunm an 14 Zum. Teil bedeutenden Zeitungen in München, Stuttgart, Tarmstadt, Elberfeld, Magdeburg, Halte und iu kleineren Städten, beteiligt und besitzen von einigen dieser. Zeitungen die Majorität der Anteile. — Vera und Mutnum selbst befinden sich mit der überwiegenden Majorität ihrer Anteile, resp. Aktien, im Besitze der Dachgesellschaft des Hugeuberg-Kouzerns. ... So wurde am 6. September 1922 die .Wirtschastsstelle der Provinzpresse (Wipro)' in Berlin gegründet, die eine gedruckte Korrespondenz und eine Maternkorrejpondenz herausgibt. Einige Jahre später gelang cs, noch eine zweite Maternkorrespondeuz zu erwerben. . So besaß der Hugenbcrg - Konzern neben dem hauptstädtischen Zeitungsverlag und dem Annonccnbureau der ,Ala' A.-G. jetzt in der Vera, der Mutuum und den beiden Maternkorrespondenzcn wirksame Mittel auf dem Gebiete der Provinzpresse." Die Bedeutung der Provinzpresse. „Diese Ergänzimg des Hugenberg-Korrzerns war von Wichtigkeit, da der Provinzprepe in Deutschland eine weit größere Bedeutung zukommt als in anderen Ländern. Die auffallend geringe Auslagejiffer der grotzcn Berliner Zeitungen, verglichest mit den Auflageziffern der Pariser und Londoner Zeitungen, erklärt sich daraus, daß die Provinzprcfle sich in Deutschland -urchgesetzt und behauptet hat. In Frankreich gibt es viele Orte von 8000—10 000 Einwohnern, in denen überhaupt keine Zeitung erscheint. In Deutschland wäre das ganz undenkbar. . . . Besonders den Zeitungen der kleinsten Städte und Orte ist l^eute die Maternlorrespondenz fast unentbehrlich geworden. Dort ist der Verleger immer gleichzeitig Drucker und Redakteur und der Faktor besorgt alles übrige. Dieses „klebrige" besteht im wesentlichen nur in dem Zusammentragen und Setzen von — saaen wir — Stadtktatsch und in Mitteilungen und Bemerkungen über alltägliche Erscheinungen. Die Leitartikel hingegen, die Nachri^terr und Kommentare Uber politische Greigrnste, die landwirtschaftlichen Aufsätze, die Plaudereien, die UntcrhatLnngsnotizcn, die -Romane, das Feuilleton, die Sportberichte usw., die von den Berliner Maternkorresponderizcn teils irr Berlin selbst, teils in einigen Hauptstädten der Provinzen gesetzt und gcrnatert werden, üben eine entscheidende Wirkung auf das aus, was man „die öffentliche Meinung auf dem Lande" ncnrrt." (S. 83.) Die zwölf Männer. „Tie im Jahre 1919 gegründete ,WärtschastsvereinigmuP. d. h. Verein, rvelcher den Hugenberg-Trust durch seine direkten und indirekten Beteiligungen "beherrscht, hat -eine im Jahre 1910 gebildete Gruppe von vier Personen und deren Arbeitsergebnis in sich ausgenommen. Ten sich ans dieser Uebernahme ergebenden Ausgaben hat sich die .Wirtschastsvercinigung' durch einen im Jahre 1921 erfolgten Ansbau ihrer Satzung augepaßt . . ." „Die Vereinigung der zwölf Märrncr ist aber keineswegs als ein kollegiales Verwaltungsorgan gedacht. Im Gegenteil herrscht lleberciustimmung, das; nur ein einzelner fähig sein kann, ein solches Unternehmen \n lcitcrr. Klarheit deo Zieles, absolute Tiokrciion in der Vorbercitnug, Schnclligkcit deS EnLschlnsics, unbeirrbare Festigkeit irr der Dnrchfuhrutrg, Vermeidung jeder inneren 9»crbung aber auch Widcrftaudssähigkcit gegen innere Sirournngcre. und Bcstrebnngcn — dös alles kann in vollkommener Weise nur eine cirrzclne Persönlichkeit gewährleisten. Die Leitung durch einen hervorragend geeigneten Mann ist daher nach Ansicht des Zwölf-Mäuncr-Kollcgiums die ideale Lösung, und cs besteht Uebereirrstinnnnng, das; Hngcnberg ein solcher Mann sei." (S. 98 ff.)