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Central-Verein-Zeitung · 1928-04-20 · 16 (20.4.1928) · p. Seite 215

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
16 (20.4.1928)
Date
1928-04-20
Page
Seite 215 (sequence 3)
Language
German
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Die Beh Ilgr. Die Neuauflage von Theodor F r r t s ch s „Jüdischer Zeitungspolyp", die Ende 1926 erfolgt ist, war mit der äußere Anlaß, das) sich ein hervorragender sachverständiger im deutschen Zoitnngswesen, Chefredakteur Fritz Go eh, in diesen Blattern mit der Fabel von der B e r j u d u u g der deutschen Presse auSernanderschte. Tie Ausfassrmg, daß ungefähr 90 Prozent der deutschen Presse verjudet oder in jüdischen Händen sei, spukt aber ständig und trotz aller Widerlegungen auch heute noch in den köpfen selbst sonst kritischer Menschen, und man konnte zweijeln, ob es je gelingen würde, hier durchgreifend nuskmrcnd zu wirken, da man unseren Angaben, als von Jnteressentcnscite stamruend, nicht zu glauben geneigt war. 6s bedeutet deshalb eine außerordentliche Unterst ü h u n g unserer Arbeit, daß jetzt aus der Feder eines Hugcnberg sehr nahestehenden Mannes, des ordentlichen Professors der Staatswisicnschaften an der Universität Berlin, Ludwig Bernhard, eine Broschüre erschienen ist, „ Ter O uge u berg - Konzern" (Verlag Springer, Berlin). Ter Gegenstand scheint an sich trocken und nur für Fachleute interesiant zu sein. In der von persönlicher Bewegtheit getragenen Darstellung Bernhards jedoch wird die Schilderung vom Werdegang Hilgenbergs und des größten derrtschen Zetknngskonzcrns ein s p a n u e u d e r Roman, voll tiefer, aber au ch ü b crr a s ch e n d c r Einblicke und Bekenntnisse in und ü b e r d a s Wesen politischer Mach! g e w i n n u n a , - e it 1 s a r t u u g lind - c r h a l t u n g. Tie Broschüre von Lrrdwig Bernhard ist euch u u ter de m G e - sichtspunkt der. bevorstehenden Wahlen nach zweierlei N i ch t u n g h r n s ü r uns von I n t e r e s s c. Sie gestattet einen Einblick in die ungeheuerliche Verflechtung der gesamten öffentlichen Meinung mit beut Kreise um Hilgenberg, und sie zwingt zur scharfen Beobachtung der Quellen, aus denen die für das deutsche Judentum verhängnisvollen Gedanken in das tau sendadrige S t r o m s y st e m des Hugenbergschen Pressekonzerns geleitet werden. Nach der anderen Richtung hin enthält die Broschüre an zahllosen Stellen Aeußerungen, die ohne jede weitere Erläuterung die alten gegen uns erhobenen Vorwürfe widerlegen, wie sie etwa in der schon erwähnten Fritschschen Broschüre in den Satz zlisamrnengefaßt sind: „Mitderbe n t s ch e n Presse aber beherrscht Juda das deutsche G e i st e s l c b e n und auch das deutsche Volk selbst —", oder die Behauptung v o n d e n g e h e i m n i s v o l t e n j ü d i s ch e u Einflüssen über und neben den N c g i c r u n g st e l l c n, und viele andere der gleichen Art. Wenn Dr. Hugenberg für die Umsetzung seiner Idee in die Wirklichkeit in einer für ihn so erfolgreichen Weise vorgegaugen ist, so soll aus dieser Tatsache keine neue Theorie von uichtjüdischen ..Weisen von Zion" begründet werden, wie es stets der Fall ist, wenn irgendeine jüdische Persönlichkeit der Presse oder der Wirtschaft im Zusammenhang mit politischer'. Geschehnissen bekannt wird. Wir veröffentlichen nachstehend eine Anzahl Stellen ans' der Broschüre, die für unsere Arbeit von Interesse sind. Die „geheimnisvolle Macht“ der Hebenregierung. „Als ich im Jahre 1901 Professor an der Akademie in Posen wurde, suhlte ich mich von einer Gruppe wirtschaftspolitisch tätiger Männer angezogen. Es waren sechs preußische Staatsbeamte. Drei von diesen, junge Geheimräte in verschiedenen Ministerien, lebten zwar in Berlin, hatten aber ihr Herz ganz in der Ostmark und kamen oft zu Besprechungen nach Posen: Friedrich v. Schwerin, Arnold Wahn schaffe und Alfred -Hngenberg. Tie drei anderen waren als Regiormrgsrüte im Ansiedlungswerk der Ostmarkcn tätig: Ganse und Kette bei der Ansiedlungskommission, Mepdenbauer bei der Ostpreußischen Landgesetlschaft.' Ten Mittelpunkt dieser Gruppe von Staatsbeamten bildete ein Nichtbeamter, der junge Direktor der Posenschen Landesgenossenschastsbcmk Tr. Leo Wegener." (S. -U ,.Die um Leo Wegener vereinigte Gruppe junger Staatsbeamter spielte seit 1901, ich möchte geradezu sagen, die Rolle einer A'evenregiernng in der ostmärkischen Ansiedlnngspolitit'. Zwar berieten die Oberpräsidentcn, die Negiertmgsprasidentcn'. der Ansiedlungspräsident und andere „Spitzen" dies und beschlossen das. In Wirklichkeit aber geschah sehr oft. was ich in jenem vertranten Kreise hatte entstehen und heranreifen sehen. Eine geheimnisvolle Macht wirkte über alle bttvcautratischcn IusLauzen ljiuweg." 4.)_ . . . ..Aber während sich dann die hochnwaendcn „Spitzen" im Hotel de Rouw an Speise und Tran! erquicktem trafen die Freunde sich in der Wohnung Leo Wegencrs und entworfen die Statuten der notwendigen Organisation, welche in der Konferenz nicht zustande gekommen war. Und dann begann die »Operation mit verteilten' Vollen'. Schwerin war Dezernent im Ministerium des Innern, Hilgenberg Dezernent im Finanzministerium, Wahnschasfc- Dezernent im Landwirtschastsministerium. Die drei warfen einander die Bälle zu, beeinflußten die Unterstaakssekreräre und die-Minister. Zugleich bereiteten Leo Wegener, Ganse, Kecke -und Meydenbauer in der Provinz den Boden für den von den Freunden entworfenen Plan. Weit über ihre formelle Zuständigkeit hinaus griffen diese Männer in die amtlichen Geschäfte ein und riskierten manchmal ihre Stellung, indem sic ohne Wistcu, ^sogar gegen die Beschlüsse der zuständigen Instanzen handelten." (c. 6.- Das schwächliche Kationalgefühl des deutschen YolKes. ,,Die letzte entscheidende und durchaus gemeinsame Selbstprüsnng bot uns in'allen unseren Arbeiten stets die Frage: Wie steht es mit der nationalen Wirkung des Unternehmens^ Die Erfahrungen des NaLionalitätenkampfes hatten uns gezeigt, das; das deutsche Bolr nur ein schwächliches Nationalgefühl besitzt ... „In unserem Greife war einer, der von Anfang an die Meinung vertrat, daß unsere Bestrebungen und Pläne inch Leere verpuffen würden, wenn wir nicht Mittel Hütten, um auf die öffentliche Meinung einzuwirken. Bon Anfang an tummelte Leo Wegener vor uns sein Steckenpferd: Zeitungswesen. In allen Gangarten ritt er es, unermüdlich. Immer entschiedener zog er innere Blicke daraus." (S. 9.) Ein jüdischer Zeitungspionier als Vorbild. „Es waren gerade die Jahre, in denen ein genialer Zeiumgssach- . mann, Anton Levin ans Berlin, in der Provinz umherreiste, um 1 die ländliche Presto für eine neue Einrichtung zu gewinnen, die er-; hebliche Ersparnisse brachte und dem Provinzblatt doch zugleich ein modernes Ansehen gab. . . . Anton Lc-vin bot ihnen etwas Neues, er wollte ihnen täglich aktuelle Leitartikel. Plaudereien, Kurszettel. Nachrichten nsw. in gemalertem Zustande liefern, d. h. in Papp st reisen eingcprcßi. so daß in der Provinzdrnckerei weder das kostspielige und langwierige Setzen noch das schwierige Pressen des Satzes in Pappe erforderlich blieb, sondern nur mit einer einfachen Metallgießmasthiue ans der Mater die fertige Druckplatte hergestellt zu werden brauchte." (<>. 13.) Die öffentliche Meinung -und ihre Beherrscher. „In einem solchen Kampfe mußte notwendig der Wunsch entstehen, auf die psychologische Grundlage der Wirtschaftsordnung Einj sluß zu gewinnen, d. h. auf die öffentliche Meinung. ) Eines der Hanptmittel, avelches, die Interessenten anwenden, um 1 die öffentliche Meinung zu beeinflußen, sind die Zeitungen, die .Kanäle; zu den Gehirnen der Menschen*.; Als Lord Rothschild gefragt wurde, ob er bereit sei, eine der! führenden Zeitungen Englands zu kaufen, antwortete er: .Es ist ein! Grundsatz unseres Bankhauses, niemals ein finanzielles Interesse an - irgendeinem Zeitnngsbesitz zu nehmen". F. Harcourt Kitchin, der : dieses Wort mitteüt fügt hinzu: .Die Aottrschrlds hatten zwar gej Holsen, Grundstücke für den Buckst lub (ein großes Propagandaunter- : nehmen der .Times') zu erwerben, aber das war eine reguläre; Kapitalanlage? | Eine reguläre Kapitalanlage — das ist es! . . . : Kein modernes Zeitungsunternehmen Emm sich ohne Bankkredit l cntroirt'ehi. In einem unaufhörlich sich wiederholenden Aufnehmen! und Hingeben, in einem fgst zu organischer Bewegung gesteigerten! Wechselspiel zwischen Bank und Zeitung cnNoickelr sich der Körper ' der Zeitung.! Und die Seele der Zeitung? Sie kann nicht unberührt bleiben.; Wenn ein Mann, der für das geschäftliche Gedeihen. a!w für die Eristcnz eines Zeitungsvorlages verantwortlich ist, sich bewußt wird. ■ daß ein beträchtlicher Bankkredit im nächsten Jahre prolongiert werden j muß. wird er, ohne gegen sein Gewissen zu handeln, sich doch so vor- ‘ halten, daß er das Geschäft nicht aufs Spiet fetzt." (S. 26.) „Deutschfalütige“ Retter aus ,jüdischer Gefahr“! Bernhard gibt einen Ueberblick über die Folgen der Krise im Zeitnngsgewerbe, wie sie in den Jahren 1000—1907 in allen europäischen Ländern festzn stellen war, und schildert im einzelnen die finanziellen Verhältnisse im Scherl-Verlag. In der Preußischen wie dcr Aeichsregiernng war man mir solchen Folgen nicht einverstanden. „In dem Druck dieser geschäftlichen Zange wuchs die Erregung, i An hoher und allerhöchster Stelle sah man das Gespenst einer Beherrschung der Berliner Presse durch ,M o f f c —1111 ft e i rst, wie man sich ansdrückte, und sprach von der .jüdischen Gefahr. Dieser Gefahr cntgegenzntreten, unternahmen schließlich Baron Simon A l s r e d v. Oppe n h e i m in Firma S a l. O p P e n h e i m jun. Eo. in Köln und der Kölner Finanzmann Louis Hageil. O p P e u h e i m und Louis Hagen brachten einen Kreis voll Leuten zusammen, die kein anderes Band miteinander hatten, als die Tatsache, das; sie alle wohlhabend lmd alle von beut Ehrgeiz beseel!

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