Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 16 (20.4.1928)
- Date
- 1928-04-20
- Page
- Seite 214 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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214 Hause den Worten des bekannten Dr. G o e b b e l s. Sie haben nun auch in Berlin freien Lauf, in der Reick)syanptstadtz d'.e sie aVs die „Stätte der vereinigte!! Unw.oral, des marristischen Hasses und des jüdischen Thrones" ausruseu. In Harnburg, in E s s e n, in K a r l s r u h e, in L n d w r g s h a f e n, nicht zu reden von Nürnberg und München, sind sie in eifrigster Tätigkeit, nnd daneben haben sie sich plan mäßig ans das stäche Land gestürzt, um die durch deutschnaüonale Tedankengänge für sie vorbereitete Bauernschaft einznfangen, der sie die Unfähigkeit der Deutschnationalen Partei und ihrer Minister und die nur mögliche ..Rettung" durch die Hakenkreuzj sahnen vorerzählen. Sollte es zutrefscn, daß die'e Partei allein! m der Reichshauptstadt und der Provinz Brandenburg über! 64 Ortsgruppen mit 7300 Mitgliedern verfügt? Auch sie wird l - denn einige tüchtige Organisatoren hat sie schon — mit j allen und gewiß nicht prüden Mitteln modernster Propaganda j arbeiten, ihre „Freunde" an den Plakatsäule!? erscheinen j lassen nnd sogar „B a l l o n a u s i i ä r n n g" verwenden. 1 Wie im Weinrausch sich der wahre Charakter eines Men-; schen nach altem Sprichwort offenbart, so wird jetzt schon j zu Beginn des Wahtkarnpses der brutale Charakter der i Nationalsozialisten deutlich. In einer Einladung der Orts-! gruppe Pirmasens der Nationalsozialistischen Arbeiter-! Partei lautet die Ueberschrist: ,,^tn den Galgen mit den VoltsverDcrbern." Damit keiner im Zweifel ist, wer dafür angesehen wird, werden diese ,,als Inden und IuDeirgcuossen, die weiszerr und Die schwarzen Juden", klargestellt. Nicht der gute oder schlechte Mensch entscheidet für die Nationalsozialisten, sondern unterschiedslos wird den Inden im gewünschten Zeitalter einer nationalsozialistischen Diktatur, die im November .1923 in München schon eine Eintagsherrschast führte, Tod nnd Verderben jetzt schon bestätigt. Schär s st er K a m Pfbis z u m l e tz t e n gegen diese rücksichtslose n Feinde und H a s s e r! IV. Der übrige völkische Wirrwarr führt jetzt pvar tönende Reden, aber es sieht nicht so aus, als ob ihm die Palme des SiegerZ zufallen wird. Richard K u n z e und sein letzter Getrerrer, der Dresdener Blumen tritt, haben zwar den j Namen von Kunzes Gründung „Tentschsoziale Partei", die sie ausschloß, gerettet, aber die meisten seiner früheren Anhänger, darunter der Görlitzer Telegrapheumspektor Je uzen, haben ihm den Rücken gekehrt und sind zu anderen völkischen Gruppen übergegangen. Immerhin behauptet Knüppelkunze,; der Reichsverband nationalistischer Werkvereine, das Deutschs banner Schwarz-Weiß-Rot, die völtisch-sozialistischo Aerzteschast und andere Zwerggründungen stünden treu zu seiner i Fahne'und der „Werwolf" habe ihm Wahlhilfe zugesagt. : Die Morten des Reichstags werden sich ihm aber nicht öffnen.! Beachtlicher ist dock; noch der völkisch-nationale Block, in dessen Reichs- und Preußischen Landeslisten neben Graese, Wulle, Koerner und anderen bekannten Führern der deutsch völkisch e iv Freiheitsbewegung Anhänger der Deutschkonserv a tive n Partei und anderer kleinerer Gruppierungen ihren Platz haben. Bemerkenswert ist. daß die Deutsche Reformationspartei des Berliner Dompredigers Döring mit den Völkischen Wnllescher und Henningscher Prägung in die Wahlkampfarena treten. Ein schmerzliches Bedauern muß es auslösen, wenn ein Prediger der Nächstenliebe sich den Völkischen so verschreibt! Daß die C h r i st l i ch - n a t i o n a l c B a u e r n p a r t e i und Gründungen ähnlicher Art die antisemitische Mähre tapfer tummeln werden, wer zweifelt daran? Aber une auch immer, das deutsche Judentum wird sich zu wehren wissen! In den letzten Nummern dieser Blätter ist mehr oder minder ausführlich von den Vorbereitungen des Cent r a l v e r e i n s für diesen heftigen Kampf gesprochen worden. W i r , f ü r ch t e n k e i n e n Feind nnd keinen H a s s e r. Si e s o l l e n, sie w e r d e n a n f Granitboiße n. Unsere Freunde nnd Mitglieder überall im deutschen Vaterlande werden uns zur Seite stehen und werden uns Herz und Beutel nicht vorschließen. Paul de La gar de," der völkische Prophet, sagt einmal: „Wem nicht ein Genus; isteiner Minverhekt auzrrgclzörcn, welche Die Wahrheit verficht unD für Die Wahrheit leidet, Der verdient nie zu siegen." U n s ist es ein 6 c u u ß. n u s ist es eine E h r e, und wir wollen alles ein setzen, nur den Sieg zu verdienen. Die NütiorialfoziaNften im Rheinland. llmfangreiche Versammluugsarbcit. Aus Köln wird uns geschrieben: Der rheinische Gau der K)l. S. D. A. P. verbreitet die Meldung, daß das Ruhrgebiet erobert sei nnd daß nnmnehr mit oller Kraft auch Köln und das Rheinland gewonnen werden solle. Mi! Wiedererlangung der Bewegungsfreiheit hat sosort eine starke Agitation eingesetzt, als deren erstes Ergebnis eine gewaltige Zahl von Versammlungen anzusehen sind, die überall abgchaltcn werden. Der Versmnmlnngskatender im „Westdeutschen Beobachter" weist täglich eine, meistens' mehrere Versammlungen' innerhalb des Gaues auf. Hauptredner find Loy (Köln), Gr oh 6 (Köln), Schall er (Kölnp Z c n u e v (Brohl), K o ch (Elberfeld), K a u s m a u n (Elberfeld!, ^9 a g u c r (Bochum). In Köln hat Streicher gesprochen. Goebbels ist angesagt. Die Völiischen sichern meist die Versammlungen durch starte Aufgebote Uniformierter. Ausfällig ist die starte Tätigkeit aus Dem Lande, aber auch die Städte werden nicht vernachlässigt. Tie Versammlungen werden meist durch Militärmusik umrahmt, sie erleiden aber nieist dadurch Abbruch, daß zumindest in den Städten ein Eintrittsgeld erhoben wird. Erwähnenswert ist. daß eine neue Ortsgruppe der N. S. D« 2l. P. in Köln unter sehr starker Beteiligung gegründet wordcrr ist. Die nächste Zeit wird noch starke Kampfe bringen. Die Achtung vor öem ßeiftlichen Gewanöc. Ter „Stürmer" gegen Tr. Hartwich. Wir sind es allmählich gewöhnt, das; jeder ehrenwerte Nichtjude von völkischer Seite angegriffen ward, trenn er in der „C. B. - Zeit« n g" schreibt, und diese Angriffe sind um so gröber, je größer das Ansehen ist, dessen sich unser Mitarbeiter erfreut. Diesmal gilt der Angerss dein Domprediger 1). tllool. h. c. O. Hnrtwi ch (Bremen). der uns im Dezember v. I. seine Empörung über die I u d e n v e r s o l g u-n - gen in Rumänien mitgeteilt hatte. Tiefen Brief, den wir nnt seiner Erlaubnis abgedruckt"hatten, wählt der „Stürmer" in seiner Aprilnummer als Angriffspunkt. Groß überfchreibt er die erste Seite „Der Domprediger", druck! dann den Brief des Donchredigers ab und verunglimpft dann das Ansehen dieses gerechten Mannes auf das schlimmste. Zur Bekräftigung seiner Empörung über diesen seiner Ansicht nach „vcrjudcten" Dompredigcr bedient er sich eines Luther- Zitates, in dem Luther jeden Christen, der den Juden Hilst, mit höllischem [yc-uer bedroht. Das Blatt wurde Lwrrn De Predige r Harüvig anonym zugesandt mit der Aufschrift: „Ihnen zugesandr von einem entrüsteten Kollegen, der den Ausführungen des .Stürmer" zustimmte." Und das Luther-Wort wurde mit einem „Bravo, das heiße ich herausgegeben" bekräftigt. Daß der „Stürmer" mit derartigen Waffen kämpft, wundert uns nicht: daß ein Amtskollege des "Herrn Tompredigers diesen Ausführungen zustimmt, können wir kaum annehmen: denn ein Mann im Range eines Geistlichen hatte sicherlich den Milt gehabt, auch seinen '.Kauten zu nennen. Dieser Anonymus wird wohl eher in den Reihen der üblichen „Stürmer"-Leser zu suchen fein. Das; es in Deutschland immer noch Menschen gibt, die ein solches Blatt kaufen und denen man es wagen darf, derartige Verunglimpfung' vorzusetzen, ist tief bedauerlich. An der Ehre eines Mannes wie des TomprcDigers Tv. Hartwich kann weder ein solcher Artikel noch die Meinungsäußerung eines anonymen „Kollegen" etwas rühren. Wie hoch erhaben' Dr. Lmrtwich selbst über diese Art der Polemik ist, zeigt uns sein Brief, mit dem er uns den „Stürmer" übersandte, nnd den wir mit seiner gütigen Erlaubnis nachstehend wiedergeben: Bremen, den 16. April 19M. Tomsheide 2. 'An die Schriftleitnng der „G. V.-Zeitung* B e r l i u. Beifolgendes Blatt ans dem ..Stürmer" ging mir heute anonym aus Nürnberg zu. Da der Artikel sich mit Ihnen und mir beschäftigt, so sende ich Ihnen das Elaborat ein. Der daraus erkennbare Lebens- Horizont wird Sie vermutlich ebenso zu einem Kopfschütteln veranlassen wie mich. Aber cs liegt Methode in dem Wahnsinn. lieber das Zitat aus Luthers Schriften kann es vom christlichen Denken aus nur das eine Urteil geben, daß der sonst so große Mann hier in ähnlicher Art entgleist ist, wie. einst der nicht minder große Apostel Paulus im Briefe au die Galater, als er dort den Petrus „verfluchte" mit den äußerst unchristlichen Worten: „Und wenn ein Engel vom Himmel käme und würde euch das Evangelium anders predigen als ich, der sei verflucht!" Derartiges kommt leider auch bei großen Männern vor. Bedauerlich ist nur, daß die kleinen Geister nachher immer an diesen „Entgleisungen" nagen wie der Hund am fleischlosen Knochen, und der Welt weißrnachen wollen, dies sei die einzig wahre Ernähruugsform. Wenn Sie glauben, daß mau durch Bekanntgabe meiner Worte eine bessere Einsicht anbahnen kann, so habe ich nichts dagegen, wenn Sie öffentlich Gebrauch davon machen wollen. Hochachtungsvoll v. theol. h. e. O. H a r t lv i ch, Dom Prediger in Bremen.