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Central-Verein-Zeitung · 1928-04-13 · 15 (13.4.1928) · p. Seite 202

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
15 (13.4.1928)
Date
1928-04-13
Page
Seite 202 (sequence 2)
Language
German
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202 die Ergebnisse, der letzten Hamburger und Braunschweiger Wahlen gezeigt haben, durchaus nicht alle nach links rücken, sondern den rechtsradikalen Flügel, die Nationalsozialisten und den uanonalvölüschen Mock stärken. Für die deutschen Juden bedeutet das eine Zunähme der ausgesprochen judenfeindlichen Abgeordneten in den Parlamenten. Es wird umfassender Arbeit des Centralvereins bedürfen, um einer solchen Entwicklung während der Wucht cntgegenzuwirl'en. Tneses Ziel wird der Centralverein nur erreichen können, loeim jeder selbstbewußte deutsche Jude zu seinem Teil ihn mit allen Kräften und allen Mitteln unterstützt. A. II. Tie Ausführungen der Abgeordneten Tr. Gertrud Kl au ßner gestatten einige Ergänzungen-, die die besonderen Pflichten des Centralvereins und der Centralvereinler rvahrcnd des Wahlkampfes deutlich machen sollen. Bei den politischen Parteien pflegt die Wahlparole, falls die Partei in der Regierung war, den Hinweis aus das Erreichte zu enthalten. Das Erstrebte wiederum wird in den Vordergrund gerückt, wenn sie sich in der Opposition befand. Eine Wahlparole dieser Art braucht der Centralverein nicht. Seine Arbeit ist, wie schon oft betont, imnier Bemühung um Gewinnung von Menschen für seine Idee, und die Zeit während des Wahlkampfes bedeutet für ihn nur eine Verstärkung, eine- Steigerung dieser Anstrengung. Tie Wahlparole unseres Ccntralvereins ist nüchtern und klar: Wir wollen unser Recht, unsere Zulassung zur Mitarbeit und Mitverantwortung an lebendiger deutscher Gegenwart um unserer gemeinsamer: deutschen Zuknnst willen. Tie polnischen Parteien, die auf dem Boden der Weimarer Verfassung stehen, harten es verbürgt. Es darf nicht gefährdet noch geschmälert werden. Hierüber haben wir zu wachen, hierfür ist unsere Arbeit vonnöten. Es mutet fast wie ein Anachronismus an, trenn eine Auseinandersetzung mit jenen Freundeil erfolgen mich, die eine Bekämpfung des Judenhasses durch die politischen Parteien, soweit sie hierfür in Frage kommen, für ausreichend Haltern Soweit sie h i e x f ü r i n Frage kommen: darin liegt der Kern! lieber jeden Zweifel erhaben ist die Gewißheit, daß eine Verfassungsänderung, die unsere rechtliche Gleichstellung ausheben könnte, niemals die Zustimmung der Parteien finden würde, die in Weimar die Verfassung schufen. Aber: kommt es nur auf dieses Letzte, Größte, Lebenswichtigste an? Genügt uns der .RechtsLite! und ist es gleichgültig, wann, wo, wie oft er leerer Inhalt nur bleibt? „Um Kleinigkeiten kümmert sich der' Prätor nicht" — dieser alte römische Rechtssatz Hai seine Wahrheit auch für die politische Arbeit. Tenn Kleinigkeiten — ist ein sehr relativer Begriff. Für uns, die wir, ohne überempfindlich zu sein, in jahrzehntelanger Arbeit ein geschärftes Empfinden für die Bedeutung oft unwesentlich erscheinender Symptome bekommen haben, liegt in einem kleinen Vorgang oft die Fülle gefährdender Möglichkeiten verborgen. Ist es würdig, aussichtsvoll, klug, zu Außenstehenden zu gehen und um Abhilfe zu bitten? Man könnte zweifeln, wie mandie Frage richtiger stellt: ist Raphael Löwenfelds Wort von der „Selbstverteidigung im Lichte der Oe fse n 11i cf; f c i r" noch nicht überall hin gedrungen — oder ist es schon wieder vergessen? Machen sich jene, die stets auf die Parteien verweisen, klar, woher diese das Material, die Erfahrung in unseren Angelcaenheiren nehmen sollen, ohne die eine nachwirkende Abhilfe unmöglich ist? Es gab eine Zeit, in der einige allgemeine Begriffe hinreichten, um dem Judengegner wirksam entgegentreten zu können. Ten stachen Gegner erledigte eine oberflächliche Enrgegnung. Aber die Gegner haben gearbeitet. Ganze Bibliotheken füllt i h r Materia l. W i s j e n s ch a f t l e r v o n N n f schreiben in wissenschaftlichen Zeitschriften, Werke mit verhängnisvollen Schlußfolgern n g e u erleben Auslagen, die an die Hunderttausend h e r a n r e i ch e n. Nicht jeder, der G ü n t h e r s ..N assen - kund o", der W u n d t s „Völkische W e l t a n s ch a u u n g" liest, wählt nun auch sofort völkisch. Aber er verliert, findet er kein ihn überzeugendes Gegen material, seine Unbefangenheit, und seine Skepsis wird rasch seinen Kreis ergreifen. Hier liegt die ^große Arbeit des E. V.: Bereit sein, wo mau Willen braucht, helfen, wo man sich um Wahrheit bemüht. - Wir dürfen und wollen der geistige Generalstab und die Waffenschmiede einer glücklicherweise zahllosen Armee sein: der Kämpfer für Wahrheit, Gerechtigkeit, Volksgemeinschaft. r * So besteht die Notwendigkeit, die Abgeordneten, Funktionäre, Wahlredner. überhaupt jeden politisch interessierten Wähler mit schlagkräftigem und doch wissenschaftlich einwandfreiem Material über | unsere Fragen zu versehen. Schott jetzt gibt eS wohl kaum I einen Parlamentarier der in Betracht kommenden Parteien, l der nicht durch uns-das „Handbuch zur Judenfrago" von Stern kostenlos erhalten hätte, oder jenes beliebte „^,-rentrnakerial" „Arrti-Anti", über das einer der Führer der größten Partei sich voll wärmster und dankbarer A n e r k e n n u n g n u s l i e ß. U n d übersieht m a n d ie Bedeutung der Tatsache, daß weit über zehntausend Broschüren unseres Philo-VerlagcS innerhalb von 14 Tagen über das Reich verstreut wurden? Das; viele hunderttausend Grcmplarc der Monatsausgabc der ,,C.V.- Zcitnrrg" neben den bisherigen Zchntauscndcn ins Land hirrauSgehen? Taß in Dutzenden von A u f k l ä r n n g s k u r s c n Männer und Frauen guten Willens für die rednerische Arbeit gesch u l t werden? Und daneben, was in jeder Politischen Arbeit üblich und nötig ist, d i e Fülle der indirekten A r b e i t i n Wort und Bild? Müßte trotz alledem nicht jeder unserer Freunde, der von Zehntausendeu, Hunderttansenden hört, bedenken, daß die Wählerkreise, die erfaßt werden müssen, in die M i l l i o n e n gehen, und müßte ihn nicht die innere Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft, der er angehört, gegenüber der Zukunft seiner Kinder zwingen, an uns die Frage zu stellen: Was kann ich tun, um eure, nein: meine, unsere Arbeit zu fördern? — Wir stehen gern Rede und Antwort. * Jeder Kopf und jeder Pfennig wird gebraucht werden, denn es wird heiß hergehen. Tie „Tägliche Rundschau" schreibt in ihrer Lsiernummer mit vollem Recht: „Sicher scheint nur eines zu st in, daß der Wahlkampf mit großer Leidenschaft und mit dem Answaude aller erreichbaren Mittet geführt werden wird, und daß in den nächsten sieben Wochen unser Volk in ein Dutzend oder mehr Heerlager zerfallen wird, die sich gegenseitig das Schlimmste nachsagen und doch nach diesen sieben Wochen wieder irgendwelchen Ausgleich finden müssen, wenn der neue Reichstag arbeits- und damit eristenzfähig werden soll." Schon bilden sich neue Heerlager, um Unzufriedene zu erfassen. Besonders bedeutungsvoll ist die Kundgebung der: Derrtschkonservativen, die zugunsten der Deurschnationalen BolksMrtei nach 1918 auf eigene Betätigung verzichtet hatten, jetzt aber selbständig in den Wahlkampf cintreten. — Sie wendet sich an jeden, „ . . . wer für die auf gesetzmäßigem Wege wieder hcrzustellcnde legitime Monarchie (der sogenannte Kaiserparagraph des RepnblikjchutzgescheZ ist eine Schande für unser Volk), für lebendiges Christentum in Hans und Schule, in Reich, Staat und Gemeinde, für deutsches Volkstum im freien Deutschen Reich, gegen das alles zersetzende Judentum und die von ihm abhängigen Parteien (besonders Demokraten und Sozialdemokraten) ist" und fordert diese auf, ihre Stimme dem national-völkischen Block zu geben. Es ist also nötig, dessen Wahlaufruf heranzuziehen. Wir finden ihn in der Sfterbotschaft des „Deutschen Tageblatts". Schon seine Ueberschrift genügt: „Dem Ja der jüdisch-marristisch-frcimaurcrischjesuitischen DalveS-Partciherrschast, die dem schaffenden deutschen Volke ewige Sklaverei bringen soll, begegnet geschlossen das Nein aller freien deutschen Volksgenossen am Reichstagswahltag 1923! Zu dieser Haltung der T e u t s ch k o n s e r v a t i v e n hat die T e u t s ch n a t i o n n l c V o I k s Partei bereits eine Erklärung abgegeben, die ihre Wähler beruhigen soll, d. h. die Programmatischen Forderungen der Konservative» werden von den Tentschnationalen übernommen. Man muß also, was auch nicht weiter überrascht, auf eine besonders judenfeinduche Agitation der Tentschnationalen auch dieses Ria! gefaßt sein. * Inzwischen hat auch Herr Hitler in mnssolinihaster Art die Kandidatenliste der sä S. A. P. D. veröffentlicht. Es besteht kein Zweifel darüber, daß diese Partei weit günstiger abschneiden ward als alle übrigen völkischen Gruppen, und so ist damit zu rechnen, daß eine ganze Anzahl der „bekanntesten Führer" nunmehr die Parlamentstribüne für ihre rednerische Arbeit wird benutzen können. Man findet sie alle wieder: Goebbels und Tr. Ley. den Helden von Nastätten, Wagner und Straffer, Fr ick und Stohr, den früheren Professor in Greifswald, V a h l e n , und last not least: M ü n ch meyer, den Befreier Borkums. * Wir fühlen uns, den schon' erlebten und zu erwartenden Aufgaben gegenüber, voll ruhiger Sicherheit. Uns trägt das Vertrauen unser Mitglieder, das Bewußtsein erfüllter Pflicht und der Glaube an den Sieg unserer Ideale.

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