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Central-Verein-Zeitung · 1928-04-13 · 15 (13.4.1928) · p. Seite 201

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
15 (13.4.1928)
Date
1928-04-13
Page
Seite 201 (sequence 1)
Language
German
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In der Osterwoche haben alte Parteien den Wahlkampf ruhen lassen. Daher sind Aufrisse der großen Parteien noch nicht ergangen. Die Vorbereitungen sind jedoch auf allen Seiten getroffen. Auch die Vorarbeiten des Centralvereins zur Wahl sind im wesentlichen abgeschlossen. Die Notwendigkeit und Berechtigung dieser speziellen C. V.-Arbeit neben der Arbeit der politischen Parteien wird in den nachstehenden Ausführungen nachgewresen. Sie beweisen, wie sehr man in parlamentarischen Kreisen von der Notwendigkeit der C. V.-Arbeit überzeugt ist und wie inan sie bewertet. Tie Schriftleitung. Dem oberflächlichen Betrachter mag es scheinen, als ob während der Periode des soeben aufgelösten Reichstages und des Preußischen Landtages wesentliche antisemitische Zwischenfälle sich nicht ereignet hätten. Allerdings haben Ereignisse von dem Urnfange des Hitler- PutscheS die Qefsentlichkeit nicht'in Erregung gesetzt. Wer aber ständig in den Parlamenten mitarbeitet oder ihre Arbeit genau verfolgt, weis;, daß sich sehr häufig bei der Behandlung von Gesetzes- Vorlagen, die in irgendeiner ftorm mit jüdischen Fragen Zusammenhängen, Erwägungen judenfeindlicher Art eiuschlcich'n, und zwar mitunter unbewußt, selbst bei Abgeordneten, die den Vorwurf antrsemitischer Gesinnung sonst mit Recht von sich weisen würden. Es sei daran erinnert, in wie unerfreulicher Form die Schach tsr a ge auch von Persönlichkeiten behandelt worden ist, an deren persönlicher und sachlicher' Unvoreingenommenheit sonst lein Zweifel bestehen kann. Und welche Sysiphusarbeit mußte in der Frage der Strafrechtsreform geleistet loerdeu. Dabei hätte man doch meinen sollen, das; hier, wo die Bedürfnisse des jüdischen Bevölkerungsteiles so vollkommen klar liegen — Friedhossschändnngen, Beschimpfungen gegen die jüdische Religionsgemeinschaft und Gotteslästerungen haben die Notwendigkeit von Reformen doch eindringlich genug bewiesen — die berechtigten Forderungen leicht bewilligt worden wären. Aber die Wunsche waren, nwil sie von jüdischer Seite kamen, verdächtig, und so blieben sie unerfüllt. Solche Forderungen immer wieder in aller Oesfentlichleit zu stellen, das ist Ausgal>e des C. B. Eine anscheinend kleine, für die Znknustsentwicklung aber wichtige Aufgal>e des Centralvereins wmr es auch, mit steter Aufmerksamkeit die Schulbücher daraufhin zu beobachten, ob sie über Inden und jüdische Einrichtungen objektive, vorurteilslose Unterweisung gaben. Gehässige Bücher ans dem Schulgebranch zu entfernen, gelang mehrfach durch das r>erst,ändnisvoll» Eingreifen des Ministeriums und die Einsicht der Verlagsanstalten. Ist so schon in normalen Zeiten die Arbeit des Eentralvereins unerläßlich, lim wieviel notwendiger ist sie in den politisch erregten Wahlzeiten. Gewiß kämpfen jetzt auch die politischen Parteien, die ans dem Boden der Verfassung stehen, gegen den Antisemitismus. Aber auch wenn der Centralverein die von ihm jahrzehntelang cingehaltene Richtung weiter verfolgt und sich der Hilfe dieser politischen Parteien bedient, so kann er doch unmöglich erwarten, daß sie seine besonderen Ausgaben zu leisten imstande oder auch nur gewillt seien. Zn seinem speziellen Aufgabengebiet gehört es vielmehr, diese politisch-?!: Parteien durch Aufklärung?- und Abwehrmaterial jederzeit zu unterstützen. Gerade das B e r c i t f c t it jedem A n - griff gegenüber ist eine der wesentlichen Ausgaben des C. B., und wir haben es ja wiederholt erlebt, wie sehr man in Zeiten eines plötzlichen lokalen oder allgemeinen Angriffs von allen Seiten auf dieses Material sich verlassen hat. Man würde die politischen Parteien viel zu sehr belasten, wenn nuin von ihnen, die gesinnungsmäßige Gleichheit der Anschauungen jüdischer Dinge vorausgesetzt, envarten würde, daß sie jederzeit bei einem Angriff, der sich nicht gegen sie richtet, aktiv in die Erscheinung treten. Jüdische Interessen, die Judenfrage überhaupt, spielen im Nahmen ihrer Tätigkeit nur die Nolle einer Frage unter sehr vielen; für den C. B. ist es die Frage, genau wie sie es für eine Anzahl von völkischen Antisemiten ist. Aus dieser Erkenntnis muß gefolgert werden, daß der E. B. ein großes Arbeitsfeld behält, trotzdem eine Anzahl namhafter Parteien die Frage der deutschen Inden im gleichen Sinne wie der E. B. ansfaßt. Allgemein ist die Meinung vertreten, daß das Ergebnis der kommenden Wahl-die Linksparteien erheblich kräftigen wird. Darin sieht man eine Gewähr, daß ans absehbare Zeit irgendwelche aussichtsreichen Angriffe gegen die deutschen Juden nicht erfolgen können. Man übersieht al>er dabei, daß gerade bei dem Amvachsen der Linksparteien durch Wähler, die von der Rechten stammen, sehr leicht die gesinttuugsmäßige antisemitische Einstellung in die Reihen von Wählern getragen werden kann, denen eine derartige Anschauungsweise bisher völlig fremd war. Man braucht sich hierbei nur die Tatsache zu vergegenwärtigen, daß die Altsozialisten starken Zuzug aus den Reihen der Völkischen bekommen haben. Durch diese sichere Hoffnung ans den „Ruck nach links" darf man sich nicht den Blick für die tatsächlichen Gegner trüben lassen. Sie sichen nach wie vor und nach in ungeschwächtcr Zahl auf der radikale n N echte n. Mag sein, daß die Dentschnationalen an Anhängern verloren halben, weil die Rcchtsregierung zu vielen die Augen geöffnet hat. Diese enttäuschten Massen werden ab-er, wie es

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