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Central-Verein-Zeitung · 1928-04-04 · 14 (4.4.1928) · p. Seite 191

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
14 (4.4.1928)
Date
1928-04-04
Page
Seite 191 (sequence 7)
Language
German
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m um die toteiXuiigsciflion des N. j. F. mit allen Kräften zu fördern und baldigst zu einem Praktischen Ergebnis zu gelangen. Nach Erledigung geschäftlicher Fragen konnte der Vnndesvorsitzende Dr. Loweustein gegen drei Uhr nachmittags unter Zustimmung der Versauuulung mit dem Ausdruck der Freude über den schönen und guten Verlauf und dem Taut sür die treue Mitarbeit der Kameraden die Tagung schließen. Lb. Jahresversammlung öes „Grt" Am 24. März wurde in den Räumen des Verbandes „Ort" in Berlin die Jahresversammlung der Gesellschaft „Ort", Abteilung Deutschland E. V. abgehalten. Ter Vorsitzende, Bankier Wilhelm Graetz, stellte in der Eröffnungsrede fest, daß die „Ort"- Bewcgnng inlmer festeren Fuß faßt. Fluter den Gegenwartsaufgaben des jüdisclzen Lebens stehe die Aufgabe vom , Ort" an erster Stelle. Die Methode des „Ort" sei: Kräftigung der Selbsthilfe. In feinem Bericht über die Tätigkeit der „Ort"-Gesel!schast, Abnilung Deutschland. im Jahre 1927 konnte Generalsekretär Dr. M. Staub feststellen, daß 23 Städtekvmitees in alten Teilen Deutschlands, von denen 11 iin Berichtsjahre gegründet wurden, bestehen. Erhöhte Austmerlsamkeit sei der produktiven Arbeit in Deutschland selbst zugcn>endet morden, so haben die S ch n e i d e r 1 e h r w c r k ft ä! t e und die C h a u s s cji t kurs e in Berlin sich gut entwickelt. Der Schrverpunkt der Tätigkeit liege nach wie vor in der Werbearbeit sür das große Ausbouwerk in Osteuropa. Dr. A. Singalowsky gab dann in einem Vortrage: „Ein Jahr ,Orll-Arbeit" ein eindrucksvolles Bild von der Kokonisationsarbeit in Rußland. Polen und Deßarabien, von der Errichtung von 12 neuen Lehranstalten und Musierwerkstätten und von dem segensreichen Wirken der Einkaufsgesellschaftcn für Handwerker, die im Vorfahre jübifcf^c Handwerker auf dem Wege des Kredits mit Produktionsmitteln im Werte von 672 009 Mark beliefern konnten. Dem neuen Vorstände gehören u. a. an: Dr. Geo B r c m f o n, Justizrat Dr. I. Vrodnitz, Dr. Lrodnitz jun., Frau Rabbiner Tr. Eschelbach er, Frau Agnes G r a e tz, Dr. Martin braetz, Wilhelm G r a e tz. Oscar Hermann, Rabbiner Tr. M. Hildesheimer. Direktor Wilhelm K le e m a n n, Tr. Joseph Lehmann. Moritz A. Loeb, Wilhelm Marcus. Frau Henriette May, Professor Dr. H. N v s i n, Dr. A. S i n g a l o w s kV, Prostöor Tr. Ludwig Stein, Rechtsanwalt Dr. H. Stern, Landesgerichtsrat Dr. I. Stern, Dr. in eil. Ludwig T ie tz. Dr. Michael Trailb, Dr. Bruno Weil. Die Juden kn Gstasten. Vortrag/ gehalten an der Hochschule für die Wissenschaft dcS Judentums, nach Reiseeindrütken. Von LemDgerichLsrat Dr. Jacques Stern (Berlin). China steht km Zeichen einer Kulturrevolution. Japan lebt seit der Reform von 1863 in kulturvoll gefestigten, vom Westeuropa- Amerika stark beeinflußten Verhältnissen. — Die Lage der Juden*) in diesen Ländern ist heute dieselbe wie die der anderen Ausländer. Chinesische Juden, d. h. solche, die nach Aussehen und Lebensweise den Chinesen gleichen, gibt eS heute nicht mehr. Großartige jüdische Gemeinden mit Synagogen, Logen, Klubs, Zeitungen finden sich in Schanghai und Hongkong. In Rordchina wohnen zahlreiche Juden inEharbin, Mulden, Tientstn. Japanische Juden hat es nie gegeben. China und Japan haben den Antisemitismus erst durch europäische Raffebücher und Hctzgeschichten kennengelernt, die den Bolschewismus als jüdisches Geistespwdukt hinstellen. Bedeutungsvoll ist die große kulturphilosophische Frage, welche Stellung die Juden in Ostaflen bei der großen Auseinandersetzung der westlichen und östlichen Kultur, deren Zeugen wir sind, rmnehmen werden. Vom Osten her, von Palästina, ging das Judentum und das aus ihm fußende Christentum über die ganze Erde. Es ist in letzter Zeit wiederholt der Gedanke ausgesprochen worden (vgl. z. D. Cohen-Portheim, „Asien als Erzieher"), daß ein zionistisch neu aufgebautes Palästina eine besondere Bedeutung im Sinne synthetischer Ausgleichung östlicher und westlicher Kultur haben werde. Ich kann dem nicht Zustirmucn. und zwar au? Grund meiner Kenrrtnis Palästinas und Chinas. So richtig es ist. daß von Palästina aus die großen Menschheitsgedauken nach Westen hinübergingen, so handelt cs sich jetzt weniger darum, den Geist Europas na^h Olsten zu tragen, als um die Frage, ob durch östlichen, und zwar fernöstlichen. Geist das technisch-mechanisierte Europa und Amerika neu beseelt werden kann. Nicht einem etwaigen jüdischen Staate, also einer Neubildung in Palästina im Sinne des Zionismus kommt sür diese große wcltkulturclle Frage fördernde Bedeutung zu. Vielmehr liegt die loelkgeschichtliche Mission der Juden gerade in ihrer Zerstreuung über die ganze Erde. Die feit fast 2iW Jahren unter den Völkern der Erde, verwachsen mit ihnen, lebenden Inden haben die große Ausgabe, sür die Versöhnung unter den Völkern tätig zn sein. vom Uebertrr'tt zum Christentum. Ein unbekannter Brief Theodor Mornmserrs. Bon Professor Dr. Eugen Wölbe. Es ist eine alte Erfahrung, daß oft Leute, die aus dem Judentum geschieden sind, in der Absicht, Mitschuldige ihrer Fahnenflucht zu gewinnen und so ihr Gewissen zu beschwichtigen und zu entlasten, Propaganda für ihren neuen Glauben machen und bei ihrer angestalnmten Religion beharrende Juden dem Taufbecken zuzusühren suchen. . In schönem Gegensatz zu diesen Bekehrern hat sich einmal Theodor Mommsen entschieden gegen reuen „frommen Eistr" — noch dazu, wenn dieser sich in einer Agitation zur Mapenbekehrung auswirkt — ausgesprochen. Gegenüber der Aufforderung, die Treitschke um 1880 an die Juden richtete, sie sollen Deutsche werden („Sie sind es ja, so gut wie er und ich") und seiner Behauptung, der Judenhaß sei „die natürliche Reaktion des germanischen Bolksgefühls gegen ein fremdes Element" und „der Ausbruch eines tiefen, lange verhaltenen Zornes", hatte M o m m s e n in seinem bekannten Schriftchen „Auch ein Wort über unser Judentum" seinem Kollegen Treitschke tüchtig heimgeleuchtet. Mommsen gibt zu, daß der christliche Deutsche dem jüdischen vielfach mit einem „Gefühl der Fremdheit und Ungleichheit gegenübersteht"; er weiß auch, daß „eine große Anzahl von Juden nicht durch Gewijsensbedenken vom Nebertritt abgehalten wird". Aus dieser Einstellung fußte ein frisch getaufter Mornmsenschüler, indem er die deutschen Juden mittels eines Aufrufs zum Ueber tritt aufsordern will. Klugerweise legt er feinem Lehrer diese Bekehrungsschrift vor, welche Mommsen mit dem folgenden, in meiner Sammlung befindlichen, bisher ungedruckten Schreiben beantwortet: Geehrter Herr Doktor! Ihrer Aufforderung und dem Vertrauen, das Sie auf mich setzen, kann ich nicht anders entsprechen als durch rückhaltlose Offenheit. Wie sehr ich auch in vielen und in wesentlichsten Punkten mich mit Ihnen in Uebereinstimmung finde, so kann ich doch der Publikation dieser Schrift nur entschieden widerraten. Haben Sie es wohl bedacht, was das heißt, die Juden jetzt und von seiten eines Uebergetretenen zum Uebertritt auffordern?? Das Recht, das au tun, gibt doch allein die Einsicht in die jetzige Stellung des Christentums, das. abgesehen von allen Dogmen, mit den jetzt die Welt beherrschenden NationalLtäwn sich so verschmolzen hat, daß außerhalb desselben eine volle nationale Entwicklung der Regel nach unmöglich ist. Es ist das die- Al. „C.V..Z1g." 1922, C. 214; 1)25, S. W; 1927, 6. 588; 1924?, 6. 5. iWc^ Mus dem Originalbrief von Theodor Mommsen

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