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Central-Verein-Zeitung · 1928-04-04 · 14 (4.4.1928) · p. Seite 190

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
14 (4.4.1928)
Date
1928-04-04
Page
Seite 190 (sequence 6)
Language
German
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m Die Tagung öss preußischsn Landesverbanöes Wöifcher GemeiKöLN. Unangebrachte Herausforderung des (L V. In Nummer 13 dieses Blattes berichteten wir kurz über die erfolg reiche Tagung des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden, die am 25. und 26. Marz in Berlin stattgefunden hat. Wir erwähnten schon, welche gediegene Arbeit Verband und Rat für die Erhaltung des religiösen Judentums nach dem Geschäftsberichte geleistet haben, daß zahlreichen Gemeinden der Lehrer erhalten, das Gehalt des Rabbiners entsprechend gestützt wurde, so daß durch diese und andere Maßnahmen. das jüdischreligiöse Leben in gefährdeten Bezirken erhalten und gefestigt werden tonnte. Jeder deutsche Jude wird dieser bedeutungsvollen Tätigkeit des Verbandes warmen Dank zollen, insbesondere auch den umfangreichen Bemühungen des Herrn Tr. Jsmar Freund, der die wichtigen finanziellen Bewilligungen der preußischen Regierung erreicht hat. Wir wünschen ganz besonders dieser Arbeit des Landesverbandes einen gesegneten Erfolg auch für die Zukunft. Innerhalb der Etatsberatung wurden die Fragen ches O st - oreußenfonds zur Unterstützung dieses kulturell besonders gefährdeten Gebietes, ferner die Frage je einer Beihilfe für die Siedlnngsarbeit des Frontbnndes sowie für die jüdische Sonderschau der Pressa in. positivem Sinne erledigt. Die erfolgreiche Schachtschutzarbert — auch unser Central verein hat ja auf diesem Gebiete seit Jahren sehr wuchtige, umfangreiche Arbeit zu leisten — wurde durch einen weiteren Beitrags unterstützt. In der Frage eines Z u s a m m e n s ch l u s s e s d e r L a n d e s - verbände wurde trotz vielseitiger Bedenken die in Nürnberg vor wenigen Wochen erfolgte Gründung einer "Arbeitsgemeinschaft im wesentlichen gut geheißen. Der Rat beschloß den Beitritt des Preußischen Landesverbandes. Ein weiterer wichtiger Beratungsgegenstand war der sogenannte I u d e n g e s e tz e n t w n r f. lieber dieses Gesetz, daß das alte preußische Gesetz von 1547 zu ersetzen bestimmt ist, wurde etfrenlicherweise zwischen den Fraktionen völlige Einigung erzielt.^ Es wurden aus allen Leiten Zugeständnisse gemacht, so^daß sich schließlich folgende grundsätzliche Richtlinien ergaben: Erschwerung des Austrittes aus der Gemeinde, notwendige Einordnung jeder Gemeinde in den Landesverband, aktives und passives Wahlrecht der Ausländer. So lveit die sachliche Seite der Land-esverlmndsarbeit. Jeder ruhig Denkende» wird sich fragen, warum in diesem Zusammenhänge Alfred B e r g e x (Poale Zion) cZ für notwendig hielt, ansgerechnet gegen den E. B. scharf vom Leder zu ziehen. Bei aller Anerkennung der Redefreiheit sind wir der Meinung, daß Bcrrachtungen über: dio Hauptvorsa m m l u n g des C e n t r a l - Vereins, über das Reisebuch Tr. Alfred Wieners, über den Dortrag unseres Hauptvorstandsmitgliedes, Staatssekretär Professor Tr. Harsch, in einer Generaldebatte des Preußischen Landesverbandes gar nichts zu tun haben, und cs sollte einmal ^ernstlich mit dem Unfug aufgeräumt werden, daß ohne jede Veranlassung jüdischpolitische Richtungen große Reden zum Fenster des Landesverbandes hinaus halten, die mit der sachlichen Arbeit durchaus nicht Zusammenhängen. Unter dieser Voraussetzung haben wir gar keine Veranlassung, hier die Reden von Alfred Borger und Kurt Blumenseld wiederzugeben. Ihr Inhalt läßt sich aus der Rede von Dr. Bruno Weil im wesentlichen erkennen, die in den Hanplstücken hier folgt. vr. öruno Weil. Die Mitglieder des C. D. verteilen sich auf alle Parteien dieses Hauses, und wir sind als C. V.er stolz daraus, daß eine gemeinsame Dertrctnna hi allen den E. V.-Eedankcn berührenden Fragen ebne Rücksicht auf parteimäßige Gruppierung möglich gewesen ist. Der E. V. .hat niemals beansprucht. als legitime Vertretung der deutschen Juden auszutreten. Er ist allerdings nicht nur die grüßte jüdische Organisation, sondern er vereinigt ruch die Mehrzahl der deutschen Juden überhaupt. Der E. V. ist in seinen Anfängen ein Abwehrverein gewesen. Tie Frage siiner Weiterentwicklung ^vird ü: feinen eignen Kreisen lebhaft diskutiert und unser Freund Holländer gat in dem ticsgründigcn Referat, das Sie alle kennen, aus der letzten Tagung des Ceutralvereins sich in der Frage Abwehr- oder tzesinnungsdcrein dafür entschieden, daß angesichts der gelvahltem Taktik der antisemitischen Darlegung der C- B. mehr und mehr dazu übergehen mün-, sich zu einem Welt a n s 6) a u u n g s v e r c i n 31t cuiwickeln. Der E. B. hat nkentals eine Uniformität der politischen Ansichten seiner Mitglieder gefordert. Es besteht daher auch keine Möglichkeit. sei es in der Frage der Friedensbewegung, sei cs in Auscinandersehungen über irgendwelche politischen Fragen eine eiuhcilliche Meinung zu fordern. Ich glaube aber auch Nicht, daß es ein besonderes Glück wäre. wenn, wie cs der Redner der Jüdis6)eu Arbeiterpartei gefordert hat. alle Juden nickt nur zionistisch, sondern auch sozalistisch wählen. Lbloohl ich selbst ein glühender Demokrat bin, habe ich niemals gewünscht. daß clwa alte Juden in Deutschland zur Demokratischen Partei gehören sollten: in der Tat sind auch Juden in allen politischen Parteien zu finden, die nicht antisemitisch eingestellt sind. Aber der Ecntralvercin hat immer darauf gehalten, eine einheitliche Front oller Inden gegen die antisemitischen Parteien herbeiznsühren. Juden, insbesondere am Rhein, haben auch für das Zentrum gestimmt. Bei der konservativen CrundAnstellung cineS großen Teiles der deutschen Jndenheit würde der konservative deutsche Vollste!! zweifellos in dem Augenblick, in dem er sich von antiscmllischeu Bor urteilen srciinachen würde, erhebliche Teile der deutschen Jude:? zu sich stoßen sehen. Allerdings ist die Notwendigkeit des Kampfes gegen teil Antisemitismus nicht immer von allen Teilen dieses Hauses eingesehen worden. und cs hat erst der harten Ersahrrmg des letzten Jahrzehntes bedurft, um angesichts des Umstande?, daß der allergrößte Teil der deutschen Juden für diese und die nächste Generation und wahrscheinlich noch viele Zeit darüber hinaus in Deutschland leben und arbeiten wird, schon — von der grundsätzlichen Meiiiungsverschiedenheit ganz abgesehen — aus dem.Grunde, weil eine Dislozierung der deutschen Judcnheit für absehbare Zeit gar nicht in Frage kommt — ich sage: erst unter dem Eindruck dieser Tatsache sind die Kreise um die Volkspartei von der früher oft geübten Methode der Verhöhnung des Kampfes gegen den Antisemitismus abgekonunen . . . Daß zu den Wahlen Geld erforderlich ist, ist selbstverständlich. Daß es Aufgabe des Eentralvereins ist. nicht allein während der Legislaturperiode Politischen Einfluß auszuüben, sondern alle moralischen, geistigen und inatericllcn Kräfte des deutschen Judentums ganz zu konzentrieren, wenn es sich um die Bildung der n e u e n Volksvertretung handelt, versteht sich ohne weiteres. Der E. V. hat sich mit wirtschaftlichen Dingen immer b e s ch äs t i g t. Gerade dort hat immer ein Hauvttätigkcitsfeld für ihn gelegen: desnvgen ist cs ganz abwegig Vorträge, die ülxw dieses Gebiet gehalten werden, zumal wenn sie von sachverständiger Seite, wie es unser Freund Professor Tr. Hirsch ist, geschieht, als AnlockmigsmiLLel zu bezeichnen. Wo jüdische Dinge in der Welt in Frage stehen, ist das Interesse unserer Freunde hierfür stets wach. Auch der Versuch, die .,Ort"-Betvegurcg für national-jüdische Zwecke dienstbar zu machen, kann unsere Mitarbeit an dieser Bewegung nicht hindern. Wir wenden auch unser größtes Interesse allen Dingen Ln Palästina zu und unterstützen sie, soweit sic nicht als national-jüdisch den von uns vertretenen Interessen des deutschen Judentums abträglich erscheinen. Ich habe cs bisher abgelehnt, 311 den unzähligen Angriffen von zionistischer Seite gelegentlich der Veröffentlichung meiner „Reist durch Palästina" Stellung zu nehmen, aber es ist doch geradezu tindlich, den Wert von Beobachtungen nach der Zahl der Tage des Aufenthalt.'s in dem betreffenden Lande zu bemessen. Ich will mich nicht daraus berufen, daß das schönste Buch über die Schweiz, Wilhelm Dell. von einem Dichter geschrieben worden ist, der dieses Land nie gesehen hat - . . Wenn von den Herren Rednern der konservativen Fraktion die Friedhofskandale unterstrichen worden find, so wird jeder gebildete Mensch sich mit gleichem Abscheu von solchen Schandtaten wenden, aber Sie werden alle mit mir darin übereinstimmeu, daß auch aus diesem Gebiet der (5. P. eine vorbildliche Arbeit geleistet hat. Aber, Werne auch sonst in der Weit Judentum ihres Judentums willen angegriffen werden, wird jeder von uns seine Stimme erheben. Und da noch keiner der anderen Herren Redner auf die abscheulichen Vorgänge in Rumänien eingegangen ist, so halte ich cs für meine Pflicht, einen feierlichen Protest im Namen meiner Freunde und voie ich .arme!) me, des ganzen Hauses in diesen Rückfall in mittelalterliche Barbarei zu erheben. Was dort von Stockenten und Bürgern an Angriffen aus das Leben jüdischer Bürger erfolgt ist, was an Entweihungen jüdischer Gotteshäuser sich abgespielt hat, kennt in der Geschichte der letzten Jahrhunderte kaum seinesgleichen. Ilnd die Horden trunkener Studenten, die an der Spitze ihrer Züge geschändete Thorahrollen und entweihte Gebetsmautel trugen, sind nicht die Zierde ihres Volkes, sondern sollen der Verantwortlichkeit des Ehrennamens eines zivilisierten Volles verlustig gehen. Dieser Protest, wenn er auch nur von der kleinen Minderheit der deutschen Juden ausgeht, trägt Stärke in sich, denn er verkörpert das moralische Element und den Appell an das Weltgewrsicn. M MliM MMshWlMlklMlMg Oca R. j. 1 Dev Reichs blind jüdischer Frontsoldaten hat am 1. und 2. April im Logenhans, Berlin, Kleiststraße, seine diesjährige anßerordentttche Bmideshanptversammlung abzekzalten. Obwohl erst vor einem halben Jahr in Breslau eine Bundoshauptversammlung, verbunden mit einer großen eindrucksvollen Kundgebung. stattgefunden hat, konnte der R. j. F. auch jetzt wieder ' mehr aU hundert Delegierte aus allen Teilen des Reiches begrüßen, unter ihnen den in der bekannten Rede des Generaloberst v. Loö seinerzeit auch in der weiteren Oeffcntlichkeit genannten, jetzt 82jährigen alten Husar Moses Bier. Der eigentlichen Tagung ging ein Begrnßnngsabend voran, dessen Leitung der Bezirk Süd der Ortsgruppe Berlin übernommen hatte; er bot bereits Gelegenheit zur zwanglosen Aussprache über diesen und jenen Punkt der Tagesordnung. Der Bmckesvorsitzende, Tr. Leo Löwen st ein, Berlin, erösfncte am Sonntag srüh die Tagung, begrüßte die erschienenen Kameraden, betonte in 'kurzen Worten die Wichtigkeit der Tagung und der Bundesarbeit und unterstrich das schöne Bild der festen Einigkeit und Liebe zum N. j. F. Rach dem von den Kameraden Landsberger und Grün- Peter vorgetragenen Geschäftsimb Finanzberichten wurden die vorliegenden Anträge in eingehender Besprechung erledigt. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete das Referat des Bnndcsvorsitzcnden Dr. Löwen stein über die Politische Lage und die bevorstehenden Wahlen, das Zustimmung und Beifall der Versammlung fand. In der anschließenden Aussprache fanden die Darstcllnngen der Kameraden Dr. Alfred Wiener und Eisen-, r a e m c r besonderes Interesse, lieber das Wahlabkommen mit dem E. V. wurde eingehend gesprochen und seine korrekte Durchführung zngesichert. Der Bnndesvorsitzende betonte, daß seitens des R. j. F. die Bereitwilligkeit zur Tätigung derartiger Abkommen auch mit jeder anderen jüdischen Organisation erklärt worden sei, daß aber von anderer Seite derartige Wünsche nicht geäußert worden seien. Ter Montag brachte nach einem Vorträge von Domänendircktor Dyk eine eingehende Diskussion zur S i e d l n n g s a k t i 0 n. Die Grundlinien für chie weitere Arbeit wurden st st gelegt und anerfrumt, daß die Beteiligung sämtlicher anderer jüdischer Organi- * fationen und der Allgemeinheit dev deutschen Inden notwendig sei.

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