Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 14 (4.4.1928)
- Date
- 1928-04-04
- Page
- Seite 189 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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80:0 (£]©F Unsere Ha Ga 01?© F<Z, die wir auf Verlangen unseren Mitgliedern kostenlos übersenden, QuüL'uOMC WIR WEEDEN. unsere Freunde im ganzen Reich für den Wahlkampf in REDNER-KURSEN schulen, die Monatsausgabe der „C. V.-Zeitung“ in besonders erhöhter Auflage FÖR LEHRER ANGESTELLTE GEISTLICHE BEAMTE FRAUEN USW. versenden, die OUMtOUvU'* Tatsachen mr Jtidenlra£s Herausselben vom Cc*ntralverein bursch-er Staatsbürger JüdhctieJ (üaub«ns Za bcz i eli en <11 rc h Pb; Io Verla z Berlin SWi'j Rückseite beachten in verbesserter äusserer und innerer Form, herausbringen r Vom PHIL© USRLföCi Zehntausende von BrOSC’vOren über Rasse, Wirtschaft, Taimud usw. kostenlos versenden lassen. dieser Herr dabei in intensivster Weise Zum Boykott jüdischer Geschüfteauffordert und selbstverständlich auch bei der Land, devölkeruug dafür wirbt. sich nur zu einem „deutschen" (lies: d e u t s ch v ö l 11 f dj c n) Arzt in Behandlung Zu begeben und in Rechtssachen den d e u t s ch v ö l k i s ch e n Rechtsanwalt aufzu- ^uckM. verdient noch besonders hervorgehoben zu werden. Diese Äoykottpropaganda wirkt sich bereits in erheblichem Maße auf die jüdischen Geschäftsleute in Masuren aus. In Lotzen und Lyck wurden vor jüdischen Geschäften besondere Handzettel verteilt: „Deutscher Christ, kauf nur leim deutschen Christen". — Auf Veranlassung unseres Landesverbandes Ostpreußen wurde gegen den Buchdruckereibesitzer Badzics vom Amtsgericht Lyck ein Strafbefehl erlassen, da die Flugblätter nicht den press-egesetzlichen Bestimmungen entsprachen. — Außerdem wurde in diesen Städten tute auch in O r t e l s b u r g und R a st e n b u r g die Kampfausgabe des „Deutschen Tageblattes", die ebenfalls Zum Boykott jüdischer Geschäfte auffordert, verbreitet. Die Auswirkungen dieses Boykotts halben sich in erschreckendem Maße gezeigt; Kaufleute, die früher gutgehende Geschäfte hatten, waren gezwungen, sie auszugeben und sich in einer anderen Gegend des Reiches niederzulassen. In der gleichen Weise werden übrigens christliche Geschäftsinhaber, die der Sympathie mit der Republik verdächtig sind, boykottiert. Auch sie Nagen sehr stark über den völkischen Terror. Selbst republikanische Beamte scheuen nicht davon Zurück, den Boykott gegen die Juden zu Predigen. Ganz (besonders zeichnet sich hierbei der O b e r p o st s e t t c t ä t Scheffler a u s L y ck aus. der mit ausgesprochenen Nmvahrheiten gegen die Lötzener jüdischen Geschäftsinhaber hetzt und ihnen Betrugsmanover vorwirft. Cs ist selbstverständlich, daß der Centralvcrein gegen solche Umtriebe die notwendigen Sck)ritte veranlaßt hat. Wie ..aufrichtig" dieser völkische Beamte ist. zeigt sich darin, daß er erklärt, er habe die gegen jüdisch Firmeninhakwr behaupteten Betrugsmanover nur des- Ivegen in Agitationsreden erwähnt, weil er die Geschäststüchtigkeit der Juden lobend hervorl>eben wollte. Zu diesen wirtschaftlichen Schädigungen kommt noch der gesellschaftliche Boykott, der so stark ist, daß der ärztliche Standesverein in Lötzen ans Betreiben des Herrn Luft und einiger anderer völkischer Aerzte sich weigert, einen durchaus ehrenhaften jüdischen Arzt als Mitglied aufzunehmen und oan von dem sogenannten Lötzener Juristenkränzchen, dem alles angehört, was in Lötzen zur Gesellschaft zählt — neben Juristen auch Aerzte. Gutsbesitzer und Kaufleute —. jüdische Juristen ausgeschlossen sind. Weiterhin hat man den Versuch gemacht, die jüdischen Mitbürger aus den Krieger- und Militärvereinen herauszugraulen. Cs ist selbstverständlich, daß vom Contralverein diesen Vorgängen die ernsteste Beachtung geschenkt wird und geeignete Abwehrmaßnahmen stets getroffen werden. Freie Hahn für Goebbels! Das Verbot der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Berlin-Brandenburg aufgehoben. Die Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutschlands, Gau Berlin- Brandenburg, die durch Verfügung vom 5. Mai v. I. des Berliner Polizeipräsidenten für den Bezirk Groß-Berlin Vorboten war, darf zum Wahlkampf wieder in volle Aktion (treten. Das Verbot ist vor lveuigen Tagen aufgehoben worden. Cs ist noch erinnerlich welche Vorgänge damals zu dem Einschreiten des Berliner Polizeipräsidenten geführt hatten: Der Zusammenstoß der von Trebbin kommenden Nationalsozialisten mit den Kommunisten aus dem Bahnhof Lichterfelde-Ost und anschließend ihr Zug durch die Kaiscrallee und den Krrrfürstcudamm, wo jüdische Passanten überfallen wurden, Vorgänge, die jetzt erst — nach mehr als einem Jahr — vor dem Strafrichter zur Verhandlung stehen, und die Nadauszencn der Goebbels - Versammlung in der Ghausseestraße, bei denen ein Pfarrer mit Fußtritten, Fan ft hi eben und Schlägen mit Biergläscrn traktiert wurde. Trotz dieses Verbotes hat die nationalsozialistische Bewegung auch in Skrlm im letzten Jahre nicht etwa geschlafen. Wir haben immer wieder berichten müssen, wie Goebbels und seine Helfer in Berlin vor überfüllten Versammlungen sprachen, man nannte sich nur nicht Nationalsozialistische Arbeiterpartei, sondern Herr Goeblwls ries die Versammlungen als Privatmann ein, oder nun hing sich irgendein anderes Ntäntelchen um. Jetzt werden Herr Goebbels und seine Freunde in aller Ocsseutlrchkeii reden dürfen. Wir wissen, was daö gerade im Wahlkampf zu fccöcntm hat: Neue Fluten antisemitischer Anwnrse werden die deutschen Juden Nberschwemmen. Freunde, helft uns, damit wir durch Llnsklarung dieser neuen Agitation wirksam entgegentreten können.