Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 13 (30.3.1928)
- Date
- 1928-03-30
- Page
- Seite 171 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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171 &Se't«ä) EDWiFQPe Einzigartige Ausstellung der Originalwerke Dürers (1471-1526), eines der grössten Künstler allerZeiten, deutsche Kunstausstellungen, historische Ausstellungen,Theaterfestspiele, Hans Sachs-Spiele, volkstümliche Veranstaltungen aus dem Mittelalter, Burgbeleuchtung, Serenaden usw. / Auskunft durch den Fremdenverkehrsverein, Hauptbahnhof, Mittelhalle. Cttü Flake schrieb im Februar!)??! einer der cmßtfefcrntrn deutschen Literaturzeitschristen, der „Neuen Rundsäxm", einen Aufsatz: ,.Raüefragen." Anlaß Hierzu gab ein im Hammer-Verlag zu Leipzig erschienenes Buch eines Professors Freiherrn v. Liebig „Tie Verschwcizerung des deutschen Volkes". So sehr hier anerkannt sei, das; Flerke energische und ehrliche Worte gegen die Tummbätcn dieses Bn6)es und gegen die Hetze der Radauantisemiten findet, so sei genau so deutlich ausgesprochen, das; wir die Folgerung, die Flake aus seiner Beschäftigung mit dem Problem Antisemitismus zieht, vom wissenschaftlichen Standpunkt aus für außerordentlich bedenklich. u:n nicht zu sagen gefährlich halten. Denn grob ausgedrüclt sagt Flake: „Ter Antisimitismus ist berechtigt, man muß ihn nur aus anständige, menschliche Weise betreiben." Im folgenden tritt Georg Herrmann den Ausführungen Flakes wirksam entgegen. Georg Jjmmnnn schreibt: Otto Flakes Essay über „Rassensragen" ist außerordentlich vorsichtig sormuliert und halt sich von jenen groben Entgleisungen der Feder seines früheren Essays im „Juden", die ich seinerzeit hier anprangerte I. geschickt, fern. Flake bewahrt sich davor, „die Geschäfte der Fabrikdirektoren zu besorgen", wie ihm vorgeworfen wurde wegen seiner Nc-chtsentwicklung; und noch stärker aber gegen den Vorwurf, der ihm gemacht wurde, Antisemit zu sein. Er sagt nur, daß das jüdische Problem zu den gegebenen Dingen zu rechnen ist. daß die Juden in weit höherem Maße als die Elsäyer (Flake ist Elsässer!) den deutschen Lebens kreis nicht erleben. Und zwar spricht er nur von den deutschen Juden (von denen ja ein großer Teil seit zweitausend Jahren in Deutschland ist). Er sagt auch, daß sie keinen- Anteil an der Bildung der deutschen Zivilisation haben, und desivegen auch nicht konservativ — man beachte bei Flake das neue Wort des ehemaligen Linksaktivisten!! — also: konservativ mit ihr verbunden sind. Der Antisemitismus ist der Kamps des Gewordenen gegen das Fließende usw. usw. Darum — wenn wir auch den Antisemitismus mit Radau und Pöbelinstinkten mißbilligen: der Antisemitismus gehört zu den mit Schlacken durchsetzten Wirklichkeitsphitosophien. Auf dem Juden lastet ein Fluch, aber den mühe man eben als Mann von gedanklicher'Kultur ins Metaphysische erlegen. Ihm, dem Juden, fehlt in seiner Struktur das Gleichgewicht, die Bodenständigkeit, die Gelassenheit. Außerdem besitzt er, als ausgesprochen abstrakter Mensch, zu viel Scharfe und Ironie, daher die Zersetzung. Dieses Abstrakt- Radikale (das jeder Mensch streift, der nicht von der Scholle kommt!) ist — ich wiederhole da§! — gänzlich ungoethisch. Die geistige Anschauungsform des Juden, die der reinen Vernunft, der geschlossenen Rationalität, ist der Gegensatz zur goetheschen, vital-kompletten, irrationalen. Also in diesen Tönen: ich bin d u r ch a u s k e i n A n t i so m i t. — In der geistigen Höhenluft, in der ich zu atmen gewohnt bin, ist man so etwas überhaupt nicht' — aber ich billige den Antisemitismus als goethischer Mensch und finde ihn verständlich und im Innersten wohl begründet. Er gehört zu den „gegebenen Dingen". Ich glaube, es ist sehr wenig zweckvoll, dagegen zu Polemisieren. Nur soviel: in Deutschland sind ungefähr eine gute halbe Million Juden, davon über die Hälfte Frauen, die im Hause leben, und von denen nur ein geringer Prozentsatz im öffentlichen Leben oder im Erroerbsleben steht; und hiervon wieder sind nennundneunzig Prozent vielleicht in abhängigen Stellungen. Gerade in Deutschland ist der Einfluß der Juden aus die Öffentlichkeit fast nnnimal. Sicher aber ist das eine: wenn die Inden an all den Stellen ausgeschaltet und mit Flakes Leuten von goethischem Geist ersetzt würden, so würde sich im Gesamtbild Deutschlands g a r nichts ändern. Die Banken würden genau so viel Prozente nehmen; kein Angestellter würde einen Groschen mehr Lohn bekommen; die Lebensmittel würden keine Preissenkungen erfahren, auch die Mieten nicht. Und es würden nicht mehr Prozesse gewonnen oder verloren werden. Die Gefängnisse würden sich nicht mehr füllen als bislang. Peinlich würde die Sache erst für b i c deutsche Kultur werden, wenn damit die S o nde r le i st u n g begabter Juden, deren wir in den letzten Jahrzehnten viele aufzuweisen hatten, auf allen Gebieten de8 öffentlichen l) Vgl. die Aussatzreihe „Vom deutschen Juden und selnrn Gegnern", „C. V.-Zeitung", Jahrgang 1926, Lebens auch verschwände, zugleich mit der K u l t u r i n t eres sie rtheit, die diesem geringen Kontingent deutscher Inden seit einem Jahrhundert eigen ist. Ich glaube sogar, Flake würde Leser verlieren! Das die materielle Seite. Auch die deutsche Mentalität würde kaum dadurch schwanken. Nein — der deutsche Antisemitismus gehört wirklich nicht zu den begründeten Gegebenheiten. Doch ich will nicht polemisieren. Ich will nur eines fcftfteüeu, daß Goethescher Geist wohl heute auch bei den Deutschen etwas so Seltenes ist wie ein weißer Nabe, daß es aber immer Juden gegeben hat, die dem Geiste Goethes — „Wer darf ihn nennen, und wer bekennen: ich glaub' ihn?!" — Ziemlich nahegekommen sind. Tenn die besten Goethe - Analysen und die misschußreichsten Goethe - Biographien stanunen fast alle^von Juden. Nur ein sehr gutes Goethe- Buch stammt meines Wiyens von einem eingeschworenen Antisemiten, und in ihm steht als erstes ein wundervoller Aussatz „Südwest und Nordost", und da beweist Viktor Hehn mit hundert Einzelheiten, wie Goethe in Weimar seinen eigentlichen Boden verloren hat, unbodenständig wurde — wie Sie es ja als eine Signatur des Juden ansehen. Herr Flake —, apropos, ich kenne kaum etwas Unbodenständigeres wie Ihre in der ganzen Welt umhervagabundierenden Romane, und nichts Boderrständigeres für Wien als die Arbeiten der Juden Altenberg und Schlüßler! —, und dann kommt ein zweites Essav: „Goethe und das Publikum." Auch sehr klug und fein und delesem In einer Anmerkung schreibt Viktor Hehn da: „Wir hätten hier auch Berthold Auerbach nennen können, der auch in Schivaben, freilich als Jude, geboren war. Wie aus seinen Briefen an Jakob Auerbach hervorgeht, war ihm Goethe stets in Geist und Herzen nahe in?.", und an anderer Stelle seht er sich mit Börne und seinem Haß auf Goethe auseinander. Haben ^ie mal die juwelenhaste Bespreckümg von Goethes „Briefwechsel mit einem Kinde" bei Börne gelesen? „Goethe schlug Mignon rot mit seiner Leyer" — sagt der alte Börne da ungefähr — „und begrub sie in seinen Versen. Doch bevor sie in den Himmel der Dichtkunst emporfchoebte. wandte sie sich noch einmal zu ihm zurück und ries: .Du hast mich nicht geliebt in den Tagen deiner Kraft, aber du sollst dich nach mir nutzlos sehnen in den Tagen deiner schwäche ... ich komme wieder'/ Und nach vierzig Jahren kam sie wieder und hieß: Bettina v. Arnim." — „Börne," schreibt Viktor Hehn, „war längst tot, als dann die .Briefe an die Frau v. erschienen. Was hätte er wohl gesagt, wenn er dieses Buch gelesen hätte? Denn man kann es nicht leugnen, der Jude Börne war doch ein überlegener, durch die Oberfläche dringender Geist, von dem mau viel lernen kann . . . besonders wenn man nichts als ein Germane ist." So der bekannte Antisemit Viktor Hehn. Man könnte ja Otto Flake empfehlen, Börne zu lesen. Aber ich fürchte, es wird nichts nützen. * Im Mürzheft der „Neuen Rundschau" tritt der^ Herausgeber Rudolf K a y s e r seinem Freunde Otto Flake und deycn Auffassung über die Judcnsrage selbst entgegen. Kavsec erinnert Otto Flake an ein (besprach, das sie vor kurzem in Zürich über Flakes Rasienaussay geführt haben, und in dem er von der „ungeheuren Individuation der Iudenhcit" gesprochen hat, „die nicht nur Oft und Vvcst, Mystik und Rationalisums, Bat Schein und Spinoza zu den Polen einer großen erregenden Spannung macht, sondern innerhalb dieser Spannung noch joden sein jüdisches Problem besonders sehen läßt . . ." Uebcr den Antisemitismus führt Nuvols Kayscr dann loeiter ans: „. . . Sie sagen, daß der Jude vor allen anderen auf eine Forui der Geselchchaft dränge, in der die nationale Bindung hinter internationaler Universalität zurücktrete. Aber das ist im Grunde ein vor antisemitischerZeit schon völlig abgegriffenes Argument, das zutreffend für jüdische und nickstsüdische Individuen sein kann, nie aber eine Verallgemeinerung auf die ganze jüdische Menschheit verträgt, die in all ihrer scharfen Jnoividualisierung weit eher konservativ ist, gebunden an Zellen der Uebcrlieferungeu und des Erlebens, verharrend Eigene Verkaufsstellen in allen grosseren Städten Deutsdilands, Erhältüdi in a 11 en Spez üi lg es düften.