Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 13 (30.3.1928)
- Date
- 1928-03-30
- Page
- Seite 170 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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170 Enthält nur feinste Molkereibutter H.B AM LS ENS KEKS-FABRIK AG- HANNOVER Drr Schreiber dieser^, Aussühtrmgen ist nach einer zwanzigjährigen journalistischen Tätigkeit in seinem deutschen Vaterlande seit drei Jahren in Palästina ein stiller Vevbachtcr. Er bedauert es tief, daß der für Deutschland unglückliche Ausgang des Krieges auch die deutsche Zudenbeit aus ihrer bis dahin führenden Stellung gedrängt hat. Es ist aber für die deutsche Iudenheit höchste Zeit, wieder aktiv zu werden, — und zu dieser Aktivität gehört auch Palästina um des Deutschtum? und des Judentums willen! Fange man an und schasse in Palästina erstens einen deutschen Klub, zweitens eine Bibliothek deutscher Literatur, drittens deutschen Unterricht. Jüdische Ordinarien der Breslauer Universität. - . Breslau, im März 1928. An die Schrntleikung der „C. D.-Zeitung"! Im Anschluß an das in Nummer 3 der „C. D.-Zeitung" dem Andenken von Ferdinand Cohn gewidmete Lebensbild möchte ich eine Erinnerung wachruscn, die wert sein dürfte, der Vergessenheit entrissen zu werden. Zn dem oft genug vom Centralvercin besprochenen Thema der jüdischen Ilniversitätsprofessoreu, insbesondere der Besetzung der Ordinariate, war nur einmal der seltene Fall zu verzeichnen, dass fünf jüdische ordentliche P roses ioten in einer.Fakulät an gl e i ch e r H o ch s ch u l e jahrzehntelang ihr Lehramt ausgeübt haben. Ter Botaniker Ferdinand Cohn, der Mathematiker Zakob R o s a n e s, der Historiker Jakob Caro, der Philosoph Zakob Frcudenthal, der Orientalist Siegmund F r a e n - kel gereichten als Ordinarien der philosophischen Fakultät zur Zierde und verliehen der Universität Breslau. der sie zeitlebens angehörten, Glanz und Ansehen. — Ein trauriges Kapitel der Intoleranz unter dem alten Regiment, daß die preußischen Universitäten grundsätzlich entgegen der Verfassung auch anerkannten Autoritäten jüdischen Glaubens das Ordinariat verschlossen hielten. Erinnert sei nur an den Forscher Paul Ehrlich, den Gelehrten von Weltruf, für den Berlin kein Ordinariat zur Verfügung stellte, sicherlich zum Schaden der Wissenschaft wie der Gesamtheit. Es war sonach nicht zu verwundern, daß der Abfall vom angestammten Glauben gerade in der akademischen Laufbahn erschreckend um sich griff, wenn der Staat den Aufstieg nur aus dem Wege der Taufe ermöglichte, — der größte Teil erlag den Kämpfen und opferte das Judentum. Um so mehr müssen war Heutigen zu den fünf aufrechten. Männern der Wipenschait cuiblicfen, von denen jeder einzelne harte und zähe Kämpfe seines Glaubens wegen durchführen mußte, um sich siegreich durchzusetzen — sie waren deutsche Juden, Kämpfer für Deutschtum und Judentum und bekannten sich rückhaltlos zu ihrem Glauben. Es bleibt ein dauernder Verlust, daß uns Auszeichnungen der Lebensschicksale dieser Geistesgrößen — ähnlich den posthumen Lebenserinncrungen von Ferdinand Cohn — fehlen: sie häitew uns Aufschluß eröffnet über ihr Innenleben und die Widerstände, denen sie lediglich wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum begegneten- Sie wären für Mit- und Nachwelt Dokumente von unschätzbarem Wert! So hatte — wie ich beispiclswcise anzugebcn weiß — mein Bruder Siegmund Fraenkel, in den Traditionen des strengreligiöscn Elternhauses Pieta lvoG wandelnd, mit unendlichen Schwierigkeiten in erhöhtem Maße zu kämpfen, insbesondere. wenn er als Mitglied des akademischen Senats oder als Examinator mit. peinlicher Gewissenhaftigkeit die Sabbatgcsetze beobachtete. d Es wird rtod) intensiver Arbeit seitens des Ecntralvercins bedürfen, um auch in der Republik Rechtsverletzungen gegen jüdische Mitbürger völlig zu beseitigen: der volle Erfolg ist nur 3ii_ erzielen, wenn das gesamte deutsche Judentum ihm hilfreich zur Saite steht. Wir aber wollen die Rainen dieser Männer der Wissenschaft unserem Gedächtnis eiuprägcn und späteren Generationen als leuchtende Vorbilder jüdischer Glanbenstrene zeigen. Michael Fraenkel (Breslau). Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinde:; hat am 2F. und 26. März in Berlin eine Tagung^abgehaltcu. Ter Tätigkeitsbericht, den Herr Tr. Jsmar Fr eu u d erstattete, bewies, welche segensreiche und bedeutungsvolle Arbeit Rat und Verband für die Erhaltung des religiösen Judentums geleistet haben. Besonders die B e i h 11 j c n des Staates für Rabbiner und Lehrer, um deren Bewilligung sich Tr. Jsmar Freund sehr verdient gemacht hat, sind der jüdischen religiösen Sache von größtem Nutzen gewesen. In der allgemeinen Aussprache hielt es Alfred Berger (Poale Zion) für angebracht, den Ee n t r a l v e r e i n miss heftigste anzugreifen. Tr. Bruno Weil hat ihm die verdiente Antwort gegeben. Wir kommen ans die in ihren Ergebnissen wichtige Tagung noch zurück. Der Preußische Landtag zur Schächtsragc. Zn der Sitzung des Preußischen Landtags vom 20. Marz 1928 wurde nach dem Beschluß des Landtagsausschusses folgende Resolution angenommen: Ter Landtag wolle vefchlicßen, daß _ 1. das Schlachten von Tieren durch das rituelle schachten nichts über den Bedarf der jüdischen Bevölkerung an geschachtetem Fleisch hinaus erfolgt, und das Verbot des wilden Schächtens streng durchgeführt wird: 2. das Schächten ordnungsgemäß ausgeführt, ferner bei der Vor- * bereitung des Schächtens, insbesondere bei der Niederlegung der f Tiere, Vorkehrungen getroffen rnerden, die geeignet sind, die cchlacht- ' tiere vor unnötiger Aengstigung und schmerzen zu schützen: 3. beim Schlachten überhaupt _ bic vorhandenen technischen Verbesserungen in humanitärer Hinsicht angewandt und alle Roheiten verhindert werden. Dagegen wurde ein vierter Absatz nach dem Beschluß des Ausschusses abgclchnt des Inhalts, das; das Schächten zukünftig erst nach genügender^Beläubung mittels Elektrizität vorgeuvmmcn werden darf, wenn die ^taalsregierung mit Grund des Urteils maßgeblicher Sachverständiger die zurzeit schwebenden Versuche als auch im ^inne des israelitischen Rituals zweckentsprechend abgeschlossen betrachtet. Punkt 1 der angenommenen Resolution wird hoftenilich nicht dahin führen, daß eine .Kontingentierung cintriit, die eine Not lag? in der Versorgung schasst. Blau wird besonders auch ans d e m X: n n d. c auspaste n m ü f s e n , daß, falls Verordnungen erlassen werden sollten, nicht unnötig!' Härten entstehen. Tas Blatt d eL Herrn W u l l^c ist natürlich empört, daß ans dem völkischen llrautrag 3569, das staats m i rr i ft c r i n in z n c r - suchen, unverzüglich einen Gesetzentwurf einznbringen, der das b c t ä n d u n g s l o s e Töten der Schlachtliere verbietet, sich ein so langer, selbstverständlicher Gewinensftsthcit Rechnung tragender Ausschutzantrag entwickelt hatpressefchau. In der „Schalttcchnik" Nr. 2 von diesem Jahre befindet sich ein Anw satz von Tr. Leo Löwen stein (Berlin-Lichtcrfelde), Vorsitzendeuc de? Reichsbundcs jüdischer Frontsoldaten und Mitglied unseres Hanptvorstandes. Ter 2lrkikel weist in interessanter Darstellung nach, daß Tr. Löwenstein schon im Jahre 19lll den zuständigen deutschen M-ilitärstellen Vorschläge zur Einrichtung des ^äzallmcßversahrens unterbreitete, die jedoch wegen der damaligen Anschauungen über die Art eines etwaigen zukünftigen Krieges nicht zur Turchsührung gelangten. Erst im Oktober 191 l. gleich' zu Beginn des Stellungskrieges, griff man auf die Vorschläge Tr. Löwcnsteins zurück, die von dem Erfinder selbst auf dem Kampfgebiet derart vervollkommnet wurden, daß sie die Grundlagen der dann an allen Fronten cingesührten ^challmeßtrnpvs bildeten. Heute ist das vor mehr als fünfzehn Jahren von Tr. Löwensteiu vorgeichlaaene Verfahren der Schallmessung mit objektiver Registrierung der Resultate das wichtigste artilleristische Erkundungsmittcl in den verschiedenen Armeen der Welt geworden. —er. In der „Wallerlheimer und Gau Wcinhcimcr HcimaLzcitnng" vom ö. Nkärz. als deren Herausgeber und Verleger Pfarrer Ludwig Weisel zeichnet, lesen wir in einem Artikel des Herausgebers: ,,Ich bin seit einigen Jahren Lestr der .C. V.-Zeitung', Blätter für Teutschtmn und Judentum, Organ des Ecntralvercins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Tas ist kein Organ des Judenfressers Ludendorsß aber für alle diejenigen, die lernen wollen und eine ganze Volksschicht nicht mit Voreingenommenheit betrachten. TieIanuarnnmmer enthielt einen sehr schönen Aussatz: ,Ter Bibel Wert für unsere Tagest eine Rede des Reichsgerichtspräsidenlen Tr.^ Simons lLeipzigst Tann fellgt die Wiedergabe dieser Rede, und zum e-chluß schreibt der Verfasser: Mir ist die Iudeubibel, unser Altes Testament, schon immer wertvolles religiöses Gut gewesen, und gern entlehne ich, namentlich bei Kasualreden, darunter auch an Gräbern, dem Alten Testament meine Gedenkwcrte/ Tie jüdischen Mitbürger aber können stolz sein ans das glänzende Urteil eines der besten und defähigsren deutschen Politiker und Richter." Bei den Wettkämpfen des Fußball'vortvereins Frankfurt gegen Saar hat vor 9000 Zuschauern der Vorsitzende, Tr. med. Rothschild (Frankfurt a. Vstst die Weihrede gehalten, die — wie das amtliche Organ des NcichsausfchusicLl für Lcibcöübungcn, Gau Turncrschaft Frankfurt, „F.-N.- Sport", vom 5. März berichtet — einen tiefen Eindruck hirsterließ und von sämtlichen Anwesenden stehend und entblößten Hauptes angehört wurde. Tr. Rothschild führte u. a. aus: Wir denken mit Wehmut an diejenigen, die mit ihren Leibern das Vaterland vor dem Untergang geschützt haben. „Dulea et. dccorum cst, pro patria moril“ Süß und ehrenhaft ist^cs, für das Vaterland zu sterben! Aber wir denken heute auch an '^ie. meine lieben Gäste, die Sie für uns darben. Ihrrcn von der Saar ein dreifaches Willkommen! Aus daß Ihr deutsches Herz, Ihr deutscher Sinn, Ihr deutsches Zusammengehörigkeitsgefühl in der schweren Zeit ungewollter Trennung treudeutsch. fest und innig uni uns verbunden sein möge und Sie bereit sein mögen, mit uns ein festes Band zu knüpfen, für Deutschlands Zukunft. Deutschlands Größe und Deutschlands Ideale. Seien Sie uns hochwillkommen alstreudcuische Sportskameradcn, die wir immer geschätzt haben, und die wir immer schätzet? werden!