Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 13 (30.3.1928)
- Date
- 1928-03-30
- Page
- Seite 169 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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169 Mns(tr# ©C& /"> "Ä I Ws Hegen „Sie völkische Schule". hi Xr. 45 („C. V. - Zeitung*' vom 11. Xovember 1027) schauerte Oberst udicnclireklor Br. K. Müller wdtr dir Vchcr- Bckrift „Erziehungsidccdc der völhP :h LM-.nr" d>e ZI l de•' Bundes völkischer Lehrer und seiner Monatsschrift ,.hk rMuPu-: Schule“. „Die völkische Schule“ hei ]•!:! Br. Möller menen die^s ‘Aufsatzes in der ,.C. X.-Zeitung“ angigriffen. Dazu schreibt uns Br. Müller (Potsdam): Potsdam, im März 1928. An die Schristlcitung der „G. V.-Zeitung'! Nach fast zwei Monaten hat die Schriftleitung der „Völkischen Schule"' die Kraft gefunden, sich mit meinen Darlegungen zu beschäftigen, aber nicht, indem sie sie widerlegt oder auch nur irgend etwas davon ihren Lesern wiedergibt, sondern indem sie schimpft und ganz in gewohnter völkischer Manier nach dem Motto ..cm! um um re Ludacwr, semper aliquid haerc-t“ handelt- Sie sagt, ich sei „vorgcschickt", rrwähnkeinen „ttluitraggederZ in dessen Aufträge ich schriebe, sie nennt mein Auftreten „dcnunziatorilch und inguisitori'chA veschirupst mich als „wichtigtuerischen Krakeeler", mit dem cs keinen Zweck habe, die Klinge zu kreuzen" und bezeichnet mich als ,,undeutfch". Daß sie „Verdrehungen" sicht, ist nicht verwunderlich. Wenn die Schriftleitung der „Völkischen Schule" mit dem. Ausdruck „vor geschickt" und dem anderen „Auftraggeber" sagen will, daß ich semand anders folge als allein meinem Gewissen und meiner Ueberzeugung, dann sucht sie in gewohnter völkischer Art „niemanden hinter dem Busch, hinter dem man nicht selbst gestanden hat". Ich fordere sie aber auf, den Beweis für ihre Verdächtigungen zu erbringen, und werd lange alle solche Behauptungen - erbärmliche Verleumdungen »c- 5eichn.cn, als nicht der Nachweis für ihre Richtigkeit erbracht wird. Wenn aber die „Völki'che Schule" erklärt, daß cs ..die im Blute begründete Perwnlichtest in, die begeistert". dann wstiuen solche heblen" Redensarten Wut zutage nur rwch wenig Glätrhige^ zu finden. Denn die „Völkische schule" ttagte ja gerade in der 9lummer, aui die ich. mich stützte, dar ne er, daß die Bewegung it i eil t so voran ginge, wie sie wünftwte. Daß die „Völki'che schule" ohnehin hvz unter Ausschluß der Oeistnttich'.eit erscheint. das stimmt lieblich zu der Behauptung von der „im Beute begründeten Persönlichkeit, die b.- gcistmtst (es scheint, als würden es immer weniger, die sich a's ^,.im Blute begründete begeisternde Periönlicheeiten" betrachten. Tie Zab-en der Wahleraed.ni'st' haben nämlich diele Aersönlichleiten ^imnwr mehr in nichts verrinnen lauen. Wenn ich mich gegen die „Völkische Schule" ^au'machte, io tat ich cs nicht wegen ihrer Literarischen Bedeutung — die ist wirklich nicht vorhanden —, sondern weil man Bazillen vernichten m u B , w o man s i e findet, und feien cs noch so wenig. Wir halten ja im deutschen Volke aern aui Reinlichkeit. Im übrigen lehne ich es aber ab, mit der „Völkischen schule' irgendeine Kontroverse zu führen, da gerade die von mir seinerzeit angczogene lldummcr den deutlichen Beweis einer ganz bedenklichen Sinue-verwrrrung erbrachte. Odcrftudiendircktvr Lr. K. Müller (Potsdam). Antwort an M. 8). Chemnitz, im März 1928. An die Schristleitung der „E. D.-Zeitung"! Herr Moses Waldmann bat mich in dem Leipziger .Lüdistben Familicnblatt" durch einen Artikel geehrt, über den in großen Lettern die llcbcrfd>rift prangt: „Herr Mecklenburg will nicht." Dieser Artikel zeigt in Form und Art der Polemik, wie wenig die Ermahnungen Holländers, die Auseiuandersestunacn in vornehmer und sachlicher Weist zu führen, auf giommubet >seitc befolgt metben. Zm Inte re sie einer Klärung der Probleme erachte ich eine kurze Erwiderung für notwendig. Der i5. B. behauptet nicht, er sei berufen, alte deutschen Juden in einer Lrganiststion zu vereinigen, er schließt vielmehr die Zionisten als ungeeignete Mitglieder aus. Die Resolution Sachsen besagte, daß die deutich-cn Juden mit dem von den Zionisten behaupteten oder an gestrebten süchistchen Volt nichts z u tun habe n, eine Anschauung, die seit der Emanzipation der Juden bis zur Erfindung des Zionisuur? Allgemeingut fast aller dcutstchen Suben war. , Ich bin der Einsicht, daß diele Weltanschauung im Verlaus von dreißig Jab reu durch den. Willen einer Gruppe phantastischer Wenfchen nicht umgestoßen werden kann, und deshalb nennt Herr Waidmann mich und meine Gesinnungsgenossen ein Härstchen vollkommen weltwemder, kindischer und im tiefsten Grunde rüenchrittlicher Figuren, die such nur lächerlich geurach-r haben. Die (5. V.-Auftastung beruht auf der allgemein gültigen und wu'enschasttich begründeten Definition des pvlitistchen und geschichtlichen Vcllsbegri'sts. Die Kriterien einer Voltsxem.cinschast sind u. a.: Die gemeinsame Sprache und Kultur, die verbindende Vaterlandsliebe, das gleiche Heimat? bewu ß:se in gegenüber dem G.burtslan.d. Die Juden in den Permst.dencn bändern besitzen gemeinsam diest objektiven Merln:ale der einheitlichen Ration nicht, also bilden sie kein Volk. Ein bewußt nationaldeutfch empfindender Jude z. V. kann niemals eine völki'che Einheit mit einem Nationaljuden aus Rußland bilden, da beide in Sprache und Kultur vollkommen verschieden sind: die gegenseitige Behauptung muß also falsch sein. Menstpen so verschiedener Nation nalität können unmöglich noch einer austuren. der jüdischen Ration, also gleichzeitig zwei Völkern cngehören, 9 e,0 i rj.f) n ,T', rr-j öi>h K3 0 '<0> ü c.i das ist ein Widersinn: deshalb bezeichnen wir die zionistische' Idcvlogie vom cinheitlicheu jüdischen Best oste eine Verirrung. Tu. PiV.ivr. des jüdischen Volkes ist 'o. roe:g<:u'st'.r duv(i) die sa 1'd<: in'g.ß iststliä v Anwendung Ws Wstei.e rstalion. dnr-ch die Zionisten. Sie i.uin-.w duwn ihr Wollen allein eine voltliche und tn.llnrelle Gomeinich.ast der Znden aller Lander konstruieren oder, wie sie sagen, schaden zu tonnen. <'lls ob man eine Kultur nach seinem Willen schasstn könnte. Herr Holländer hat lehlhin die Frage, was denn nun eigentlich die Znden Palästinas ventecrechtstch sind, sehr richtig deonlwortost. Sie sind palästinensische eastnsteencogcr, und nach ihrer Aestenwnnng un.d Religion sind sie Puden, nicht aber nach ihrer slationolstät. Tie heillose Bertuwrung. die der Zionismus in Wr Welt angerichstet hat, wäre sofort gellaA. wenn sich die Zionisten c nt sch ließen tönnlew die falsche Anirenbung d.s str-ortes vlatiou oder Volt zu nisteela-'^n, man würde dann sehr bald erieniwu. daß c.e pbanstastistste Plan einer eiud-eilliäten Zusam'.nenst-''ft:ng aller Inden der W-.lt zu einer voltlichen und kulturellen Gemeinschaft aus falschen Voraus'.Hungen beruht und daher undnrchstihrbar ist. Georg Mccklcnbrirg. ßür €. V.-Tätigkeit auch jenseits öer örutfchen GrsnZLN. Teltow, im März 192S. An der die ^chri'stteitung ,.E. V.-Zeitungst' Eine Draann.sation, die sich einen „E c n. t r a l v c r c i n d t it t j d) e t Sdaatsb ärger j ü b i i d) c n Glaubens" nennt, hat mit di-.str Bezeichnung ihrem ideellen Loirken klare und bestimmte Ziele g-estnzt. Ihr Wirken in der Pentfchtn Indenb.it muß der Pstege deutscher Kultur in Berbindn.ng mit den Prinzipien der jüdischen Z-eligion gewidmet sein. Rstir in der bewußten Verfolgung dieses Programms, das Viensechen erziehen will, die als deutsche und als jüdische Pi'.nstben 9lobiung abuöligen, kann auch der ^Antisemitismus — soweit cc anständig und nicht geschöitüchdewagegiich ist — geschwächt werden. Die zweifachen Richtungen des Programms weisen aber über Deutschlands Grenzen hinaus. Deutsche Kultur darf für den guten Deutschen nicht an Deutschlands Grenzen gebunden sein, und der Blick des guten Juden verbindet^ sich überall mit dem jüdischen Schicksal, wo es in der Wett Bekenner der jüdischen Religion güst. Besonders, wenn irgendwo Juden als Juden leiden, dann ist das ein Geschehen, das auch jeden Juden anderer Länder angeht . . . Vor dem Kriege hatte in P a l äft i n a von allen ausländischen Rationen die deutsche kulturell und wirtschaftlich die Vormacht. Heute nimmt naturgemäß die englische dllstion diese Stellung ein. und ebenso felöstverständlich ist cs, daß die zionistische Hrgauisativn mit dieser Tatsache rechnet. Trohdem bestehen bei den Juden Palästinas noch viste deutsche Kulturwerte. Ein großer ereil di-.str Juden sprich: noch beute in der Form des Jargons das Deutsche. Das ist io stark, daß die Araber, die mit Juden zu tun haben, auch den Jargon erlernen, während die 5tenntnis des Hebräischen unter ihnen seltener anzutreten ist. Doch niemand nimmt sich bcr Pflege der deutschen Sprache an. Das Italienische hat walirlich nur sehr-' geringen Resonanzboden in der Iudenluit Palästinas, aber die italienische Regierung bat nach der bekannten palä'stiuensisctst'n jüdischen Stadt Tel-Ariv einen Juden geschickt, de's.-n Aufgabe es ist, in ihrem ^e'.be italienisch zu unterrichten. Dieser erteilt z. B. im Hebräischen Gniunasiurn fakultativen Unterrioßt. Bei dem großen llPortschah, den selbst die hebräisch sprechende Jugend im Deutschen hat, cr'chließt die Förderung der deutschen Sprache und ihrer Literatur ein G-ebict, das bei sachgemäßer Behandlung für die deutsche Kultur und deutsche Wirtschaft von großem Vorteil sein kann. Sollte eine Organisation deusich-er Staatsbürger jüdischen Glaubens nicht die Ausgabe haben, hier in die Vre'che zu treten? Sozial arbeitet heute die a nt erikanis d) e Iudcnheit durch Joint und durch Hada^n in Palästina, die vorzüglich W a i s e nu n d k i a n t c n pflege betreiben. Auch aus diesem Gebiets sollte die deutsche Iudeubeit f.ch.on um ihres Prestiges willen sich nicht fernhalten. Roch bestem mit. mehr als dreißigjähriger Vergangenheit in Jerusalem ein mustergültiges, angesehenes. deutsches Krankenhaus, das si-'eHaak'e-/kvdap7Hospital. be^en Verwaltung in TeuNchland ihren Sitz bat. Ta jedoch sein in deutschen Werten angelegtes Kapital entwertet ist, muß cs schwer kämpfen, während die Krunlkenhäuser der amerikanischen sinanziell wrglo-s arbeiten können. Wäre nicht auch da ein Feld für den um die Ehre der deutschen Judenheil besorgten Eentralverein? Wäre cs ferner nicht möglich, daß von den zahlreichen W a i s e n , die cs in Palästina gibt, auch eine Anzahl in Anlehnung an die d-cutsche Kultur erzogen würde? Gin Teil der um ihres Glaubens willen an? ihrer Heimat gerissenen Juden iindet den Weg nach Palästina, der Gedurtsstätte ihres Glaubens, uw. ben?ic leiben; — doch, um auf dem Boden dieses seit Zwei Iahrtauwnden brachen Landes Wurzel zu fassen, bedürfen sie der Hilfe ihrer Brüder auf mannigfachen Gebieten. In Palästina hatte vor dem Krieg der H i l f s v c r e i n der d e_n i i di e n Jude n sehr aktiv und segensreich gewirkt. Es wäre crloünscbt. daß er jetzt allmählich seine Tätigkeit wieder auinehmen wird. Doch all den eben angedeuteten AuJgabenkreisen sollte der Eentralverein seine?lutmerk'amkeil widmen. Der Hilssverein batte sich in Parallele mit der AIJian.'?c Israelite Universelle speziell um das S rf) n l w c f c it gekümmert. Tie Schaffung der Schulen bedeutete vor dem Krieg .zuallererst eine charitatioe Handlung. Sie gab den Kindern der Armen saubere Räume. Beaufsichtigung, Bekleidung. Eruähruug. Heute haben die Dinge sich geändert. Das Schulwesen ist technisch ansgebaut. Da? charitative Moment ist srcstich ungenügend gewahrt: Kinderspeisung, Kstzderbeklcidung würden noch jetzt dem Hilssverein segensreiche Arbeit bieten. Es sei znsammengesaßt: für den Eentralverein hätten wesentlich deutsch-klrlturelle und für den Hilssverein soziale Gesichtspunkte die Beweggründe für eine Hilfeleistung bei der Enttoickluna Paläi stinas abzugeben, so daß beide als Vollstrecker des Gemcinschastsbewnßtfeins der deutschen Iudenheit mit deur Geschick der Gesamtjudenheit sich harmonisch ergänzen können.