Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 13 (30.3.1928)
- Date
- 1928-03-30
- Page
- Seite 168 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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m hinter aus sieht im £aube- . . von der dl? „Deutsche Zeitung schreibt, daß „die scharse Sprache deschstufrufcs vew jüdischen Presse stark auf die Nerven gefallen ist". — Hierzu fügt sich denn noch „die steigende Unzufrieb-eocheit der deunchnationalen Anhänger mit ihrer Partei", die der Verfasser dos Leitauffatzes in Nr. 3 dieser Zeitung sehr richtig beobachtet hat-auch die Einpeitscher der.völklschen Parteien rechnen mit dieser Stimmung: aber auch die Krei^e, die sich um den völkischen Flügel der Teutichnationalen bewegen, sind daraus eingestellt, den crutäuichten Wählermassen den Sündenbock zuzutreiben, der in die Lüste gejagt werden soll-unchdarurn erscheint auch mir der bereiterwähnte a u f r ü t t e l n d e Aufsatz dringender Beachtung aller jüdischen und nichrjüdischen Kreise, für die auch der Wahlkamps ein Kampf um Wahrheit und R e ch t ist, wert zu sein. H Eine „Kleine Anfrage". Wahlmache der Tcntschvölkischcn yreiheitspartei. Tie Abgeordneten Wicgershaus und Tr. K oe r ne r von der Leutschvölkischen Freiheirspartei haben im preußijck)en Landtag eine Kleine Anfrage" eingebracht. Tie Anfrage schließt: „Wir fragen daher an: Ist DaS Staatsministerirrm bereit, -ri der Ncick^regierung zu beantragen, daß den Inden dieGlerchbcrerhtigung wieder entzogen wird und -an sie, da ste Fremde, also keine Volksgenossen sind, unter Fremdeurecht gestellt werden!" Erstaunl'ch viel Unsinn und Verdrehungn haben die beiden völkischen Ab-geordneten in dieser „Kleinen Anfrage" untergebracht. Der dttNQgogische, lediglich au: Echo in der Wühterschast bedachte Charakter 'liegt offen zutage. Tie völkischen Herrschaften in den Parlamenten fürchten gegenüber den: Vormarsch der nationalsozialistisch-völkischen Bewegung für ihre Mandate, und da sie mit positir-e-r Arbeir nicht aufwarten können, greisen sie zur Demagogie. Es ist nicht ausgeschlossen, daß diese „Kleine Anfrage" die der Absicht der Fragesteller entgegengesetzte Wirrung haben wird. Allzu klar liegt das Fiasko ihrer Arbeit zutage, und so manchem Wähler, der vor seinem Gewissen sich Rechenschaft geben will über die Beweggründe, die eine Lied-erwahl solcher Politiker erklären könnte, wird die letzteparlamentarische Ta:' warnend vor Augen stehen. Hitler auf Kerfen. 76 natioualso^iLlistischL Versammlungen in zwei Tagen. Hg. Ten parlamentarischen Bestand vom Mai 1924 wieder zu erringen, ist das mit ungeheurem Eifer angestrebie Ziel der Nationalsozialiftischn Teutschen Arbeiterpartei. Nach Hunderten zähle» die Versammlungen und Lprechabende, auf denen die Agitatoren der Partei Stimmen werben und Gesinnungsgeuo-gen schulen wollen. In einer einzigen Nummer des „Völkischen Beobachters", der regelmäßig den Versammlnngskalender der Partei enthält, waren 76 Veranstaltungen vermerkt, die an nur zwei Tagen stattfandcn. In den Bezirken, in denen ein gewisser Stamm'von Parteigenossen schon vorhanden ist. gerrügen die kleineren Götter der Partei als Referenten. In großen Teilen Deutschlands ist auch dem Nichtreichsdeutscheu Adolf Hitler das Sprechen in öffentlichen Versammlungen untersagt, da bei früheren Gelegenheiten sich nach derartigen Reden eine tiefgehende Beunruhigung der gesamten Bevölkerung gezeigt hatte. Hitler mutz sich deshalb in diesen Landesteilen auf Mitgliederversammlungen und sonstige geschloffene Veranstaltungen beschränken. In Essen beispieksiocife, wo er im Lause der letzten VA Jahre mehrmals in nach Tausenden zahlenden Mitgliederversammlungen sprach, konnte er auch vor einem nusgcwählten Kreise der rheinisch - w e st » fälisch crr Industrie sprechen. Vor dem Eingang zu dem Versammlungsraum standen stundenlang die nach Dutzenden zahlenden eleganten 'Autos der Industriekapitäne aus dem stundenweiten Umkreis von Essen. Ungehemmt durch Versauunlungsverbote jedoch kann Hitler seine Agitation auf diejenigen Landesteile loslassen, in denen man ihn noch nicht kennt. Baden scheint im Augenblick seine besondere Aufmerksamkeit zu finden. Tie ,.K o n st a n z e r Zeit u n g" vom 7. März berichtet über eine Hitler-Versammlung in Karlsruhe wie folgt: »,. . »Das badische Musterländlc war bisher ziemlich frei von solchen Auswüchsen. Bver Rittet fccfct wieder um. Am Samstag abend sprach er im großen Fesrharrcsaal in .Karlsruhe. Der badische Landcodicrrsr der „T. N." meldet darüber: AuS dem ganzen Laude »varen Anchängee dieser Bewegung teUs mit der Bachu teils mit Lastkraftwagen und AutoS eiu- Setrossem Ein Sonderzug brachte etwa 620 Verso neu aus der . Malz. Deurcntspreckend wies der große FeschaUesaak eine Be« . setzurrg eursi wir sie nicht alltäglich ist. Ungefähr 500 Arrgedörige dev Hakcntrcuzlrr mit ihren Bannern nahmen auf der Tribüne Platz» Ddeis Hitler, der über Siurrderr auf sich warten Liest» tomH mit Musik und stürmischen Heil - Heit - Sinsen von der FricDhsssschänVnng in Eilendorf. Verspätet wird bekannt, daß in einer der Rächte der vorigen Woche auf dem israelitischen Friedhof in Eilendo v { bei A a ch e n eine Anzahl Leichensteine auf den Gräbern umgcwvrsen und zum Teil aus dem. Boden herau-gegrnbcn worden ist. Auch die Aupffau.zunaen auf den Gräbern sind teilweise herausaerinen i:ud umhergeworstn. worden. Ta die Tat erst verspätet durch Friedhossbesucher entdeckt lvorden ist, ist die Fahndung nach den Tönern besonders m?.ver. Tie Synagogengemeinde Aachen hat 300 Mark Belohnung für die Ergreifung der Täter ausgesetzt. Tie „Aachener Post" ineist iu ihren: Bericht vom 23. März darauf hin, daß ähnlich? Grao'chäudulrgeu vor einigen Jahren auch auf dem kaLholncheu Friedhof iu Eilendori erfolgt seien, so daß man nicht wisse, ob ein politisches Attentat oder ein gewöhnlicher Roheitsakt Vorliege. — Hoffentlich werden die Täter und damit auch die Motive zur Tat bald sestzestellt. IOOOköpsigen Zuhörcrfchast begrüßt. Seine Ausficheurrgen Wurde mit Händeklatschen ansgenommc». Hitler, dev monom»rnische Psychopath, der hemmungslose Demagoge, an dessen Händen das Blut der Münchener November» opfer klebt, rrurjubclt von Tausenden —- das gibt zu dcoTc::! . . Tiefe Meldung ist ein Beispiel für viele. Es bedarf der zielbewußten, alle i n n e r e n- und finanziellen Hemmnisse entschlossen überwindende Arbeit rr n s e r e r Freunde, u m die R a ch w i r k u n q e n derartiger Veranstaltungen a u s z n g l e i ch e u. WM K Ca Wk löarasioo Dienen! In der Nacht vom 1. zum 2. Januar d. I. wurde vor dem ..Elberselder Hof" in Elberfeld, dem Versammlungslokal der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, der jüdi'che Kaufmann Abraham de Jongh von einen: Trupp ans der Wirtschaft herauskommender Nationalsozialisten ohne jede Vcranlasiung belästigt und mißhandelt. An der Mißhandlung beteiligten^sich zwei junge Leute, von denen der eine in der Person eines gewiuen vom Wege ermittelt wurde. Tie Nachforschungen nach der Person des anderen schweben noch. Gegen vom Wege wurde am 22. d. M. vor den: Schössener ich t unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats Müller verhandelt, ■ein Verletzten de Jongh, der als Nebenkläger austrat, war durch den C. V. Rechtsschutz gewährt worden. Ter Staatsanwalt geißel-e mit scherfen Worten das Vorgehen des Angeklagten und beantragte, da eine Geldstrafe für solche Rol)citen nicht in Frage komme, eine Gesamtg e f ä n g n i s st r a f e von einem Monat. Tas Gericht hat dementsprechend erkannt. Beachtenswert ^erscheinen die Gründe des Urteils. Der Vorsitzende führte im wesentlichen aus: „Was das Strafmaß anbet reife, so laue das Gesetz au sich auch Geldstrafen zu. Tas Gericht sei aber nicht einen Augenblick in: Zweifel gewesen, daß in diesem Falle nur eine Gefängnisstrafe in Frage kommen könne, und zwar wegen der außcrordcntlichcrr Roheit und des autzerordcntlichcn Verstoßes gegen die öffentliche Ordnung, ganz abgesehen davon, das; die Tat auch richtig als grotze Feigheit charakterisiert worden sei. Es sei schon unangebracht, wem: jemand bei dem Streit der Meinungen persönlich oder gar tätlich werde. Ter Angeklagte sei aber noch viel weiter gegangen. Tenn hier handele es sich nicht um einen Streit der Meinungen. Der Angegriffene habe dcur Angeklagten nicht das geringste getan, er habe irn Gegenteil in ruhiger Weise zu verstehen gegeben, das; er mit ihm nichts zu tun haben wolle. Lediglich deshalb, weil der Angeklagte in dem Angegriffenen einen Gegner erkannt habe, habe er sich nicht nur zu Beleidigungen hinrcißcn lasten, sondern auch zu Mißhandlungen. Ties sei eine solche Gesinnuugsroheit, daß nach Ansicht des Gerichtes nur -eine Freiheitsstrafe in Betracht kommen könne. Es möchten sich diese Auffassung des Gerichtes alle diejenigen merken, die keinen ruhigen Bürger über die Straße gehen lassen könnten; das Gericht sei deshalb auch keinen Augenblick im Zweifel gewesen, daß in bezug aus d-as Strafmaß nicht unter die von der Staatsanwaltschaft beantragte strafe heruntergegangen werden dürfe. Es habe vielmehr erwogen, ob es nicht darüber hinausgehen solle, habe dieses al^r mit Rücksicht auf die bisherige Straflosigkeit des Angeklagten nicht getan. Das Gericht sei sich auch einstimmig dahin einig geworden, daß eine Bewährungsfrist nicht in Frage komme." Kunze von der Dcutschsozialcn Partei ausgeschlossen. Jüngst sand der Parteitag der T e u t s ch s o z i a l e n Partei statt, einer der seltenen Anläsie. bei denen die Eristenz dieser Gruppe einer weiteren Oessentlichkeir wieder ins Gedächtnis Zurückgerufen wird. Und siehe dal rrogar dieser Parteitag verlies nicht ohne Pikanterie. Der Gründer und Führer der Partei, Richard Kunze, und daneben, ein Herr Blumcntritt Dresden wurden arrs der ^rtei ousgeschloffen.