Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 12 (23.3.1928)
- Date
- 1928-03-23
- Page
- Seite 158 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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15$ ul neu von 3.U i cl] a c I Beer . dargcstcllt. Ed ua r d v o dj e n t, tKir De?* Tichkers sämtliche Werke (Leipzig, Brockgaus, r86c>) und dessen Briefwechsel (ebenda J837) heransgab, nennt es eine der bedeutsamsten Erscheinungr'.t der neuesten öratmiti|ct)cn ^itcratur; und auch H einrich Heine, der doch gewiß schwer Zusrredcnznstcllondo, ist in seiner Besprechung ft.Morgenblatt , 15-8) de^ Lobes voll: vier müneu wir die Tegel des Lobes mit vollen! Eltern ainchwellen, liier erscheint uns Mickael Beer am meisten hervorragend aus dem ^roge unserer sogenannten Theaterdichter, jener Schwulstlinge. deren bildreicho gamben sich wie Blumenkränze oder wie Bandwürmer um dnnune Gcdanlen hc-rumringeln. Es war uns unendlich crguickcnd, in jener dürren Saudwüste. die wir deutsches Theater nennen, wieder erneu Et tuen, wissen Labcguell hervorfpringcn zu sehen/ Heute, in den Zeiten der Freiheit, die. trotz aller Bedrohungen und' reaktionärer, gehässiger Angriffe, sich immer sieghafter der Vorurteile von der „Ungleichheit der Stände" entledigt, mugte dieses Drama des Juden 'Michael Beer, das der bayerische Köntg 1828 durch ein Machtwort aus seinem Hoftheater spielen liefe, ww ein Weckruf wirken.' Denn der bürgerliche Minister •2tnicii|ce ist ein „Liberaler im besten 8itntc" (Werke, S. XXXIII), ein Held unserer Zeit, die kaum einen anderen Kampf kennt als den der politischen Gegensätze. Beers „Struensee" ist in dieser Hinsicht eine Steigerung seines berühmten, fünf Jahre vorher erschienenen Paria"; beide sind ein „Spiegel, den der kühne Dichter dem schlimmsten Basilisken unserer Zeit entgegenhiekt" (Heine); als einziges Mittel, dieses Fabeltier zu töten, das aus Schrecken über seine' Häßlichkeit zusammenstürzt und stirbt. Gar manches hat Beer ohne in sklavische Nachahmung zu versallen, glücklich Goethes Ggmont abgelanscht. Die Bolksszenen sind von bcwunderungswürdiger Lebendigkeit mit ihrer politischen Kannegießeret; den warnenden Grauten vertritt der ehrwürdige Vaterhaus dem Tode des Helden dämmert auch hier der Sieg der Freiheit. Achtzehn Jahre nach der denkwürdigen ersten Aufführung, dreizehn Jahre nach dem Tode des erst Treiundzwanzigjährigeu — 1616 — gelangte das Trauerspiel, abermals durch königlichen Befehl, auf die Berliner Hofbühne. Giacomo M eh er beer befand sich damals auf der Höhe seines Ruhms. Man kennt das innige Verhältnis des nmschwärmten Meisters zu seiner Familie, insbesondere zu seiner Mutter. Um sie zu überraschen und zu erfreuen, schrieb er damals seine Musik zu dem Werke des toten Bruders. Sein Ziel war ein nicht minder hohes, Beethovens Egmont-Musik schwebte ihm als Vorbild vor, und er ist hinter dem gewaltigen Meister wahrlich nicht zurückgeblieben. So heftig und feindselig der Kampf um die anderen Werke Mcyerbeers tobte, Struensee- Musik wurde einstimmig ein Ehrenplatz in der nationalen deutschen Musikliteratur zugewiesen. lind sie verdient ihn: Tiefernst und erhaben erklingt sie, erschütternd greift sie an die Secke. Wie bei Beethoven haben wir eine Ouvertüre, Ztvischenaktsmusikcr und Melodram; der gebundene Gesang, bei Beethoven in den beiden Liedern Klärchen» erscheinend, findet hier in einem großen -Dottschor. denen Melodie einem dänischen Volkslied entnommen ist, seine Stelle. Ich bedauere, daß kein größerer Raum mir verstauet, die Schönheiten der Mcyerbeerschcn Musik eingehend zu würdigen. Aber versagen kann ich nücks nicht, wenigstens ein paar Hinweise zu geben und ans wenigen Takten einiges in die Seelen dcr Kenner dringen zu lassen. Mit machtvollen Harfenschlägen beginnt die Ouvertüre: Diese feierlichen Klänge sind das Motiv des Vaters, des ehrwürdigen Pfarrers Struensec; sie ertönen in allen nur möglichen Veränderungen, um am Schluß, vorn leisesten Erklingen bis zu überwältigender Kraft sich steigernd, ähnlich wie in Beethovens Ouvertürcn, zur herrlichsten Freihcitssinsonie zn erblühen. Gin zweites Thema: Leidenschaftlich, enthusiastisch und idealistisch zu gleich ist das treue Ab. bild des Helden selbst. Die hinreißende Ballmusik des driften Auszuges, die melodramatische Begleitung von Strucnsccs^ Traum im Kerker (Egmorft!) vor allem aber der Segenspruch des Vaters für den Sohn vor dessen letztem Grdengang, etil Cellosolo:?knrrer Struensee spricht: Der Herr laU über Dich sein Anti»?/: leuchten I.molto do/rp i Das alles ist aus tiefstem Herzen hcrvorgedrungen, ein Denkmal innigster Bruderliebe, wie es der Psalmist in den Worten seines berühmten Gedichtes nicht schöner ausrichtct. An eine Bühnenaussührung der Tragödie wage ich bei der geistigen Ginstettung des heutigen Publikums nicht zn denken. Sv tunte viAlluht eine Darbietung im Konzertsaal mit „verbindendem Texte", wie man cs auch für den Egmorst versucht hat, in Betracht. Was dabei verloren gehen muß. weiß jeder. So bleibt als letztes der 3! u n d s u n k, dcr za die Ausgabe und die weitestgehenden Möglichkeiten hat. zu dem Volt von derr vergessenen Werken seiner großen Meister zn sprechen. Die Gffenbachee haggaöcrh. Von Professor Dr. Haupt (D a x m st a b t). Im Jahre 1927 hat Rabbiner Tr. Italiener in Verbindung mir anderen die berühmte Haggadah ans dem 14. Jahrhundert heran-:-' gegeben, die sich im Besitz der Landesbiblivthek in D a r :n stadt befindet, und hat die Ansgabe mit ausführlichen Untersuchungen zur Entstehung und Geschichte der Pessach-Handschristen begleitet. Dieser Darmstädtcr Haggadah ist jetzt in Hessen eine O f f e n b a ch e r Haggadah gefolgt, die der Offen buch er Rechte - amv-alt und Notar Dr. Guggenheim heransgegeben hat. Ter Herausgeber ging ursprünglich von dem Text der Volt Rabbiner Tr. Seligmann bearbeiteten Haggadah ans/ doch wurde dieser Text dann zum größten Teile verlassen, und zu ihtn traten bereichernd und ergänzend Stücke aus dcnt uetlzeitlichett jüdischen Schrifttum und der alten jüdischen Legende. Das Ganze wurde durch die Arbeit des Herausgebers, der aus einer altert Familien- Überlieferung schöpfte, zugleich "zum Spiegel einer lebendigen jüdischen Frömmigkeit und der Innigkeit und Heiterkeit rheinischer Art. Bor allem war es der Wunsch des Verfassers, durch sein Buch von dem Geist der Sederabende Zeugnis zn geben. Er wollte, wie das Vorwort sagt, etwas von den Seeleuschätzen des Judentums lebendig machen, an die Demut und den Stolz des jüdischen Glaubens rühren. Für den Zrveck des Herausgebers wurde aber neben Auswahl und Zusammenstellung der Texte auch die äußere Formt der Veröffentlichung von entscheidender Bedeutung. Sie verleiht seiner Ausgabe wohl einett einzigartigen Rang innerhalb des modernen jüdischen Schrifttums. Dr. Guggenheim ist durch freundschaftliche Beziehungen mit dom Kreis Ossenbachcr Künstler verbnndeu. die von der Schriftgießerei Gebr. Klingspor ausgegaugcn sind und in der Persönlichkeit von Professor Rudolf Koch ihren Mittelpunlt gefunden haben. Diese Beziehungen gaben ihnr seit einer Reihe von Jahren Anlaß und Möglichkeit, seiner Freude am Judentum künstlerischen Ausdruck zu geben. In dcr Ans' stellnttg „S chr i ft u n d H a n dw e rkP die das h c f f i sch e 6c io c r b c-- m u [ c u m in Sarin ft a b t int vorigen Jahre veranstaltete, war eine ganze Abteilung ans solchen Arbeiten gebildet, die in diesem Kreise zu rituellen Zwecken entstanden sind und sich meist im Besitz von Dr. Enggero heim befinden. Da war vor allem eine Reihe großer gestickter Wand, teppiche zum Schmuck des Speisezimmers mit dem hebräischen Tischdank oder zur Verwendung bei der Sederseier mit entsprechenden Texten. Da waren die Geräte für die Sedcrfeicr in Holz. Silber und Kupfer, heilige Schriften und Wandchrücho, handschriftlich von Meisterhand ausgesucht, und Modelle für Grabplatten, die durch Form und Verteilung der Schrift als mustergültig gelten konnten. Diese Beziehungen haben auch dem Herausgeber der Haggadah die Mitwirkung berufenster Künstler ermöglicht und dem Werk eine Form gegeben, die es typographisch zu einem der anregendsten Bücher macht. 'Der Druck der Haggadah bot außergewöhnliche Schwierigkeiten. Auf derselben Seite wechseln deutscher und hebräischer Text, Notendruck, deutsche und hebräisck-e Typen und Unzialcn. Max Dorn, der Leiter der Hausdruckercj der Gebr. Klingsvor, hat den Druck geleitet und cs U’i* standen, alle diese Schwierigkeiten zum Ausdruck höchster typographischer Wirkung zn verwenden. Da der Text ans stücken dcr verschiedensten Art zusammengesetzt ist, war eine formale Gleichmäßigkeit des Drucks überhaupt nicht erwünscht. Der Drucker mußte versuchen, diese Bewegtheit des Textes zum Leitmotiv auch der künstlerischen Wirkung zu machen. Ter Bedeutung des Luches entsprechend sollte aber zugleich der Gesamtcharakter eines erhabenen Ernstes gewahrt werden. Die Voraussetzungen für eine solche Lösung boten in erster Linie das Format und die Type für den deutschen Sah. Das Buch ist in Großguart mit breitem Rand gedruckt, so daß für die Entfaltung der Gegensätze Raum blieb. Als deutsche Type stand das von Rudolf Koch für persönlichen Gebrauch geschaffene Bibelgotisch in einem, größeren Grad zur Verfügung, eine Schritt voit ungewöhnlicher Bewcglchit. die eine herbe Kraft des Ausdrucks mit fest-