Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1928-03-16 · 11 (16.3.1928) · p. Seite 142

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
11 (16.3.1928)
Date
1928-03-16
Page
Seite 142 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2277379-2277781-2277792--04332-2284937
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Menschen ihr Vei-tn ubcrljaupt wwx erhalten \hx körperliches Befinden achteten. ^Daraus ist heute die Juden rurbr als andere Bevölkeruu' An:g " ..' ~ s‘ töruwu, rocnn sie aus zu erklären, daß auch Preise aus die Erhalte sondere in großem z ist nicht allein cm3 rnn man. bei spielenoeise •' der Bevölkerung für nnrd, f.r.*■■■ .-vr ■> '%f '*-> N-N bedeutend gerurg ich urn. mit der dadurch c notwendigen Auswenrdungen cuws durch'.cgmN. auszugleicheu. Man darf eben niemals das 5üO Juhre vergessen, das -erst die heutigen Io und in ihren Anschaumigen richtig verstehen lä\, ihrer zukünftigen Entwicklung weist. Jeder Beo über klar fei'n. rürdo, der in jüdischen e daß der Unterschied rs^rteu Summe die i che n K u raus e n: h al L e 3 Schicksal der lebten nden in ihren; .steben st und ihnen die Möge Pachter sollte sich dar- Jn dieiem. Zusammenhang must mit wenigen Worten der Bah Hellpac'as behandelt werden: .Mur fotftenjbie jüdischen Mitbürger es nicht erschweren, indem sie schon die Frage, ob für einen. beftimmten Posten ein jüdischer Anwärter möglich sei, in eine versteckt antisemitische Zurücksetzung nmwertenG Hellpach irrt sich. Ans jahrzehntelanger Kenntnis der Verhältnisse kann gesagt werden, das; eine solche Frage von ernster Beite niemals beanstandet worden ist. Nur die Begründung, die für die A'oLwendigkeit dieser Frage erteilt wurde, gab oft Anlaß zu berechtigtem Tadel. Wir alle wißen, daß in einer streng katholischen oder ausgesprochen evangelischen Gegend Beamte in besonders vorgeschobener Stellung zweckmäßigerweise den: Bekenntnis der Maße der eingesessenen Bürger angehören sollen. Wir werden nicht verlangen, daß zu unseren Gunsten von diesem Gr und so. st abgewichen wird. Wird aber darauf hmaewieseu. daß an einer deutschen Hochschule ein ordentlicher Lehrstuhl für Mathematik schon von einen', jüdischen Gelehrten besetzt ist. und daß man deswegen bei der Meubesetzung eines anderen Lehrstuhles in dem gleichen Fach oder gar in der gleichen Fakultas unter keinen Umständen einen Juden zulassen kann, so liegt allerdings schon der Fragestellung eine Auffassung zugrunde, die nicht schars genug bekämpst werden kann. Hellpach selbst hat mit aller Deutlichkeit eine solche Anschauung als für Deutschland verhängnisvoll zurückgewiesen und hat d<n gerechter; Grundsatz der Prüfung der Menschen nach Anstand und Begabung al.s allein möglich hingest eNt. Entspringt also die Frage, ob für einen bestimmten Posten ein jüdischer Anwärter mö-glich ist, dem Grundsatz der Prozentnorm, d. h. der Erwägung, daß man aus den allgemeinen Gründen der Einstellung zum Judentum nur eine gewiste Anzahl von Juden zu einem bestimmten Berufe oder Amte zulapen kann, so wird und muß cin solcher Zustand als ungerecht und für das Allgemeinwohl verderblich getadelt werden. Handelt es sich dagegen um notwendige Berücksichtigung nicht von Vorurteilen, sondern von vorhandenen Z u st a n d e n, die im Hinblick aus das Gesamtwoht die Besetzung einer Stelle mit den Angehörigen eines bestimmten Bekenntnisses erforderlich machen, so wird jeder vernünftige Mensch, ob Jude oder Christ, einen solchen Standpunkt billigen. ' Nun zur Zukunft und vielleicht zu der wichtigsten Frage, die Hellpach angeschnitten hat. * - Immer mehr hat man eingesehen, daß der gesellschaftliche Ausschluß der Juden sie mit d>er Zeit in der Richtung auf ein neues Ghetto zurücktreivt und sie auch politisch und wirtschaftlich in starkem Maße bedroht. Zur Losung dieser zweifellos vorhandenen Spannung sieht Hellpach leinen anderen Weg als die Empfehlung der jüdüch-ch ristlicheu Mischehe. Diese Empfehlung^ scheint ihn; so wichtig zu sein, daß er sie mit dem Ansrus „Höre. Israel!" begleitet. Hellpach rührt aber dieses Problem nur an, ohne, wie es notwendig wäre, in seine Tiefe zu dringen. Was bedeutet diese Empfehlung? Praktisch nichts anderes, als wenn man einem sich über ein Unrecht beklagenden Freunde den Rat gäbe: „Bergijten Sie sich, dann sind Sie oller. Sorgen bar." Trnn der Hellpach sehe Rat bedeutete vom Stand- Punkt des Judentums aus gesehen nichts anderes als die Herbeiführung seines Endes. T-ie chrisilick)-jüdische Mischehe ist von der jüdischen Religion niemals aus Gründen, nationaler Natur oder aus völkischem Hochmut verboten worden. (Vgl. Tänzer: ..Die Mischelp?G) Die Stammütter der jüdischen Patriarchen waren. Nichtjüdinnen. Tie Ehe mit einem zum Judentum übergeiretenen nichtjüdischen Echegatten ist stets als eine in jedem Maße und vom strengsten Standpunkt aus vollgültige und vollwertige jüdische Ehe angesehen worden. Tie Mischehe, d. h. die Ehe. lim es noch einmal zu sagen, mit einem nicht zum Judentum übergetretenen Ehegatten, wurde ans re! r g i ö s e n Gründer: verworfen, weil die Erfahrung schon in alter, besonders aber in neuer Zeit gelehrt hat. daß die aus emer. solchen Mischehe entspringenden Rachtommen der jüdischen Gemeinschaft meistens verloren gehen. ' . Man braucht nicht mit Zahlen zu arbeiten. Jeder weiß, bof-j in verhältnismäßig seltenen Faller; aus Mischehen entspringende Kinder nach der jüdische.; Lehre erzogen werden. Eine Gemeinschaft' aber, vre in so ungeheurem Maße wie die jüdische im Lause der Jahrhunderte sür ihr Bekenntnis gelitten k)at. wird niemals freiwillig ihr Ende herbeijühren können, weil sic zu viel aufzugeben hat. rvas ihr religiös und scr-icksalhas; heilig ist. Auch die religiös nicht stark gebundenen Teile des Judentums lehnen ans der Geschichie und aus der ErkenntmS ihres eigenen Wesens heraus in steigern; Maße'den Austritt aus ihrer Gemeinschaft ab. So wenig man, rein f i 111 i cf) genommen, oine Mischehe wird beanstande;; tonnen, so sehr wir es auch verstehen können, daß einzelne unter den Juden aus ihrem Geistesleben heraus mit den; Untergang des Judentums nichts verlieren'würden, so wenig wünscht doch die Gesamtheit der Juden den Untergang ihrer Gemeinschaft. Das ist der Kern der Frage, die sich selbst bearuwortet. wenn man der; Gesamtgeist des Hellpachscheu Werkes'auf sich wirken läßt. Denn Hellpach Ehrt namentlich in der Betrachtung des Verhältnisses der deutschen stamme ebenso wie des' Verhältrnges der Völker zueinander, daß der Wille zur Ge-;n e i n s a m f e i t das Entscheidende ist. Und er kommt daran; genau so wie der Kölner Eck hart zu den; Ergebnis: „Was der Mensch liebt, das ist der Mensch/ Liebt der jüdische Mensch in Deutschland Vaterland, Kultur und Muttersprache, so i-sl. er eben deutsch und wird mit der Zeit von der gerechtdenkenden nichtjüdischen Gesellschaft auch daun als ihresgleichen anerkannt werden, wenn er Jude bleibt; aus den; oben erwähnten Grunde wird er auch, getragen von religiöser Innerlichkeit, die Bereicherung der deutschen Kultur durch das Judentum erhalten zu wißen wünschen. Treue ist ein unverlierbares Gut der menschlichen Gesellschaft. Keine Gesellschaft hat das Recht, von einer Gemeinschaft zu verlangen, daß sie die Treue zu ihrer Religion, ihrer Geschichte und ihrer Kultur leichtsinnig wegwirft, um damit den Eintritt in die Gesellschafr zu erkaufen. Ludwig Hofländer. H e! l p a dj s interessante Darlegungen geben in; einzelner; zu Zustimmung und Ablehnung reichlich Anlaß. Ein Punkt aber nötigt uns vor allen; anWreu. zur Stellungnahme.' Der bedeutende Politiker äußert sich auch über die j ü d r j ch e R c l i g i o n. Unter Berufung aus den Dekalog führt er aus, der Schwerpmikt im Judentum sei trotz seiner später ausgebildeten ' Jenseitigkeitslehre doch dmchaus der irdische Boden. Das sei der Grund, weshalb der Jude im Ausstieg die Losung seines Lebens sehe. - ' Hellpach wird damit dem Geiste und dem inneren Wesen der jüdischen G o t t e s au f f a s s u n g und WelLsti'mmung so wenig gerecht, wie sein wissenschaftlicher Gewährsmann Somba rt. Das zeigen schon die beiden Sätze aus dem Zehnwort, auf die er sich beruft. „Ehre deinen Vater und deine-Mutter, ans daß fange seien deine Tage in dem Lande, das der Ewige, dein Gott, dir' gibt", sagt das fünfte Gebot. Der „du", dem hier lange Dauer verheißen wird, ist kein einzelner Mensch, sondern das ganze Volk. TM Individuum mag lange leben oder früh sterben, ob es nun Vater und Mutter ehrt oder nicht. Aber das Vo lk wird nur bestehen, we;Nr seine Kinder Vater und Mutter ehren. So hat die klassische jüdische Bibelerklärnng den Vers aufgefaßt: „Wenn Israel dieses Gebot beobachtet, wird es nicht ans seinem Lande vertrieben/ Dem einzelnen Fronunen aber verheißt das Zehnworl nicht wie Hellpach irrig annimmt, „langes Leben, Kindersegen und Wohlstand", sondern — die Gnade Gottes. „Denn ich. der Ewige, dein Gott, bin ein eifervoller Gott, der da heimsucht die Missetat der Väter au der; Kindern bis ms dritte und vierte Geschlecht au denen, die Mich haßen, dev aber Gnade erweist bis ins tausendste Geschlecht denen, die Mich lieben und die Meine Gebote beobachten." Hellpach hat sich bei der Wieder^ gäbe dieses cnrschidenden Wortes geirrt. Und irrig ist auch die- Eharakterisierung des Judentums, die er darapf aufbaut. •,;:? T-enn das Iudent u m ist keine Religion bloß des Diesseits,'fo hoch es diese Welt auch stellt. Seine Offenbarung wie sein Gebot kreisen um Gott. Aber der Gehorsam gegen Gott muß sich in der' Welt der Menschen erweisen, in Familie und Staat, im Handel und Wandel. Sei:; innerstes Wesen spricht aus dem Worte der Schöpfungsgeschichte: ..Gott segnete Adam und Eva und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch, füllet die Erde und machet sic euch untertan?" Allo menschliche Arbeit an der Kultur der Welt erscheint daher den; Juden* tum als die Erfüllung dieses göttlichen Segens und dieser göttlichen Derustrug. Der schassende Mensch heißt im Talmud Gottes Genosse bei der ewigen Weltschöpfnug. Ziel der menschlichen Tätigkeit ist „die Vollendung der Welt durchs das Reich des Allmächtigen". Äo Welt ist dafür der notwendige Schauplatz/nicht mehr. „Diese Wels;st die Vorhalle zur künftigen", sagt der Talmud. „Rüste dich in der Vorhalle, fr cum t du würdig seiest, in den Palast einzutreten? Mit dieser Auffassung yon Gott, Mensch und Welt bildet das Juden.tuu; allerdings den Gegenpol zun; Evangelium. Denn die Botschaft Christi setzt überall voraus, daß „die Gestalt dieser Welt vergeht". daß ihr Ende unrnittelbar bevorstehe, und das; die Arbeit sür sie keinen Sinn mehr hübe. Darum ist allerdings das Evangelium gleich,zülrig gegen die Welt. „Vom Staate ist in Jesu Ethik nicht die Rede", sagt Ernst Troelchsch. ß.<r.ozia!lehren der christlichen Kirchen und Gruppen", 6. Ausl. S. 4s fs.) „Das wirtschaftliche Leben wird nüt einfachster Kindlichkeit als eine Angelegenheit des Tages betrachtet, wo man Gott für den kommenden Tag sorgen lassen soll. Es fehlt jedes Progranun einer sozialen Erneuerung." Die von Hellpach erwähnte „einseitige Bedeutung der christlichen JenseitigkeiislehrG war in Wirklichkeit oft die Verzweislung ernster Ehristeu. „Auch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.