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Central-Verein-Zeitung · 1928-03-16 · 11 (16.3.1928) · p. Seite 141

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
11 (16.3.1928)
Date
1928-03-16
Page
Seite 141 (sequence 1)
Language
German
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Slvpe, Proiekiron und MisHshs. Wichelm Schaefer. der Berfasser der herrlichen 7,13 Bücher der deutschen Seele", hat im Jahre 1925 in einer nicht genügend beachteten Rede zur Judenfrage Stellung genommen'). Anknüpfend an eine Bemerkung des Meistert Eck hart von Köln: „Was der Mensch Liebt, das ist der Mensch!" führt er aus: „Sofern es also Liebe zum deutschen Wesen wäre, was sich im jüdischen Deutschen .mit dem deutsck^n Doll verschmelzen. will, so müßten nach dieser Weisheit die Bedenken der Rasse schweigen." Alle diese Betrachtungen, mögen sie von noch so bedeutenden Männern ausgehen, leiden an dem selbstverständlichen Mangel, daß man uns in Wirklichkeit nicht genügend kennt. Man sieht nur Ausschnitte, verallgemeinert Einzelerlebnisse, stützt sich auf literarische Erzeugnisse und übersieht das Denken und Empfinden der großen Masie der Juden, das in ganz anderen Linien verläuft, als die schriftstellerische Betätigung .einiger begabter, aber einseitiger Schriftsteller vermuten laßt. Diese Betrachtung drängt sich uns wieder auf, wenn wir das Kapitel über die Judenfrage lefen. das Profesior Hettpach seinem letzten Werk „Politische Prognose für Deutschland" eingefügt hat und das wir in Nummer 5 der „E. B.- Zeitung" abgedruckt haben. Das Buch als Ganzes bedeutet eine hervorragende Bereicherung unseres Schrifttums. Es zeichnet sich aus durch wunderbare Klarheit der Gedankensührung, durch die Beherrschung eines umfassenden Wissens und den Wunsch, in seelische Zusammenhänge von Volk und Stamm, von Nation und Menschheit. von Gegenwart und Zukunft einzudringen. . Kein Geistiger sollte an diesem Werk') vorübergehen: jeder, der sich ein Urteil bilden will, findet hier reichlichen Stoff, der musterhaft kritisch dargestellt ist. Sicherlich werden an vielen Stellen Fragezeichen zu setzen sein. Aber gerade dieses Auftverfen von Problemen, dieser reilweise kühne, immer aber geistvolle Weg, Folgerungen ans nicht immer sicheren Voraussetzungen zu ziehen, regt in ganz besonderem Maße zum Nachdenken an. Was Hellpach in den ersten Sätzen seiner einleitenden Kapitel über das deutsche, Volk und sein Wesen ausspricht: „Die Deutschen sind kein Rassevolk.' wer sie gewigermaßen dazu macht und ihr Volkstum auf Raste, ihr Nationalbewusstsein auf reinen Instinkt gründen will, wird unausweislich zum Zerstörer am Deutschtum", schlägt die Brücke über den Abarund, den deutschvölkische Denker und Schriftsteller aufgeristen haben. Hier wie auch bei vielen anderen Problemen, die Hellpach anoreift, sieht er im wesentlichen richtig und findet klärende Worte. Jedoch von dem oben erwähnten Abschnitt über die Judensrage kann man das nicht in gleichem Maße behaupten. Eine Auseinandersetzung ist nötig; sie muß sich auf vier Punkte erstrecken. l) Wilhelm 8 d) o c f c r: „Die deutsche Judensrage', eine Rede in Berlin. M'rlag van Georg Müller in München. s) Verlag S^Fi scher (Berlin). 1. Religiöse Mißverständnisse, die weiter unten Rabbiner Dr. Mar Eschelbacher behandelt. 2. Die Auffassung von der Bedeutung der ..Sippe" im heutigen deutschen Judentum. 8. Die Frage der Mischehe. 4. Die Stellung der Juden im öffentlichen Leben. Hellpach findet rm Judentum, weit verbreitet eine besondere Art Vorliebe für Verwandte, die sich praktisch in einer sehr ausgeprägten „Sippenhilfe" und in vielen Verwandtenheiraten zeigt. Tie Konstruktion eines solchen Zusammenhanges ist unrichtig. Die Verwand t e n e h e n sind nicht eine Folge der Sippen Hilfe; sie erklären sich aus dem verhältnismäßig engen Kreise, den die Juden in einer Umweit von mehr als sechzig Millionen.Andersgläubiger darstellen. Die Verwandtenehe entspringt also eher einer Rot als einer besonderen Vorliebe. Die gegenseitige HUfe aber ist eine Folge der religiösen Vorschriftendes Judentums. Selbst die größten Judengegner erkennen die Wohltätigkeit des Judentums an. Diese innere reügiöse Verpflichtung ist traditionsmaßig auch da noch wirksam, wo die sonstigen religiösen Bindungen gelockert sind. Sie äußert sich Armen und Bedrückten gegenüber und wird naturgemäß in erster Linie innerhalb der eigenen Verwandtschaft erfüllt. Wenn weiter getadelt wird, daß im gesellschaftlichen Umgänge mit einzelnen Juden sehr bald auch ihre Vettern und Basen aller Grade zugeführt und anempfohlen würden, so ist zunächst diese Tatsache als eine A l l g e m e i n c r s ch e i n u n g zu bezweifeln. Würde sie aber zu treffen, so ist ihr Grund vielleicht darin zu suchen, daß wir heute leider im Zeitalter der Protektion leben, ohne die man ja wohl kaum mehr Straßenfeger werden kann. Der nicht unbekannte Vorwurf stammt aus Universitätskreison. Dort wird häufig behauptet, daß jüdische Prosestoren jüdische Dozenten, zu denen sie in freundschaftlichen Beziehungen stehen, nach sich ziehen. Geschieht dasselbe bei den Alten Herren der Korvs und Burschenschaften, so findet keiner etwas dal>ei. Ist der junge Gelehrte fähig und geeignet, so ist gegen ein solches Borgeheu sicher nichts einzuwendem Ist er ungeeignet, bekommt cr also trotz mangelnder sachlicher Eignung lediglich der Protektion halber einen Pouen. so müßte es gwich verwerflich sein, ob er Jude oder Richtjude ist. Das will aber der Vorwurf, der allgemein erhoben zu werden pflegt, nicht besagen. Sobald es sich um einen Juden handelt, dem die Protektion gilt, schaltet sich auch bei Hellpach ganz automatisch der GenckstsPunkts der Prozentzahl ein. Rur ja nicht die Prozentzahl übersteigen lagen! Wir haben hier einen Juden, das ist genug: einen zweiten wollen wir nicht! Hier liegt der Kern dieser Dinge. Werden wir, was Hellpach ja will, einmal zu einer völlig objektiven Wertung des Charakters und der Fähigkeiten eines Menschen kommen. Io wird man auch die „Sippen-Angehörigen". sei es nn Amt. sei es in der Gesellschaft, nur nach der alleinigen Maßgabe ihres Charakters und ihrer Fähigkeiten a l) l c l) n e n o ö c r a n n c 1) m c n. A b w e h r r e g u n g e n gegen das Judentum worden nach Hellpach auch dadurch l>ervorgerufen. daß es an Orten, die aufzusuchen sich nur der Begüterte leisten kann, vielfach von Juden „wimmele". Wir kennen diese Beobachtung; wir wissen aber, wodurch sie zu erklären ist: Zunächst sind cS gewisse Kurorte und Bäder, in denen sich größere -Mengen jüdisci)er Besuck)cr auszuhalten pflegen. Von alters l>er haben die Juden viel Wert auf dre Pflege der Gesundheit gelegt. Ist die Hpgiene im alten Israel bereits ein besonders ausgeze'ichn.-ter ' Teil der damaligen Kultur gerocsen, so haben in der Bedrängnis die fi II I

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