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Central-Verein-Zeitung · 1928-03-09 · 10 (9.3.1928) · p. Seite 132

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
10 (9.3.1928)
Date
1928-03-09
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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1.32 ML'LM Tonvcrbcricht für die ,.C. B.-Zeit«,!g". ,r, LSicsbaden, 5. Marz lü.6. Am 6. Mürz 1927 ftatte der j-idüche Landwirt Hcrwan» r> c n u i q an« N astärte » im TüumrI eine Bcrsattiliümig U! das dortige Hotel (ji :i u {i* i! n: mir Cent Thema ,/Xuv mal)re ^)C{trf)i tcr 'Jiatijitnl'*03:11 ItftcK". fd* Redner waren Qoei|Ui:'.;: ver'chicdcner 3lon?effio:iiin ^ovou'fcfji'ii. Am die Anlündigung der Vcrmnunlung in der Zeitunz waren Hakeukretlzlergruppen aus Köln, N e u - mied, KobU\\i>, tiO i e s b a d e n uub anderen £rtcn nur Lastautos her bei geeilt, um gegen die Veranstaltung zu chmonitrieren. Tie Versammlung wurde aber noch vor ihrem Beginn van den anwesenden Landjägern wegen Uccerfüllung des Saales verbeten; deshalb begaben sich die Teilnehmer ins Freie, und der nationalsozialistische Gauleiter des Bezirks Rheinland, der bekannte Tr. Leu. hielt von einein Auto herab eine Rede, die nur den Worten 'schloß: „Nassauer Bauern, verteidigt euer Eigentum, und wenn es mir der Mistgabel sein müßte." Tie Erregung, die alle Teilnehmer ersaßt hatte, säurte zu Wortgefechten und schließlich zu Tätlichkeiten, in deren Verlaus der Einberufer der Versammlung, Herrn ig, einen Tritt ihji* den Bauch erhielt und zwei andere Juden ans der Umgegend Nastättens verprügelt wurden. Hennig, der sich in das Hotel Guntrum begeben hatte, sah, wie ein Nationalsozialist auf einen Inden einschlug und versetzte deshalb vom Fenster aus einem Angreifer mit der Fällst einen Hieb. Dieser schlag war d a s Signal s ü r eine u Sturm aus das Hotel, in dessen Verlauf die bedrängten Landjäger von der Waffe Gebrauch machten und dabei einen jungen Nationalsozialisten tödlich trafen. Wegen "dieser Vorfälle hatte die Staatsanwaltschaft Wiesbaden Anklage gegen 18 N a t i o n a. l s o z i a l i st e n wegen L andsriedonsbruchs und gegen Hennig wegen gefährlicher Körperverletzung erhoben. Die für den 28. Februar 18*28 anberaumte Verhandlung, für die vier Tage vorgesehen waren, bildete seit Wochen das Tagesgespräch in Wiesbaden und war eine Sensation für die völkische Presse. Mit großen Worten waren als Verteidiger der aus den Fememordprozessen bekannte Rechtsanwalt Tr. Sack (Berlin) und der Kronanwalt der Münä)ener Hitler-Leute Tr. Frank II angekündigt. Erschienen war jedoch nur Rechtsanwalt Tr. Sack, für dessen Unkosten die Wiesbadener Nationalsozialisten am Abend des zioeiten Verhandlumostages in einer öffentlichen Versammlung den Klingelbeutel rührten und an Ort und Stelle eine Sammlung Vornahmen. Der jüdische Angeklagte Hennig wurde von Rechtsanwalt Tr. Martin Marx (Frankfurt a. M.) vertreten. Der Verlauf der Verhandlung brachte den in großer Zahl von auswärts erschienenen Nationalsozialisten und Pressevertretern dank der vorbildlichen und sich ans den reinen Prozeßston beschränkenden Leitung des Vorsitzenden, Landgerichtsdirektors Tr. Sellhorn, eine große Enttäuschung. Unter Wealapung aller Nebensächlichkeiten, insbesondere aller politischen Gesichtspunkte und Gegensätze, wurden sowohl Angeklagte wie Zeugen nur insoweit vernommen, als dies die zur Verhandlung stehende Tat erforderte. .Infolgedessen konnte auch der Gauleiter Dr. Ley (Köln) seine ofsenbar vorbereitete politisll)e Rede nicht an den Mann bringen, sondern wurde nach Beantwortung einer einzelnen Frage als entbehrlich entlassen. Der zu Beginn der Verhandlung ausgesprochenen Bitte des Vorsitzenden, jede politische Schärfe zu vermeiden, trugen, luic am Schlüsse der Berl>andlung nochmals anerkannt wurde, alle Prozeßbetelligten Rechnung. So"wurden denn die Anträge der Staatsanwaltschaft und das Urteil selbst in aller Ruhe ausgenommen. Während die Anklagebehörde gegen die 18 Angeklagten die Mindest g e f ä n g n i s st r a s e von je sechs Monaten forderte, beantragte sie gegen Hennig eine G e l d st r a f e v o n 3 00 Mark wegen hinterlistigen Neberfalls und ließ die Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung fallen, weil bei den widerspruchsvollen Zeugenaussagen den Angaben des Angeklagten, daß er nur mit der Hand geschlagen habe, Glauben aeschenlt worden müsse. Das Urteil lautete sür cls Angeklagte aus je sechs Monate Gefängnis ruft Bewährungssrist nach Verbüßung von ein bis drei Monaten der Strafe, für sieben Arrgettagtc auf Freisprechung und für Hennig auf Einstellung des Verfahrens nntcr Arrscrlcaurrg der Kosten ans die Staatskasse. In der Begründung führte der Vorsitzende aus, daß entsprechend dem Vortrag sämtlicher Verteidiger nur ans die Mindcststrafe erkannt worden sei, um die Angetlaaten nicht zu Märthrcrn zu stempeln und keine neue VcrbiLtcrung zu schaffen, sondern das sricdliche Zusammenleben zu fördern. Bei Hennig wurde entsprechend den Ausführungen -seines Verteidigers anerkannt, daß der in nervöser Aufwallung geführte Schlag nicht als hinterlistiger Ueberfall zu erachten sei, daß aber für die Bestrafung wogen einfacher Körperverletzung von dem Verletzten der -gesetzlich erforderliche Strafantrag zu stxit gestellt worden sei. Ls steht zu hoffen, daß dur-ch die Reinigung der Atmosphäre, die der Prozeß zweifellos gebrachst hat, die politischen Gegensatz in Nastätten und Umgebung in Zukunft nicht mehr. Formen annehmen werden, die das sriedlicoe Zusammenleben der verschiedenen Bevölkern ngs! lassen beeinträchtigen. ZiosüWche PeSsrai®. Ein Beitrag zur Psychologie des roten Tuches. Bon Rabbiner Dr. B. Jacob (Dortmund). lütter dem Titel: ..Rabdmer Tr. B. Jacob.' Ein Beitrag zur Psychologie der Assimilation" hat in der „Jüdischen Rundschau" (Nr. ll vom 17. Februar TJ2S) Tr. Ern st Tinten (Frankfurt a. Mü Herrn Rabbiner Tr. Jacob am's schärfste augegril'eu. Es ent-- spricht dem Gebote der Gerechtigkeit, Herrn Tr. Jacob, tlnserem Hauptvorstandsruitgllede, zu einer ungeschminkten Erwiderung hier das Wort zu gck'en Die S ch r i s 11 c i t it n ü- „Zionismus verdirbt den Charakter." Selbst Leute, von denen man Besseres erwartete -- von berufsmäßigen Agitatoren sehen lui-v ab —, verlieren alle Besinnung und das Gefühl für geziemenden Abstand und Anstand, wenn sie als politische Zionisten polemisieren. Das Buch von W i en e r: „K r i t i f d>c -Keife bur ch Pa l ä st i n a", hat für diesen politischen Zionismus eine nict>exf11;iuc11ernbc Wirkung gehabt. Nachdem die Zionistische Vereinigung für Deutschland schleunigst eine Gegenschrift von- Richard Lichtheim horausgebrache har, erübrigte noch, den Schreiber dieser Zeilen abzumrrrksem der im letzten He st des .„Morgen"' die Schrift von Wiener zustimmeud besprochen, und dabei einige unverblümte Aenßerungen gewagt, hat. Dieser Ausgabe meiner Hinrichtung hat sich ohne Scham und ohne Gram, mir aller Unverfrorenheit der Jugend, Herr Dr. Ern st Sinnen in der Nr. 14 der.jüdischen Rundschau" unterzogen. Al? ich vor einigen Jahren in der „Nnudsazau" angepöbelt wurde, soll - wenn ich recht nttterrichtet worden bin — selbst in diesen Kreisen Einspruch dagegen erhoben worden sein, und jetzt stößt ein Tr. L-imon — auch du. mein Sohn Brutus? — in derselben „Rundschau" in dasselbe Horn. Ich bin nach ifjtn: ein alles Blaß vergessender, böser Hetzer gegen die zionistische Palästina-Arbeit —, meine Tonart ist rüde und ungebildet —, meine Schmähungen sind wohl ab sich! ich verletzend —. höhnisch wird von jener Wahrheitsliebe gesprochen, die mein hohes Amt gebietet—, ich werde mit dein Rosclio in der Ilagada verglichen, und schieß lieh fehlt auch ein kleines Denunziatiönchen nicht, indem der deutsche Staatsbürger Zionistischen Glaubens. Ernst Simon, das germanische „Gemür" im Namen der zionistischen Humanität (!) gegen mich in Schutz nimmt: lauter ..Feinheiten". die wahrscheinlich dns Entzücken der' Geftnnungsgenosien Hervorrufen, jedoch an die' übelsten Gepflogenheiten eines gewissen Schornalismus anknüpsen. Aber es gibt einen mildernden Umstand sür mich: Ich soll ein großer Gelehrter sein und mir durch meine wissenschaftlichen Arbeiten Verdienste erworben Huben. In ihnen sei ich ganz Jude nsw. Alm ein Mann, der ganz Jude und doch Gegner des Zionismus ist! Das ist ein für den letzteren fatales Faktum. Denn das unbefangene Urteil wird daraus schließe, daß man also nicht Zionist zu sein brauche, um ein ganzer Jude zu sein, ja. daß dieser Vtann, dessen jüdisches Denken und Fühlen mannicht wohl in Zweifel ziehen kann, der sich immer gegen vulgären Liberalismus und selbstmörderische Assimilation erklärt hat, der auch keineswegs die hurrapatrionsche Trompete bläst, eben wegen seines ganzen Judentums, aus seinem biblischen Zentrum heraus den politischen Zionismus ablehne — als Verweltlichung, also Enkscelung des Judentums oder doch als minderwertigen Religionsersatz, als Fälschung der wahren, religiösen Zionsidee, als aus unhaltbare Romantik gepfropften llnlitarismus. als Materialismus und Götzendienst des Bodens, als Nachäffung des modernen Nationalismus. und seine biblisch-talmudischc Begründung als eine Erschleichung, nicht zu reden von der Unwahrhaftigkeit und Schädlichkeit zionistischer Diplomatie. Taktik und Agitation. Ein solches Urteil wird noch durch die Erwägung verstärkt, daß dieser Mann von seiner Gegnerschaft offenbar keine Vorteile, sondern nur Nachteile^hat, sei es auch nur den, voit Zeit zu Zeit in der zionistischen Presse als ein- Ungeheuer hingestellt zu werden. ARw für den fanatischen Zionisten mit seiner sehr einfachen Psrchologie sind solche nabeliegenden Schlußfolgerungen natürlich mi mögt ich. Dieser Manu ist vielmehr. da der Zionismus selbstverständlich die Wahrheit ist, ein pstzckwlogisches Nätscl. Aber die Lösung ist llar: ..Spaltung des Bewußtseins. Berdrängnng. Auslösung eingeklemmter Affekte" (was mir freilich 31: hoch ist): Wissenschaft noch Leben sind bei diesem Gelehrten auscinattdergesallen, er ist nicht, wie z. B. Professor Gutkmann. in Iertlsalern. sondern immer nur in-Tortntnnd gervesen; er hat beinahe als einziger und sicher als letzter die Umkehr nicht nütgemacht; er ist eine Bersteinerintg aus denr sRusemnS Prosesior Gull manu ist allerdings zu Vorlesungen nach Jerusalem gegangen — aber dageblieben ist er nicht. Es ist'auch wahr, daß ich noch nicht in Palästina gctvesen bin. es hat mir noch keiner eine Reise dorthin geschenltF und das Rabbinat Dortmund hat das nicht al>getvorfen. Es ist auch nicht sicher, ob eine Reise dorthin bei dem guten Nachrichtendienst der Ziortistau sür mich ohne Gefahr sein würde, nachdem Herr Siutou mir mit ben ..ungewohnten Händen" der Chaluzim gedroht hat. Es ist aber nicht wahr, daß &von den deutschen Rabbinertt der einzige Gegner des Zionismus Ich kenne deren viele, aber es hat freilich nicht jeder Lust, sich begeifern zu lassen, und ist rücht schon durch allerll.si Kämpfe so abgehärtet wie ich/ ' Webe dem Rabbiner, der sich den

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