Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 10 (9.3.1928)
- Date
- 1928-03-09
- Page
- Seite 133 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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133 ift die Wähl eines crftkUffigen und elnwjndfrrie^ ' Hdulpfiegemittels^?**—\ ’urdsrtMmud(MLC «fern tdgUdien Wdfdwaffet zugsletz! erfrifdit. re* pigt, klar! und befähigt die Häut dus ebener Kra$ gefund und fchön zu /ein. Heinrich Mack Nachf., Ulm a. O. Zionisten erügegenzustellen voazll Es ift ihre Softif, ihn gleich mit Hübeln zu überschütten, so das; cr sich erschrocken znrückzicht. Lei mir hat sie bis jetzt nicht verfangen, lind auch die andere, mich durch Lobspräche zu gewinnen, wird es nicht. Ich sage auch hier: Nicht von deinem Stachel und nicht von deinem Honig! Daß ich aber noch keine Mumie, sondern Gott sei Dank noch rocht lcb-eudig bin, dursten am Ende schon diese Zeilen beweisen. Die Hauptsache ist, daß Diener mit den von ihm angeführten Tatsachen recht hat, und daher die arge Verstimmung. Ick) selbst soll erstens das jüdische Volk, _ zweitens das jüdische Land beleidigt haben. Jenes ist geschehen, indem ich Elzaim Weizmarrn den Obermeister der Agitation für zionistische Geldsammlungen genannt habe. Aber ift er denn das nicht? Und, füge ich hinzu, ist es nicht ein Skandal, daß für Herrn Weizrnann Banketts veranstaltet' werden, auf denen im Handumdrehen Zehntausende gezeichnet werden, während gleichzeitig unsere rabbinischen Lehranstalten im ganzen Lande betteln gehen müssen, um sich nur über Waller zu halten? Sind diese Anstalten, die uns unsere Rabbiner und Lehrer ausbilden. nicht wichtiger als das Erperimeut der Universität in Jerusalem mit ihrer bicchemischen Abteilung rr. cl? Mein zweites Vergehen' ist, daß ich — schrecklich zu sagen Palästina Palästina genannt habe und davon als von ..diesen: Lande" rede. Ich hätte nämlich Erez Israel sagen nutzen. Zunächst nehme ich schon au der Wortsorm Anstoß (wenn Erez, warum Israel und nicht Jisrael?). Sodann führt es selbst in der Bibel nur sehr selten diesenRamen. Ferner ist es gegenwärtig gar nicht allein das Land Israels, sondern zu drei Vierteln das Land der Aral>or. Endlich ist cs zwar das Land „unserer" Vater, d. h. unsere gemeinsamen Vorstchrcn vor Lausenden von Jahren haben darin gewohnt, aber nichts das Land meiner, d. h. meiner unmittelbaren Vorfahren. Mein Vater, Großvater, Urgroßvater usw. haben nicht in Palästina gelebt. Genau denselben Sinn hat das (sehr seltene) „Land der Väter* in der Bibel. —- Mit „dieses Land* meinte ich natürlich das eben ^genannte. Geringschätzig wäre es (nach Sanh. 100a) gewesen, wenn ich „jenes Land!* gesagt hatte. Herr Simon hat mich auch hier nicht versanden und sich unnütz aufgeregt. Die Verblendung dieser Fanatiker zeigt sich am deutlichsten an ihrer Verwunderung, wenn sie einmal von unseremem ech'jüdische Töne hören. Als wenn sie allein das jüdische Herz geachtet haben, wie ja auch nur sie echte Humanität besitzen lind überhaupt die Welt richtig verstehen. Das allerdings gebe ich zu. daß der Zionismus bei einem Teil der jüugereu Generation — Herr Dr. Simon selbst ist dafür ein Beispiel — ein freudiges Verständnis auch für die geistigen Inhalte des Judentums geive.rst hat. das sonst schwerlich entstanden wäre. Er hat dieser Jugend eine jüdische Seele gegeben oder ihr Schwung verliehen — wenn nur nicht Politik und völtischer Geist wieder alles verdürben. Die Verdienste der „Bewegung* als eines Vehikels habe ich immer anerkannt. Durum gehen wir gelinde um mit dem Knaben Absalom. — Ich wiederhole, was ich schon oft gesagt habe: man befreie den Wiederaufbau Palästinas (meinetwegen Erez Jisrads) von der Verquickung mit uatioualjüdisckm Tendenzen und alle Gegner, scha f t wird s o f o r t a u f h ö r e n; man unterlasse es vor allem, vie in Deutschland eingewurzelten Inden für diese Tendenzen einspannen zu wollen; man pflege den israelitisch-religiösen Volksgedanken, ohne Volk und Nation zu verwech'eln. Und schließlich, ums allerdings nicht leicht scheint, man erziehe eine anmaßende Jugend zur Bescheidenheit. Diese Jugend soll erst einmal etwas mehr leisten als dünkelhafte Zeitungsartikel, ehe sie sich anmaßt, über das Alter zu Gericht zu sitzen. ttnser Recht a ❖ Eine Kundgebung des C. V. gegen den Boykott jüdischer Angestellter. Die Hauptversarmnlrmg des Ecntraloereius hat in mehreren Neieraten und Kundgebungen auch zu der Frage des Boykotts gegen jüduche Angestellte Stellung genommen. Immer wieder wurde betont, daß nur Steigerung der jüdischen. Leistung und A u f k l ä r u n g in der Oeffentlichkeit hier Abhilfe schaffen können. Die Ortsgruppe Be r l i u - S ch ö n e b c rg des (5 e n t r a l v e reins begann mit dieser praktischen Aib-sitt gegen den Boykott durch eine öffentliche Versammlung am 2S. Februar. Mehr als 400 Personen füllten die Aula des Werner-^-iemens-Gymnasiuins in Schöneberg bis auf den letzten Platz. Unter den Anwesenden war viel Jugend, dr? die Auswirkung dieses 'Boykotts in ihrem Leben schon erfahren hat, aber auch viele Aeltere, die mit Besorgnns dem Lobrnsknmps ihrer Sohne und Töchter entgegen sehen. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Sckcknebera des, Eentralvcreins, Dr. Stephan Stcirrhartcr, begrüßte dll Versammlung mit dein Hinweis, daß cs darauf ankäme. der Sacke zu dienen, und vH; man daher die Anprangerung van Personen im In Arme des Gelingennuferer Arbeit nntcrlassen möge. Dann bewies Tr. Norbert Einstein, daß der Arbeitsmarkr für den nicht selbständigen Ju.ben enger geworden, vor allem aber schwieriger als für' den Nichtjudcn geworden ist. Diese Tatsache gewinnt an Bedeutung, wenn man im Nabmen der gesamten Wir ttckocktt Entwicklung erkennen muß, daß der Kreis der nicht selbständigen. Juden zürne men. muß. D<nn der Kollektivismus in seinen verschiedenen Formen drängt den jüdischen Einfluß zurück. Große (meist nicht jüdische^ 5wnz.rn.e vermindern die Kraft der kleinen jüdischen Firmen. Dir Konzernsck-atten den Handel aus. TiuZ allen Diesen Gründen ist cs eine Lebensfrage für das Judentum, nicht nur Die Durch die (sintwickirrng dcdingtcn Wrrtschafröverll',stc aözuwchrcn, sondern vor allem mir aller Schärfe gegen Den Direkten Kampf, so in der Vovkomform. vor;ugeben. Der zweite Redner. Direktor Gerson Bach, der Syndikus des Verbanoes Deutscher Waren- und Kaufhäuser. vertrat die Ansicht, daß die Perso nah ch e f s. besonders jene, die aus DÜizierskrei'en gekommen find, in vielen Fällen schuld an der o u t f: cf f e ti u r. g jüdischer Angestellte r feie n. Man mü'"'e die G e s ch ä f r s l e i i u n g e n mit einwaudsteiem Material über die Tätigkeit solcher Personalchefs unterrichten. Dann sprach d-er Direktor des Eentrockoereins. Dr. Ludwig Holländer, von der immer steigenden Gefahr der ..gesperrten Bernne'.^ Die Unmöglichkeit für Juden, unterzukom.men, so führte cr aus. wächst ständig. Der Wille, zu erkennen, ist in uns vorhanden, und wir worden auch die Tatkraft cnvbrmgen. dos Erkannte zu besiern. G-etragen werden wir dabei von der Verantwortung, die uns zunächst sagt, daß mit Schreien und Schimpfen, daß mit demagogischen Volksr-ersammckungen nichts getan ist. Tiefe Verantwortung lehrt uns auch, uns von unnötiger Schwarzmalerei fcrnzuhalten und vor aller: Trugen Einsicht in verr Entwicklungsprozeß der kommenden Tinge zu gewinnen. Ter ganze WiAsck)astsvrozeß der heutigen Zeit muß beleuchtet werden. Und wir münen uns darüber klar sein, welche Kräfte wir und welche Kräfte unsere Gegner aufbringen können. Unsere Kruste sind nach keiner Richtung hin erschöpft. Wir werden sie in. unserem Eentraloerein zusanunenzufasieu wißen, und wir feben in ihm die am besten geeignete Stelle, zu bessern und die^ vorhandenen Miß stände so gut wie möglich zu besteigen. Zwei DuZschüpe des Eentraloereins toerden sich schon in den nächsten Wochen zu einer nachdrücklichen Behandlung der prakrnck-en. Arbeit zu'ammenfinden. Redakteur Artur Schweriner forderte alle, die guten Willens seien, aus, die Arbeit des Eentralvereins, die dem Jüdisckx'n Arbeitsnachweis bereits sehr zustatten gekommen sei. opferwillig zu unterstützen, damir das verlorengegangene Terrain wieder erobert werden könne. Tic Sozialgesellige Vereinigung, die die Not jedes Mitgliedes als dieeigene Not empstnde, packe innerhalb ibrer Gern.eiwckast das Problem des Boykotts mit deru Herzen an und fieOe, so gut sie könire, um die flllrbeit des Eentralvereü^s, des Jüdi'cken Arbeitsnachweises und aller derer, die sttzt mithelfcn wollen, zu stützen- Die Haudeteschülcrin Hildegard WolssfelD bewies, daß das beste Mittel gegen den Boykott eine gediegene Vorbildung fei. In der Aussvrackc erörterte der Lcircr Dcs -Jüdischen Nrbcitönachwciscs, Dcrr Ruvcl. die Frage, in welcher Weise praktisch den jüdischen Llrbeitslosen zu ihrem Recht auf "Arbeit verholfen werden kann. Die wichtigste Einrickttrug. die praktisch hier Hilfe leistet, ist der Jüdische Arbeitsnachweis, der in Berlin allein im Jahre 1lS7 etwa 6 0 0 9 Arbeitsstellen für jüdische i)lrbeiLsLose besorgt bat. 'Aitgesickis der hier vorgebrachten Tackachen ist es klar, daß für de'n jüdischen 'Arbeitnehmer der jüdische "Arbeitgeber doppelte Bedeutung h-at. sind es ist deshalb die Pflicht jede? jüdnmen Menstven. der aus derartige Dinge Einfluß bat. dahin zu wirken, daß jüdi'che Arbeitnehmer bei der Besetzung von Stellen zur Konkurrenz n:i!berange)ogen und bei gleichwertiger Leistung berücksichtigt lrxndeu. Girekror Hugo Onberg verlangte, daß man auch mH denjenigen ins Gericht gehen sollte, die als Indcn den Boykott jüdischer Angestellter begünstigen. Dr. Arthur Arorck-eirrr, Betriebsleiter in einern großen Konzerrr erklärte, cs gäbe nur noch eine geringe Zahl von Konzernen, die jüdische Ingenieure anstellen. — Die kallsinännsiche Angestellte Hallst.. Dorchardt berichtete unter großer B-N'^glulg der Versammlung über einen unerhörten BoY'otp'all. den sie selbst erlebt habe. Der Handelsbochickülcr Envin Lewin meinte, daß akade- Mischer Kaufmann z:nd Lehrling hinterm Ladentisch in dieser Frage treu zusarnnnnhalten ruü'stn. \\^nn cirnas Nützliches erreicht werden soll. — Schließlich wies^ Frau Margarete Fried auf die Schwere des Wirt schalt skampsts für Männer und Frauen hin und verlangte nach dem Grundsall der Verfassung: Freie Bahn dem Tückstigen. D<r Vorsitzende Dr. Stephan^ Stein;>errter schloß die Uwhlgelungene G. V.-Bersannnlung ruck der Feststellung, daß ihr noch andere in anderen Stadtteilen folgen werden, um für distill-, gegen den Boykott gerickttv Arbeit divo'w-n.dige Rckonanz zu schaden.