Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 10 (9.3.1928)
- Date
- 1928-03-09
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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i W & äff Vf vf Vf r V viiiuM^U ^7 V V *Ö<W I,.,’ „\hMi.Vl k^ivü' vf , ß\*y* ✓Vf vM 6^f:liM iuii'uyü vvvU kyk/ k^kyvW VVV^ eine Nackt auf dem Mx". - .Korrmaffags" für gegmri'jcke Vresfevertreker. - Censatiönel!e AnkunLlgungm au den mM< Men» - Eiut GöbbersGecsammlung in den MrZnS'Zejijaien. - LngehenLrlrche Anfckuidigungrn ersrn Zufirz und AslLzri. Di'' Nationalsozialisten in Berlin haben viel Geld. Ihr Führer Göbbcls muh Quellen kennen,.die nie versiegen. Das Leibblatt des Herrn GöbbelS „Der Angriff" erfordert sicherlich gewaltige Zuschüsie, die M i e senr e k l a m c an den L i t f a ß - S ä u l e n verschlingt im Laufe der Monate ungezählte Tausende, und /wer in Berlin mit dem Vereins- und Bersammlungswesen Bescheid weiß, wundert sich immer wieder aufs neue, woher Herr Göbbels die Mittel hat, die größten Säle Berlins zu mieten und in der Hauptsache mit N i di t Zahlern zu füllen. Da in der republikanischen Reichshanptstadt steiniger Boden für Leute vom Schlage eines Göbbels ist, müssen neue Agitationsmethoden herhalten, um Mitkämpfer zu gewinnen: Maskenball und R e k i a nt c f c u f a t i o n, Kopfmassage und Versa m m - lungsradau. Sehen wir uns einmal Herrn Göbbels bc: dieser Arbeit an. M r Berliner Typenunb Trachtenfeft: „E i n e Nacht auf dem A l c r " (Berliner Ausdruck für Polizeipräsidium auf dem Alerauderplaß). Veranstalter: „Der Angrifs"-Ver!ag. Zahl der Teilnehmer: 600 Personen. Ausstattung des Saales: Am Eingang ein Schild mit der Aufschrift: „Prima Standesamt." In der Nähe der Bühne eine Litfaß-Sänle mit Illustrationen, darunter ein Bild mit der Aufschrift: ..Der jüdische Herr von Berlin, der Polizeivizepräsident Bernhard Weih". Ebenso wird Georg Bernhard verulkt. Andere Anschläge lauten: „Arbeiter, so sehen deine Führer aus." „Kauft nicht in jüdischen Warenhäusern." „Ein Hund niedrigster Nasse, aus den Namen Sido hörend, hat sich unauffindbar verlaufen. Der Hakenkreuzschutzvcrband." Die Masken und Trachten stellen dar: Isidor, Pfarrer Stucke, vom Finanzamt Ausgeplüwderte, Notfrontkümpfer, Fememörder, geheime Bernhardiner, Jacob Goldschmidt, Freimaurerloge, und besonders geschmackvoll: „Ich bin koscher, hier wird geschachtet." Auch einen „Schlager" hat Göbbels gedichtet: „So lang' die blauen Sipo noch Unter den Linden stehen. Den Gummiknüppel schwingen, wenn sie zwei Nazi sehen. So lang' die Isidoren noch herrschen in Berlin, So lang' wird unsere Liebe zur Republik nicht blühn." Höhepunkt des Festes: Der Isidor-Darsteller wird umringt, verprügelt, auf die Bühne getragen und nachher zum Saale lzinauögcworfen, kommt jedoch wieder. Diesem Auftakt folgt richtiggehendes Theater, eine Revue der Politischen Charakterköpfe. Grzesinski, Marx, Stresemann muffen herhalten. Der Führer des Jungdo. M ah raun, kommt als Säugling auf die Bühne und spricht nur den einzigen Satz: „Ich anerkenne die Juden als vollberechtigte Staatsbürger." Jacob Goldschmrdt schwingt die Peitsche über eine Arbciterfamilie. Hirrdenbnrg ruft hinter der Bühne: „Seid einig, einig!!", während ein Arbeiter die Peitsche Jacob Goldschnridts küßt. * Nicht weniger harmlos ist die Faschings Methode des Herrn Göbbels an den Plakatsäulen der Neichshauptstadt. Das Groß-Berliner Anschlagwiff*m liegt in den Händen der „Berek", die wahrscheinlich glaubt, bei der jetzigen schlechten Konjunktur aus die großen Einnahmen des^ Herrn Göbbels nicht verzichten zu können. In maßgeblichen Kreisen des Stadwerordnetenkollegünns ist inan der Ansicht. daß nichts geeigneter wäre, Herrn Göbbels lächerlich zu machen, als diese Art seiner Sensationshascherei. Wir haben dieser Auffassung gegenüber zum Ausdruck gebracht, daß die Hetzarl>eit Göbbels' auf dem. Umwege über die Plakatsäulen Berlin als Kulturstadt, besonders auch in den Augen der Fremden, stark schädigen muß, und daß wirkeinerlei Freude darüber empfinden können, wenn die Anschlagsäulen. besonders auch von Frauen, umlagert werden, die folgendes als Morgenlektüre erhalten: Nieder mit der Todesstrafe! Dem barbarischen Unfug der Hinrichtung muß endlich in unserem freien, gesegneten Vaterland ein ganzes Ende gemacht norden. Das Recht, mit dem Tode zu bestrafen, sollen in Zukunft nur die Mörder haben- Wir verlangen von der Negierung, nun einmal zu handeln. Wir haben genug Reden gehört, wir wollen Taten sehen. Darum fordern wir: Der Darmat-Prozcß, der nun schon über ein Jahr in Moabit tagt, ist sofort zu beendigen- Die Angeklagten sind, da cs sich ausnahmslos um Juden bandelt, sreizuspreeben. Jndko Barrnat wird zum Ehrenbürger der dentfchcn Demokratie cnmnnt. Ter Prozeß gegen die Lombardschicbcr Sallh Bergmann und Friedlärrder darf gar nicht erst verhandelt werden, denn unter den Geschädigten befinden sich nur Deutsche, während die Betrüger wieder dem außer wählten Volke angehören. Ein Ven>eiS dafür, daß es sich bei dem ganzen Skandal nur um eine antisemitische Hetze handelt. Der Jude Schlesinger, der einen O-Zug zur Entgleisung brachte und dadurch für 26 Eckdsackdemokraten Platz machte, schmachtet noch immer im Zuchthaus. Wir fordern seine sofortige Freilassung und Entsendung in den Reich stagsausfchuß zur Reform d e s d e u t s ch e n R e ch t s w e f e n s. Dagegen hat der p r e u ß i f ch e I u ft i z m i n i st e r die Fememörder Schulz, Klapproth, Umhoser und Fuhrmann, die nicht nur im Kriege, sondern auch nach den: 9. November 191s Deutschland mit ihrem Leben verteidigten, zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Wir fordern ihren sofortigen Tod durch den Strang. Gerechtigkeit muß sein! Nach dieser Einleitung kündigt Göbbels bombastisch an, daß er im großen Saal der U u i o ns b r a u c r e i in der H a s e n - Heide über das Thema: „Die Justiz, eine Dirne der Politiker" sprechen werde. Göbbels hatte das Thema gewählt, ohne den Ansgang ^seines Prozesses am 28. Februar, über dopen Verlauf durch die Tageszeitungen hinreichend berichtet worden ist, abzuwarten. Die _ Verhandlungen haben einwandfrei erwiesen, daß Göbbels in seinen nationalsozialistischen Briefen, die an IIOvFunktionäre in Berlin gerichtet werden, „Kopfmapage" empfiehlt, saus Störenfriede sich in Versammlungen zeigen sollten. Ein Zwischenruf des Pfarrers Sbucke in einer Versannnlung am 5. Mai genügte, daß er aus dem Saale gedrängt und blutig geschlagen wurde. In derselben Versammlung hatte Göbbels sich über einen Berichterstatter des „Lokal-Anzeigers" beschwert und aus die Frage ans der Versammlung heraus: „Wo wohnt der Schuft?", die vollständige Adresse des Journalisten genau n t. Man müste fuü diesen Herrn merken und genau ansehen. Das Gericht hat mir vollein. Recht angenommen, daß auch dieser Pressevertreter als „kopfm a s s a g e r e i f" bezeichnet werden sollte. Herrn Göbbels, der wegen Aufforderung zur Begehung strafbarer Handlungen zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt wurde, schrieb der Richter ins Stammbuch: „Gs must einmal allen Richtungen in Deutschland klar werden, dast, solange wir ein geordnetes SLaatöwcscu haben, mit Gewalt und unter Mißachtung der geltenden Strafgesetze Politik nicht getrieben werden kann und nicht getrieben werden darf." Viel Eindruck hat auf Herrn Göbbels diese Mahnung nicht gemacht. U e b e r t a u s e n d G e t r c u c empfingen ihn, als er direkt vom Gerichtssaal in der Hasenheide am Spätabend des 28. Februar erschien, mit großem. Jubel. Einige Sähe seiner Rede mögen genügen, um die Göbbelssche Agitationsmetbode zu illustriere!:: „ . . . Das Urteil war schon gemacht, che der Prozeß begann. (Zurufe: Wann brennL's.) . . . Wir haben angenommen, daß cs noch ab und zu einen Richter in Berlin gäbe. Sind das Richter? (Zuruf: Lumpen!) . . . Tie Justiz ist zur Dirne der Politiker geworden. Ter Barmat-Prozeß soll bis 1935 dauern. Könnte man das nicht ein bißchen ablürzen? (Zuruf: A n s h ä n g e n!) ... Die städtische Plakatgasellschast bat zuerst die Annahme unserer Plakate verweigert, weil dadurch Aufläufe und Verkehrsstockungen entstehen. Von der Plakatgesellschaft wurde uns mitgeteilt, als uns beim Polizeipräsidium gesagt wurde, ein Plakat könne nicht verboten werden, das Polizeipräsidium habe einen Truck ausgeübt, um die Anbringung zu unterbinden. Man 'siebt hier die ganze Vcr!ogenl>eir. Das Polizcipräsidiurn erhält von unbekannter Seite zur Bekämpfung des Antisemitismus zwölf Millionen. Ich behaupte, daß zwischen diesen zwölf Millionen und den 120 000 Mark zum Karts einer Billa des PolizciprääsidenLen Zörgiebcl ein Kausalzusammenhang besteht ... Warum findet es Herr Weiß als Beleidigung, wenn man sein Bitv öffentlich zeigt? (Zuruf: Kegen seiner f t u m m c n Nas e.) Ich habe ihm diese krumme Rase doch nicht gegeben, sondern der Shnagogenvorstehcr Weiß . . . Alan wird nur wegen des Juden Weiß verknackt, weil die I u st i z z u t öutc der Politiker geworden ist. Der Cesängnisausenthalt ist sür uns eine Erholung, die Bestrafung eine Ehrung . . . Warum erzwingt die Presse mit ihrem Geheul die Begnadigung des Mochenmörders Schlesinger? Warum verurteilt man dagegen die M ö r d e r R a! h e n c u s? . . . Wir wollen keine Sympathie der Sckwarz-Weiß-Rot und der Schwarz-Rot-Gelb . . . Wir haben diesen Prozeß in der Ooffnung erwartet, daß es noch Richter in Berlin gibt. Wir beben uns überzeugt, daß es keine mehr gibt . . . Wir sind Fanatiker, die auch nicht vor dem Zuchthaus Angst halben. Es werden noch schwere Zeiten über uns hcwmbreeben. Aber wir willen, es kommt einmal der Tag. loo das Tor der Freiheit, an dem wir heftig pochen, umspringen lvird. Inzwischen gilt cs, das Feuer, das in uns brennt, w e 11 c 13 u t r a 0 e n , da? ganze deutssize Volk zu Fanatikern zu machen." V Tagaus, tagein spricht Herr Göbbels also in den größten Sälen der Reichshauptstadt, um Berlin zu erobern. Wir nehmen ihn wie alle vernünftigen Menschen als Politiker nicht ernst. Aber sollen wir heute noch daran erinnern, daß ein so elendes Machwerk wie die „Weisen von Zion" der intellektuelle Urheber des R a t h e n a u . M o r d e 8 gewesen ist? Göbl>elS wird sick>erlich das deutsche Volk sür den Nationalsozialismus nicht fanatisiereu können. Er wird aber einigeFanatiker auf dieDauer nicht nur z ll Z w t s ch e n r u f e n h L n r e i ß e u, die mit schwerer ©cf d n 0 nie ft r af c geahndet werde n . sondern auch zu Taten. Wir warnen alle, die cs angeht. Artur Schweriner. I I