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Central-Verein-Zeitung · 1928-03-09 · 10 (9.3.1928) · p. Seite 130

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
10 (9.3.1928)
Date
1928-03-09
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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130 beschaffen. In einer Zeit, in der die Wirtschaft nicht wehr allein durch das Kapital einiger überragender Krempe m Gang gehalten werden kann, sondern die Erspannsiecher vielen kleinen Kapitalisten ebenso notwendig sind, muß stch em öffentlicher Kapitalmarkt herausbilden. Auch wenn jemand ohne alle spekulativen Nebenabsichten sein kleines Sparkapital in den Anteilen eines Industrie- oder Schifssunternehmens — und nichts anderes ist ja die Aktie — anlegen will, so muß er die Möglichkeit haben, jeweils zu wissen, wieviel dieser Anteil wert ist. Und da sich je nach der Wirtschaftslage und den besondereil Umständen der 'Wert des gesamten Unternehmens ändert, so ist auch der Wert der einzelnen Anteile, also der Aktie, fortlaufend Aenderungen unterworfen. Selbst wenn man, wie es den NationaLsoziakiften vorschwebt, die an der Börse üblichen Inhaberaktien, die also nicht auf den Namen ihres Besitzers ausgestellt sind und deshalb ohne besondere Formalitäten ihren Besitzer^ wechseln können, vollkommen abschaffen würde und den Industrieunternehmungen vorschriebe, sich das nötige Kapital durch festverzinsliche Schuldverschreibungen (Lbligationen) zu beschaffen, so wäre damit wohl wenig geändert. Je nach dem Stand der Unternehmungen, nach ihrer günstigen oder ungünstigen Lage würden dann eben diese Schuldverschreibungen einen verschiedenen Marktwert haben. Cs sei denn, daß die Nationalsozialisten denjenigen, der einmal eine Aktie oder eine Schuldverschreibung gekauft hat, zwingen wollten, diese bi? an sein Lebensende zu behalten, ohne Rücksicht darauf, ob die Gesellschaft inzwischen sich glänzend entwickelt hat oder vor dem Konkurs steht. Wir nehmen nicht an, daß der Handelsschuldirektor Fritz Reinhardt sich und seinen Volksgenossen raten würde, auf diese Art ihr Sparkapital anzulegen, sobald mau aber für das irgendwo angelegte Kapital auch eine V e r k a u s s m ö g l i ch - keit ossen läßt, muß man auch einen Markt zulassen. Sb man diesen Markt nun in die Bureaus des betresseudeu Unternehmens verlegen will, was nur unnütze und unproduktive Ausgaben verursachen würde, ob man den Ausgleich von Angebot und Nachfrage bestimmten Bankinstitunonen überlasten wollte oder es bei dem allgemeinen, .freien Börsenmarkt bewenden läßt, kommt wohl im Grunde auf dasselbe heraus. .. Ter freie Börsenmarkt, wie er heute eriftierr, führt allerdings dazu, daß das Börsengeschäft seinem Umfang nach weit überschätzt wird. Tie Aktien. die an der Berliner Effektenbörse. der weitaus größten in Deutschland, gehandelt werden, repräsentieren insgesamt ein Nominalkapital von rund zehn (10,732) Milliarden Mark. Wenn nun durch eine starke Haussebewegung die Kurse in einer Woche oder womöglich an einem Tage durchschnittlich um fünf Prozent steigen, so wird sehr häufig daraus der Schluß gezogen, daß „die Börse" mit einem Schlage fünfhundert Millionen Mark verdient habe und die Börsenspekulanten um ebensoviel reicher geworden seien. Wenn nun gar im Lause' einer anhaltenden Hausteperiode. wie im Jahre 1926 und im Frühjahr 1927, die Aktienkurse sich mehr als verdoppeln, so entstehen daraus so irrige Trugschlüsse, wie fie auch von Reinhardt gemacht werden: daß die Börsengewinne der letzten Jahre 29 Milliarden Mark betragen hätten. Reinhardt unterscheidet allerdings, im Gegensatz zu manchen noch primitiveren Kritikern, zwischen „verwirklichten" und „nichtverwirklichten" Börsengewinnen. Ohne nähere Begründung unterstellt er, „daß es nur die Hälfte der Papiere ist, die gehandelt worden sind, und daß die andere Hälfte im Besitz der Borsenfürsten geblieben ist", so daß von den 29 Milliarden die Halste, also 14** Milliarden, als Börsengewinne verwirklicht worden sind. Tatsächlich pflegen selbst an den stürmischsten Börsentagen nur hundert bis zweihundert Milliouen Mark, also ein bis zwei Prozent des gesamten an der Börse eingeführten nominalen Aktienkapitals, umgesetzt zu werden. Das ist auch sehr begreiflich, denn die große Mehrzahl aller Aktien, die au der Börse eingeführt sind, befindet sich in den Handel! bestimmterMajoritätsgruppen, in Faunlienbesih, in der Hand von Industriekonsortien oder von Treuhändern irgendwo im Depot und kommt überhaupt nieinals in deu Börsenhandel. Wieviel Prozent der gesamten zum Börsenhandel zugelassenen Aktien über die Börse chren Beptzer wechseln, weiß man nicht genau uud ist -wohl auch statistisch kaum zu ermitteln. Aber die Börste könnte sich manchen gegen sie gerichteten Angriff und manche Legeudenbüdung ersparen, wenn wenigstens, ebenso wie es in Amerika geschieht, auch in Deutschland die täglichen Börsenmnsatze iusgesamt und in den einzelnen Wertpapieren belanntgegeben würden, damit das Publinun einen Einblick in den wirklichen Umfang des Börsengeschäfts bekommt. Ta der Handelsschuldirektor Reinhardt und mit ihm die anderen Nationalsozialisten die Börse für eines der Grundübel der heutigen Wirtschaftsverfassung halten, so stellen sie^ gcmz konsequent, die Forderung auf, man soll „die Herrschaft der Börse" dadurch brechen, daß man die Börsengewinne radikal wegsteuert. Besonders stört Herrn Reinhardt und den obersten Wirtschaftssachverständigen der Nationalsozialisten, den 'Abgeordneten Gottfried Feder, daß nach der Fassung des neuen Einkommensteuergesetzes vom 10. August 1925 „einmalige Beräußernugsgeschäfte", also vor allem auch einmalige Berläuse von Börsenpapieren, nicht unter die Einkommensteuer fallen, sondern nur solche Börsengewinne, bei denen „der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung des Gegenstandes, ans dessen Peräußerung sich der Börsengewinn ergibt weniger als drei Monate betragt". lieber die Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit dieser Gesetzesbestimmung wird man natürlich streiten können. Aber es ist nicht ganz uninteressant, daß dieses, angeblich so vörsenfreundliche Gesetz im Reichstag mit einer d e u t s ch n a t i o n a l e n M ehr h e i t, unter dem d e u t s ch n a t i o n a i e n Reich s - w i r t f d) a f t * m t n t ft e x Nenhaus zustandcgekommen ist. Es scheint also doch, daß die Börse und ihre Freunde sich nicht ausschließlich aus Juden zusanunensetzen? Das Spiet mit dem Feuer. Das Plakat des Landbunde? Priegnitz. über das wir unter dieser Ucberschrckst in der vorigen „C. V.-Zeitung" berichtet hatten, ist nicht, wie wir hofften, der Ausdruck einer vereinzelten anarchistischen Gesinnung. In der „Niederdeutschen Zeitung" vom 25. Februar d. I. leien wir in einem ipaltenlangen Bericht über den 9. Hannoverschen Landbundtag in Güttingen, daß der Vorsitzende des Hannoverschen Landbundes. Cord Cordes, unter stürmischen! Bestall der Anwesenden erklärte, „ . . . Wenn einmal die Stunde gekommen sein wird . . das Gewehr über, .die weiße Armee steht bereit, dann wird scder hannoversche Landwirt wissen, was zu tan ist . . . Wir werden die schwere Verantwortung scholl unseren Cnkelu gegenüber voll und ganz übernehmen. Cs steht eine ernste Zeit vor rms, aber wir wollen sie alle als iOiüimet ertragen. Tic Geschichte soll von uns sage;:: Im Jache 1928 tat ndy eine gewaltige Bewegung in der deutschen Landwirtschaft auf. Tcr deutsche Bauer erkannte sein Glend, und er erkannte seine Macht, und als er seine Macht erkannt hatte, da bildete er eine Notgcmrimchast und da trat er zrnrr Kampf auf und da rettete er das deutsche Vaterland ..." Paul Nathan. Zum ersten Todestage am 15. März. Tie Erinnerung an Paul einjährigen Wiederkehr seine Herzen erneut. Wir haben sein geistiges Bild im vergangenen Jahre oft genug vor uns gesehen. Seine Erfahrungen, fein Scharfblick und seine durch die Jahre . immer geklärtere Weisheit erhalten sein Andenken lebendig. Wir wissen, - wie er dachte. Wir sehen seinen Blick, wie er in die Tiefe drang, ständig vor uns, wir segnen sein Andenken, indem wir seine Grundsätze zu * vollenden suchen. Am 15. März, dem Todestage Paul Nathans, wird in der Kunstsammlung der Jüdische!: Gemeinde Berlin nebenstehend abgebildete Düste Paul Na t h aus s eie r i ich enth üllt werden. Die Büste ist von dem Münchener Bildhauer Arnold Zadikow im Auftrage der Berliner Jüdischen Gemeinde geschaffen worden. Nathan wird ans Anlaß der s Todestages in unser aller t \ i i

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