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Central-Verein-Zeitung · 1928-03-02 · 9 (2.3.1928) · p. Seite 121

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
9 (2.3.1928)
Date
1928-03-02
Page
Seite 121 (sequence 5)
Language
German
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ni TieSiedlnng inPalnstina barf meiner Uebcrzeugrmg nach full nicht alv ein Kulturzelirrnm des erwachenden jüdischen Bottes betrachten. Sie soll davon absehen, durch Hebraisiernng eine neue volkliche Gestaltung im politischen Sinne in allen Ländern der Welt zu erstreben; sie soll lediglich entscheidend geleitet werden von dem Gesichtspunkt, das; einer möglichst großen Anzahl von Heimatlosen woglichst viel luirtfdjaftl;c£>e Erfolge, möglichst viel Glück durch Erl)altung jüdisch-religiöser Werte verbürgt werden muß. Bon einem Hai; gegen den Kougreßziomsmus ist gar keine Bede, denn es gibt Leinen einheitlichen Li o n g r e ß z i o n i Z m u s. Auch am dem Kongrest waren nnd sind Stimmen vorhanden, die sich mit unserer Auffassung bcrüyrcn; sic werden nur übertönt von einem stark natronalistiscl-en Leit d-es Kongresses, der die entscheidenden Werte des Judentmns in einer neu zu schassenden nationalkulturellen Gemeinsamkeit sieht. Diese lehnen wir ab. denn wir sehen in der Zugehörigkeit zun: deutschen Botte ^keinen Zufall, sondern eine historische Gegebenheit, die nach all den ^ch'-ckucken, die die Juden zeit Jahrhunderten auf deutscher Erde durchlebt haben, für uns zu einer Daseinsvedingnng geworden rst, die uns im tiefsten beglückt. Es sei nur kurz davon gesprochen, wie irreführend es ist, wenn Holdheim schreibt, das jüdische Bott habe internationale Anerkennung gefunden. Ich glaube nicht, daß Herrn Holdheim die verschiedene Bedeutung des Wortes „jüdischem Bott" unbekannt ist, und dast er nicht wissen sollte, das; ».jc-wi^i i>eopk‘** im aflgenTTtnen etwas ganz anders bedeutet, nämlich schlechthin die Inden. Sicher ist, dast bei dem deutschen Wort „jüdisches Voll" ganz andere Bewusstseinsinhalte politischer und sogar demagogischer Art anklingcn. als bei dem englischen Ansdruck ,,jcwi>h |Ico]>lo“. Auch die nichtjüdischen Mitglieder des deutschen er. mich und meine Freunde; die andere Gruppe, die er für die gefährlichere hält und zil der seiner Ansicht nach ziuu Beispiel die Mitglieder des P. P. K. gehören, bezweckt nach seiner Meinung eine Vagateüisicrung der eigentlichen Ziele des Zionismus. Bor dieser warnt Holdheim besonders. Biel erfreulicher ist die Beschäftigung mit der; Aussühru.ugen des Herrn Er erörtert unter anderen! das Verhältnis des Eentralvon der Auffassung ans. dast die Jndensrage. ivenn nicht allein, so doch am besten in den Bändern gelöst werden könne, in denen die Juden ihren Wohnsitz haben. Deshalb haben nur es immer als unsere Pflicht empfunden, unseren freunden die Förderung der Bestrebungen jener großen Organisationen, besonders des Hittsvereins der deutschen Inden, zu empfehlen, deren HauptarLMt in dieser Nichtuug liegt. Unsere Freunde beteiligen sich deshalb auch an den Arbeiten der Gesellscl^sr „Ort", weil auch sie von dem Gesichtspunkt ausgeht, daß zunächst einmal in Rußland selbst die Hilfe für die russischen Inden begonnen und gefördert werden müne. Keine dieser Bestrebungen bezweckt die Schaffung eines j ü d i s ch e n K n l t n r - Zentrums; keine wünscht die Neubildung eines politifch-jüdnchen Bolkes in der ganzen Welt. Niemand will dort, daß die politische Zukunft der heramoachscnden jüdischen Jugend der Welt ans dresc Heimstätte gerichtet werden solle. ' Es b'steht kein Zweifel darül>er, dast eine große geschlossene jüdische Siedlung eil; starkes Eigenleben Eigenleben als der eigentliche I »halt des ko mwenden Judentums bezeichnet wcrd-en können, so wie cs der heutige Zionismus — wenigstens in großen Teilen — für Palästina in Anspruch nimmt. Wir sind auch weder so ängstlich noch so feige, davon für unsere Stellung innerhalb des Deutschtums irgend etwas zu befürchten. Aber was wir befürchten, ist die Auflösung des Judentums, zmn mindesten aMw seine Säknlariüernna in dem Augenblick, in welchem das sogenannte Nationale seinen geistigen Gel,alt überfür den so viel Arbeit und Mühe anfgewandt lvird, zet vergeblich. Ich glaube, hier wird das' Wesen und' die Methode dieser Be muh uu gen verkannt. Die Erfahrung l^ekchrt uns darüber, dast es unter den Gegnern der Inden eine fanatisierte völkische Gruppe gibt, die nicht ansgellärt sein' lvill und nicht aufgeklärt sein kann; denn pe steht aus dem Standpunkt, daß der als Jude geborene Mensch blntsmästia mindenvertig ist, dast er als Feind der nichtjüdischen Gesellschaft zur Wett kommt'und daß er diese Feindschaft memal aabpurreisen vermag. Es ist überflüssig, siw wir seichen Beuten auseinauderzufetzen, und hier ist allerdings - -Uchch-nrbcit zwecklos. <vtur, anders stc'g es mit jene»!, und a^r lr siwßc Biehrzai)! unserer deutschen Boltsgenosseu, welche mit üica)t in früheren Zeiten darüber Klage geführt haben, dast die Juden M,zahlreiche!! Beschuldigungen, die gegcu sie erhoben werden, memals odi.r völlig unzureickreud antworteten. Wir kennen die i eisen von, Zion- .„wriom ilfiii, ld&]t tlngc. ci'ii'tüiK' l'iiv.Mji'n dou iyiHfrfjeva auf den Beim gegangen sil'.d. Zahlreiche Erfahrungen Hecken uns darüber belehrt, welchen Eindruck die Entstellungen ül>er Tab rund, Schnlchan Aruch. über die jüdische Religion als solche in allen Kreisen der Bevölkerung gemacht haben. Wir haben erfahren, daß uns unsere Umwett nicht kennt nnd vielleicht auch näht kennen kann, weil wir allzu Lange geschwiegen haben. In dieser Umwelt ist die Zahl wohlmeinender Männer und Frauen nicht gering. Menschen, die uns vielleicht etwas unfreundlich neutral gegenüberstehen, leben unter ihr in Blassen. Hier handelt es sich darum, gegenüber allen jenen Behauptungen uu6 Auffassungen, die in der nichtjüdischen bürgerlichen Gesellschaft bis hinein in die Arbeitcrkreise genährt und gepflegt werden, zunächst einmal darzustellen, was ist. Niemand kann auf innere Propaganda verzichten. Lernen wir nach dieser Richtung hin von unseren k a t h ol ifchen Mitbürgern, die in hervorragender Weise mit allen Bütteln der Wahrheit nnd des Anstandes, mit unleugbarer Energie für ihre Werte eingetreten sind und ihrer Umwelt die Schchung dieser Werte beigebracht haben. Gerade in diesen Kreisen Hai man sich immer darüber gewundert, daß die Judenheit viel zu schweigsam ist und jene Verständigung nicht sucht, ans die sie ans sittlickjen, aber auch aus politisch-praktischen Gründen angewiesen ist. Diese zu leisten, betrachten wir als'unsere Aufgabe, und sie darf und wird nicht zwecklc's sein, meim sie nur einem starken und gesunden Optimismus eine Frage anfastr, die notwendigerweise einer Lösung entaegeu.gebracht werden muß. Leopold Ießner. Bon Julius Bab. Leopold Iestner, der Intendant des Berliner Schauspielhauses, wird am ll. März 50 Jahre alt. Er hatte sich in Hautburg aut Thalia-Theater einen Namen als Regisseur gemacht und war daun während des Kri ges Beiter des Neuen Schauspielhauses in seiner Vaterstadt Kömgsberg gewesen. Zugleich war er in Theaterkreisen sehr gut bekannt durchweine sehr rege nnd energische Tätigkeit innerhalb der Büch engenonenschaft im Kampf für die"Rechte der Bühneuangesrellten. Als na h der Revolution eine neue Organisation der Staatstheater nötig, u urde, in einer Zeit, wo die Mitglieder des Theaters selbst noch weitgehende Mitbestimmun gsreckste in Anspruch nahmen, wurde Leopold Jeßner zum Intendanten des Berliner Schauspiels gewählt und vom Ministerium bestätigt. Das war im Herbst 1919. Nun ist er beinahe neun Jahre an der Arbeit, nnd es wird gewiß möglich sei:;, au {einer, wie an jeder, auch der bedeutenden Leistung, allerlei a'-rszustpen, und aus manche Hoffnungen, ja auf manche Notwendigkeiten künsrlerisch.'r Art hinzuweisen, die seine Direkrionsführung noch nicht erfüllt hat.' D e n n och scheint es ganz unmöglich, zu leugnen, daß Jeßner in diesen neun Jahren eine theatergeschichtliche Leistung von bleibender Bed^e n t u n g v o l! b r a ch t n n d a n d e m e h e m a l s k ö n i g l r ch c n >r ch a u s p i e l h a u s beinahe ein Wunder gewirkt hat. Diese, ihrer sozialen Stellung nach wichtigste, ihren äußeren Mitteln nach mächtigste deutsche Bühne war fei: Jahrzehnten für die lebendige Kunst überhaupt nicht vorhanden. Die paar großen Schauspieler/ die hin und wieder noch in dies Ensemble gerieten, standen vereinzelt und ohne Führung da, erhielten weder ebenbürtige Mitwirkende noch ein Repertoir, an dem ihre Kunst sich entfaltri?tonnte. Ausstattung und Regie waren um Jahrzehnte hinter der Zeit zurück, und das Repertoir war ein Kinderspott: es ging ängstlich mt allen irgend wie belangvollen dichterischen Erscheiw.mgen der Gegenwart vorbei. Das kunstliebende Publikum lallte in diesem Hauke überhaupt nichts mehr zu suchen. Aus diesem Institut hat Jeßner ein Theurer gemackü. in fcem (vielleicht rückst immer mit glücklichster Wahl, vielleicht nicht mir genügend gleichmäßiger Pflege) dock) jedenfalls das Loben d ige v o m modernen d e u t s che u D r c m a sichtNrr wird. Ein Hans, in dem (vickleickst nicht ausdauernd und fest gebunden gem:g) dcvl) eine Fülle wirklich moderner Scha u spiel kch ä f're tätig wirken. Bor allem al>er hat er als Regmeur hier Borstelknngeü geschaffen,^die den entscheidende!: Sieg ciiTe-S neuen Stils auf dem dcmschen Theater bedeuteten und die allein es vermochten, dem Staatstl)cater plötzlich wieder eine führende Bedeutung im deutschen Tboaterlebeu zu gelten und den sonst arg gefährdeten'Rana Bertrn-5 als Theaterstao: einigermaßen zu sichern." Tie viel unckämp'-en Aufführnngen Jeßners vom ,Tell'h von „Richard M.ch von Wcdckinds „Marquis von Keilh" — diese Ausführungen mit der ilinstonslofen, nur noch architektonisch gegliederten Bühne und mit Das Gesundheitswasser bei Blasen-, Mierenleiden usw. r a c h i r s c r Y c r s a n d s t e 11 c: Her]in SW 11, Schöneborgrcr Strafe lCa.- Telefon: Lützow 8260/61. G

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