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Central-Verein-Zeitung · 1928-03-02 · 9 (2.3.1928) · p. Seite 120

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
9 (2.3.1928)
Date
1928-03-02
Page
Seite 120 (sequence 4)
Language
German
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120 Zwei Kritiker. Von Luvwig Holländer. Urteile auch von Gegnern, vielleicht namentlich von Gegnern, über die in unserer Hauptv e r s a m m l u n g gel erste te Arbeit können nur willkommen sein. Eine proste und ansstrebende Bewegung, wie sie e-er Eentralverein darstellt, mutz in sich bewegt sein. Allzu große Nutze wird hier gefährlich. Die Geister müssen um Klarheit ringen. Darum hören wir aus alle diejenigen, welche Aussprache mit uns Pflegen. Wrenschen allerdings, die nicht fähig sind zu kritisieren, sondern die nur schimpfen können, die den anderen nur verächtlich machen wollen, ohne ihn irgendwie zu würdigen, sollten von allen Parteien aberefchüttelt werden. Wir werden nach dieser Richtung hin immer bemüht bleiben, die Würde der jüdischen Gemeinschaft zu wahren und in dem Gegner einen Menschen zu sehen, der geistig anders eingestellt ist. der anders denkt, der aber trotzdem ein prächtiger Mensch, ein guter Jude lind ein edler Deutscher sein kann. Niemals wird unser Vorschlag von der Tagesordnung verschwinden, eine Gesellschaft zur inneren Befriedung des Judentums zu begründen, die bei Ausrechterhaltung des geistigen Kampfes, in Würde und Ehrerbietung vor menschlicher Leistung, den Zwiespalt und die großen Probleine der Zeit erörtern soll. Neutralität in den Lebensfragen des Judentums ist unmöglich. Eie mag in einzelnen Bereinigungen aus gewissen erziehlichen Gründen angestrebt werden und dort auch zweckmäßig sein. Im allgemeinen verhindert sie geistige Klarheit und tötet Leben, wo Leben Notwendigkeit ist. Bon diesem Gesichtspunkt aus sind die beiden kritischen Betrachtungen über unsere Hauptversammlung in der „Jüdischen Rundschau" und in der „Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland" zu erörtern. In der „Jüdischen Rundschau" bespricht Gerhard Holdheim, in der „Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland" Walther Lux unsere Hauptversammlung. Die Aussätze unterscheiden sich von einander zunächst dadurch, daß Lur in sachlicher Weise Bedenken und Fragen auswirft, während Holdheim nur unsachlich augrent. Es bleibt nichts übrig, als wichtige stellen wörtlich anznführen, um unseren Lesern zu zeigen, mit welchen Mitteln gearbeitet wird. In dem Holdheimscl)en Aussatz heißt es: „Wie aus einer verklungenen Zeit lesen sich die Forderungen nach „unbeirrter Pflege deutscher Gesinnung", die Aengste um die Möglichkeit eines Verlustes „der Errungenschaften eines mehr als 100jäbrigen ' Emanzipationskampses" und die Ableugnung des jüdischen Volksbegriff?. Eine solche Chance der befriedigenden Auseinandersetzung ist nicht erkennbar, wo der Gegner mit Argumenten arbeitet, an die er offenkundig nicht glaubt oder zumindest als gebildeter Mensch nicht glauben dürste. . . . wenn jüdische Rechtsanwälte und Syndici sich in patriotischen Hcberschwenglichkeiten bewegen und mit dem vommerschen Dauern und dem bayerischen Sepp! stärkere Kontakte zu spüren glauben als mit dem Juden eines anßerd.utsc!)en Landes, dann steht unsereiner wehrlos vor diesem seelischen Phänomen. . . . Und warum das alles? Um die Zionisten — e contrario — als Vaterlands lose Gesellen hinstellen zu können. Man weiß nicht, worüber man mehr staunen soll: über die Unverfrorenheit, mit der hier, ganz nach „völkischer" Art. eine jüdische Gruppe exkommuniziert wird, oder über die Blindheit, mit der hier Realitäten verkannt werden. . . . Fühlen sie denn, wenn schon nicht die Jämmerlichkeit ihrer Anzweiflungen, so doch wenigstens die Hoffnungslosigkeit, die Irrealität ihrer proklamierten Meinungen? . . . Ter Zionismus hat kein Interesse an einer Polemik mit Menschen, deren Blick vom Affekt getrübt ist und die dazu verurteil! sind, aus jedes noch so schlagende Argument immer wieder mit abgestandenen Formulierungen reagieren zu müssen." Es muß angesichts dieser Ausführungen die Frage aufgeworfen werden, ob es denn immer noch notwendig ist, Probleme falsch darzustellen, dem Gegner eine Meinung zu unterlegen, die er niemals gehabt hat. Verhandlungen, denen man nicht beigewohnt hat, anders zu schildern, als sie in Wirtlichkeit waren. Dazu noch einige Bemerkungen: Holdheim richtet zwar Fragen an uns. schreibt aber einige Zeilen darauf: „Auf diese Fragen soll von drüben keine Antwort gegeben werden/ Warum wünscht Holdheim keine Antwort? Vielleicht, weil er uns für zu du »um oder zu schlecht hält, um eine Antwort zu geben? Wir werden trotz seine? Gebotes nicht schweigen. In einem umfänglichen Referat in der Hauptversammlung, das von mir erstattet worden ist, ist ohne jeden Widerspruch fest- Eigene Verkaufsstellen in allen grosseren Städten Deutschlands. Erhältlich in & Ile n Spezialgeschäften, gestellt worden, daß dieBehauptung, j n d i s ch n a t i o n a l Ö e f i ii 11 t e M enschen seien staatsfeindlich oder seien Bürger minderen Rechtes, als unbedingt falsch bezeichnet werden müsse. Es ist keinem von uns eingefallen, einen Jüdischnationalen in seiner Staatsgesinnung zu verdächtigen. Wo also liegt die „Jämmerlichkeit der Anzweiflungen", welche Herr Holdheim uns vorhält? Der Eentralverein lehnt den Begriff eines jüdijchen Volkstums, das im politisc!)en Sinne sämtliche Juden der Welt umfaßt, mit aller Entschiedenheit ab. Er behaupie-t im Gegensatz dazu, daß die Juden lediglich durch Glaubens-, Stammes- und Scizieksa'.sgemcuischajt verbunden sind, daß sie zum mindesten in Westeuropa den Charakter eines Volkes verloren haben und allein zu demjenigen Volkstum gehören-, in dessen Mitte sie leben. Niemals ist die schon, von Eugen Fuchs immer wieder betonte Tatsache geleugnet worden, daß die Juden in den Ländern des europäischen Ostens, in denen sie von jeder Kulturgcmeinschast mit ihrer Umgebung ausgeschlossen sind, politisch eine nationale Minderheit bilden. An der bestehenden Tab sache wird nicht? geändert, ob man sie nun begrüßt oder sie für die Tauer als unmöglich ansieht. Und wenn Holdheim fragt: „Will Herr Holländer man mutz das immer wieder fragen —, daß die palästinensischen Juden sich als Araber oder gar als Engländer jüdischen Glaubens bekennen sollen?", so sei ihm die Antwort gegeben, die palästinensischen Juden sollen sich weder als Araber noch als -Engländer jüdischen Glaubens bekennen, sondern sind Juden. Aber Holdhein' verkennt den Kern der Sache. lei mit dem Feuer. Anarchistische Methoden Des LanDbnnDcs. In den letzten Tagen Prangte an den Berliner Litfaßsäulen ein Aufruf des Landlmude? der Ostpriegnitz. Er begann mit den Worten: „Gnade Euch Gott, Ihr Volksvcrdcrbcr, wenn der Bauer aufstcht im Lande!" Es heißt darin u. a.: . . Was die Bauernschaft aus ihrer Ruhe herausschrectt, was sie in der Tiefe ergreift, ist das Gefühl, daß ihr im heurigen Staate ein Verhängnis, ein Schicksal gcgenübertritt, von Mächten organisiert, die der Seele des Landes verständnislos, feindlich gegenüberstchcn... . . . Sie beginnt zu erkennen, das; die heute im Staate bcstimnicndcn Kräfte nicht diejenigen sind, die eine Wiedergeburt des Deutschen Reiches aus der Grundlage nationaler Würde und Wehrhaftigkeit hcrbeizusührcn vermögen, ja, daß sie nicht einmal dazu gewillt sind. Diese interna t i o n a l e n M ä ch t e fühlen sehr wohl, daß allein aus dem Boden die Kraft und der Geist kommen werden, die das Reich zu neuem Glanze emporsühren können. Sie. haben aber allen Grund zu fürchten, daß diese Bewegung a l l e d i e j e n i g e n hinwegfegen wird, die heute am Werke sind. Deutschland in harte Versklavung und nationale Schande zu stoßen . . . . . . Werdet aber auch geistig bereit, mit euren Leibern den Kamps zu führen, der euch vielleicht bald aufgezwungen wirdl Den dunklen Mächten aber, die heute das Volk zugrunde richten, rufen wir zu: Gnade Guch Gott, Ihr Volksvcrderbcr, wenn der Bauer aufsteht im Lande!" Jeder gerecht Denkende im deutschen Volke wird der bedrohlichen Entwicklung der finanziellen Lage der deutschen Landwirtschaft mit Gefühlen der Teilnahme und mit dem Wunsche nach Besserung aegenüberstehen. Tie Aufgabe der zuständigen Behörden ist es. Abhilfe zu schaffen, damit sich auch die Lage der deutschen Landwirtschaft alsbald wieder erträglich gestaltet. Wie döse die wirtschaftlich ernsten Zeiten auch anderen Bevölkerungskreisen mitspieleu. haben nicht zuletzt die jüdischen Deutschen erfahren, denn gerade der jüdische Mittelstand ist durch die Inflation und ihre Folgen in wesentlichen Teilen verarmt oder gar vernichtet worden. Wir können aber nicht glauben, daß die wirklich verantwortlichen Führer der deutschen Landwirtschaft einen derart blutrünstigen Aufrus wie den des Landbundes der Ostpriegnitz gutheißen, denn bisher hat der Landbund immerhin docch Wert daraus gelegt, sich von der Revolver-- und Pogirommethoden eines Hitler oder Goebbels fernzuhalten. Es bedeutet ein frevelhaftes ^piel mit den, Feuer, die Großstädte und die angeblich internationalen Mächte für den Notstand in der deutschen Landwirtschaft verantwortlich zu machen und ganz deutlich mit Gewalt zu drohen. Glücklicherweise hat sich die deutsche Republik unter der Führung de? Reichspräsidenten v. Hindenburg so gefestigt-, datz ein Aufstand unbesonnener Elemente im Lande von vornherein zum Scheitern verurteilt sein würde. Es wäre aber um die Einigkeit und um des Ansehen? des deutschen Volkes willen tief bedauerlich, wenn auch nur Hitzköpfe sich veranlaßt sähen, der Aufforderung zum „Aufstand" tatkräftig Gehör zu schenken. Der Volkstrauertag am 4. März möge sie daran erinnern, daß alle Kreise des deutschen Voltes, die Stadt und das Land, die Christen und die Juden, Deutschnationale und ogenannte „Internationale", Hunderttausende und aber Hundertausende blutender junger Menschenleben für den Bestand und die Rettung des deutschen Vaterlandes in der Stunde höchster ')?ot hingeopfert haben.

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