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Central-Verein-Zeitung · 1928-03-02 · 9 (2.3.1928) · p. Seite 119

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
9 (2.3.1928)
Date
1928-03-02
Page
Seite 119 (sequence 3)
Language
German
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m Märtprer. Betrachtung zum VoLkstranertag» Don Rabbiner Dr. Wilde (Magdeburg). Am Bolkstranertag spricht man überall im Deutschen Reich von Helden und Heldentod. Helden sind Menschen, die für eine Idee lümnfen und sterben und darum von allen gepriesen und m> l)prrlid)t werden. Die aber -für eine Idee leiden und sterben. die lebend und tot gescholten und verleugnet werden, sind Märtyrer. Wir Juden sind immer ein Volk der Märtyrer gewesen. Das ist uuser^Leid in tausendjähriger Geschichte, aber auch unsere Größe. Wir sind Märtyrer des Glaubens. Inmitten einer Welt, die Götter in ‘2tein und Bild verehrte, kündeten unsere Ahnen den einen rein geistigen Gott. Sie lieben Schimpf und Bewachung über sich ergehen, starben für diesen Glauben. Ter Segen -unserer Priester wird über den Gläubigen anderer Religionen ge so rechen, die Psalmen unserer Säuger klingen in fremden (Gotteshäusern wider: mau. sang sie Zum Sch.nterhanfcn der Judeu^ man sang sie als Danleslieder, wenn man die Juden ans der -Heimat trieb. Es opfern nrch jetzt ungezählte Juden viele Lebensmög.ichfeiten — oft kostbarer als das Leben —, um nicht b:c Treue dem Glauben, der Glaubensgemeinschaft Zu brechen. Wir sind Märtyrer der M c n s ch c n l i e b c. Wir lehrten, das; alle Menschen von einem Paar abstammen. Der Satz: „(liebe deinen Nächsten wie dich selbst" ist erst ans unserer Bibel in das Reue Testament- Übergebungen. Wir sind gewohnt, in jedem Menschen den Menschen Zn achten. W tt si n d M ärttiru d e s Gei st e s. Wir haben unserem Vaterland, in dessen Kultur wir wurzeln, tausendfache Förderung seines otcntiticn Gebens gebracht: in Recht und Medizin, in Dcchrnk unb Naturwissenschaft. 'Aber uns schilt man, das; wir nicht schassen, sondern raffen, (lobt mau aber dennoch einen Inden, dann verschweigt man, das; er Jude ist. Setzt man aber seine Leistungen herab, dann nennr man ihn Jude. Märtyrer sind unsere K r i e g s ge s a l! o n e n. Es Zogen die einer. 1914 in heller Begeisterung als Freiwillige hinaus, cs folgten andere später dem Ruf der Pflicht, alle aber ihre Pflicht erfüllend bis Zum blutigen Ende. Würde man sic. wie ihre Eltern, Frauen und Kinder, überall im deutschen Land preisen, dann waren sie nur Helden. Aber weil man sie noch im Grabe verleumdet und verleugnet und jüdischen Heldentod nicht wachrhaben will, weil man ihren Angehörigen das Recht auf den Heimatsboden, für den sie gestorben sind, noch bestreitet, darum sind sie mehr als Helden, sind Märtyrer. Wir geben aber nicht, weil wir Märtyrer sind, unseren Glauben aus, sondern finden in ihm Frieden und Kraft. Wir geben nicht, weil wir Märtyrer sind, die Menschenliebe auf. sondern meinen, daß die Liebe doch stärker sein wird als der Haß. Wir geben nicht, weil wir Märtyrer sind, das geistige Streben auf und meinen, das; dennoch die Wahrheit siegen must. Wir geben nicht, weil wir Märtyrer sind, unser Heimatland auf, sondern behaupten unser Recht als Deutsche auf deutschem Boden. So gedenken wir unserer Helden, unserer Märtyrer und warten auf die Zeit, in der wir nur noch Helden und nicht mehr Märtyrer zu sein brauchen. Um öre Gefallenenziffer. Zum „Offenen Brief" des Majors Baumann. Im „Völkischen Herold'. (47. Folge, 4. Jahrg.) veröffentlicht der Heroldsamtmann des Tannenberg-Bundes Süd. Major a. 'D. H. Baumann, einen Offenen Brief, in dem er unter Benutzung der bekannten . Kriegsstatistik' Alfred Roths wiederum die Behauptung aufstellt, die Juden hätten im Weltkriege höchstens 4797 Tote verloren: die von jüdischer Seile verbreitete Zahl von 12 000 Gefallenen sei eine absichtlich verbreitete Unwahrheit. Es ist müßig. mit Bölkijchen, die eines Besseren nicht belehrt sein wollen, über diese Frage Zu streiten. Eine wirklich hieb- und stichstste Statistik konnte erst nach dem Kriege und nicht nach dem Material bis Zu 1917, das Alfred Roth benutzt hat. niedergelegt werden. Die sorgfältig durchgcführte Gefattcnenzählung des Ausschusses für jüdische Kricgöstatistik, die von so vcranlwov» lungsvollcn Gelehrten wie Silbergleit, SegaLl, Oppenheimer u. cu anerkannt und durchgcführt ist. ergibt nach peinlich genau bcarbcilcLein Material die Summe von rund 12 000 Gefallenen. Wir besitzen jetzt sogar eine gedruckte württembergische Kriegsstatistik. herausgegeben vom Landesverband Württemberg des Eentralvereins. in der namentlich 270 gefallene jüdische Soldaten ausgesührl werden, während Segall nur 210 angab. Ein sch'agender Beweis für jeden gerecht D-enkende-n. dasi die Segalljä-e Statistik die Gefaüenenzissir eher zu niedrig als Zu hoch an sitzt. Mit diesen Feststellungen lassen wir es genug sein. Es ist nur verwunderlich. daß immer wieder von jener Seite, die sich nicht genug tun kann, bei jeder Ge!egenl>est von den Heldentaten der deutschen Soldaten im Kriege zu sprechen, der Versuch gemacht wird, dabei die Blutopfer der Deutschen jüdischen Glaubens tendenziös herunterzudrücken. Die einsichtigen Völkischen sollten endlich einmal die Gräber der Toten in Ruhe lassen und. statt die Hinterbliebenen der jüdischen Gefallenen stets aufs neue durch Verdächtigungen in ihren heiligsten Gefühlen Zu kränken, sich nützlicheren Dingen endgültig zuwenden. Die 52. Fric-hossschändung. Aus Es singen in der Pfalz erhalten wir die Nachricht, daß der dortige Friedhof, der seit nahezu tausend Jahren den jüdiscl-en Gemeinden von Speyer bis Landau als Begräbnisstätte dient, von rohen Burschen im Alter von 17 bis 19 Jahren verwüstet worden ist. 42 Grabsteine sind umgeworfen und teilweise Zerstört worden. Die Staatsanwaltschaft hat bereits die nötigen Schritte eingeleitet, um die Täter ihrer Strafe zuzuführen. Arbeitnehmers sich einstellen, die Einstellung aller Arbeitsbedingungen aus Leistung und Borwärtskommen ist hier entscheidend. Und schließlich entscheidend das Letzte, 6. die W i c de re i n st e l l u n g unserer Jugend auf das w i r t s ch a f t l i ch e Denken. Nicht mit Geldverdienen kann man der Jugend den wirklichen Sinn solchen Arbcitens für Gegemvart und Zukunft näherbringen, sondern indem man ihr die Freude vermittelt an der grandiosin Entwicklung dieser neuen Wirtschaft, die da binnen wenigen Menschenaltern emporgewach*cu_ ist und die gerade an die jetzt Kow.meuden riesige, neue Aufgaben stellt. Das Mitwirkenwolleu an ihr ist ungemein bedeutsam von jedem, gerade auch vom jüdischen Gesichtsvunlr aus: Gelderwerb ist nur eines der Mittel, ein äußeres Zeichen sür den geleisteten Dienst an der Gesamtheit sür den geleisteten „Service". Die Hoffnung ans solche gr ößere Entwicklung bem j nngen Menschen zu zeigen, das ist auch ein jüdisches A r b e i t s Z i e i. Deutschland hat, soweit ich sehe, zwei schwere Jahre vor sich. Da Abklingen der jetzigen Hcchloujnmlur. das schnelle Steigen der vo Deutschuatwnaleu führend mit Unterzeichneten Reparationsla.st und d endgültige Regelung unserer Kriegslast, sie lverden nicht ohne Erschü1b rung vor sich gehen. Dahinter aber leuchtet sür jeden, der wirrschaftli, vorauszubticken vermag, die Hoffnung einer besseren wirtschaf lich^ri Zukunft, wie sie das amerikanische Beisviel ja schon zu vei wirklichen im Begriffe steht. . 0 Vier große Linien deuten an. daß wir in einem Wendepunb Dtt wirtschaftlichen Geschichte der Menschheit überhaupt stellen. D No. der Bcrgangenheit war das B e v ö! k e r u n g s p r o b 1 e m war lenes Problem, daß immer wieder der Mensch schneller wuä 5 Dwt für ihn. Das war der Hintergrund dl furchtbaren Kriege, letztlich auch allzu oft der Verfolgung dl Muweryeweu. W'.r stehen Zweifelsohne hier cm einem W ende n-\7 r*}* Sin‘eu Geburtenzahl, das zuerst bei den Jude hatte, cro-efft alle Rationen. C'ieichzeitig steigt die Pr, duktivn-leistung der Landwirtschaft durch die Industrie der künstlichen Düngemittel und durch die Maschine in nie geahntem Maß. Das M a l t h u s s ch e grausame Gesetz kehrt sich u in. Das Brot w ä ch st schneller als der Mensch. In * ungeahnter Fülle strömen der Menschheit die mechanischen Hilfskräfte neu Zu. eine schnelle Steigerung der industriellen Produktivität in kommenden Jahren kann gar nicht bezweifelt worden. Sinkendes Angebot von Ar» beitshändcn und Zugleich schnell steigende Nachfrage nach dem Produkt dieser Hände: Das bedeutet eine Höhe r w e r t u n g d e s M c r s ch c n a l s 21 r b c i t 5 f r a f t. Schon beginnen die Nationen zu erkennen, daß das meistverachtete Gut in ihren Landen das wertvollste ist, nämlich die menschliche Arbeitskraft. Und vielleicht werden sie sogar sehr bald auch noch die verschiedene Wertung dar verschiedenen Arten i'en Arbeitsleistung lernen und immer höher schätzen: ich gruppiere sie so: der höchste Ellert der Arbeitskraft scheint mir bei der heutigen Lage die organisatorische, dann erst das technisch-konstruktive Denken, und in weitem Abstand davon das Denken, das nur die ansführende Arbeit begleitet. Solche Linien erkennen, heißt Deutschlands wirtschaftliche Schlagkraft erhöhen. Jüdische Selbsthilfe fordert mehr und mehr Bora u? s ch a u e n. Borausschauen in der Wirtschaft heißt B o r a. u s - bauen für die anderen und Zugleich auch für uns. Am 1. März d. I. jährtc sich zum erstm Male der Tag. an dem unser verehrter Freund. Jnftizrat Hugo Sorrncnfclv, aus diesem Leben geschieden ist. Wir gedenken auch heute seiner in Dankbarkeit und Treue. Deine unermüdliche Arbeit, sein osfcncr Sinn, der un? zur Meisterung so vieler Schwierig, leiten geführt hat, seine vorbildliche Zuverlässigkeit, haben un2 in dem Jahre, in dem er nicht mehr bei uns weilt, oft genug gefehlt. Wir gedenken in Ehren des großen Totem I..II,

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