Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 7 (17.2.1928)
- Date
- 1928-02-17
- Page
- Seite 102 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2277379-2277781-2277788--04288-2284889- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
m Grunde genommen mit den Ausführungen Mecklenburgs ^einverstanden. "Wenn wir uns nur darüber klar sind, das; der Ausgangspunkt unserer Erörterungen das Bestreben nach Wahrheit und Klarheit bildet! r , v t Es gibt keine Ueberbrückuug der Gegensätze dort, wo sie unvereinbar sind. Ich halte cs für einen Fehlschlag, wenn uns empfohlen wird, Fäden zur zionistischen Bereinigung zu spinnen, an dem Palastinaausbauwerk unser Desinteressement zu erklären und das Wort von Holländer, in dithiis liberlas, zn weit zu sagen. W t r muffen uu s 3 um Teutschtum bekenne n. Freilich ist die Betonung in diesem Kreise überflüssig-, aber wir müssen dieses Bekenntnis immer wieder anssprechen, weil uns die Zugehörigkeit Zum Deutschtum von der Gegenseite immer wieder bestritten wird. Vom Standpunkt des Ccntralvercins kann es gleichgültig sein, ob das Judentum außer dem Religiösen noch mehr enthält, etwa eine Stammes- oder Schicksalsgemeinschast. Es mag von mir, der ich religiös weit links stehe, "merkwürdig klingen, daß ich mich Zum Verteidiger der Religion aufspiele. Für mich bedeutet aber I u d e n t u m . i n a lLer c t ft c r Linie Religionsgemeinschaft. Georg Bernhard (Berlin): Ich bedauere, daß bei diesen nächtigsten Lebensfragen des Eentralvereins eine Beschränkung der Redezeit cingesührt worden ist. Geiger, der ausgezeichnet gesprochen hat, hätte seine Ausführungen eingehender begründen sollen. Feh lasse cs dahingestellt, ob das Judentum eine Religionsgemeinschaft oder eine Schicksalc-gemeiuschast darstellt. Wenn man aber das religiöse Moment in den Vordergrund schiebt, muß das religiös-ethische Moment der Verbundenheit mit allen gestoßenen und unglücklichen Inden der Welt betont werden. Wir müssen uns weiter fragen, ob unsere Argumentation, die für die deutschen Juden zutrüsr. auch ans die Inden der anderen Länder, wie überhaupt der ganzen Welt, Anwendung zu finden hat. Tiefe Frage nun; Verne ml werden. In vielen Ländern gibt es keine andere Lösung der Ipdensrage als das Minoritätenpriuzip. Wir wüsten die Idee der Sehictsicksgemeiuschast mit den Juden der anderen Länder anerkennen. Tie von England in der Balsonr-Tektaration geschaffene Heimstätte Palästina können wir nicht aus der Welt schassen. Tas mag vielleicht für uns unbequem sein. Ich glaube aber, diese Tatsache ist in allererster Linie den Zionisten unangenehm, die jetzt zur Einsicht gekommen sind, daß die Balsour-Teklaration praktisch dnrchzusühren ein Ding der Unmöglichkeit ist. Wir sollten den Standpunkt der Mitarbeit an Palästina vertreten. Statt dessen begehen wir den Fehler, den Aufbau Palästinas als eine völkische, nationaljüdische Angelegenheit anznsehen. und zwar -nur deshalb, weil die Zionisten die Aufbauarbeit in Palästina von; nationaljüdischen Standpunkt ans betreiben. Justizrat (Zalliuger (Nürnberg) weist daraus hin, daß die Tiskussion sich zu sehr in .theoretische Erörterungen zn verlieren droht, und hält eine gerade Linie für erforderlich. Justizrat Julius Brodnitz (Berlin): Eine problematisch interepante Tiskussion haben wir hinter uns. Ich habe eine Bitte: Wir wollen Richtlinien für unsereArbeit schaffen, und z w a r p r a k t i s ch e R i ch t t i n i e n f u r d i e Z u f u n f t unserer Arbeit. Tahin, bitte Ich Sie, die Diskussion zu lenken. Eines haben wir fostznstellen: Eine einheitliche Auffassung in problematischen Dingen -läßt sich heute in der Hauptversammlung nicht erzielen. Einen Versuch,hierzu muß ich als einen Versuch am untauglichen Objekt bezeichnen. Ebenso gibt es keine logischen Richtlinien, die sich ans unsere Einstellung zn jüdischdeutschen Problemen beziehen. Ties ist eine Herzensangelegenheit! Wohl sind wir uns einig in unserer unlöslichen Verbundenheit mit dem deutschen Vaterland. Bruno Weil (Berlin): Unsere Empfindungen des Mitleids und der Hilfsbereitschaft für die bedrückten Juden in aller Welt, die wir aufrichtig suhlen, haben nichts zu tun mit dem politischen .Kampf um die Gleichberechtigung der deutschen Inden. Wir wünschen keine Uniformierung, aber das Wort von den Prinzipien hat auch für unsere Arbeiten zn gelten. Es muß eine Grenze sein für die, die zu uns gehören. Und diese Grenze ist nicht allein das Bekenntnis zum Deutschtum, sondern auch die Konsequenzen, die sich hieraus ergeben, nämlich, die unbedingte Ableh n u n g alle s N at ion a l jü d i scheu. In Palästina wird eine andere Politik als nationaljüdische Politik nicht betrieben. Wir bekämpfen diesen nationaljüdischen Aufbau, wie wir auch die nationaljüdische Politik in Deutschland zu bekämpfen haben, die eine stete Gefährdung der deutschen Belange bedeutet. Krombach (Gsscrr): Holländer? Referat ist der Höhepunkt der Tagung gewesen, weil er sich bemüht hat, die Tinge vom großen Aspekt des E. B. ans zu betrachten. Wenn man die Frage prüft, wie die geistigen Menschen zum E.V. stehen, so wird man zu dem Ergebnis kommen, daß wir unter ihnen an Boden verloren haben, besonders unter den Rabbinern rnifr Lehrern, den Frauen und in den Gemeindestuben. Tabei gibt cs feine grundsätzlichen Verschiedenheiten, sondern nur solche der Form und der Taktik. Die der Hauptversammlung überreichte Denkschrift der Jugendstchrer lxsitätigt ausdrücklich, daß wir das Deutschtum in der Tal haben und cs nicht immer im Munde zu führen brauchen. Es ist durchaus unwürdig, wenn wir bei jeder Gelegenheit betone» wollten, daß wir Deutsche sind. Redner fordert Disziplin in unseren Reihen und Gelienlasien der Meinung des anderen. Karl Roserrthat (Berlin): Besprochen werden muß die Methodik, die der E. B. in der Bearbeitung der öffentlichen Meinung einznschlagen hat. Insbesondere ist auf die Psychologie des A n t i s e in i 1t § m 113 in der S ch u l e cinznaehen, unter anderein darauf, ob das „Alte Testament" ans beut Reliai0n§unterricht der evangelischen und der katholischen Gemeinschaft verschwinden dürfe. Besondere Beachtung ist den verkappten M i s s i 0 n s b e st r e - b u n g e n entgegenznbringen. Auch muß ans die seelische Jugend not eingegangen werden. Es wäre an sich sehr schön, wenn alle Juden im E. B. wären, aber das ist nicht möglich, da nun einmal die weltanschaulichen Gegensätze bestehen. Man muß die j a l s ch e E i n st e 11 u 11 g bekämpfen, die von den Zionisten ausgeht, und die dahin geht, daß nur bei der Bekämpfung des Antisemitismus an Symptomen Herumkurieren. Mit Leuten, die dieser Einstellung huldigen, können wir nicht Zusammenarbeiten. Alles, was der E. D. getan hat, ist von zionistischer Seite radikal bekämpft worden. Man hat sogar unsere Methoden als lächerlich hingestellt.^ Solange das Nationaljudentum diese Einstellung nicht aufgibt, mühen wir es bekämpfen. Wenn wir dagegen kämpfen, so wird auch der G. V. blühen. Fctix Golbrnann (Leipzig): Viele von uns sind mit der Befürchtung in die Versammlung gegangen, daß sich die radikalen Ansichten überschlagen würden. Tas ist erfreulicherweise nicht geschehen. H 0 l l ä n d e r und B r 0 d n i tz haben in ihren 'außerordentlich bedeutsamen Referaten erklärt-, daß wir unseren Idealen treu zu bleiben haben. W teuer hat durch dort Zionismus besondere Kränkungen erfahren, nicht nur in Breslau sondern auch in Berlin. Der Zionismus tut alle kritischen Bemerkungen über Palästina mit der Behauptung ab, daß die betreffenden Kritiker keinen richtigen Einblick in die Verhältnisse gewonnen haben. Trotzdem muß in Einzelfällen von uns der Mu-t ausgebracht werden, mit den Zionisten in bestimmten Fragen zmannnenzuarboiten, da es sich doch 11m Leute handelt, die auch den jüdischen Rainen tragen. Tie Frage „Abwehr oder Gesinnung" wird bei uns viel zu Lies genommen. Warum muß das Ziel unserer praktischen Arbeit immer weltanschamingsmaßig verankert sein? Es ist noch' genug praktische Arbeit zn leisten. Wenn wir praktisch sind, werden wir auch imstande sein, einig zn sein. Hugo Faltcnhcim (Königsberg): Mit dem Zionismus kann es ein Paktieren nicht geben. Er schildert die hämische Rede, die Bmmenfeld bei einer Versammlung in Königsberg gehalten habe. Für den Eentralverein kann es nicht gleichgültig sein, ob Führer von ihm in Komitees eintreten. die den Palästinaansbau fördern. Ter Zionismus hat mit der Betonung des jüdischen Volkstums den Antisemiten Wasser auf ihre Mühlen geliefert. Wir haben die Verpflichtung zu bewnen, daß cs außer den Nationaljuden auch noch jüdische Deutsche gibt. Tie Zukunftssrage der bedrängten Ostjuden ist in ihren Heimatländern zn lösen, und nicht in Palästina. Unterstützt werden müssen die Bestrebungen der Ort-Gesellschaft. Erich Hirschberg (Oppeln) verliest eine Erklärung, die die Jugendkonferenz abgegeben hat und über die wir bereits an anderer Stelle berichtet haben. Redner verlangt Verständnis für die Ansichten der jungen Menschen. Die Jugend will die Einkehr einer neuen Gesinnung in dem E. V. Sie will jüdisches Leben, jüdisches Handeln und jüdische Wirklichkeit. Er wendet sich dann gegen die Ausführungen von Geiger, der an Stelle einer Denkgrundlage Disziplin gefordert hat. Die Resolution des Freistaates Sachsen ist für die Jugendunannehmbar. Bernstein (Chemnitz) hält eine Mstimmung über die Zionistenfrage für notwendig. Die Mitgliedschaft im P. P. K. ist mit den Zielen des E. D. unvereinbar. Weite Schichten des E. D. sind nicht mit der ASt und Weise zufrieden, wie seitens der Geschäftsleitung der Kampf gegen den Zionismus geführt wird. Wer den Weg dos P. P. K. geht, beschreitet den Weg des Zionismus. Rabbiner Dr. Lcbi (Mainz): Für einen ausgesprochenen E. B.er sind der Zionismus und die nationaljüdische Einstellung ab.znlohnen, desgleichen aber auch die Rücksichtnahme auf antisemitische Argumente. Ich fühle mich mit dem Deutschtum derartig verbunden, daß ich mich manchmal frage, ob die Zugehörigkeit zu einem Volke überhaupt noch von eigenem Willen abhängig ist. Ich £in es und wehe dem Antisemiten, der mir, dem süddeutschen Inden, mein Deutschtum abspricht! Man will zwar den Richtjnden die Förderung des Palästinaanfbans gestatten, den Inden aber nicht. Wir müssen uns in Palästina ein Feld suchen, ans dem wir auf unsere Art etwas leisten können. Was soll geschehen, wenn das Palüstinanwrk zusammenbricht und die Juden, die dort leben, ihr Lebenswerk vernichtet sehen? Ri an soll einem E. V.-Mitgliede nicht seinen Wert für unsere Bewegung absprechen, wenn es vom religiösen Standpunkt ans sich am Palästinaausban beteiligt. Pctzmr (Magdeburg) verlangt eine stärkere Betätigung innerhalb der den Juden freundlich gegenüberstohenden politischen Parteien. Erforderlich ist die Abgabe eines Bekenntnisses zur Republik und zu den Reichsfarbcu. Rur allzu viele von uns wollen in diesen Dingen neutral bleiben. Handelt es sich aber um die Erlämpfnug der Rechte, so stützen sie sich immer auf die Verfassung. Wir müssen ins Volk hineingehen, dann wird das Volk auch uns richtig erkennen. Erich Spitz (Breslau): Die Anträge Mecklenburg und Bernstein sind Sprengpulver für freit. E. V. Die Jugend verlangt Eint g 11 n g und keine Z e r s p l i H c v u n g des Judentums.. Paula Ottendors (Breslau) wünscht stärkere V e r ü cf* sichtigung der 3? rauen. Unter 110 Vorstandsmitgliedern be-