Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 7 (17.2.1928)
- Date
- 1928-02-17
- Page
- Seite 101 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2277379-2277781-2277788--04287-2284888- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Karl Löwcnsicitt (Llachcu): Wir sind lein Bereu, im üblichen , Vereinssinnc, sondern eine große und.gewnllige Ci'i^nnifat>on, die aus einer Weltanschauung beruht, die wiederum entscheidend beeinflußt wird von unserer Beziehung zur Umwelt. Diese unsere Beziehungen zur Umwelt will ich in die Werte kleiden: Deutschlands Wehl ist unser Wohl, Tentschlmids Unglück ist unser Unglück. In dieser Auffassung von unseren Bezichnngcn zur Umwelt besteht der suudamentale Unterschied zwischen vnS und der Weltanschauung der Zionisten. j Es gibt deshalb in diesen Frage» der Weltanschauung kein Zu- : sammcngehcn mit den Zionisten. s Leitung Tr. Hcrzfclv (Esscu). s Ludwig Focrdcr (Brcölau): Tie Ueberipitzung der Gegensätze, die sich aus der Beantwortung der Frage „Abwehrverein oder Gesiiinnngsverein" ergeben, bedaure ich. Ten.t'chtnm nnt> Judentum sind die Wurzeln unserer Weltanschauung. Was das Judentum anbetrifft, so haben wir bis jetzt lein positives Programm gefunden, sondern seststelleu müssen, das; es so viele jüdische Konfessionen gibt, daß sie nicht unter einen Hut zu bringen sind. Tie Frage der deu-tschen Gesinnung habe ich in meiner Tcukschrist berührt. In unserer Arbeit mit den staatlichen Behörden und Institutionen können wir mit Fragen der Gesinnung nicht arbeiten; sondern hier 101 gilt mir das g c f ch r t c b c u c N e ch t ltnb als oberstes Gesetz unsere Beichsversirssung. Gegenüber der Umwelt aber brauchen wir mehr. Was deutsche Gesinnung bedeutet, darüber besteht keine.Klarheit. Territorial sind wir, das ist sicher, eingebettet in das deutsche Bolk. Ob wir auch gesinnungsgemäß eingebettet sind, darüber werden wir weder vom subjektiven noch vom objektiven Standpunkt ans Einigkeit erzielen. Wir leben inmitten der deutschen Kultur, aber wir dürfen nicht vergehen, daß wir auch mit einer jüdischen Kultur Verbunden sind. Wenn gesagt worden ist, Misere Zukunft ist untrennbar verknüpft mit der deutschen Zutunst, so sage ich demgegenüber, das mag für die deutschen Juden gelten, aber nicht für das Judentum. Wir dürfen in unserem Bestrebe'.;, gleichartig zu seüw nicht so weit gehe;;, daß wir jüdische Werte ausg-ebcn. Wir münen zu der Ueberzenguug gelangen, daß wir nicht gleichartig sind, -wohl aber gleich m c r t i g. Teshalb heißt es: Auf Horen mit dem. Kampf gegen das Palästiuavverk. Nrrdolf (Hcigcr (Franksurt): Meiit Freund Strauß hat leider zu theoretisch gesprochen; wie weit die Ueberspitznng der Gegensätze gehen kann, haben nur eben schaudernd von Foerdcr vernommen. Ich bin ein Anhänger der Thesen Holländers und bin an dem Zusatz, den diese Thesen erfahren haben, tnitbeteiligt. Ich bin auch im Prolog zur Kundgebung des Centralvereins am 12. Februar 1928. Von Fritz Engel, Festliche Stunden Froher der Geist denn in Werktagspflicht! Freunde von fernher., duich nahe Gedanken verbunden, Schauen einender ins Angesicht, Sehen im Aug des andern des Licht Gleichen Fühlern und gleichen Entschluss, Immer regt und niemals zu stillen: Was uns vereint, ist freier Willen, Was uns vereint, ist ein hartes Muss/ Dies, in der Unruh\ gibt um auch Ruh: „D u denkst wie ich, — ich denke wie D u f* In aufschäumenden Lustbezirken! Fest ist Dienst am Ideal! F es t ist A r b e i i / F es l ist Wirken! Ist ein Tag zum Sichbesinnen, Ob wir recht auch noch in Glut sind, Ob die Waffen rein und gut sind Für den Kampf, den jeder Frist Wir im Zwang sind zu beginnen. Tag, an dem wir uns nicht brüsten. Weil der Sieg gewonnen ist. Tag, an dem n>ir uns frisch rüsten: Tag, v or allen andern Tagen, Der befiehlt, die Kraft zu schärfen, Und zu wägen, was wir wagen. Wenn wir uns entgegenwerfen. Dort steht der Feind Mit offenem Gehaben, Oder geduckt in heimlichem Graben, Mit Gewalt und mit Tücken, Uns vor der Stirne oder im Rücken, Leise Verleumder und laute Schreier, Sanfte Halb freunde im Tugendschlcicr, Kindische Schwärmer und AI issv erstehet, Rechtsbrecher und Rechtsverdreher, Schwätzer, und Hetzer, Neid gieriger Dürrling und feister Wanst — Und überall: Banner des H ass e s ist aufgepflanzt. Dort steht der Feind, vielfältig gespalten Und doch innig zusammengehalicn In geheimem Orden: Wollen an die Kehle uns! Wollen an die Seele uns! Wollen in um den Deutschen morden! Wir aber, während sie uns umlauern, Gegen uns fluten, gegen uns schleichen. Vorwärts stürmen und rückwärts weichen, Wir, inmitten des Kampfes Schauern, Pfeile empfangend und selber zielend, Immer neue Wunden kühlend. Wir horchen in der Notwehr Pein Auch in das eigene Herz hinein: Hier fliesst, im Tiefsten unseres Ich, Untrüglich $/<zr der Wahrheit Quelle, Und niemals täuschte sich, Wer hineingclauscht in diese Zelle. Hier ist um unser Selbst das H issen, Von keiner Irrung je entstellt. Von hier in Kampfes Finsternissen Das Licht, das uns den Weg erhellt. Hier rechnet nicht ein frostiger Kalkül, N ein, frei geboren, Und nie verloren Lebt flammenrein das Grundgefühl Für Dich, Du Land! Für Dich, Da Land, Di in unser Elternhaus erstand, Das unsre Werk- und Nährstall ist, Des unsrer Kinder Lehrstati ist. Der Weisheit Land, die unser eigen ward, Land, das uns edle Künste offenbart, Land, das uns schenkte so viel Lebensglück! Und wir, wir schenkten dankbar Dir zurück, Dein Bürgerrecht war uns ein Vorrecht nicht, Wir wussten auch um unsre Bürgerpflicht, Wir waren stolz mit Dir, da Du gestiegen, Und als der Schlachten Mine auf gezischt, Im Siegen und im Unterliegen Hat unser Blut mit Deinem sich gemischt. Wir trauerten mit Dir in dunklen Zeiten, Wir hofften mit Dir auf ein Vorwärisschreiien, Wir bauen mit, wenn Deine kräftige Hand Sich neue Zukunft will bereiten, Du deutsches Land! JTreue ihm zu geloben, Dünkt uns die festliche Stunde nicht schlecht, Und uns zu erproben, Das ist sein Recht. Aber in unserer Brust die Stimmen Wollen schweigen noch nicht und verglimmen, Sie sprachen noch von dem anderen Gut, Das in dem heiligen Erbe ruht Aus dem Gefilde hoher Ahnen. Sie sprechen und mahnen: Seid wachsam, dass auch dieser Schacht Der Treue und Liebe, die nie vergeht, Durch vier Jahrtausende bewacht. Euch unverschüttct offensteht! Seid glücklich, dass auch von dorther fliessl Reichtum, dess* Zins Eure Seele geniesst, Reichtum unsterblicher AIenschheitslehrc. Gesammelt in Zeiten uralt. In des Daseins mühsamer Schwere, An Eures Pfades jeglicher Kehre Stab Euch und Halt! Reichtum an Mahnung, die ewig quillt: Mench, so lange Du atmest auf Erden, In Gefährden, in Beschwerden, Bleibe, das Gute W'oIIcnd, Dem Schlechten grollend. Bleib* Deines Gottes E b c nMl d, FestlicheStunden! Zwiefach in Treue gebunden, Von zwei Hcrzensstränieu belebt, Von rwcr Genien umschwebt. Tragen wir stolz das Haupt, Niemals der Hoffnung beraubt. Allen, die uns zum Kampfe zwingen, Stolz und mutig entgegen. Nicht zaudern! Wir wollen uns regen! Wir wollen vollbringen! N ur woran Freiheit gl aub i. Dem wird erlaubt. Sie z u erringen ..,