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Central-Verein-Zeitung · 1928-02-17 · 7 (17.2.1928) · p. Seite 98

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
7 (17.2.1928)
Date
1928-02-17
Page
Seite 98 (sequence 6)
Language
German
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für noch ein kleines Sprachgebiet unter Hundertzen der allzu kleinen Sprachgebiete — wer'in solch einer kleinen Sprache arbeitet, der bleibt in Tausenden von Fällen der Kenntnis der grosmr^Trasse entzogen, lieber die Kteinsprachei; ist die Entwicklung der 'tzvcltwarischuft ja laugst himveggeglitteu, drei Viertes des Wirtschaftsverkehrs aus Erden wickeln sich in einer einzigen Sprache ab, in der englischen nämlich. £b die Möglichleit einer kleinasiatischen Sondereristenz gegeben ist oder nicht, ui) urteile an dieser stelle nicht darüber. — Als ich Walther Rarhcnan einmal nach seiner Meinung über dieses Erpcrinient fragte, sagte er: „Ob es gelingt, ich zweifle daran, aber eines ist sicher: 'Wenn sie dort pflügen, so wird es mit silbernen Pflügen geschehen." — Ich spreche keine Meinung über eine Verwirklichung ans, auch keine solche über die Frage des Seinwlleus. über die Frage, ob es denn überhaupt ein erstrebenswertes Ziel für beit Juden darstellt, so wie er in den letzten zwei Jahrtausenden geworden ist, in Massen Zur Handarbeit ans den Acker znrückznkehren, wo gleichzeitig die Mehrheit der übrigen Nationen vorerst von der Landarbert wegzieht: wo nur die am günstigsten gelegenen Landstriche in gar nicht allzu ferner Zeit der menschlichen Versorgung dienen werden, wahrscheinlich sogar unter Ausgabe eines Teils deZ. jetzt schon bebauten Landes. — Aber wer die Zahl dessen sich ansieht, was tmter enormen Opfern schließlich an wirklicher Besiedlung erreicht worden ist; wer ans dem Buch des Herrn Dr. Wiener die Tatsache sieht, daß die ganze landwirtsck-aftliche Kolonisation in Palästina bis jetzt insgesamt -30 000 jüdische Menschen ersaßt hat, während vor dem Weltkriege und vor der enormen Agitation etwa 20 000 ohnehin schon diesen ungemein schwer Zn bearbeitenden Boden bebauten, der muß doch sagen: Das sind von der lebenden jüdischen Menschheit noch lange nicht eins vom Tausend. Wir vermehren uns aber insgesamt immer noch nach Abzug der Todesfälle über die Geburten, jedes Jahr um mehrmals eins vorn Tausend — eine Heimstätte, solcher Art mag eine Hoffnung für ein fernes Ziel, vielleicht auch dann ein Rückhalt für Verfolgte werden, wenn England seine schützende Hand darüber halten will, aber eilte Lösung der Wirtschaftlichen Jndenfrage in der Welt, der wirtschaftlichen Jndcnnot im Osten Europas, im breiten Jlidengürtel des Ansiedürngsrahons, müßte schon ganz anders anssehen. Wenn überhaupt, so liegt in solchem Versuch eine Hossnung in einer recht fernen Zeit, in einer Zeit, die weit auch über die Lebensdauer der kommenden Generation itt ganz ferne Zukunft reicht und von der schon eins fraglich erscheint: Ob die Verwirklichung einer solchen Kleinexistenz eines politischen Sonderweseus überhaupt in der Liilie derjenigen Bahn liegt, die, lvenrr wir es recht sehen, die Menschheitsentwicklung eben jetzt einzuschlagen begonnen hat. Wir wissen nicht, ob, wenn diese Ent- Wicklung weitergeht. dieses Hossnnngsziel unserer Jugend von gestern überhaupt noch wünschenswert ist. Tie Gedankenwelt, in die diese Jugend eingesponnen worden ist, hat die Mauern der Abschließung, die von außen gegen sie errichtet wurden, von innen heraus sehr bedenklich verstärkt. Sie hat eine gewollte Abschließung in der VorstellnngZwelt dieser Jugend errichtet, eine selbstgesct)affene geistige Ghettomauer, die noch nachwirkt, wo die Anlässe der Jnflutionszeit geringer werden, wo die Spannungen an vielen Stellen fraglos wieder Nachlassen. Sie s i e h t W e s e n § unterschiede, w o höchstens E r z i e h li n g s li n Lorsch i e d e ihr die n i ch L j ü d i s ch e Umwelt entfremdet hatten; sie hält für blut mäßig verankerte Weltanschauung, was höchstens i n s l a t i o n i st i s ch e Gelda n s ch a u u n g w a r. Vor allem aber hat man sie nicht gelehrt, die Wirklichkeit zu sehen, in der wir leben, die Wirtschaft, in die unser wirkliches Tajcin eingebettet ist und die eben jetzt erstaunliche Wandlungen vollzieht. Man lehrt sie nicht die deutsche Wirtschaft zu sehen-, die europäische Wirtschaft, und in dieser wieder die wirklichen Eristenzgrnndlagen der ganz breiten Masse des jüdischen Stammes, die wirkliche Wirtschaft dieses Stammes, der in dieser europäisch-amerikanischen Allgemeinheit wichtige Funktionen seit anderthalb Jahrhunderten in zunehmendem Maße übernommen hat. Tenn auch dieses SchlagworL sollte unter uns einmal ein Gllde nehmen, als ob die übrigen Stämme der Nationen, unter denen die Juden als Staatsbürger wohnen und als Wirtschafter arbeiten, irgend so etwas wie ,,Wirtsvöller" darsiellten, bei denen wir Zu Gast wären und wo wir vielleicht noch, so geht ja die Vorstellung weiter, für diese Gastfreundschaft zu zahlen hätten — wenn nicht gar die Redensart vom parasitären Charakter der Arbeit, die die «triften von uns leisten, in unseren eigenen Reihen zustimmend nachgesprochen wird. Alle ernsthafte Wirtschaftslehre lehnt es heute aufs entschiedenste ab, den Handel, die Warenvermittlnng als parasitär zu bezeichnen. Ter Warenvertrieb ist genau so ein Stück der Produktion, wie es der Transport ist, oder die Versicherung, oder die Schaffung der Maschine für die Herstellung, und vorerst wird, soweit unser Blick reicht, diese Ausgabe im ganzen der Weltwirtschaft noch immer wichtiger, wächst sogar im Verhäcknis zu der Warenmenge zwangläusig die Zahl derer, die zur Verteilung notwendig sind, schneller als die Zahl derer, die zur Herstellung erfordert werden. Wenn aber in dieser Gruppe, in die jeder überall beliebig ein* treten kann, der Jude einen stärkeren Prozentsatz darstellt, so ist es eben deswegen, weil er in der Konkurrenz sich hat behaupten können, wert er für die Gesamtheit den besseren Dienst, wie die Amerikaner das nennen, den höheren Service leistet. Das große Ziel, das wir uns stellen müssen, heißt vielleicht in gar nicht ferner Zeit: Erhöhung unseres Wirkungsgrades, Erhöhung dieses wirtschaftlichen Dienstes an der Allgemeinheit durch Steigerung unserer Leistungskrast; das ist ein deutsches Ziel, zu dem Deutschland durch seine ganze Lage ohnehin gezwungen ist. Es ist ein deutsches Ziel, in dessen Durchführung die Kraft keines Bürgers entbehrt werden kann, und in dein die besonderen Fähigkeiten eines jeden Stammes wirksam eingesetzt werden sollten. Professor H i r s ch stellte dann die Frage, ans welcher Grundlage nun bie Wirtschaft des jüdischen Stammes in Deutschland beruhe. Auf diese außerordentlich wichtigen und gründlich fundierten Aussührungen kommen wir in der nächsten Nummer unserer Zeitung noch zurück. diltsOfjüBÖ öts §ÜlwlMikWZLs. Leitung Rechtsanwalt Dr. Geiger (Frankfurt a. MZ. Auf den Revinionsbericht von Za morst (Berlin) hin wurde dem Vorstand Entlastung erteilt. MMMOLMg. Rechtsanwalt Samoje, der Vorsitzende der Satzuugskommijsion, g:bt einen Ueberblick über den Satzuugscntwurs. der nach dreijährigen Verhandlungen der Hauptversammlung zur Genehmigung vorliegt. Er enthält folgende Neuregelungen: Einmal sieht er einen Ausschuß für das A u s s ch l u ß v e r f a h r o n vor. Während bisher die Entziehung der Mitgliedschaft durch Beschluß des Hauptvorstandcs zu erfolgenhatte — übrigens ist der Fall nie praktisch geworden —, erfolgt sie nach den neuen Satzungen durch einen Ausschuß, der aus nenn vom Hanptvorstande zu wählenden Mitgliedern besteht. Sodann sieht der Entwnrs als wesentlichste Neuerung die Einrichtung des „Arbeitsansschnches" vor. Da der Hauptvorstand, dessen Mitglieder in den verschiedensten Gegenden des Reiches ihren Wohnsitz haben, ans diesem Grunde bisher meist nur zweimal im Jahre vollzätstigzusammentreten konnte, waren die übrigen Hauptvorstandssitzungen vorwiegend Zusammenkünfte der Berliner Hauptvorstandsmitglieder. Nach der Neuordnung wird künftig der Hauptvorstand die Fragen der Gcsamtpolitik des Vereins hauptsächlich zu beraten und zu beschließen haben: die Arbeit im einzelnen wird vom Arbeitsaus* s ch ii ß geleistet werden. Er setzt sich aus 25 Mitgliedern des Hauptvorstandes zusammen, von denen 10 in Berlin, 15 außerhalb ihren Wohnsitz haben müssen. Der Arbeitsausschuß tritt mindestens zweimal im Jahre außerhalb der übrigen Hauptvorstandssitzungen zusammen. Zwischen den Sitzungen des Hauptvorstandes stehen dessen Besugnisie dem Arbeitsausschuß zu. Schließlich trifft die neue Satzung Bestimmungen über die Geschästssnhrnug, die dem Vorsitzenden itnb dem Direktor zu steht. Bei Nieimmgsvcrschiedeuheitcil zwischen beiden wird die Entscheidung gemeinsam von dem Vorsitzendem, seinen Stellvertretern wwb dem Direktor getroffen. Der Satzuugscutwurf wurde mit geringen Abänderungen angenommen. Von Wichtigkeit ist die s a tz u n g s m ä ß i g e E i n - s e tz u n g eines Ingendau § s ch u s s e s. Den Mitgliedern, des HauptvorstandeS wurde das Recht eingeräumt, von den Sitzungstermineu des Hanptansschnfses benachrichtigt und von den Beschlüssen in Kenntnis gesetzt zu werden. # Abäuderungswü11sche, die vor allem-die Wahl der Hauptvorstandsmitglieder durch die Landesverbände verlangten, wahrend nach der Satzung die Hauptversammlung den Hauptvorstand wählt, fanden keine Zustimmung, so daß es bei dem bisher bewährten Wahlmodus verbleibt. Die Abänderung der Satzung wurde m i t der notwendige n Zweidrittelmehrheit b e - i ch l o s j e >,. Nach längerer Geschäslsordnungsdebatte wird in den Punkt 7 der Tagesordnung: NtumU des MchanheZ eingetreten. Leitung Dr. Bruno Weil (Berlin). John Wcrthcimcr (Berlin) berichtet über die Arbeiten des Wahlausschusses. Die gesamten Vorschläge des Wahlausschusses werden angenommen. Die neue Zusammensetzung des Hauptvorstandes wird ans Seite 104 dieser Nummer besanntgcgebentz

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