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Central-Verein-Zeitung · 1928-02-17 · 7 (17.2.1928) · p. Seite 99

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
7 (17.2.1928)
Date
1928-02-17
Page
Seite 99 (sequence 7)
Language
German
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Leitung- Instizrat Gallrnger (Nürnberg) imki\ Aon M §r. Li-ZWtz KM Tie Themastellung „Abwehrverein oder Gesimlnngöverein" sei ungenau, da an sich ein Abwehrverein durchaus Gcstnmmgsverein fein könne. Sie sei gewählt worden, weil man mit dieser Gegenüberstellung einen gewitzen Vorstellnngstompler verbinde, von dem inan bei der Betrachtung auszugehen habe. Es handele sich darum, ob unsere Aufgabe lediglich diejenige politische Tätigkeit sein solle, die notwendig ist, um gegenwärtige oder Zukünftige Angriffe ans die gesetzlich festgelegte Gleichberechtigung der Juden ^abzuwehren, das heißt Aenderungen oder Verletzungen der Verfassung entgegenzutreten, oder ob sie darin bestehen solle, tief einzudringeu in die deutsche Volksseele und auf dein Wege der Durchdringung der deutschen Volksseele durch die Verwirklichung unserer Ideale die große deutsche Volksgemeinschaft und damit den Frieden im deutschen- Vaterlande herznstellen. Tie Frage mü|ie nach folgenden Gesichtspunkten erörtert werden: 1. Was lehrt die Entwicklungsgeschichte des C. V? 2. Welches ist der genaue Inhalt des Problems, insbesondere: wie ist politische Tätigkeit ohne jede Stellungnahme 31t den Grundfragen unserer Gesinnung möglich? Ans der Entwicklungsgeschichte des G. V. gehe hervor, daß der G. V. ohne jede wertlose Beteuerung auf die nnbeirrte Pflege deutscher Gesinnung von jeher entscheidenden Wert gelegt habe. Tie Zweite Frage sei zu bejahen in bezug ans Angriffe elementarer Art gegen 2) die verfassungsmäßige Gleichberechtigung, [ b) die Sicherheit des jüdischen Lebens. Eine darüber hinausgehende Tätigkeit sei ohne Erörterung vorhandener Gesinnungsprobleme nicht möglich, weil es sich darum handle, einen tieferen Einblick in die Volksseele zu gewinnen und die Stellung des jüdischen Deutschen im Gesamtvolk maßgebend zu beeinflnssen. Denn man mütze darüber klar sein, daß zwei große Komplexe zu unterscheiden sind: 1. Tie Stellung der Staatsgewalt in formaler und materieller Beziehung zu den Juden in bezug auf die dl u s f ü hrung der bestehenden Gesetze und Verordnungen. Nach dieser Richtung hin sei sehr vieles erreicht. 2. Die st i m m u n g s g e m ä ß e E i n st e l l u n g des G e - samtvolkes ebenso wie feiner Teile in bezug auf die Wertigkeit d e s j ü d i f ch e n D e u t s ch e n im Staats- und Volksganzen. Hier sei noch beinahe alles zu erledigen. Diese Frage sehe eine Beantwortung der Frage: „Was bin ich?" voraus. „Wie stehe ich zu den Lebensfragen von Volk und Staat?" Hier [ei_ nur eine* möglich: ich bekenne mich als Teil des Gesamtvolkes, erkläre, daß ich stammesgemäß von ihm geschieden. stummes- und religionsgemäß eine eigene Grundlage besitze, daß ich aber diese Verschiedenheit als fiir den Aufbau der gesamten Zukunft für unerheblich erachte, und daß ich für mich und meine jüdische Gemeinschaft eine Identität der Zukunft mit meinem Eesamtvolk für unbedingt und' notwendig gegeben ansehe. Nach einem Ueberblick über verschiedene literarische Erscheinungen der Emanzipationsgeschichte der deutschen Juden in verschiedenen Ländern stellt Tr. Holländer fest, daß überall die Beibehaltung der 8! e l i g i 0 n als 'Voraussetzung der Emanzipation empfunden wurde. Im Gegenteil, Voraussetzung der Emanzipation sei überall die Ausgabe dir jüdischen Nationalität gewesen, ^Aber wir müssen uns davor hüten, anznnehmen, daß der Begriff Glaubensbekenntnis den Gesamtinhalt des Judentums erschöpfe. Tie Gleichung Judentum gleich Glaubensbekenntnis stimme nicht. Tas Judentum sci eine außerordentlich komplizierte, auf Grund verschiedenartigster geschichtlicher Einwirkungen in seinen einzelnen Gliedern schillernde Gemeinschaft. Wer das Judentum erhalten wolle, und wer für das Judentum eintreten wolle, müsse sich zunächst einmal über seine grundlegende Einstellung und seine gefühlsmäßige Struktur als Jude im klaren sein. Wer aus Grund seiner Persönlichen Einstellung die aus uralter Zeit stannnendeu Bolkskräste dcs Judentums lebendig halten wolle, gehe seinen Weg als Nationaljude. Sein Judentum aber sei scharf getrennt von der Auffassung desjenigen Juden, der sich als unlösliches Glied des deutschen Volles fühle. Wenn ich den Judenhaß bekämpfen Null, nniß ich mich entscheiden, ob ich ihn bekämpfen will als Nationaljude oder als i m l i c f ft c n deutsch bewußter I n d e. Wer sich als innerlich dem Deutschtum verbundener Volksgenosie fühle, müsse jede Bestrebung zur Ausstoßung aus dem dentscl^n V 0 l k e als feindselige Bestrebung anschen. Für einen solchen Inden sei eine sogenannte neutrale Abwehrorganisation unmöglich, eie sei al>cr.' auch unmöglich für die Nationaljudcn. Auf die Frage: Welches ist unser inneres Verhältnis zur derrtschen Volksseele und welches ist ihr Verhältnis zu uns, gebe cs nur eine Antwort: entweder im Sinne des deutsch fühlenden Juden oder im Sinne des Nationaljudcn; Kompromisse in diesen innersten Gefühls- und Gewisscnsfragcrr gebe es nicht» (5s sci auch unmöglich, eine Organisation aufzubauen und zu erhalten, die beiden Prinzipien gerecht werde. Niemals werde es gelingen, ohne Entscheidung der Frage: Nationaldeutsch oder jüdnchnational? diese unbedingte Fühlungnahme mit der deutschen Volksseele und damit die Durchsetzung wahrer Gleick)- üüü i/|! i {r iy ‘?!• fjjb (k\'\U Hilf,! Dr. NorLsrt Ansteln EtkfW düE, Ehndikus des Verkan-cs Seuischer Waren- und Kaufhäuser Dr. LuLlvlg ANnher, s-rekl-r des S.V. AttUr SKivkklM, Vorsitzender der E.S.V. Handelsschülern! im Werner »Siemens» Realgymnasium Hohenstaufen« Ecke JNünchener Siraste am Dienstag, den 28. Februar 1628 oben ds 8!lh r. 3n der uSspra cl> c werden u. a. das Work nehinen: Airekts? Ass Wokrg Seiriedsleiler NI der ALL 0Cli!f| AUchIM, kauslnSnnjsche Angesiellke 6Ur)Ü! Handelshochschüler 8)lLW8k§i§ Vorsitzende der Zlrauenzruppen Sroß-SerlittS des E. V. Groß-Berliner Mitglieder m\b Frermde! L»altet Euch diesen Tldend frei! Es geht urn Sein oder Nichtsein des jüdischen Mittelstandes. S. A.: Ar. Ckephan CltiOürlsr Volsitzclider der Ortsgruppe Schöucberg des Landesverbandes Groß-Berlin.

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