Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 7 (17.2.1928)
- Date
- 1928-02-17
- Page
- Seite 96 (sequence 4)
- Language
- German
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Unfct Freund Norbert (? i 1: ft c i n bat in ben kctzicu >ii>ci Jab reu übet ICO 3?etiammliniacn abgchalten, in baten cr die Dciclitinfcit der Vc^cnbc vom internationalen jüdischen Kapiialismus trcisend aufgezcigt bat. lstpere Führer Drodnitz, Holländer, Veil. Goldstern, Goldmann, um nur diele zu nennen, haben in zahlreichen Vcrsairimüiiwerr sachgerechte Aufklürunn verbreitet, unsere uichtjüdifchcn Freunde wie Professor Triclch von der leipziger Universität, Aster von der Giestener llniversttat, Nölting von der Akademie der Arbeit in Frankfurt, Pfarrer Qartmaun (Solingen), .liegrerungsrat Dr. SteigerFBerlin) und viele andere haben uns in unserem gerechten Kampf geholfen. Wir haben die genauesten A n Weisungen, um die grösste Ausnutzung jeder Versammlung zu gewährleisten, den Landesverbänden und Ortsgruppen übermittelt, und so erscheinen über alle Versammlungen mit Nichtjuden in der P r e s s e der in Frage kommenden Stadt umfassende- Berichte, so daß Zehntausende und aber Zehntausende erneut mit dem Inhalt der Versammlung bekannt gemacht wurden. Als wichtigstes Instrument der gedruckten Aufklärung unter den Nichtjudcn hat sich die Moriatsausgabe der „E. V. - Zeitung" in immer steigendem Maste entwickelt. Fs ist eine Freude, tägliech zu erleben, wie ernsthafte Nichtjuden der verschiedensten Parteirichtungen, die Leser der Monatsausgabe find, an uns mit den verschiedensten Anliegen herantrctcn und oft uns helfen und beraten. In den meisten Fällen Persönlichkeiten, die ohne Veranlassung unserer Freunde aus Interesse zur Sache sich melden. An Zahl der Bezieher unter den Landesverbänden stehen der L.-B. Freistaat Sachsen mit 14 250 Beziehern und L.-V. Bayern mit 8821 Beziehern an der Spitze. Einen wichtigen Dienst am Volke leistet uns „Ter Morgen"' unseres Freundes Professor G o l d st e i n. Er hat sich seinen Platz in akademischen Kreisen, die sich scheuen, Versammlungen zu besuchen oder Kampsbücher zu lesen, erobert. 3000 Abonnenten sind um ihn geschart. Zahlreiche Exemplare gehen in Bibliotheken oder kostenlos an christliche Persönlichkeiten. „Ter Morgen" leitet zu seinem Verlage, dem Philo Verlag, der speziellen Gründung des C. V.. über. Wir wissen alle, wie schwer es ist, den nichtjüdischen Buchhandel für Bücher, die mit Juden oder Judentum zu tun haben, zu interessieren. Ter Philo Verlag hat in diesen Wall der Ablehnung eine starke Bresche geschlagen. Er arbeitet heute mit zirka 70 0 Buchhandlungen. In den letzten beiden Jahren hat er 2 8 neue Verlags werke herausgebracht in einer Auslagenhöhe von 33 500 Exemplaren. Damit ist aber die Zahl der vom E. V. unterstützten Derlagswerke bei weitem nicht erschöpft. Wir haben eine bcachtenswerte Anzahl wichtiger Verlagscrschcinungen auch in anderen Verlagen gefördert. Wir beklagen besonders, daß unsere Aufklärungsschriften oft in den Landesverbänden stecken bleiben und zu wenig in Ortsgruppen hineingelangen. Wir beklagen, daß viele Ortsgruppenleiter die Schriften zum Verstauben in die Büä-erschränke stellen und nicht einmal im Vorstand ihrer Gruppen, geschweige denn in der Stadt selbst die Verbreitung der Schrift betreiben. Unsere Aufklärungsarbeit in Wort und Schrist leitet über zur Aufklärungsarbeit für den zu erwartenden großen Wahlkampf. Nach klaren Nichtlinien haben wir unsere Vorbereitung zu den Wahlkämpfen unternommen und im wesentlichen abgeschlossen. Ist hiermit über die Aufklärung durch das gesprochene und gedruckte Wort vieles, aber noch lange nicht Erschöpfendes gesagt worden, so muß hervorgehoben werden, daß diese unsere Leistung keinen gediegenen Unterbau hat, fühlt sich nicht jeder deutsche Jude sittlich verpflichtet, durch sein ganzes Sein, durch seine Einstellung zu den Problemen Judentum und Vaterland durch feinen unter diesem Stern zu führenden Lebenswandel das beste Beispiel mit der zwangläusigen Wirkung tiefgehender Aufklärung zu geben. Daher muß hier, wie oft schon, mit allem Ernste gesagt werden, es geht nicht an, daß sich die d e u t s ch e n Juden mehr und mehr aus der Mitarbeit mit Nichtjuden in Verwaltungen und in Vereinen zurückziehen. Es ist schon ein fast banales Argument, anzusührcn. dort, wo ein ausrechter Jude vorhanden ist und mit Nichtjuden zusammen zum Wohl der Stadt und des Vaterlandes arbeitet, habe es die Judengegnerschaft schwer, aufzukommen. So berechtigt, verständlich und erfreulich es ist, daß sich unsere Zeit weit mehr als bisher mit jüdischen Problemen, mit jüdischer Wissenschaft, mit jüdischen Vereinsangelegcnheiteu beschäftigt, so darf anderseits nie übersehen werden, daß tuj r als Teil des deutschen Volkes d i e P f l i ch t u n d ch u l d i g k e i t ha ben , m i L z u n r b e i t e n mit nichtjüdischen Volksgenossen an allen Bestrebungen, diedasWohl des Vater! andesoderder Vater st a d L fördern. Die. die Aufklärung ins deutsche Volk tragen und die Organisation, Lie^diese Aufklärung im großen auf ihre Fahne geschrieben hat, muß sie betreiben, indem sie m i t w a r m c m H erze n alles fördert, was zur Aufklärung über das deutsche Judentum dienen kann. Wie können wir die Angriffe gegen das jüdische Schrifttum, gegen, die Bibel, gegen den Talmud, gegen den Schulchan Aruch, gegen das Schächten und andere Dinge parieren, wenn wir selbst nicht gründlich wissen, was wir verteidigen? Es ist nicht ohne Sinn, daß zum Begriff jüdischer Gottesfurcht und jüdischer GotteSerkenntnis das „Lernen" gehört. Tns „Lernen" im engen und üu weiteren Ansmaß müssen auch wir als unsere Aufgabe, unser Judentum zu verteidigen, ansehen und in jeder Richtung unterstützen. Eine der eigenartigsten Entdeckungen blüht dem Ncligionsforscher, wenn er sich mit dem Judentum und auch im gewissen Sinne mit dem Islam beschäftigt und sieht, wie im Judentum vor allem die Hochachtung des Wissens, die M acht und der Segen d e r E r k e n n t n i 8 gepriesen wird. Und es ist eine der merkwürdigsten und charakteristischsten Tatsachen, das; in unserem heiligsten Gebet, de m Scho m o :t a <5:8 re, sich ein Preis des Verstandes, ein Segen der Vernunft, ein Lob des Wissens befindet. Durchtränkt von dem Werte dieser Gedankengänge ist der Eentralverein in den letzten Jahren mehr und mehr dahin gekommen, nicht nur in seinen Versammlungen solche Forderungen aus zu stellen, sondern dafür eiuzutreteu, daß der Philo Verlag und andere Verlage wertvolle Werke über Juden und Judentum veröffentlichen. Die Jugend wird in noch stärkerem Maße zu uns kommen, wenn wir zeigen, daß bei allem Stolz aus unser deutsches Volk und unsere deutsche Vergangenheit unser Judentum nicht etwa, wie hämische Veden behaupten, in der Mitgliedskarte oft beschlossen liegt. Wir wollen auch dafür Sorge tragen, daß die Heranwachsende Generation, die Träger solcher lebendigen Gedanken, nicht außerhalb der Tore, die in die innersten Gemächer des Vereins führen, stehen. Genau so wie die zionistische Organisation ist anch der E. B. durch sein mehr als dreißigjähriges Bestehen in das Alter der Fünfziger und darüber gekommen. Mancher unserer Freunde in Berlin und im Lande, die selbst als jugendliche Stürmer in den Verein der neunziger Jahre eingetreten sind, die heute in wichtigen Aemtern und Würden stehen, wollen aus allzu großem Verantwortungsgefühl und aus allzu großer Aengstlichkeit heraus der jungen Generation, die in derselben Lage ist, wie sie damals in den neunziger Jahren, die Tore nicht genug öffnen. Wir aber sagen: Herein mit dev jungen Generation, herein auch mit den Frauen mehr als bisher in unseren Verein. llnd dann ein ernstes Wort: Gewinnt uns weit mehr als bisher die Söhne und Töchter unserer Freunde als vollberechtigte Mitglieder. Denkt überhaupt weit stärker als bis jetzt au die Mitglied e r w e r b u n g : Die Finanzgebarung, die Abrechnung mit Landesverbünden und der Zentrale führt oft zu einer Streichung von Mitgliedern und zur Gleichgültigkeit gegen diese. Wir müssen um jedes Mitglied kämpfen. Wir dürfen keines ohne zwingende Not ziehen lassen. Ist auch der C. V. nach wie vor die an Mitgliederzahl weitaus größte Organisation der deutschen Jndenheit, so müssen wir täglich) daraus hinarbeiten, ihren Mitgliederstand zu vermehren. Das gilt ganz besonders für die G r o tz st ä d t e , wo noch viele, die uns gesinnungsmäßig nahestchen, in unseren Reihen fehlen. Wir brauchen neue MiLgttcdev als moralische Kampftruppen; wir brauchen sie als finanzielle Stützen: denn gewaltig sind trotz aller Leistungen in den letzten Jahren die Aufgaben, die vor uns liegen. In der Schülertragödie, die sich jetzt vor den Berliner Gerichten abrollt, ist das Wort rasscnmäßig mehr als einmal gefallen. Das gemahnt uns an unsere Pflicht, Aufklärung in die Schulen in weitaus größerem Maßstabe zu tragen. Neben der Monatsausgabe der „C. V. - Zeitung" ist eine Monatsschrift für Schüler und studierende in geeigneter Aufmachung eine Forderung des Tages. Wir müssen die Arbeit an der Erwachsenengeneration weitaus verfeinern und aus manche der beachtlichen Vorschläge cingehen, die unser Freund M a r c u s (Breslau) so eindringlich uns vorgetragen hat. Rundfunk und Film haben uns große Arbeitsgebiete ansgezeigt. Wir müßten in ganz anderem Maßstabe als bisher in die Lage versetzt sein, Werke anzuregcn oder zu fördern, die die Erkenntnis des deutschen Judentums vorwärts treiben. Werke nationalökononnscher, soziologischer 'Art, die dem Vordringen der völkischen Lehre von der straße ZUM Katbeder ein unpolitisches nnd darum um so wirksameres Paroli ZU bictcn imstande sind. Wie dringend die Aufklärung für das flache Land auszubauen ist. das zu erörtern ist überslüssig. Die Not der deutschen Landwirtschaft steht zweifelsfrei da, und schon pochen die radikalen Aufwühlcr an die Pforten der Eutshöse. So stehen großartige und gewaltige Ausgaben im freien Spiel der Kräfte noch vor uns. Nur st e t e s Arbeiten an uns selbst, nur stete Erneuerung, nur stetes Suchen und Tasten nach Vervollkommnung auf der unverrückbaren Grundlage von Deutschtum und Judentum bringt uns weiter. Die wahrhaftige Aufklärung ist keine Frage der Oberflächlichkeit. des billigen Papierdruckes, der Tage und Stunden. Sie ist eine Frage, die den ganzen Menschen bis in seine Tiefe hinein für Jahre beansprucht. Finanzbericht, erstattet von Oscar Hermann, Vorsitzendem des Verwaltttugsattsschttsico des (5. V. Dr. Wiener hat Ihnen soeben den Geschäftsbericht über die Arbeit des Eentralvcreins in den letzten zwei Jahren erstattet. Die Fülle der Tatsachen hat Sie auf das lebhafteste interessiert. Aber Sic werden dem Geschäftsbericht nur dann in vollem Umfange gcrcwt, wenn »»ie die Kehrseite betrachten nnd sich fragen, reichen die Buttel des Vereins, um alle Maßnahmen ohne finanzielle Hemmungen durchzuführen, mußte nicht diese oder jene wichtige Aktion ungetan, das eine oder andere bedeutungsvolle Manuskript unvcrwcndet bleiben, weil die Mittel fehlten? Alles, was der Verein tut, kostet Geld. Er ist dazu geschaffen, Geld auszugeben, und was ihm indirekt durch seine Tätigkeit an Geldern zufließt, wird in den Strom der Ausgaben hiueingelcitet. D^rß die Verwendung der Gelder mit höchster Zweckmäßigkeit unter genauester Abwägung aller in Betracht kommenden Bedingungen erfolgt, daß die