Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 7 (17.2.1928)
- Date
- 1928-02-17
- Page
- Seite 95 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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45 OjCiicn btc bec Kinder aull bcti Sibülca mit ausgezeichnelenr Erst- Iße wende, ti'nrn e verlangen daß j c d e j u d i s ch e Ai u1t e r i n fei: n c R ciften c i n t r e t e. Wer iii-Jn Mitglied des ( 5. Vfei, NN! ist NW den Vorwurf der ur..\ n'-echtfetiii sten Dereicherun g mache::! .llstn. tollt er. ebne selbst rnitnno irken. W; Mückle der Arck llt des E. ll für oll ( llesamthett gcuic Dr. Ludwig Haas, M. d . R. (.Havivruijc): Ubir stellen als Juden eiue einzigo Form dar, die luiv als Tonische nicht bilden. Wir brauchen in Deutschland religiösen Frieden, der durch voissonfchastliche Nnssentheorien nicht iVftort werden dürfe. (js ift eine zynische Frechheit 311 wharwlen. das', die nordischen Stämme in Deutschland bester sind Paula Ollendorf (Breslau) als die östlichen und südlichen. Wir brauchen auch den sozialen vrwd-n, wenn die Wirtschaft in Tcutschland gesunden soll. Uns deutsche Juden interessiert mehr der untere und mittlere Teil der deutschen Bevölkerung, als die Wirtschaftsspitzen. Wir gehören zum guten Teil dem Mittelstarke an, der durch die Jnslatlln zu einem guten Prozentsatz verarmt ist. Unter dem Dawes-Plan, der jüdi'ch.cs Teuselswerk sein soll, leiden die deutschen Juden genau so wie irre christlichen Mitbürger. Nuist der kann ein guter Deutscher fein, der sich seiner Abstammung nicht schämt. Rechtsanwalt Dr. Bruno Werl (Berlin) lretft in feinem Schlußwort darauf hin, daß nach dem Kriege die Bekämpfung des Judenhasses viel schwerer geworden sei als vor dem Kriege. Es handle sich nicht mehr darum, ob der Jude beüer oder schlechter sei. sondern die phantastischen Rassenlehren bt* haupten, der deutsche Jude sei anders und deshalb schlechter.^ ^Der Versuch der Reinrassigen, aus Borlum eine Insel der Gluckseligen zu machen, sei elendiglich gescheitert, wie jeder habe erkennen können, der dem Borkum-Prozeß beigewohnt habe. Ob der deutsche^Jude Glaube oder Heimat mehr liebe, sei eine ebenso müßige Frage wie die an ein Kind, ob es den Vater oder die Mutter mehr liebe. Vollwertige Deutsche und gute Juden sei die Parole des (5. V., mit der er siegen werde, wenn alle deutschen Inden ihm wie bisher treue Gefolgschaft leisten. § 'MMM \m\l 'Vfv« ßiWÄ. w mv-m* i? U};tu f; m:- :■} Iustizrat Brodui tz eröfsnete die Hauptversammlung mit herzlichen Worten der Begrüßung an die Abgeordneten des Vereins. Jede Hauptversammlung mit ihren Hunderten von Teilnehmern bestätige von neuem die Richtigkeit der Einrichtung einer allgemeinen Hauptversammlung des Vereins. Die Bedeutung dieser Tagungen für den Zusammenhalt im Verein und für die Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls zwischen den Landesverbänden und den Ortsgruppen erweise sich stets von neuem. T-or Vorsitzende machte sodann die Mitteilung, das; außer den anwesenden Stellvertretern des Vorsitzenden (Oscar H eimann, Rechtsanwalt Dr. Geiger, Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil) noch die Herren Justizrat Gallingcr (Nürnberg) und Rechtsanwalt Dr. Herzfeld (Essen) für das Präsidium der Tagung in Vorschlags gebracht worden seien. Der Vorsitzende stellte die einmütige Zustimmung der Hauptversammlung zu diesem Vorschläge fest. Sodann gedenkt der Vorsitzende, während sich die Abgeordneten der Hauptversammlung von ihren Plätzen erheben, der Toten der vergangenen Jahre, an ihrer Spitze unserer unvergeßlichen Führer Hugo Sonnenfeld und Paul N a t h a n. Er würdigte dann warm die Verdienste Bernhard Breslauers, dessen Hinscheiden soeben bekannt geworden sei, um das deutsche Judentum. EeMWmHi, erstattet von R. Alfred Wiener, Etznöikus be§ S.B. Die Verfassung des Deutschen Reiches vonr 11. August 1919 enthält in ihrem ersten Artikel den monumentalen Satz: „Die Staatsgewalt geht vom Bolle ans." Dieser Ausspruch stellt einen der schärfsten Unterschiede von dem Deutschland der Vorkriegszeit dar. Nicht von oben nach unten sott ein neues Deutschland regiert werden. Das höchste Grundgebot will, daß die Staatsmacht sich von unten her nach oben hin formt. Damit ergibt sich für die Tätigkeit unseres E. D. ein Wesentliches. Sticht mit Eingaben, nicht mit Beschwerden, die von oben nach unten laufen, werden wir, so unentbehrlich diese hier und da auch sein mögen, das Entscheidende in unserem Kampfe erreichen, sticht in Abwehr nach Geschehenem werden wir letzten Endes, so oft diese Abwehr auch geboten ist, unsere gute Sache erfolgreich führen. Rechtzeitig werden wir ans dem Plan sein müssen, in sorgfältigster, nervenloser Beobachtung die Z e i t st r ö m u n g erkennen und mit allen gediegenen Mitteln der Aufklärung dem Träger der deutschen Staatsgewalt und der öffentlichen Meinung, dein Volk in allen seinetl Schichten und Klassen das wahre Bild dos Inden und Judentums vor Augen führen. Das war die letzten beiden Jahre, das ist und wird die vornehmste Aufgabe unserer Arbeit sein. D a 8 Z e i t a l t e r d e r V e s ch w e r d e h a t s e i n e P s o r t e tl geschlossen. Das f r e i e S p i e l f r e i e r M c i n u n g, ihrer D n r ch s e tz n n g 8 m ö g l i ch k e i t und ihrer Durchsetzungs kraft ist da. So ist unser Kamps viel b e s eh w e r l i ch e v , viel komplizierter. aber auch großzügiger und Kräfte entwickelnder denn je geworden. Er erfordert Männer und Frauen, die soziologisch und nationalökonomisch geschult sind, die politische Instinkte" besitzen, die Kenntnisse vorn Judentum mitbringen und die einen tüchtigen Schuß der „Wissenschaft vom Tage", des Journalismus, im Blute fühlen. Wche, wenn diesem A u f k l a r u n g 8 k a m p s, dem neuen „K u l t u r k a m p f", wie Ludwig Holländer treffend sagt, es an E l a sti z i t ä t gebricht. Wehe, wenn er Oureau* kratisch eingeengt wird oder gar die Meinung aufkommt, er könne behördlich vom grünen Tisch aus geführt werden. Nur ein freier Verein mit gewaltiger Erfahrung, mit unabhängigen Männern kann, das meiste mit Aussicht auf einen gesegneten Ausgang wagen. Hat der E. V. diese wichtigste Aufgabe in den letzten Jahren verfolgt? Vor Ihnen, den Vertretern und Vertreterinnen aus dem großen dentfchen Vaterlande. liegt ein Geschäftsbericht im Umfange von 126 Leiten. Er berichtet sorgfältig über die wichtigsten Einzelheiten, und trotz seines Umfanges kann er nur kiner? Bruchteil unserer Arbeit IUncn verkünden. Diel wertvolle Arbeit, vielleicht die entscheidendste, kann nicht in dieser ansehnlichen Versammlung vorgetragen werden, wett sie noch zu sehr in der Gegenwart steckt, noch zu wenig in Geschichte, d. h. in ein Jenseits von Gur und Düse, eingegangen ist. Aus drei W e g e n ist vernicht worden, in die Massen des demschen Volkes und in ihre Führer Aufklärung über Juden und Judentum hinllnzntragen. Ter erste Weg: Das gesprochene Wort: der zweite Weg: Das g e d r u ck t e W o r t; der dritte Weg: D i e t a d e l l o s e L c i fr u n o eines jeden einzelnen Juden. Das gesprochene Wort: Hunderte von Auftlärungsvcrsammtungcn, durchaus oder teilweise kür Nichtjuden bestimmt, sind ahgehalten worden. Ihre Tendenz war. keine dernagogisä^e, sondern wissenschaftliche, stichhaltige, sachliche Ansklmungsarbeit zu leisten. Generalintendant Professor Chefredakteur Bcopold Jcssner. Georg Bernhard. Gezeichnet von Epstein.